mini|Schloss Illmau im Winter
Schloss Illmau, auch Ilmenau genannt,Pfarrer Leopold Bittermann: Beiträge zur Geschichte der Pfarre Kautzen. S. 4. liegt in der Marktgemeinde Kautzen im Bezirk Waidhofen an der Thaya im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Es wurde erstmals 1337 urkundlich genannt und war als Wasserburg Teil der Verteidigungsanlagen an der Nordgrenze des Herzogtums Österreich gegen Böhmen. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut. Dem seit dem 17. Jahrhundert durch die Nutzung als Wirtschaftsgebäude und später als Schüttkasten eingetretenen Verfall wurde erst in den letzten Jahrzehnten Einhalt geboten. Obwohl von geringer historischer und architektonischer Bedeutung, erlaubt die Geschichte der Herrschaft Illmau Einblicke in die lokalen sozialen Verhältnisse. Die Besitzgeschichte weist unvermutete Berührungspunkte mit der Landesgeschichte auf. Das Schloss ist derzeit in Privatbesitz und für Besucher nicht zugänglich.
Lage Schloss Illmau liegt in der Marktgemeinde Kautzen im Bezirk Waidhofen an der Thaya im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich unweit des historischen Dreiländerecks Österreich, Böhmen und Mähren in der heutigen Republik Österreich. Der Ort Illmau war eine eigenständige Gemeinde, die sich 1965 der Marktgemeinde Kautzen anschloss.Franz Fraißl: Das Werden der Großgemeinde Kautzen 1938–1988. Marktgemeinde Kautzen, 1988, S. 43.
Die Lage nahe der früher böhmischen, heute tschechischen Grenze war ausschlaggebend für die Errichtung der ursprünglichen Wasserburg Illmau als Teil der Kette von Festungen, die von Litschau im Westen ausgehend über Heidenreichstein, Weissenbach, Illmau, Taxen, Gilgenberg, Peigarten, Dobersberg über Karlstein bis nach Raabs im Osten reichte, um die Grenzen des Herzogtums Österreich gegen Einfälle aus dem Königreich Böhmen zu sichern.
Derartige Einfälle waren keineswegs selten, sie erfolgten unter anderem in den Jahren 1230, 1233, 1236, 1328 und auch 1336Wilhelm Bielsky: Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen 1112–1244. Wien 1853, S. 254 (Sonderdruck Prima fundatio). – ein Jahr vor der ersten Nennung von Schoss Illmau. Damals verwüstete Johann von Luxemburg König von Böhmen (1310–1346) das nördliche WaldviertelHeinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. Pfarrgemeinde Kautzen, 1954, S. 40. und belagerte vielleicht auch die Wasserburg Illmau. Seine Vision ging jedoch weit über das Waldviertel hinaus, denn er starb am 10. August 1346 in einem „europäischen“ Krieg: in der Schlacht von Crécy, in der sich die Heere von Eduard III. von England und Philipp VI. von Frankreich gegenüberstanden.
Das Gebiet, in dem sich Schloss befindet, lag ursprünglich außerhalb des Herzogtums Österreich, da es Teil der reichsunmittelbaren Grafschaft Raabs war, deren Gebiet erst im Lauf des 13. Jahrhunderts stückweise von den Herzögen von Österreich erworben wurde.Karl Lechner: Das Waldviertel. Band VII, 1937, S. 57/61 und 98–103.
Namen Der Name des Schlosses und des Ortes Illmau wird erst 1337 genannt,Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt. Band IX, St. Pölten 1878 ff, S. 148. obwohl beide älter sind. In frühen Urkunden wurde der Namen oft verschieden geschrieben: Ilmenau (1349), Hymlau (1351), Ylmau (1500), Vlmau (1531) und Illmenau (1586) und bedeutet Ulmenau.Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 204.
Die Gemeinde Illmau war flächenmäßig immer die größte und lange Zeit auch bevölkerungsmäßig die stärkste in der Pfarre Kautzen (noch 1551 gab es dort doppelt so viele Häuser wie in Kautzen),Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 193, bzw. 204. scheint jedoch erstaunlicherweise in der „Prima fundatio“, dem ältesten, zu Beginn des 13. Jahrhunderts erstellten Zehentregister des Stiftes Herzogenburg über die regionalen, zehentpflichtigen Dörfer nicht auf. Das lässt vermuten, dass der Name des neu errichteten Schlosses auf die erheblich ältere Gemeinde übertragen wurde.
