Barn House (auch Skiff-Mayhew-Vincent House) ist ein großes, als Historic District in das National Register of Historic Places (NRHP) eingetragenes Gebiet in Chilmark im Bundesstaat Massachusetts der Vereinigten Staaten. Das namensgebende Haupthaus wurde ca. 1690 errichtet. Der Distrikt hat historische Bedeutung im Hinblick auf die Entwicklung der Landwirtschaft, Architektur und Gesellschaft in den USA.
Beschreibung des Distrikts Das Grundstück besteht teils aus Wald- und teils aus Grünflächen und verfügt über einen kleinen Bach, der es durchfließt. Wälle aus Feldstein grenzen es vor dem Haus und an der Ostseite ab, während weitere Steinwälle östlich des Haupthauses eine Viehweide sowie einen zweiten, kleineren Bereich neben der Scheune umgrenzen. Das ländliche Chilmark erstreckt sich auf der Westseite von Martha’s Vineyard vom Vineyard Sound im Norden bis zum Atlantischen Ozean im Süden.
Contributing Properties Als Contributing Properties wurden neben dem Haupthaus eine Scheune (Baujahr ca. 1786), ein Schuppen (Baujahr 1850), sieben Hütten (errichtet zwischen 1920 und 1959) sowie die Steinwälle und ein steinerner Plattendurchlass in das Register eingetragen.
Haupthaus Das ehemalige Bauernhaus ist in Fachwerkbauweise ausgeführt und verfügt über eineinhalb Stockwerke, die außen mit Schindeln verkleidet sind. Es misst im Grundriss mal und steht mit der langen Seite parallel zur südlich gelegenen Straße. Auf der Rückseite des Gebäudes reicht ein Gebäudeflügel weitere nach Norden. Die Südseite des Hauses ist fünf Joche breit, wobei den zentral platzierten Eingang zwei Fenster flankieren. Die Wände unterhalb der mit Schindeln verkleideten Seitenwände bestehen aus vertikalen, untereinander verbundenen Holzplanken.
Auf der Südseite des mit Holzschindeln gedeckten Daches gibt es drei mit Giebeldächern versehene Dachgauben, zwei weitere befinden sich auf der Nordseite. Die Fenster sind sämtlich als Vertikal-Schiebefenster ausgeführt, bei denen beide Teile jeweils sechs einzeln gefasste Scheiben besitzen. Sowohl die Gauben als auch die Fenster stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Das Fundament besteht aus Feldsteinen. Ein kleiner Kellerraum ist über eine Falltür auf der Ostseite des Gebäudes zugänglich. Im 19. Jahrhundert wurde der zentrale Kamin entfernt, so dass das Haus heute über keinen Schornstein mehr verfügt.
Im Inneren weist das Gebäude eine architektonische Besonderheit auf: Jeweils zwei parallel angeordnete Zusatzträger unterteilen die Stützweite der beiden zur Vorderseite gelegenen Räume. Da die beiden Räume unterschiedlich groß sind, spekulierte der Historiker Jonathan F. Scott, dass das Haus möglicherweise in zwei Abschnitten – zunächst der östliche und dann kurz darauf der westliche Teil – gebaut wurde. Die Fußböden bestehen aus breiten Holzdielen, Wände und Decken sind lediglich verputzt.
Der nördlich gelegene Raum, der in Häusern aus dem 18. Jahrhundert vorwiegend als Küche genutzt wurde, ist heute ein einziger großer Bereich. An der Stelle des ehemaligen zentralen Kamins befinden sich heute Schränke und eine Treppe zur oberen Etage. Die Küche befindet sich im Anbau.
Scheune Das Gelände des heutigen Historischen Distrikts war früher Teil eines Bauernhofs. Der mittlere Teil der 1786 mit Materialien des abgerissenen Gemeindehauses von Chilmark errichteten Scheune besteht aus drei Jochen und besitzt im Zentrum sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen langen Seite breite Tore. Am Ostende wurde später ein neues Joch hinzugefügt, im Westen ein weiteres in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Gebäude misst im Grundriss mal und steht auf einem Fundament aus Feldsteinen. Am Westende befindet sich ein kleiner Kellerraum.
