Plauen ist ein Stadtteil im Südwesten Dresdens mit etwa 11.000 Einwohnern und Namensgeber sowie Verwaltungssitz des gleichnamigen Dresdner Stadtbezirks, der weitere Stadtteile umfasst. Plauen liegt östlich der Weißeritz am Ende des Plauenschen Grundes und umfasst eine Fläche von 1,75 km².
Der Ort Plauen wurde 1206 ersterwähnt und 1903 nach Dresden eingemeindet. Die Entwicklung Plauens ist eng mit dem Wirken des Großindustriellen Gottlieb Traugott Bienert verbunden.
Geographie mini|Weißeritz in Plauen Plauen grenzt an die Stadtteile Löbtau, Dölzschen, Coschütz, Kleinpestitz, Räcknitz und Südvorstadt.
Als funktionales Stadtteilzentrum dient der F.-C.-Weiskopf-Platz mit dem Müllerbrunnen, wo sich neben Geschäften und Gastronomie auch das denkmalgeschützte Plauener Rathaus befindet, das heute das Stadtbezirksamt Plauen sowie ein Bürgerbüro beheimatet.
Geschichte Ortsgeschichte mini|links|hochkant|Bienert-Denkmal Plauen entstand als Dorf vor dem 13. Jahrhundert am Ausgang des Plauenschen Grundes. Es wurde – im gleichen Dokument wie Dresden – am 31. März 1206 erstmals als Plawen erwähnt. Der Name plawen (slawisch als Substantiv: Płavno) entstammt dem altsorbischen *płav = Ort, wo geschwemmt wurde (vgl. obersorbisch pławić, „schwemmen, flößen“) und bedeutet so viel wie Schwemmland oder auch Flussaue, während Flößerei an dieser Stelle eher nicht in Betracht kommt.Ernst Eichler: Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße. Band III, Domowina-Verlag, Bautzen 1993, S. 76 Die alte Flur von Plauen, die sowohl in ihrem früheren Weichbild, als auch in ihren heutigen Gemarkungsgrenzen annähernd übereinstimmt, war jahrhundertelang rein dörflich-landwirtschaftlich geprägt. Über die Jahrhunderte hinweg kann planerisch, bedingt durch den Höhenversatz des Längshanges entlang der Weißeritz, klar zwischen einem UnterdorfDubbers, S. 5.Dittrich spricht in seinem Werk (S. 20, Fußnote 29) von Niederdorf und verweist auf die erstmalige Erwähnung der Wassergasse in einer Kaufurkunde von 1597. an der Wassergasse (heute: Hofmühlenstraße) und einem Oberdorf im Bereich des 1875 zugeschütteten Dorfteiches (heute F.-C.-Weiskopf-Platz und Bereich der Straße Altplauen zwischen F.-C.-Weiskopf-Platz und Reckestraße) bis zur Kirche von PlauenDittrich, S. 20. Die Zuschüttung des Dorfteiches dort Fußnote 26. unterschieden werden, wobei das Oberdorf der ältere Teil von Plauen war.
Die nahegelegene Weißeritz begünstigte die Errichtung von mehreren Mahl- und Schneidemühlen. Mit der Industrialisierung, insbesondere mit der Ansiedlung des Müllermeisters Gottlieb Traugott Bienert, der die alte Hofmühle zu einer großindustriellen Mühle umbaute, begann einerseits die Überformung des alten Dorfes, wie, bedingt durch den zunehmenden Arbeitskräftebedarf, die Bebauung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Industrialisierung brachte nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern durch Einrichtung von Schule und Kindergarten auch einen sozialen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Strecke der Albertsbahn AG in Richtung Tharandt und Freiberg errichtet und Plauen erhielt einen Bahnhof. Die zahlreichen Industriebauwerke, die geschlossene Gründerzeitbebauung und die Villenstraßen verdrängten die dörfliche Bebauung von Plauen. Ab Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem aber in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, wurde zunächst die alte Dorfflur vom Kern des Oberdorfes ausgehend Richtung Osten durch die Aktiengesellschaft Dresdner WestendNach dieser Aktiengesellschaft wurde das Areal, beginnend ab der Chemnitzer Straße („Westendschlösschen“) bis zur Westendstraße, benannt. Dittrich, S. 171/172. und etwa ab dem Ersten Weltkrieg der nach Norden exponierte südliche Hang der Dresdner Elbtalweitung fast vollständig erschlossen und bebaut. Während im „Westend“ (dem durch historistische Bebauung geprägten Bereich) eine Vielzahl von Bürgerhäusern und Villen entstanden, wird der nach 1920 vor allem bebaute Teil HohenplauenDittrich, S. 175. An die Bezeichnung erinnert überdies ein Straßenname. durch genossenschaftliche Wohngebäude und Doppelhäuser im Stile der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre geprägt.
