mini|300px|Querschnitt durch den Oberarm

Der Oberarm (lateinisch Brachium; lateinisch auch Humerus) ist ein Teil des Armes und bildet den körpernahen (proximalen) Abschnitt der oberen Extremität. Er ist über das Ellbogengelenk mit dem Unterarm verbunden und über das Schultergelenk mit dem Schultergürtel und dem Rumpf. Die Oberarmgegend wird als Regio brachii bezeichnet.

Knöcherne Strukturen und Gelenkflächen Der Oberarm der Wirbeltiere enthält nur eine knöcherne Struktur, einen der längsten und kräftigsten Röhrenknochen, den Oberarmknochen (Os humerus, kurz Humerus, von lateinisch umerus ‚Oberarm, Achsel, Schulter‘de.wiktionary.org.). Sein beinahe halbkugelförmiger Kopf (Caput humeri) sitzt oben innen (cranial-medial) auf dem Schaft auf und bewegt sich in der Gelenkpfanne des Schulterblattes (Scapula).

Angrenzende Gelenke Schultergelenk Das Schultergelenk (Articulatio humeri) ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Es ist ein Kugelgelenk, dessen Gelenkflächen vom Oberarmknochenkopf (Caput humeri) und von der Gelenkfläche des Schulterblattes (Cavitas glenoidale scapulae) gebildet werden. Bewegungen, zu denen das Schultergelenk fähig ist, sind das Abspreizen (Abduktion), das Heranführen (Adduktion), das Vorführen (Anteversion) beziehungsweise die Beugung (Flexion), das Rückführen (Retroversion) beziehungsweise die Streckung (Extension) sowie die Drehbewegung nach innen und nach außen (Innen- und Außenrotation).

Ellbogengelenk mini|Wichtige Strukturen des Ellenbogengelenkes im Querschnitt

Im Ellbogengelenk (Articulatio cubiti) stehen Oberarmknochen, Speiche und Elle miteinander in Verbindung und zwar in drei einzelnen Gelenken: Dem Gelenk zwischen Oberarmknochen und Elle (Articulatio humeroulnaris), dem Gelenk zwischen Oberarmknochen und Speiche (Articulatio humeroradialis) und dem körpernahen Gelenk zwischen Elle und Speiche (Articulatio radioulnaris proximalis).

Muskulatur Wie andere Muskeln auch, sind die Muskeln des Oberarmes von je einer bindegewebigen Hülle (Faszie) umgeben. Eine weitere Faszie, die so genannte Armfaszie (Fascia brachii), umgibt die Oberarm-Muskulatur als Ganzes. Eine Besonderheit am Oberarm besteht darin, dass darüber hinaus zwei Scheidewände (Septen) existieren (Septum intermusculare mediale und Septum intermusculare laterale), die sich zwischen Oberarmknochen und Armfaszie bis hinab zu den Aufsätzen des Gelenkknorrens erstrecken und dabei eine Beuger- und eine Streckerloge definieren. Außerdem enthalten sie eine Reihe von Nerven und Gefäßen und dienen als Ursprungsfläche für Muskeln. Beide Scheidewände werden an bestimmten Stellen von Nerven durchbohrt. Weiterhin wird der Oberarm von Teilen der Brust-, Rücken- und Schultermuskulatur bewegt.

Übersicht Diese Tabelle soll nur eine erste Übersicht geben, genauere Beschreibungen finden sich auf den Seiten der betreffenden Muskeln.