Der vermutlich ursprüngliche Name der Gemeinde Illmau lässt sich indirekt aus dem genannten Zehntregister erschließen. Unter den Dörfern, die dem wenige Kilometer entfernten, ehemaligen Zehntamt von Herzogenburg in Plessberg unterstanden, scheint nach Kautzen ein größerer Ort namens Frubretz auf, der später nicht mehr genannt wird, daher als „verödet“ gilt.Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 208. Tatsächlich dürfte es sich hier angesichts der Zahl der Höfe und der Reihenfolge in der Liste um das spätere Illmau handeln. Eine Umbenennung war auch insofern naheliegend, da es wenige Kilometer entfernt einen zweiten Ort namens Frubretz gab (heute eingedeutscht „Frühwärts“).
Auch zur Herkunft des Namens der Burg Illmau kann man Vermutungen anstellen. Der Name Illmau/Illmenau kommt sonst in Österreich nicht vor, in Deutschland unter anderem in Thüringen, wo der Ort (heute Stadt) Ilmenau bereits 1273 urkundlich erwähnt wird.
Trotz der Entfernung besteht zwischen beiden Orten eine Verbindung: Der römisch-deutsche König Rudolf I. von Habsburg ließ in den Jahren 1289/90 in Thüringen 66 Raubburgen brechen,Alois Niederstätter: Die Herrschaft Österreich, Fürst und Land im Spätmittelalter. In: Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte 1278–1411. Verlag Ueberreuter, 2001, ISBN 3-8000-3526-X, S. 93. darunter auch die bedeutende Wasserburg in Illmenau, die gänzlich vernichtet wurde. Derselbe König Rudolf hatte nach dem Sieg über Ottokar II. König von Böhmen bereits 1278 unter anderem das Herzogtum Österreich unter seine Kontrolle gebracht und 1282 seinen Söhnen verliehen, war daher an der Sicherung der Grenze gegen Böhmen interessiert. Es könnte daher sein, dass der wohlklingende Name der kurz zuvor von den Habsburgern in Thüringen zerstörten Wasserburg auf die von ihnen in Österreich neu gebaute Wasserburg übertragen wurde.
Herrschaft Illmau Schloss Illmau war vom Mittelalter bis zum Jahr 1848 Sitz der gleichnamigen Grundherrschaft. Nach der regionalen Rechtslage standen dabei Rechten der Herrschaft, wie etwa die Ausübung der politischen Verwaltung, der Zivilgerichtsbarkeit, die Einhebung von Steuern, die Anforderung von Dienstleistungen, die Durchführung von Rekrutierungen etc. auch Pflichten gegenüber, wie etwa Schutz und Sicherheit der Untertanen, Vorstreckung von Geld und Saatgut in Notzeiten, Armenversorgung, Zulassung der Weidenutzung und der Entnahme von Holz aus den Herrschaftswäldern etc. Neben der Grundherrschaft besaß die Herrschaft auch die Ortsobrigkeit, war daher auch für Polizeisachen (Raufhändel, Ehrenbeleidigungen), Religionsangelegenheiten, Sittlichkeit, Zunftwesen, Schulwesen, Fragen von Maßen und Gewichten, Grenzfragen, Feuerbekämpfung und Gesundheitswesen zuständig.Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 35.
Umfang der Herrschaft Erste Nachrichten über den Umfang der Herrschaft Illmau finden sich 1423 in der Urkunde, mit der Herzog Albrecht V. von Österreich (später Albrecht II. römisch-deutscher König, König von Böhmen und Ungarn, † 1439) den Brüdern Pilgrim und Hans von Puchheim den Besitz ihrer Herrschaften Litschau und Illmau bestätigt. Die Herrschaft Illmau umfasste damals die Dörfer Illmau, Gerhartlein (Kleingerharts), Kautzen, Engelbrechts, zum Otten (Klein-Motten), Nieder- und Ober-Harmans, Erkengers (Merkengersch, Ortschaft in der Gemeinde Dobersberg) sowie die Vogtei über Gastern und Goschenreith am Taxenbache.
Im Jahre 1468 zählten nur noch die Dörfer Illmau, Kautzen, Engelbrechts, Gerhardleins (Kleingerhards) zum Otten sowie 10 Teiche zur Herrschaft Illmau.Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 40. Die Zahl der der Herrschaft in den genannten untertänigen Dörfern unterstehenden Liegenschaften betrug im Jahre 1551 insgesamt 59 Lehen, 10 Halblehen und 52 Hofstätten.
Im Jahre 1520 wird die zur Herrschaft Illmau gehörende Ortschaft Kautzen erstmals als Markt genannt.Gedächtnis des Landes Niederösterreich Kautzen (Illmau).
Zweihundert Jahre später (1751) umfasste die Grundherrschaft Illmau, Kautzen, Engelbrechts, Gerharts, die zwei Mottenhöfe, das Haus des Matthias Hirsch in Tiefenbach, wobei sich die Ortsobrigkeit auch auf 23 Häuser in Hohenau, 26 Häuser in Reibers, drei in Lexnitz, acht in Brunn und 15 in Tiefenbach erstreckte.
