Die Bahnstrecke Ban Phachi–Chiang Mai (auch Nordbahn genannt) ist eine 641,5 km lange Eisenbahnstrecke in Thailand und wesentlicher Teil der Eisenbahnverbindung zwischen Bangkok und Chiang Mai.
Geschichte Planungen mini|links|Bahnhof Phitsanulok mini|links|Fahrkarte von der Nordbahn Plänen der britischen Kolonialverwaltung in Indien, eine Eisenbahn von Burma nach China aus topografischen Gründen über siamesisches Gebiet zu führen, wehrte die siamesische Regierung ab, weil das den Briten einen besseren Zugriff auf den Norden Thailands ermöglicht hätte als der Regierung in Bangkok selbst. Im Gegenzug musste sie jedoch zugestehen, selbst eine Bahnstrecke in den Norden zu bauen, an die sich die Briten dann anschließen konnten.
1888 wurde ein Planungsauftrag an Sir Andrew Clarke erteilt, der zu diesem Zeitpunkt als Akquisiteur für die britische Firma Puncard, McTaggart, Lowther & Co. arbeitete. Dieser Auftrag umfasste eine Verbindung von Bangkok nach Chiang Mai und drei davon in nordöstlicher Richtung abzweigende Strecken. Der Bericht zu diesem Auftrag lag 1890 vor.Whyte: Railway Atlas, S. 11f
Der Beginn entsprechender Arbeiten verzögerte sich, weil die Regierung zum einen die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen der eigenen Eisenbahnverwaltung unter Karl Bethge und dem von ihm gekündigten, ursprünglich für den Bau der Nordostbahn verantwortlichen britischen Firma Murray Campbell abwarten wollte, zum anderen alle der Staatsbahn zur Verfügung stehende Fachkräfte beim Bau der Nordostbahn gebunden waren.
Bau mini|links|Bahnhof Chong Khae in Normalspur 1912/1913 Erst zum Jahresende 1897 begann deshalb die Vermessung des ersten Abschnitts der Nordbahn zwischen ihrer Abzweigung von der Nordostbahn in Ban Phachi Junction nach Lopburi. Die Bauarbeiten begannen allerdings schon im März 1898, die Eröffnung dieses 43 km langen Streckenabschnitts folgte zum 1. April 1901, unmittelbar nach der Eröffnung der Gesamtstrecke der Nordostbahn.Whyte: Railway Atlas, S. 21 Technisch wurden die Parameter der Nordostbahn übernommen, an die die Nordbahn als Zweigstrecke anschloss, so die Normalspur von 1435 mm. Nach Eröffnung dieses ersten Abschnitts stockte der Weiterbau allerdings, da die Regierung die Ressourcen auf den Bau der Südbahn konzentrierte.
Als im Juli 1902 eine Rebellion im Norden ausbrach, wurde deutlich, wie wichtig eine Eisenbahn dorthin unter militärischen Gesichtspunkten war. Die Nordbahn war unter außenpolitischen Gesichtspunkten unbedenklich, während die Südbahn die Interessensphäre der Briten, der Bau einer Ostbahn den der französischen Kolonialmacht in Indochina berührte. Der Weiterbau der Nordbahn wurde sofort angegangen und sie wurde nach und nach in Abschnitten eröffnetAngaben nach: Whyte: Railway Atlas, S. 24f:
Ban Phachi Junction – Lopburi, 43 km zum 1. April 1901 Lopburi – Paknam Pho, 117 km zum 31. Oktober 1905 Paknam Pho – Phitsanulok, 139 km zum 24. Januar 1908 Phitsanulok – Ban Dara Junction, 69 km zum 11. November 1908 Ban Dara Junction – Pang Ton Phueng, 51 km zum 15. August 1909 Ban Dara Junction – Sawankhalok, 28,8 km zum 15. August 1910 Pang Ton Phueng – Mae Phuak, 19 km zum 1. Juni 1911 Mae Phuak – Pak Pan, 10 km zum 15. November 1912 Pak Pan – Huai Mae Ta, 16 km zum 1. Mai 1913 Huai Mae Ta – Ban Pin, 10 km zum 15. Juni 1914 Ban Pin – Pha Kho, 17 km zum 1. Mai 1915 Pha Kho – Mae Chang, 19 km zum 15. Dezember 1915 Mae Chang – Lampang, 42 km zum 1. April 1916 Lampang – Pang Hua Phong, 33 km zum 20. Dezember 1916 Pang Hua Phong – Pang Yang, 4 km zum 1. Juli 1918 Pang Yang – Chiang Mai, 72 km zum 1. Januar 1922 Ban Klap – Khok Kathiam (Umgehungsstrecke Lopburi), 30 km zum 5. Dezember 2025 Die Eröffnung der gesamten Nordbahn wurde auf den 1. Januar 1922 gelegt, den 41. Geburtstag von König Vajiravudh (Rama VI.).
