Creutzwald () ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2016 Lothringen). Sie gehört zum Arrondissement Forbach-Boulay-Moselle und zum Kanton Boulay-Moselle. Die Einwohner werden im Französischen Creutzwaldois genannt. Bis 1961 hieß der Ort amtlich Creutzwald-la-Croix.

Geographie Die Gemeinde liegt in Lothringen im Warndt am Bistbach an der Grenze zum Saarland, etwa 44 Kilometer ostnordöstlich von Metz, 13 Kilometer östlich von Boulay-Moselle (Bolchen) und 15 Kilometer südöstlich von Bouzonville (Busendorf).

Zu Creutzwald gehören die Ortsteile La Houve auf der linken Seite des Bistbachs und Wilhelmsbronn südlich des Ortskerns.

Nachbargemeinde auf saarländischer Seite ist Überherrn.

Geschichte mini|Creutzwald, Marktplatz mit Rathaus Die Gegend gehörte früher zum Herzogtum Lothringen Eugen H. Th. Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes-, Volks- und Ortskunde, Stuttgart 1875, S. 361 (Google Books). im Heiligen Römischen Reich. Im Jahr 1594 kaufte der Adelige Stephan von Heiningen einen Teil des Warndtwaldes, den Kreuzwald, von den Mönchen der Heilig-Kreuz-Abtei in Busendorf. Der Name des Waldes bezieht sich auf die in der Klosterkirche aufbewahrte Heilig-Kreuz-Reliquie, die für das Kloster namensgebend war. Die Benediktinerabtei war im Jahr 1033 von Adalbert II., Graf von Metz, und dessen Ehefrau Judith gegründet worden. Die Kreuzreliquie, ein Splitter vom Kreuz Christi, die Creutzwald und seiner Kirche später den Namen gab, hatte Graf Adalbert von einer Pilgerfahrt in das Heilige Land im Jahr 1033 mitgebracht.

Bereits im Jahr 1601 wurde der Kreuzwald an den hugenottischen Glasfabrikanten Louis de Condé, der aufgrund seines Glaubens aus der Champagne in das Herzogtum Lothringen ausgewandert war, weiterverkauft. Louis de Condé ließ darauf eine Glashütte anlegen und errichtete für deren Glasbläser den gleichnamigen Weiler Creutzwald. Der Weiler befand sich in der Nähe der heutigen Heilig-Kreuz-Kirche von Creutzwald. Bereits im Jahr 1607 wurde in der Nähe ein neues Dorf gegründet, das Condé nach seiner zweiten Frau Françoise de Villers, Villers-La-Croix nannte. Heute heißt der Ort Neudorf. Condé unterstellte die Neugründung im Jahr 1611 zur Unterstützung seiner Herrschaft dem Herzogtum Lothringen.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) kam es zu schweren Zerstörungen der beiden Dörfer und die meist protestantischen Einwohner zerstreuten sich. Einige von ihnen kehrten nach dem Ende des Krieges zurück und zogen neue katholische Siedler mit. Im Jahr 1626 gründete Daniel de Condé eine neue Siedlung auf dem Territorium der Grafschaft Saarbrücken, die er nach deren Souverän, Wilhelm Ludwig von Nassau-Saarbrücken, Wilhelmsbronn nannte. Wilhelmsbronn ist heute unter dem Namen Nassau ein Stadtteil von Creutzwald. Im Jahr 1644 wurden Creutzwald und Villers-La-Croix vereinigt.

Für die jetzt hauptsächlich katholischen Einwohner stellten die Herren von Condé ein Grundstück zur Verfügung, auf dem im Jahr 1653 eine erste Kapelle errichtet wurde.

Im Jahr 1705 erteilte der lothringische Herzog Leopold die Erlaubnis zur Gründung des Glasmacher-Weilers La Houve auf dem linken Ufer des Bistbaches, um die darniederliegende Wirtschaft in dieser Region wiederzubeleben, die unter seiner Oberhoheit stand.

An der heutigen Stelle der Heilig-Kreuz-Kirche im Zentrum Creutzwalds errichtete man im Jahr 1730 eine steinerne Kirche, um die für die angewachsene Bevölkerung zu klein gewordene alte Kapelle zu ersetzen. Ihre heutige historistische Form erhielt die Kirche im Jahr 1911 auf Initiative des Creutzwalder Paters Stenger.