Oberarmmuskulatur Bilder (die Zahlen entsprechen denen in der Tabelle) mini|300px|Rückseite Armmuskulatur mini|300px|Vorderseite Armmuskulatur lat. Name dt. Name Ursprung Ansatz Innervation Funktion Brustmuskulatur 1 M. pectoralis major Großer Brustmuskel Schlüsselbein,Brustbein (Sternum),Membrana sterni / Knorpel der Rippen 2 bis 6,vorderes Blatt der Rektusscheide Crista tuberculi majoris humeri N. pectoralis medialis,N. pectoralis lateralis HeranführenBeugungEinwärtsdrehung 2 M. serratus anterior vorderer Sägezahnmuskel Obere acht Rippen Margo medialis,Angulus inferior des Schulterblattes N. thoracicus longus Drehung des Schulterblattes nach oben, so dass der Arm über die Schulter gehoben werden kann Rücken- und Schultermuskulatur 3 M. latissimus dorsi Breitester Rückenmuskel Dornfortsätze (Processus spinosi) der untersten 6 Brustwirbel,Fascia thoracolumbalis,Crista iliaca,unterste 3 oder 4 Rippen Crista tuberculi minoris humeri N. thoracodorsalis HeranführenRetroversion/StreckungEinwärtsdrehung 4 M. deltoideus Deltaförmiger Muskel Schlüsselbein,Schulterdach,Spina scapulae Tuberositas deltoidea humeri N. axillaris BeugungEinwärtsdrehungAbspreizenStreckungAuswärtsdrehung 5 M. teres major großer Rundmuskel unterer Rand des Schulterblattes (Angulus inferior scapulae) Crista tuberculi minoris humeri Nervus subscapularisNervus thoracodorsalisNervus axillaris HeranführenStreckungEinwärtsdrehung Rotatorenmanschette (siehe unten) 6 M. teres minor kleiner Rundmuskel äußerer Rand des Schulterblattes (Margo lateralis scapulae) Tuberculum majus humeri N. axillaris Auswärtsdrehung 7 M. supraspinatus Obergrätenmuskel Fossa supraspinata des Schulterblattes Tuberculum majus humeri N. suprascapularis Abspreizen 8 M. infraspinatus Untergrätenmuskel Fossa infraspinata des Schulterblattes Tuberculum majus humeri N. suprascapularis Auswärtsdrehung 9 M. subscapularis Unterschulterblattmuskel Vorderfläche des Schulterblattes (Facies costalis scapulae) Tuberculum minus humeri N. subscapularis EinwärtsdrehungHeranführen Vorderseite Oberarmmuskulatur / Ellbogenbeuger 10 M. biceps brachii zweiköpfiger Oberarmmuskel Langer Kopf: Oberer Anteil der Gelenkpfanne (Labrum supraglenoidale)Kurzer Kopf: Rabenschnabelfortsatz Tuberositas radii (an der Speiche unterhalb der Ellenbeuge) N. musculocutaneus Beugung im Ellenbogengelenkwenn supiniert, Supination des UnterarmesAnteversion im Schultergelenk 11 M. brachialis Oberarmmuskel Vorderfläche des Oberarmknochens Vorderfläche der Elle,Tuberositas ulnae N. musculocutaneus Beugung des Unterarmes 12 M. coracobrachialis Rabenschnabelmuskel Rabenschnabelfortsatz Innenseite des Oberarmknochenschaftes N. musculocutaneus Fixierung des Oberarmknochenkopfes (Hauptfunktion)Anteversion des Oberarmes Ellbogenstrecker 13 M. triceps brachii dreiköpfiger Oberarmmuskel Seitlicher Kopf: Körpernaher OberarmknochenMittiger Kopf: Körperferner OberarmknochenLanger Kopf: Tuberculum infraglenoidale scapulae Olecranon (Ellbogen) N. radialis Streckung des Ellbogengelenkes 14 M. anconeus Ellbogenmuskel Aufsatz des seitlichen Oberarmknochenknorrens (Epicondylus lateralis humeri) Obere Hinterfläche der Elle N. radialis Streckung des Ellbogengelenkes

Rotatorenmanschette mini|300px|10. Rotatorenmanschette: 11. Supraspinatus, 12. Subscapularis, 13. Infraspinatus, 14. Teres minor Als Rotatorenmanschette (besser: Muskel-Sehnen-Kappe) wird beim Menschen eine Gruppe von vier Muskeln im Schulterbereich bezeichnet, die alle vom Schulterblatt zum Oberarmkopf ziehen und das Schultergelenk kappenförmig umgeben: Musculus supraspinatus (oberer Schultergrätenmuskel), Musculus subscapularis (vorne), Musculus infraspinatus (hinten oben), Musculus teres minor (hinten unten). Diese Muskeln sind von außen nicht sichtbar, sondern vom breiten und kräftigen Deltamuskel (Musculus deltoideus) bedeckt.

Die Aufgabe der vier Muskeln besteht darin, den Oberarmknochenkopf in der sehr flachen Gelenkpfanne des Schulterblattes zu halten. Das funktionelle Resultat ist eine extreme Beweglichkeit in mehreren Beugeebenen und der Drehachse. Auf der anderen Seite bedingt diese dynamische Fixierung eine potentielle Instabilität, weshalb Auskugelungen (Luxationen) im Schultergelenk besonders häufig sind (siehe Schulterluxation). Bei Lähmung eines Muskels innerhalb der Rotatorenmanschette kommt es zu Verstellungen des Oberarmknochens im Schultergelenk. Dadurch wird die Gefahr von Auskugelungen noch weiter gesteigert.

