mini|hochkant=1.4|Pfaffenweiler, St. Columba von Südwest mini|St. Columba von Nord; Bruchsteinmauer mit Kolumba und ihrem Bären

St. Columba ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Pfaffenweiler, einer Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, südlich von Freiburg im Breisgau im Schneckental zwischen dem Batzenberg im Westen und dem Schönbergmassiv im Osten gelegen. Der nördliche Ortsteil von Pfaffenweiler, Öhlinsweiler, besitzt eine den Heiligen Rosalia und Barbara geweihte Kapelle. Eine dem heiligen Servatius geweihte Kapelle steht südlich des bebauten Ortes im Wald. Die Pfarrgemeinde St. Columba gehört zur Seelsorgeeinheit Batzenberg – Obere Möhlin des Erzbistums Freiburg. Die Geschichte und Gestalt von St. Columba haben besonders der Pfarrer des nördlich angrenzen Dorfes Ebringen, Manfred Hermann, und der Pfaffenweiler Archivar Edmund Weeger (* 1942) erforscht.

Geschichte Nach einer im Kloster St. Gallen im Jahr 850 ausgefertigten Urkunde schenkte ein alemannischer Adliger dem Kloster Land in Openwilare, und zwar „sub Elperico rege“, „unter König Chilperich“, dem Merowingerkönig Chilperich II., also zwischen 716 und 720. Openwilare war vermutlich nicht das heutige Pfaffenweiler, sondern eine abgegangene Ortschaft im Schneckental. Früher als Pfaffenweiler wird Öhlinsweiler 1094 in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen, Schaffhausen, als Oleswilare sicher genannt. Pfaffenweiler selbst, Phaphenwil, folgt 1275.Weeger 1997, S. 93; nach Weeger S. 35 1281 Pfaffenwiler.

Oberlehnsherren waren zunächst die Zähringer, nach deren Aussterben 1218 die Üsenberger, die ihrerseits die Herren von Staufen belehnten. Die blieben auch nach dem Übergang der Oberlehnsherrschaft an die Habsburger im 15. Jahrhundert Lehnsträger. So belehnte Herzog Albrecht VI. – 1457 Gründer der Universität Freiburg – 1439 Werner von Staufen und seine Brüder Burkhard und Heinrich mit „Pfaffenwyler Olißwiler Bergkhusen vnnd Talhusen <...> vnnser vnd des Hüß Osterrich Lehenschafft von der Herrschafft Vsenberg herrürend“.Weeger 1997, S. 49. Auch in anderen Lehnsbriefen werden Pfaffenweiler, Öhlinsweiler sowie die heute zu Ebringen gehörenden Dörfer Talhausen und (abgegangen) Berghausen zusammen genannt. Mit den Herren von Staufen blieb Pfaffenweiler in der Reformationszeit katholisch. 1602 starben die Herren von Staufen im Mannesstamm aus. 1628, mitten im Dreißigjährigen Krieg, verpfändeten die Habsburger die Herrschaft Staufen mitsamt Pfaffenweiler und dem südlich angrenzenden Kirchhofen an Franz Hannibal von Schauenburg († 1634). Am 1. April 1633 ernannte Wallenstein den Schauenburger zum Oberbefehlshaber der mit den Schweden kämpfenden kaiserlichen Truppen im Oberrheingebiet und Kommandeur der Festung Breisach. „Durch diese Entscheidung geriet das Schicksal der Untertanen aus Kirchhofen und Pfaffenweiler in die Nähe der großen Politik und wurde über Gebühr mit dem ihres Ortsherrn verknüpft.“Weeger 1997, S. 55.

Beim Kampf um Breisach wurden Kirchhofen, Pfaffenweiler und die umliegenden Dörfer von den Schweden unter Rheingraf Otto Ludwig von Salm-Kyrburg-Mörchingen am 18. und 19. Juni 1633 zerstört und ihre Bewohner getötet. Nach dem von Schauenburg unterzeichneten offiziellen Bericht setzte der RheingrafWeeger 1997, S. 56. Die gleiche Nachricht ist in den Stein des Hochaltars von St. Mariä Himmelfahrt in Kirchhofen eingemeißelt:Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1974, S. 181. 1738 kam die Herrschaft Staufen, wiederum mitsamt Pfaffenweiler und Kirchhofen, als Lehen an das Kloster St. Blasien. Mit der Säkularisation kirchlicher Herrschaften fiel der ganze Bereich 1806 an das Großherzogtum Baden. Aus Pfaffenweiler beglaubigten 92, aus Öhlinsweiler 107 Untertanen dem Großherzog schriftlich den Treueschwur. „Auffallend, daß 9 Männer als Analphabeten keine Unterschrift leisten konnten.“Weeger 1997, S. 83.

