Farchant ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die Gemeinde liegt an der Loisach in der Region Zugspitzland im Werdenfelser Land und wurde zwischen den Jahren 791 bis 802 das erste Mal urkundlich erwähnt. Farchant ist überwiegend vom Tourismus und der Landwirtschaft geprägt. Im Jahre 2009 betrug die Einwohnerzahl 3688 Personen. Die Landeshauptstadt München liegt in nördlicher Richtung etwa 80 Kilometer entfernt.

Geographie mini|Der Ort Farchant vom Estergebirge aus gesehen Lage Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 25,76 km². Die größte Ausdehnung in Ost-West-Richtung beträgt etwa 11 km, in Nord-Süd-Richtung etwa 4 km. Die Gemeindegrenze hat eine Länge von 28 km.

Der Hauptort liegt auf . Der höchste Punkt im Gemeindegebiet ist mit einer der Gipfel des Bischofs im Estergebirge. Das Ortszentrum befindet sich in und der tiefste Punkt von Farchant ist auf einer Höhe von an der Stelle, an der die Loisach aus dem Gemeindegebiet austritt. In Farchant gilt wie in ganz Deutschland die Mitteleuropäische Zeit, wobei die mittlere Ortszeit etwa um 15 min zurückbleibt.

Das bedeutendste Gewässer in Farchant ist die Loisach. Westlich der Loisach, die das Gemeindegebiet von Süd nach Nord durchfließt, liegt auch das Hauptsiedlungsgebiet der Gemeinde. Im Osten entspringt einer steilen Felswand am Hohen Fricken die Kuhflucht. Der Gebirgsbach stürzt mit wilden Kaskaden ins Tal und mündet nördlich von Farchant in die Loisach. Zu beachten ist noch der Ronetsbach, der am Nordwestende von Farchant seinen Ursprung hat und zwischen Farchant und Oberau in die Loisach fließt. Der letzte Abschnitt des Ronetsbach charakterisierte über Hunderte von Jahren die Grenze zwischen Bayern und der Grafschaft Werdenfels. An der oberen Alpspitzstraße entspringt der Dorfbach, der das Dorf von Süden nach Norden durchfließt. Dieser war zu früheren Zeiten die Lebensgrundlage des Ortes, er wurde jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg kanalisiert und überbaut. Im Zuge des Rückbaus der Bundesstraße 2 konnte ein Stück im Unterdorf renaturiert werden.

Ausdehnung und Nachbargemeinden Die westliche Grenze der Gemarkung Farchant bildet in den Ammergauer Alpen der Gipfel des Großen Zunderkopf (), der Brünstleskopf () und der Schafkopf mit (). Vom Schafkopf zieht die Grenze über den Heuberg in nordöstlicher Richtung ins Tal, wendet sich dann nach Osten ins Estergebirge ab und dem Gipfel des Bischofs zu. Von diesen dann nach Süden weiter zum Hohen Fricken () und zu einem Nebengipfel des Wanks (Farchanter Kreuz, ). Ab dort führt die Grenze nach Westen wieder hinab ins Loisachtal und weiter durch den Lahnewiesgraben zurück zum Großen Zunderkopf.

Die Gemeinde ist von zwei anderen Gemeinden sowie einem gemeindefreien Gebiet umgeben, die alle wie Farchant dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen zugehören. Südlich und östlich an das Gemeindegebiet grenzt Garmisch-Partenkirchen. Das Zentrum von Garmisch-Partenkirchen ist von Farchant vier Kilometer entfernt. Im Westen ist das Gemeindefreie Gebiet Ettaler Forst und im Norden Oberau die Nachbarn.

Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile: Farchant und Mühldörfl. Den ältesten Gemeindeteil von Farchant bildet das Unterdorf, das nördlich der jetzigen Bahnhofstraße und der Grünfläche des Gerns liegt. Um der Kirche herum entstand das sogenannte Kirchdörfl und an der jetzigen Alpspitzstraße das Oberdorf. Etwas außerhalb, als einziger Gemeindeteil östlich der Loisach bildete sich an der Mühle das Mühldörfl. 1948 wurde der Gemeindeteil Siedlung am Farchanter Gröben aus der Gemeinde Farchant ausgegliedert und der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen zugeordnet.Dieter Albrecht (1927–1999): Grafschaft Werdenfels. Komm. für Bayerische Landesgeschichte, 1955, S. 30.