Beim Sturz auf den Arm oder auf die Schulter kommt es häufig zu Rissen, einer sogenannten Rotatorenmanschettenruptur, und manchmal auch zu Knochenabrissen an den Ansätzen des Musculus subscapularis und Musculus supraspinatus. Die Risse betreffen meist die sehnigen Anteile der Muskeln, wo sie in den Knochen einstrahlen. Diese Muskelansätze sind wenig durchblutet und stehen unter Spannung. Am häufigsten treten Risse am Supraspinatus auf, gefolgt vom Infraspinatus und Subscapularis. Der Teres minor ist hingegen fast nie betroffen. Neben traumatischen Ursachen wie Unfällen können auch degenerative Prozesse z. B. infolge eines Impingement-Syndroms zu Sehnenrissen oder -anrissen in der Rotatorenmanschette führen.

Leitungsbahnen Arterien Die Armarterie (Arteria brachialis) ist die Fortsetzung der Achselarterie (Arteria axillaris). Auf ihrem Weg nach unten im Nerven-Gefäß-Strang wird sie vom Nervus medianus begleitet, wobei sie körpernah den Musculus coracobrachialis und den Bizeps als Leitmuskeln benutzt, körperfern dagegen den Musculus brachialis. Daher befindet sie sich schließlich medial (in Richtung Körpermitte) der Bizepssehne, so dass man ihren Puls bei gebeugtem Arm leicht ertasten kann. Sie hat drei entscheidende Abgänge: Die tiefe Armarterie (Arteria profunda brachii) geht in der Nähe des Musculus teres major ab und zieht, begleitet vom Speichennerv, durch seinen Tunnel auf die Streckerseite. Dann teilt sie sich auf in die mittige Seitenarterie (Arteria collateralis media), die zunächst auf dem mittigen Trizepskopf verläuft und ihn anschließend perforiert und in die seitliche Speichenarterie (Arteria collateralis radialis), die seitlich verläuft und den eigentlichen Endast der tiefen Armarterie darstellt. Beide Arterien laufen in das Arteriennetz des Ellenbogengelenkes (Rete articulare cubiti) ein, ebenso die übrigen zwei Abgänge der Armarterie. Die obere seitliche Ellenarterie (Arteria collateralis ulnaris superior) geht erst spät aus der Armarterie hervor und verläuft dann in Begleitung des Nervus radialis auf der Streckerseite. Ihre kleine Schwester, die untere seitliche Ellenarterie (Arteria collateralis ulnaris inferior), zweigt noch weiter körperfern von der Armarterie ab, also erst kurz vor der Ellenbeuge. Wegen der zahlreichen Zuflüsse zum Arteriennetz kann die Armarterie problemlos unterbunden werden, sobald die tiefe Armarterie abgezweigt ist.

Venen mini|Verlauf der beiden Venenstämme des Armes

Es gibt zwei Arten von Venen, einerseits tiefe Venen, die im Wesentlichen den gleichen Verlauf nehmen wie die Arterien und andererseits oberflächliche Venen, die meist in Begleitung von Lymphgefäßen unter der Haut verlaufen und mit den tiefen Venen in Verbindung stehen. Am Oberarm unterscheidet man zwei große Venen. Sie gehen aus einem Venennetz am Handrücken hervor, steigen am Arm empor und treten dann in die Tiefe, wobei sie Faszien perforieren. Diese beiden Venenstämme sind: Die Vena basilica, die mittig verläuft und etwa auf der Hälfte des Oberarmes durch den Hiatus basilicus in die Tiefe dringt (zusammen mit einem Hautnerven des Unterarmes), um in eine der zwei Armvenen (Venae brachiales) einzumünden und die Vena cephalica, die seitlich verläuft (am Oberarm in der seitlichen Bizepsfurche) und unterhalb des Schlüsselbeines zwischen Musculus deltoideus und Musculus pectoralis major in die Tiefe taucht. Sie gelangt in die so genannte Mohrenheim-Grube (Fossa infraclavicularis), durchsticht die Fascia clavipectoralis und mündet schließlich in die Vena subclavia ein. Diese beiden Venen stehen miteinander in Verbindung.

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Eigenschaften der beiden Venenstämme gegenüber:

Name Vena basilica Vena cephalica Verlauf Innenseite des Arms Außenseite des Arms Einmündung Der Hiatus basilicus die Scheidewand zwischen den Muskeln Mohrenheimgrube Ziel (tiefe Vene) Eine der beiden tiefen Armvenen (Venae brachiales) Vena subclavia

Nerven mini|Der Nerven-Gefäß-Strang in der mittigen Bizepsfurche

Nerven des Plexus brachialis Am Oberarm verlaufen einige Nerven des Armnervengeflechts (Plexus brachialis):