Mit dem Tode des letzten souveränen lothringischen Herzogs Stanislaus I. Leszczyński am 23. Februar 1766 annektierte das Königreich Frankreich das Herzogtum Lothringen und damit auch Creutzwald und seine lothringischen Nachbarweiler.Maximilian du Prel: Die Deutsche Verwaltung in Elsass-Lothringen 1870–1879. Denkschrift mit Benutzung amtlicher Quellen. Karl J. Trübner, Straßburg 1879, S. 3–50, insbesondere S. 10 (Google Books). Unter der Herrschaft von Napoleon Bonaparte wurden die drei Warndtdörfer Creutzwald, Wilhelmsbronn und La Houve am 24. März 1809 zu einer einzigen Gemeinde vereint, die fortan den Namen Creutzwald trug. Später wurde der Ort zur besseren Kenntlichmachung der Namensbedeutung für Französischsprachige erneut umbenannt und trug nun den Namen „Creutzwald-la-Croix“ (dt. „Creuzwald-das-Kreuz“). Im Jahr 1961 wurde der französische Namenszusatz gestrichen, jedoch steht er bis heute an der Fassade des Creutzwalder Bahnhofes.

Als Ergebnis des Ersten Pariser Friedens (1814) und des Zweiten Pariser Friedens (1815) blieb Creutzwald bei Frankreich.

Durch den Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 kam das Gebiet an das deutsche Reichsland Elsaß-Lothringen, und Kreuzwald wurde dem Kreis Bolchen im Bezirk Lothringen zugeordnet. Die Dorfbewohner betrieben etwas Getreidebau und Viehzucht und verrichteten Arbeiten in Betrieben der Eisenindustrie.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Region aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1919 an Frankreich abgetreten werden und wurde Teil des Département Moselle. Danach galt die französische Sprache gesetzlich als alleinige Amts- und Schulsprache, auch für die deutschsprachige Bevölkerung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Creutzwald im Jahr 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Nach der Kapitulation Frankreichs wurde das Département Moselle als CdZ-Gebiet Lothringen einem Chef der Zivilverwaltung (CdZ), dem NSDAP-Politiker Josef Bürckel, unterstellt. Die deutsche Sprache wurde als Amts- und Schulsprache wieder vorgeschrieben. Das Gebiet sollte später zusammen mit dem Saarland und der Pfalz den Reichsgau Westmark bilden. Als Hauptstadt war Saarbrücken geplant, wo der Chef der Zivilverwaltung bereits seinen Sitz hatte. Die förmliche Eingliederung in das Deutsche Reich erfolgte aufgrund der Kriegsereignisse jedoch nicht mehr. Im Kriegswinter 1944/1945 wurde Creutzwald von westalliierten Streitkräften eingenommen und wieder Frankreich übergeben. Die französische Sprache ist seither bis heute alleinige Amts- und Schulsprache.https://www.creutzwald.fr/fr/histoire.html, abgerufen am 6. Mai 2019.

Bevölkerungsentwicklung + Anzahl Einwohner seit 1945 Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2019Einwohner 13.649 14.471 15.540 15.060 15.169 14.360 13.468 13.042

Territoriale Zugehörigkeit Das Stadtgebiet Creutzwalds gehörte im Lauf seiner Geschichte zu folgenden Territorien: 843: Lotharii Regnum (Vertrag von Verdun) 925: Heiliges Römisches Reich - Herzogtum Lothringen 1736–1766: Herzogtum Lothringen (Frieden von Wien (1738)) 1766–1791: Annexion durch Königreich Frankreich 1791–1871: Frankreich 1871–1918: Deutsches Reich - Reichsland Elsaß-Lothringen 1918–1939: Frankreich (Friedensvertrag von Versailles) 1940–1945: Annexion durch NS-Deutschland seit 1945: Französische Republik

Historische Ortsnamen Creutzwalds Creutzwald: Critzvald (1680), Craisvald (1681), Criswald (1721), Critzwaldt-la-Croix (1762), Critzwaldt (1779), Creutzwald la Croix (1793), Creutzvaldt-la-Croix (1801), Creutzwald (1961); Lothringisch (fränkisch): Kritzwald et Kreizwald; Deutsch: Kreuzwald.Bouteiller - Dictionnaire topographique de l'ancien département de la Moselle, rédigé en 1868 La Houve: La Houve (1705), Houf (1721), Houff (1728), Houw (1731), Critzwahlt-la-Houve (1762), Creutzwald la Houve (1793), Creutzvaldt-la-Hauve (1801). Wilhelmsbronn: zuerst Neue-Glashütte, dann Wilhelmsbronn, Creutzwald-Wilhemsbronne (1793), Creutzvaldt-Wilhemsbronne (1801).