Das Straßennetz Plauens ist demzufolge einesteils geprägt von den historischen Resten des Dorfes Plauen, während es andererseits, insbesondere durch das Gründerzeitraster, alle Nachweise planmäßiger Anlage besitzt.Dittrich, S. 163, dort abgebildet der Bebauungsplan von 1888. Durch die Hanglage bedingt ergeben sich teilweise starke Anstiege (Bernhardstraße) und interessante Verläufe (Halbkreisstraße). Entlang des Plauenschen Ringes wurde eine Straßenbahnlinie zur Erschließung von Coschütz errichtet, die heute noch im Verlauf dessen oberen Teiles besteht.
In exponierter Lage liegt der Fichtepark, der als Westendpark am 26. September 1891 eingeweiht wurde. Das Land wurde durch die Baugesellschaft Dresdner Westend unentgeltlich zur Verfügung gestellt. In ihm wurde am 2. September 1896, dem Sedantag, ein Aussichtsturm eingeweiht, der bei der gleichzeitigen Namenstaufe den Namen des Kanzlers Bismarck erhielt. Die Kosten für die Herstellung des Turmes beliefen sich auf 23.000 Reichsmark. 1937 wurde der Westendpark nach dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte in Johann-Gottlieb-Fichtepark umbenannt.Dittrich, S. 176. Der Aussichtsturm, dessen wirklicher Name inzwischen völlig in Vergessenheit geraten war, wurde 1954 – ebenfalls nach dem Philosophen – in Fichteturm umbenannt. Von diesem überblickt man einen Großteil Dresdens.
Am 1. Januar 1903 wurde Plauen nach Dresden eingemeindet. Mit der Eingemeindung wurde ein Jahr nach Inkrafttreten des Vertrages auch eine Anpassung der Straßennamen vorgenommen, um in der Stadt Doppelbezeichnungen zu vermeiden. Die Tabelle gibt dazu eine vollständige Liste der Umbenennungen zum 1. Januar 1904 an (mit Angabe des Jahres der ursprünglichen Benennung der Straße). Vor 1865 war eine Straßenbenennung auf Grund der damaligen Größe des Dorfes generell nicht nötig gewesen, in diesem Jahr wurde die erste vollständige Hausnummerierung vorgenommen.Dittrich, S. 174.
+ Straßenumbenennungen 1904 Straßenname bis 1903 Jahr der Benennung Straßenname ab 1. Januar 1904 Elisenstraße 1874 Reckestraße Falkenstraße 1877/78 Zwickauer Straße Florastraße 1876 Biedermannstraße Gartenstraße 1873 Gittersee-Straße Grenzstraße 1878 Bamberger Straße Kirchstraße 1865 Altplauen Lutherstraße 1891 Schleiermacherstraße Plauensche Straße 1872 Tharandter Straße Poststraße 1891 Klingenberger Straße Räcknitzer Straße 1876 Nöthnitzer Straße Rathausstraße 1897 Müllerbrunnenstraße Reisewitzer Straße 1872 Würzburger Straße Schulstraße 1876 Krausestraße Seminarstraße 1897 Kantstraße Uferstraße 1896 Kielmannseggstraße Wasserstraße 1865 Hofmühlenstraße Wettinplatz 1895 Zwickauer Platz
Nach 1904 erfolgten weitere Umbenennungen. Sie sind zur Vollständigkeit mit Stand 2011 komplett als Ergänzung mit aufgenommen worden.
+ weitere Umbenennungen von Straßen in Plauen früherer Straßenname Jahr der Umbenennung heutiger Straßenname Liebigstraße 1897 Westendstraße(oberer Teil der durchgehend geplantenheutigen Liebigstraße, bereits vor Eingemeindung umbenannt) Rathausplatz 1911 F.-C.-Weiskopf-Platz, 1911–1953 Chemnitzer Platz Kielmannseggstraße ca. 1952 Agnes-Smedley-Straße Daheimstraße ca. 1952 1888 angelegt,Friedrich-Hegel-Straße Chemnitzer Straße 1956/1992 1956–1992 F.-C.-Weiskopf-Straße,1865–1871 Coschützer Straße (durchgehend),1871–1956 für diesen Teil Chemnitzer Straße,seit 1992 wieder Chemnitzer Straße Bernhardstraße 1970/1992 Ho-chi-Minh-Straße, seit 1992 BernhardstraßeUntere Bienertstraße Bienertstraße
Kronacher Straße1952/19921871–1952 Untere Bienertstraße
(Chemnitzer Straße / Tharandter Straße)
Bienertstraße
(Chemnitzer / Münchner Straße)
1952–1992 beide Abschnitte Kronacher Straße
seit 1992 Bienertstraße
Im Jahr 1957 wurde Plauen dem Stadtbezirk Dresden-Süd zugeordnet. Nach der Auflösung der Stadtbezirke 1991 gehörte Plauen dem Ortsamtsbereich Südvorstadt an, der nach der Verlegung des Amtssitzes vom Verwaltungsgebäude Fritz-Foerster-Platz 2 ins Rathaus Plauen 1996 den Namen Ortsamt Plauen (seit 2018: Stadtbezirk Plauen) erhielt.