Die Überlieferung zur Kirchengeschichte setzt 1275 mit der Nennung eines „Plebanus in Phaphenwil“ im Liber decimationis des Bistums Konstanz ein.Das ist die Erstnennung von Pfaffenweiler, siehe oben. Damals gehörte Pfaffenweiler zum Dekanat Wasenweiler. Erste bekannte Besitzer des Kirchensatzes waren die elsässischen Herren zu Rappoltstein. 1430 gab Maximin I. Smassmann von Rappoltstein und Hoheneck den „kyrchen satz des dorffes Pfaffenwiler“ an die Herren von Reinach, die ihn mit Einverständnis der Rappoltsteiner 1485 an die Deutschordenskommende Freiburg verkauften. Über gut drei Jahrhunderte versahen fast ausschließlich Ordensgeistliche die Pfaffenweiler Pfarrei. 1821 kam sie vom Bistum Konstanz an das neu gebildete Erzbistum Freiburg.

Patrozinium miniatur|hochkant|Von Pfarrer Mayer angeregtes Gebetbuch Außer in Pfaffenweiler gibt es im Erzbistum Freiburg keine der heiligen Kolumba von Sens geweihte Kirche. Reste der im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstörten Kirche St. Kolumba in Köln sind heute in das Kolumba-Museum, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, integriert. Viele Kolumbakirchen gibt es in Frankreich, so im Elsass Sainte-Colombe in Fessenheim, Sainte-Colombe in Hattstatt und die Vorgängerkirche von Jung St. Peter in Straßburg.Hermann 1983, S. 3. Nach anderen war die Vorgängerkirche dem bei den Alemannen missionierenden irischen Mönch Columban von Luxeuil geweiht; so Charles Czarnowsky: Ein Rundgang durch die ehemalige Stiftskirche Jung St. Peter zu Strasbourg. Hiller, Strasbourg 1934, S. 3. Beziehungen zum Elsass brachten wohl das Patrozinium nach Pfaffenweiler.

Baugeschichte Im Chor und Turm sind Bauteile aus dem 13. bis 14. Jahrhundert erhalten. 1541 wurde der Turm erhöht. Ab 1779 betrieb der Deutschordenspriester Joseph Karl Mayer (1728–1787, Pfarrer in Pfaffenweiler von 1762 bis zu seinem Tod) eine Erweiterung. Um die Finanzierung stritten sich die Pfarrgemeinde und der Zehntherr, der Deutsche Orden, zehn Jahre lang. 1780 entwarf der Baumeister des Deutschen Ordens, Franz Anton Bagnato, einen Umbau, der als zu kostspielig abgelehnt wurde. 1784 wurde die Empore vergrößert, um die Orgel des 1782 geschlossenen Freiburger Klarissenklosters aufstellen zu können, die 1807 weiterverkauft wurde.Hermann 1983, S. 6. 1790 bis 1791 führte der Freiburger Baumeister und Stuckateur Johann Joseph MeisburgerHermann 1983, S. 11. endlich die Erweiterung durch. Er veränderte sowohl den Chor als auch das Schiff und überführte den Triumphbogen dazwischen von einem Spitz- in einen Korbbogen.

Schon 1840 wurde erneut eine Erweiterung erwogen. 1879 bis 1880 wurde das Innere restauriert und eine Orgel der Firma E. F. Walcker & Co. aufgestellt. 1900 wurde eine – wieder beseitigte – Sakristei gebaut und das Innere neugotisch ausgemalt. 1969 plante man wieder eine Innenrestaurierung, entschloss sich aber stattdessen unter Pfarrer Adalbert Roth (* 1936, Pfarrer in Pfaffenweiler von 1969 bis 1991) zu Abbruch und Neubau eines Teils des Schiffs – Maßnahmen, die 1976 bis 1978 durchgeführt wurden. Bei der künstlerischen Ausstattung wirkte der Breisacher Bildhauer Helmut Lutz bestimmend mit. Am 13. Mai 1979 wurde die Kirche neu geweiht.