Glasindustrie Der industrielle Aufschwung Creutzwalds ist auf die Glasherstellung zurückzuführen, die sich aufgrund der Fülle an Holz im Warndtwald und aufgrund des Vorhandenseins von Quarzsand im Boden entfalten konnte. Eine erste Glasmanufaktur wurde zwischen 1602 und 1603 von der Adels- und Glasmacherfamilie Condé aus der Champagne errichtet. In Creutzwald waren bis Mitte des 17. Jahrhunderts mehrere Glashütten gleichzeitig in Betrieb. Die letzte Glasfabrik, La Houve, die im Jahr 1705 gegründet worden war, wurde im Jahr 1843 von der Glashütte in Meisenthal aufgekauft und umgehend geschlossen. An die Gründerindustrie Creutzwald erinnern heute noch die „Place de Condé“ (Condé-Platz), die „Place des Verriers“ (Glasbläserplatz) sowie vier historische Gläser im Rathaus.https://www.creutzwald.fr/fr/histoire.html, abgerufen am 6. Mai 2019.

Bergbaugeschichte mini|Ehemaliges Kohlebergwerk Im Jahr 1854 wurde im Zuge des Aufschlusses des Lothringer Kohlenrevier durch eine Probebohrung unweit des Weges von Creutzwald zum Lauterbach, einem Zufluss der Rossel, in 213 m Tiefe ein abbauwürdiges Flöz gefunden.Malte Helfer: Der Steinkohlenbergbau in Lothringen im GR-Atlas (Atlas für die Großregion rund um das Großherzogtum Luxemburg) auf der Website der Universität Luxemburg, abgerufen am 3. Dezember 2015. Im Jahr 1858 wurde eine erste Konzession erteilt, doch erst 1895 wurde der erste Schacht („Marie“) abgeteuft, 1898 der zweite („Julius“; benannt nach Julius Schaller).Anton Haßlacher: Der Steinkohlenbergbau des Preussischen Staates in der Umgebung von Saarbrücken, Bd. 2: Geschichtliche Entwickelung des Steinkohlenbergbaues im Saargebiete. Springer, Berlin 1904, S. 174. Im selben Jahr (1898) konnte die erste Kohle gefördert werden.Ralf Banken: Die Industrialisierung der Saarregion 1815–1914, Bd. 2: Bd. 2. Die Frühindustrialisierung 1850–1914. Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-07828-2, S. 40.

Das Bergwerk La Houve, das 106 Millionen Tonnen Steinkohle produzierte und eine der modernsten Gruben Europas gewesen war, wurde am 23. April 2004 stillgelegt. Creutzwald war der letzte Ort in Frankreich, in dem ein Kohlebergwerk betrieben wurde.https://www.creutzwald.fr/fr/histoire.html, abgerufen am 6. Mai 2019.Le siège 2 de la Houve bei Association apphim.fr – Mémoire de la Mine et des Mineurs de fond Von 1925 bis 1961 verband eine Straßenbahnlinie Creuzwald mit Saarlouis, mit der Bergmänner aus dem Saarland zur Mine La Houve fahren konnten. 1918 bis 1934 stand das Saarland und damit Saarlouis unter Verwaltung des Völkerbunds.

Eisenproduktion Die Stahlindustrie begann im Houve-Wald auf Initiative der Familie Quien, die zwei zunächst mit Holzkohle betriebene Hochöfen errichtete. Das durch die Wasserkraft der Bist betriebene Gebläse diente der Erhöhung der Temperatur in den Öfen. Die Eisenindustrie Creutzwalds entwickelte sich auf Initiative der Stahldynastie De Wendel. Die Wirren der Französischen Revolution versetzten dem Unternehmen einen empfindlichen Rückschlag. Erst im Jahr 1814 wurde die Produktion durch François Payssé wiederbelebt. In der Folgezeit ging die Fabrik in die Hände der Familie Schlincker über, die die Herstellung von Gusseisen forcierte. Die nachfolgenden Betreiber aus der Familie Quinchez, an die heute die Namen eines Parks und einer Straße in Creutzwald erinnern, führten das Werk weiter. Schließlich wurde die Gießerei im Jahr 1929 von den Brüdern Schmitt übernommen. Die Gusseisenfabrik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig geschlossen. Heute ist nur noch ein Fabrikgebäude aus rotem Backstein erhalten.https://www.creutzwald.fr/fr/histoire.html, abgerufen am 6. Mai 2019.

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