Im Jahre 1795 gehörten zur Grundherrschaft Illmau die Orte Illmau, Kautzen, Engelbrechts, Gerharts, Klein-Motten und Tiefenbach.Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 34.
Erträge, Abgaben und Dienste mini|Bäuerliche Abgaben an die Herrschaft
Eintragungen in Grund- und Dienstbucher sowie zeitgenössische Schätzungen geben einen Einblick in den Umfang der Erträge, der Abgaben und Dienste der Herrschaft Illmau.
Die Erträge des Gutes Illmau beliefen sich laut einer Schätzung aus dem Jahre 1574 auf 112 Fuhren Heu, 404 Mandeln Korn, 42 Mandeln Weizen, 78 Mandeln „Halbtraid“ (Hafer), 12 Mandeln Gerste und 4 Mandeln Samenkorn.
An Abgaben war der Zehent zu entrichten. Dieser bestand dort aus dem „großen Feldzehent“, d. h. aus einem Zehntel der Körnerfrucht, aus dem „kleinen Feldzehent“, d. h. einem Zehntel aller anderen Feldfrüchte, und aus dem „Blutzehent“ – einem Zehntel der tierischen Produkte, wie Kälber, Lämmer, Schweine, Hühner, Eier, Honig, Wachs etc. die an bestimmten Tagen zu leisten waren.
Frondienst, auch Robot genannt, war eine besonders drückende Pflicht der Untertanen. Selbst nach dem Robotpatent der Kaiserin Maria Theresia aus dem Jahre 1772 musste in der Herrschaft Illmau jeder Ganz- und Halblehner „Zugrobot“, d. h. jährlich 104 Tage unentgeltlichen Dienst mit einem Paar Ochsen, Wagen und Gerät (Pflug; Egge etc.) leisten. Andere Untertanen waren zur „Handrobot“, d. h., zu Heuarbeit, Dreschen, Mistbreiten, Waldarbeit, Zuarbeit bei Schlossbauten, Wegmachen, Treiberdienste etc. verpflichtet: Ein Viertellehner jährlich zu 104 Tagen, Kleinhäusler und Hofstätter hingegen zu 52 Tagen.
Im Jahr 1574 kam es zu einer Klage der untertänigen Dörfer Engelbrechts, Gerhards und Klein-Motten beim kaiserlichen Verwalter der Herrschaft Illmau wegen der vom früheren Besitzer Zacharias Wochenitzky ergriffenen Maßnahmen zur Erhöhung des wirtschaftlichen Ertrages der Herrschaft wie Aufschüttung neuer Teiche auf Untertanengrund, Erweiterung der direkt von der Herrschaft genutzten Felder, übermäßige Robot beim Schlossbau in Illmau etc.
Da diese Beschwerden wenig nützten und anderswo vielfach ähnliche Verhältnisse bestanden, kam es 1596/97 im oberen Thayatal zu einem regionalen Aufstand der Bauern unter der Führung des Andreas Schrembser aus Dobersberg. Die Bauern marschierten zum Sammelplatz nach Langenlois, wurden jedoch dort von kaiserlichen Reitern zersprengt und „entlofen wie die Schelm“.H. Burger: Geschichtliche Darstellung der Gründung und Schicksale des Benediktinerstiftes Altenburg. S. 70.
Im Jahre 1716 gehörten der Herrschaft im Dorf Ilmmau 12 aufrechte und 6 öde Lehen, 15 Halblehen 15 aufrechte und 3 öde Hofstetten, 2 aufrechte und ein ödes Kleinhaus, 3 Höfe und 3 Mühlen. Die öden Häuser wurden in den folgenden Jahren wieder aufgebaut. Im Kautzen gehörten zur Herrschaft 10 Lehen, 2 Halblehen, 4 Kleinhäuser, 4 Hofstätten, 1 Behausung und 2 Wohnungen in der „öden Sag“. In Englbrechts waren es 13 Lehen, 4 Halblehen, 2 Kleinhäuser und 14 Hofstetten. In Gerhart (Kleingerharts): 9 Lehen, 2 Halblehen und 2 Hofstetten, in Tiefenbach: 1 Lehen.
Besitzer eines Hofes zahlten dabei 30. Kr-., die eines Lehens 22 ½ Kr., die eines Halblehens 5 kr. 2 d. und die, die bloß eine Hofstätte besaßen 5 Kkr. Manche Häuser gaben ein Faschingshuhn, Käse oder 10 kr. Tätz (Getränkesteuer) von den 2 Eimern Bier. Hausgrunddienste zahlten zu Michaeli 85 Häuser und 2 Mühlen in den Dörfern Tiefenbach, Brunn, Lexmnitz, Reibers und Hoheneich.Heinrich Rauscher: Heimatbuch der Pfarre Kautzen. 1954, S. 45.