Im Bereich der Zwickauer Straße wurde ab den 1990er Jahren eine innerstädtische Sanierungszone sowie nach dem Hochwasser der Weißeritz im Jahr 2002, bei dem der alte Dorfkern Plauens, die Hofmühlenstraße und die Weißeritz-Brücken schwer beschädigt wurden, ein Stadtteilentwicklungsprojekt ins Leben gerufen, wodurch die Sanierung von Wohn- und Geschäftsräumen unterstützt wurde.
Schulgeschichte Mittelalter und frühe Neuzeit 1557 wurde erstmals das Schulwesen in Plauen erwähnt.Der Text zu den Schulen in Plauen basiert auf dem Eröffnungsvortrag von Ingolf Roßberg zur Festwoche der 125-Jahr-Feier der 55. Mittelschule und auf der Nutzung der Quellen Dittrich und Dubbers. Aus der damaligen Erhöhung des Küstergehaltes lässt sich erstmals auf ein gewisses Maß an Schulbildung der Plauener Kinder schließen. Das entspräche auch der Philosophie und den 1556 veröffentlichten „Generalartikeln“ des damals herrschenden Kurfürsten August. Aufgrund des damaligen engen Zusammenhangs von Schule und Kirche, der durch die Reformation wenige Jahre vorher bekräftigt und bestärkt worden war, lässt sich verbunden mit der ersten sächsischen Schulordnung von 1580 der Beginn des geordneten Schulwesens in Plauen festmachen. Allerdings war der Lehrer damals gleichzeitig Kustos und Hilfspfarrer, hatte Leichenpredigten und Trauungen vorzunehmen, und fungierte als Schreiber. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ihre Familien zu ernähren, mussten sie in der Regel einem Handwerk nachgehen.Dittrich, S. 115.
Das erste und zugleich älteste Schulhaus, das Plauen besaß (erstmals nachweisbar 1578, mehrfach umgebaut, 1857 letztmals erweitert und 1905 abgebrochen), war gleichzeitig das Wohnhaus des Kustos bzw. des späteren Lehrers. Ein Hilfslehrer wurde diesem ab 1849 bewilligt. Es stand dort, wo sich heute der prächtige Aufgang zur Auferstehungskirche von Altplauen direkt neben der Schleiermacherstraße befindet, der 1907 durch Hans Erlwein errichtet wurde. Schulstube und Wohnstube waren damals eins. Wie erbärmlich über Jahrzehnte hinweg der Zustand war, zeigt das permanente Klagen der jeweiligen Lehrer darüber.Eine ausführliche Darstellung findet sich bei Dittrich, S. 116–118
Namentlich nachweisbar sind als Lehrer: Gallus Waldeck, 1578 als erster Schulmeister erwähnt, Matthes Hanitzsch, in den Visitationsakten 1583 und 1602 erwähnt, Christian Leunert, 1626–1650 als Lehrer, Abraham Weida (1618–1691), 1650–1691 als Lehrer Georg Kretschmar (?–1728), 1688 als Hilfskraft, 1691–1728 als Lehrer, Johann Jacob Gleditzsch [Gleditsch] (?–1760), 1728–1760 als Lehrer und Organist, Christian Gottlieb Kleinstück (?–1797), 1760–1797 als Lehrer, Gottlieb Fürchtegott Opitz (?–1814), 1797–1814 als Lehrer, Johann Christian Grütze (auch Grützner geschrieben; * 12. März 1790 in Oberebersbach bei Großenhain; † 1872)Vater: Johann Christian Grütze, Gärtner in Oberebersbach; Mutter: Johanna Rosina Sparmann aus Schönfeld. Die Angaben gemäß unveröffentlichten Ergebnissen der Familienforschung. Quellen: Sächsisches Hauptstadtarchiv: Kaufverträge von Ober- und Mittelebersbach, Kirchenbücher., 1814–1856, emeritiert zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum „wegen Erblindung“. Friedrich Wilhelm Jentzsch (?–1881), 1849–1856 Hilfslehrer, 1856–1881 als Lehrer.Tabelle zusammengestellt nach Dittrich, S. 115–120.