Bauliche Besonderheiten links|mini|Zug im Bahnhof von Khun Tan Die Nordbahn musste zwischen Den Chai und Lampang sowie zwischen Lampang und Chiang Mai je einen Gebirgszug queren. Dazu mussten insgesamt vier Tunnel geschlagen werden, darunter zwischen Lampang und Chiang Mai der 1362 Meter lange Khun-Tan-Tunnel, heute der längste Eisenbahntunnel Thailands. Dessen Erstellung zwischen März 1913 und 1917 (eröffnet: März 1918) leitete der deutsche Ingenieur Emil Eisenhofer. Als Eisenhofer 1962 hoch betagt starb, wurde seine Asche am Nordausgang des Khun-Tan-Tunnels beigesetzt, später kam auch die seiner Frau dazu.Whyte: Railway Atlas, S. 22 Hier liegt der Bahnhof Khun Tan, mit 573 m der höchstgelegene im gesamten thailändischen Eisenbahnnetz.Whyte: Railway Atlas, S. 24, 29
Wie alle anderen Strecken in Normalspur wurde die Nordbahn in den 1920er Jahren auf Meterspur umgespurt, um zum einen die bis dahin getrennten Netze der Staatsbahn vereinigen zu können, zum anderen den Anschluss an die Meterspurnetze der angrenzenden Eisenbahninfrastruktur von Britisch-Malaya und Französisch-Indochina zu ermöglichen. Das wurde in einer Übergangszeit mit einem Dreischienengleis erreicht. Ab 1926 konnten Meterspurzüge die gesamte Strecke befahren, 1930 wurde die Beseitigung des dritten Gleises für normalspurige Fahrzeuge abgeschlossen.
2002/2003 wurde die Strecke bis Lopburi zweigleisig ausgebaut. Am 5. Dezember 2025 wurde die 30 km lange, zweigleisige Umgehungsstrecke Lopburi in Verkehrswegebündelung mit der Umgehungsstraße der Route 366, mit einem neuen Bahnhof Lopburi 2 im Amphoe Tha Wung eröffnet.
Vorhaben Es ist vorgesehen, weitere 354 km der Strecke, von Lopburi bis Sila-At zweigleisig auszubauen.
Schon 1997 wurde der Neubau einer 246 km langen Zweigstrecke Den Chai–Chiang Rai von der Regierung gebilligt und seit 2001 damit begonnen, die erforderlichen Grundstücke zu beschaffen. Allerdings blieb das Vorhaben aufgrund von Geldmangel stecken. Im Jahr 2023 wurde schließlich mit den Bauarbeiten begonnen, sie sollen bis 2028 abgeschlossen sein.
Betrieb links|mini|Laufschild am Zug Nr. 2: Chiang Mai-Bangkok Historisch In den 1920er Jahren wurden Nachtverkehr und Schlafwagen eingeführt. Bis dahin wurden Fernfahrten für Übernachtungen unterbrochen. Die Royal State Railways (RSR) unterhielten dafür Hotels an großen Bahnhöfen. Die Fahrzeit von Bangkok Hua Lamphong nach Chiang Mai betrug damals 25 ½ Stunden.Whyte: Railway Atlas, S. 3.
Am 20. Mai 1988 ereignete sich bei Ban Takhli ein schwerer Eisenbahnunfall: Ein beladener 10-Tonnen-Lkw durchbrach die Schranke eines Bahnübergangs und fuhr einem Zug in die Flanke. Mehrere Personenwagen wurden stark beschädigt, einige entgleisten und blieben in der Konstruktion einer Brücke hängen, auf der die Strecke einen Bewässerungskanal querte, oder fielen in den Kanal. 27 Menschen starben, 22 wurden darüber hinaus verletzt.Peter W. B. Semmens: Katastrophen auf Schienen. Eine weltweite Dokumentation. Transpress, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71030-3, S. 214
Aktuell Über die gesamte Streckenlänge verkehren heute täglich fünf Zugpaare, drei weitere zwischen Bangkok und Phitsanulok. In Bangkok nutzen seit 2023 alle Züge den neuen Bahnhof Krung Thep Aphiwat Central Terminal. Unter den hier verkehrenden Zügen ist auch der Renommier-Zug der Thailändischen Bahn, das Zugpaar Nr. 1 / Nr. 2, ein Nachtzug zwischen Bangkok und Chiang Mai, der ausschließlich Schlafwagen der 1. Klasse und klimatisierte Schlafwagen der 2. Klasse sowie einen Speisewagen führt. Als schnelle Tagverbindung verkehrt ein Dieseltriebwagen unter der Zuggattung DRC, der nur Sitzplätze der klimatisierten 2. Klasse führt.Angaben nach: The Man in Seat 61: Train Travel in Thailand
Weblinks
https://www.youtube.com/watch?v=QmzKqON-JOI Die Hochbahnstrecke von Ban Mo nach Lopburi 2, echte Atmosphäre im Zug
Literatur B. R. Whyte: The Railway Atlas of Thailand, Laos and Cambodia. White Lotus Co Ltd, Bangkok 2010, ISBN 978-974-480-157-9
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Thailand Kategorie:Spurweite 1435 mm Kategorie:Spurweite 1000 mm Kategorie:Provinz Ayutthaya Kategorie:Provinz Saraburi Kategorie:Provinz Lopburi Kategorie:Provinz Nakhon Sawan Kategorie:Provinz Phichit Kategorie:Provinz Phitsanulok Kategorie:Provinz Uttaradit Kategorie:Provinz Phrae Kategorie:Provinz Lampang Kategorie:Provinz Lamphun Kategorie:Provinz Chiang Mai