Im Laufe der Zeit wurden auch andere Bereiche besiedelt, wie die westlich des Unterdorfes liegenden, sogenannten Lachen (feuchte Wiesen), das im Nordosten, jetzt an der Partenkirchner Straße liegende Nachfeld sowie die Föhrenheide. In der Föhrenheide entstand ein Siedlungsprojekt für Heimatvertriebene. Aus heutiger Sicht besteht Farchant eher aus einem homogenen Siedlungskörper mit jeweils einem Gewerbegebiet am Nord- und Südende.

Geschichte

Archäologische Funde Auf dem Spielleitenköpfl bei Farchant wurden im September 1994 Keramikbruch, Bronzefibeln, Bronzegussstücke, Eisengerät und verbrannte sowie unverbrannte Knochen gefunden. Diese Fundstücke konnten der Hallstattzeit 600 v. Chr. zugeordnet werden. Es ist der erste archäologische Fund aus dieser Zeit im Werdenfelser Land. Nach Amei Lang ist darauf zu schließen, dass es sich um einen Brandopferplatz handelt. Ebenfalls fand man in der Nähe des heutigen Friedhofes eine Pferdchenfibel, sie wird auf die Frühlatènezeit, ca. 450–300 v. Chr. datiert. Die Gegend um Farchant kann als direkte Kontaktzone zwischen Kelten und Rätern angenommen werden. Das unterstreichen auch die Fundstücke, die einerseits aus dem inneralpinen Raum, aber auch aus der südbayerische Region stammen. Die Pferdchenfibel muss man den Kelten zuordnen. Bei einer Grabung 2009 fand man keramische Scherben, die von Gefäßen der jüngeren Bronzezeit stammen. Diese Fundstücke sind auf ca. 1700 v. Chr. bis 1500 v. Chr. zu datieren.

Germanisierung und erste urkundliche Erwähnung Um 600 n. Chr. entstanden im Loisachtal an der zumindest noch in Teilstücken gut befahrenen Römerstraße Via Raetia im Auftrag des bayerischen Herzogs Tassilo I. neue bayerische Ortschaften. Darunter befand sich auch Farchant, das die ersten Siedler nach dem vorherrschenden Landschaftsbild Forchheida (Föhrenheide) nannten. Etwa zwei Kilometer südlich von Farchant ist noch eine zweite Siedlung, mit dem Namen Aschau, gegründet worden. Die ersten Gründer des Ortes (etwa ein halbes Dutzend Familien) hausten in einfachen Blockhäusern und waren mit hoher Wahrscheinlichkeit Heiden. Man muss davon ausgehen, dass diese neuen Siedlungen direkt dem Herzog unterstanden. Bei dem Bau der Eisenbahnlinie von München nach Garmisch fanden die Bauarbeiter im Jahr 1889 im Bereich des heutigen Bahnhofs in Farchant etwa 20 Reihengräber aus der Zeit um 650. Die heidnischen Grabbeilagen sind bis heute verschollen.

Um 750 bekehrten irische und schottische Mönche das Oberland zum Christentum. Es wird vermutet, dass auch in dieser Zeit eine Holzkirche in Forchheida errichtet wurde und sie eine alte heidnischen Kultstätte ersetzte.

Bei der ersten schriftlichen Erwähnung von Farchant handelt es sich um eine Notiz aus den Jahren 791 bis 802 in einer Streitsache zwischen Graf Irminher aus dem Tiroler Inntal und Bischof Atto von Freising. In dieser Notiz überlässt Graf Irminher aus dem Tiroler Inntal dem Bischof Atto von Freising das Anrecht an der Kirche.

Unter Freisinger Herrschaft bis zur selbständigen Gemeinde mini|links|hochkant=2|Farchant 1700 auf einem Gemälde im Fürstengang in Freising 1294 dehnt der Freisinger Bischof Emicho durch Käufe die Macht des Hochstifts Freising im Loisachtal entscheidend aus. Die Freisinger fassten ihre gesamten Besitztümer zur Grafschaft Werdenfels zusammen, die damit das größte Teilterritorium des Hochstifts Freising war. Zu der Grafschaft Werdenfels gehörte auch Farchant, bis zu ihrer Auflösung durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803, danach kam der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

1494 verlegte man das komplette Dorf Aschau mit seinen 13 Höfen nach Farchant. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, wahrscheinlich war das Absinken oder das Ausbleiben von Quellwasser dafür verantwortlich.