Gebäude Zusammen mit dem 1572 errichteten, 1757 von Johann Baptist Häring renovierten und 1908 aufgestockten Pfarrhaus, der ehemaligen Kaplanei von 1626 und dem modernen Gemeindezentrum liegt die Kirche am Südostrand des alten Dorfkerns. Im Westen und Norden ist das Gelände um die Kirche durch eine hohe Bruchsteinmauer abgestützt. Vom Schiff Meisburgers, 1790 bis 1791, sind die westlichen etwa 2 m mit der Westfassade stehen geblieben. In der Fassade, zu der eine Treppe führt, öffnen sich das rundbogige Portal, darüber eine rundbogige Nische, um sie herum drei runde Fenster und zuoberst ein Viereck mit nach innen gebogenen Seiten. Im Osten ist der alte eingezogene Chor erhalten, dessen ursprünglich polygonaler Schluss von Meisburger verlängert und begradigt wurde.Hermann 1983, S. 24. Er besitzt seitlich zwei Rundbogenfenster, in der Ostwand ein hochsitzendes Rundfenster und über einer Hohlkehle eine flache Decke. Nördlich schließt sich Meisburgers Sakristei an, die um eine ältere Kapelle, jetzt Beichtkapelle, herumgebaut ist. Im Schlussstein des Kreuzrippengewölbes der Kapelle trägt ein Engel ein Spruchband mit der Aufschrift „Ehre sei Gott“. Südlich vom Chor erhebt sich in fünf Geschossen der Turm mit Satteldach. Die unteren Geschosse werden durch schmale Schlitze belichtet. In den Rahmen des Erdgeschoss-Südfensters ist „1541“ gemeißelt. Das oberste Geschoss, Glockengeschoss, öffnet sich in Spitzbogenfenstern mit gotischem Maßwerk und daneben im Westen einem, im Osten zwei kleinen schmalen Rundbogenfenstern. mini|links|Inneres Richtung Osten mini|Inneres Richtung Westen Zwischen diese Relikte der Vormoderne haben die Architekten des Erzbischöflichen Bauamts 1976 bis 1978 das neue Schiff als Achteck konstruiert. Von außen betrachtet, ist der Unterschied zu Meisburger nicht groß. Die Fenster sind weiter Rundbogenfenster, drei im Süden und zwei im Norden statt zuvor vierLandesdenkmalamt Baden-Württemberg 1974, S. 269. in den achsenparallelen Wänden. Ein profiliertes Traufgesims und das Grau des umlaufenden Sockels, der gemalten Lisenen und der Fenstergewände binden den Bau zusammen. „Der viereckige Lichttrichter, durch den das Langhaus mitbeleuchtet wird, ist so in der Dachzone versenkt, daß er nach außen so gut wie nicht in Erscheinung tritt.“Hermann 1983, S. 17. Umso mehr überrascht das Innere des Schiffs. Durch die Fenster der achsenparallelen und der Schrägwände und das reine Weiß des Anstrichs über grauem Waschbetonboden ist es sehr hell. Dazu kommt Licht von oben, denn die Segmente der holzvertäfelten Decke führen „trichterförmig zu einem gläsernen Viereck empor, durch das der gesamte Raum gleichmäßig erleuchtet wird.“Hermann 1983, S. 21. Ein Wechsel der Schnittrichtung der warm hellbraunen Holzpaneele von Segment zu Segment hilft den Raum gliedern. Die westliche Orgelempore aus Beton springt in der Mitte spitzwinklig vor. In die Brüstung dieses Winkels ist die alte, von Joseph Dettlinger 1902 geschnitzte Kommunionbank eingelassen. mini|links|Turmuntergeschoss mit Eingang von 1976–1978 mini|hochkant|Turmuntergeschoss Richtung Süd Beim Umbau 1976 bis 1978 wurde als neuer Haupteingang ein Spitzbogenportal in die Ostwand des Turms gebrochen. Es führt ins kreuzgratgewölbte, rot gestrichene Turmuntergeschoss, unter dessen Südfenster (dem mit der Jahreszahl „1541“ außen) „zwei in Beton gegossene, geflügelte Engelsgestalten <...> als Symbol für die Kirche deren Grundstein mit der Jahreszahl 1978 tragen.“Hermann 1983, S. 17–18. Durch eine Schwingglastür betritt der Besucher das Achteck. Ein weiteres, stichbogiges Portal führt vom Turmuntergeschoss in den Chor, den Meisburgers Korbbogen vom Schiff scheidet. In der Nordwand des Chors befindet sich die Tür zur Beichtkapelle, das rechteckige Gewände aus gelbem Pfaffenweiler KalksandsteinW. D. Grimm: Sandiger Kalkstein mit wenig Gesteinsbruchstücken: Pfaffenweiler Kalksandstein. In: Kurztexte zur Denkmalpflege des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau IRB. Digitalisat. Abgerufen am 4. April 2015. Der Stein wurde im Tertiär von 30 Millionen Jahren gebildet und ist in vielen Bauten und Bildhauerarbeiten der Gegend zu sehen. mit Stabwerkprofil und der Jahreszahl „1630“ im Sturz, links davon ein früherer Zugang zur Kapelle, scheinbar sehr tief gelegen und niedrig, weil der Boden des Chors damals tiefer lag, rechts davon eine Sakramentsnische, ebenfalls scheinbar sehr tief gelegen.

Ausstattung mini|links|Platz östlich der Kirche; links neben dem Kreuz Grabmal für Franz Josef Amann mini|hochkant|Madonna vom Westportal