Einwohnerentwicklung mini|Entwicklung der Einwohnerzahl von Farchant zwischen den Jahren 1730 und 2009 siehe auch den Abschnitt Entwicklung der Einwohnerzahl im Artikel Geschichte Farchants

Wie oben beschrieben ist anzunehmen, dass es sich bei den ersten Siedlern von Farchant um etwa ein halbes Dutzend Familien handelte, also etwa 50 Personen. Anhand einer Steuertabelle aus dem Jahre 1546 kann man sich ein erstes genaueres Bild von Farchant machen, mit 38 vorkommenden Haushalten ist auf eine Bevölkerungszahl von etwa 200 Personen zu schließen. Die im Auftrag der Regierung aus Freising durchgeführten Volkszählung kam 1624 in Farchant auf 64 Haushalte mit 347 Einwohnern. Farchant war damit der viertgrößte Ort in der Grafschaft Werdenfels. Die Steuertabelle aus dem Jahre 1730 führt interessante statistische Einzelheiten auf: In 65 Häusern sind genau 71 Haushalte, oder 350 Einwohner untergebracht. Davon werden 66 Mann als wehrfähig und 87 Personen als steuerpflichtig beschrieben.

Eine Volkszählung 1840 ergab 360, bei der folgenden, 31 Jahre später, wurden nur 327 Einwohner gezählt. Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung erstmals über 400, so dass 1900 442 Einwohner gezählt wurden. Zwischen den beiden Weltkriegen verdreifachte sich diese Zahl, 1925 lebten 734 Einwohner in Farchant und 1939 1237. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl stetig von 1941 (1950) Einwohner bis 3757 Einwohner im Jahre 2000. Bei der letzten Erhebung 2009 wurden mit 3688 Einwohnern 69 Personen weniger gezählt als neun Jahre zuvor.

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3222 auf 3634 um 412 Einwohner bzw. um 12,8 %.

Politik Gemeinderat

Partei / Wählergemeinschaft 2020 2014 2008 2002 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 53,36 9 41,4 7 39,5 6 50,7 8 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,63 3 28,7 4 18,9 3 9,2 1 FW Freie Wählergemeinschaft (nicht FW Bayern) 25,01 4 29,9 5 41,6 7 40,1 7 gesamt 100,00 16 100,0 16 100,0 16 100,0 16 Wahlbeteiligung 60,47 % 58,0 % 67,7 % 70,7 %

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2020 Christian Hornsteiner (CSU). Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 wurde er mit 91,02 % der Stimmen gewählt.

Wappen

Kultur Bauwerke miniatur|Veränderung des Farchanter Ortskerns

Auch wenn die Veränderung des historischen Ortskerns von Farchant schon weit fortgeschritten ist, gibt es immer noch viele Häuser, die sich noch weitgehend im ursprünglichen Zustand befinden, siehe die Karte rechts. Die meisten dieser Häuser stehen unter Denkmalschutz, darunter die Pfarrkirche St. Andreas das Pfarrhaus das Rathaus Die anderen Baudenkmäler sind zum größten Teil noch genutzte oder ehemalige Bauernhöfe und Getreidespeicher.

Bodendenkmäler mini|Weg auf den Schanzanlagen an der ehemaligen Grenze zwischen Werdenfels und Bayern bei Farchant

Laut dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gibt es in der Gemarkung Farchant mehrere Bodendenkmäler. Herauszuheben wären: Der keltische Brandopferplatz auf dem Spielleitenköpfl aus der späten Hallstattzeit mit der Denkmalnummer D-1-8432-0032. Die Schanzanlagen aus der frühen Neuzeit an der ehemaligen Grenze zwischen Werdenfels und Bayern im Norden von Farchant mit den Denkmalnummern D-1-8432-0008 und D-1-8432-0009.

Folgende Bodendenkmäler sind nicht mehr sichtbar: Die untertägigen mittelalterlichen und neuzeitlichen Teile der Kath. Pfarrkirche St. Andreas (D-1-8432-0039). Die Körpergräber aus dem frühen Mittelalter (D-1-8432-0007). Die Straße der römischen Kaiserzeit (D-1-8432-0011), ein Zweig der Via Claudia Augusta.

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