Die Gestaltung und Bearbeitung der strukturellen Bauteile der Scheune zeigen deutlich die Herkunft aus dem 18. Jahrhundert. Zwar wurden einige Querträger ersetzt und andere mit modernen Hölzern verstärkt, jedoch ist der Großteil der ursprünglichen Rahmenkonstruktion im Original erhalten. Das mit Holzschindeln gedeckte Dach ruht auf breiten Brettern, die wiederum auf waagerecht angeordneten Pfetten befestigt sind.
Ein mal messender Schuppen gehört heute ebenso zur Scheune wie ein einstöckiger, mal großer Anbau, der um 1900 errichtet wurde und wahrscheinlich zum Melken der Kühe genutzt wurde.
Schuppen Ebenfalls aus der Zeit, als der Bauernhof aktiv bewirtschaft wurde, stammt der mal messende, mit einem Giebeldach versehene Schuppen. Er wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts in drei Bauphasen errichtet und steht auf einem Fundament aus Feldsteinen. Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Grundstücks durch die Chilmark Associates wurde er als Hühnerstall genutzt.
Steinwälle und Plattendurchlass Der landwirtschaftliche Ursprung des Grundstücks wird heute noch in den hohen Steinwällen sichtbar, die entlang der Ost- und Südgrenze verlaufen und östlich des Haupthauses einen kleinen Bereich eingrenzen. Das Land nördlich und westlich des Haupthauses wird aktuell weiterhin als Grünfläche gepflegt.
Ebenfalls als eigenständiges contributing property wurde ein steinerner Plattendurchlass westlich des Haupthauses bewertet, wo ein ehemaliger Feldweg einen kleinen Bach überquert. Für beide Objekte konnte jedoch kein Errichtungsdatum oder -zeitraum ermittelt werden.
Weitere Contributing Properties 1919 erwarben die Chilmark Associates das damals als Vincent Farm bekannte Grundstück, um dort eine als Kommune organisierte Sommerresidenz für ihre Mitglieder zu errichten. Auch heute noch dienen einige Gebäude auf dem Gelände diesem Zweck. Die Scheune wurde zu einem Essens- und Gemeinschaftsraum umgebaut, und einige kleine, einstöckige Hütten wurden nördlich davon und westlich des Haupthauses errichtet. Sie verfügen über Giebeldächer und stehen auf Holz- oder Betonpfählen, haben jedoch weder eigene Rohrleitungen noch Kochstellen, und auch die Innenwände sind nicht verputzt. Im Einzelnen handelt es sich um: BezeichnungBaujahr AbmessungenBeschreibungBesse Cabin1920 × zzgl. Anbau mit × Dach und Außenwände mit Holzschindeln gedeckt; hervorstehende DachsparrenWarren Cabin1920 × zzgl. Anbau mit × Dach und Außenwände mit Holzschindeln gedeckt; hervorstehende Dachsparren; spiegelbildlicher Aufbau zur Besse CabinKing Cabin1920 × Dach und Außenwände mit Holzschindeln gedecktDK Cabin1920 × Dach und Außenwände mit Holzschindeln gedeckt; hervorstehende Dachsparren; gemauerte Feuerstelle und außenliegender SchornsteinHilltop Cabin1938 × zzgl. Anbau mit × Hauptteil mit Pult-, Anbau mit Giebeldach; Dach und Außenwände mit Holzschindeln gedeckt; Feuerstelle und Schornstein an der NordwestseitePitkin Cabin1958 × Dach und Außenwände mit Holzschindeln gedeckt; Feuerstelle und Schornstein an der SüdwestseiteLamson Cabin1959 × Außenwände mit Holzschindeln gedeckt; teilweise bestehend aus einer älteren, wiederverwendeten Hütte
Noncontributing Properties Als nicht zur historischen Bedeutung beitragend wurden ein Badehaus ( × Grundfläche, Baujahr 1995), eine achte Hütte (L-förmiger Grundriss mit × in Nord-Süd-Richtung bzw. × in Ost-West-Richtung, Baujahr 2001) und ein mit einem hohen Maschendrahtzaun umgrenzter Tennisplatz (Baujahr 1996) bewertet, da diese Bauwerke außerhalb des Zeitraums errichtet wurden, auf den sich die Eintragung in das NRHP bezieht.
Historische Integrität So wie nahezu alle Gebäude, die aus der amerikanischen Kolonialzeit erhalten sind und die nicht explizit mit dem Ziel restauriert wurden, dass sie einer ganz bestimmten Epoche entsprechen, weicht das Haupthaus in mehrerer Hinsicht von seinem ursprünglichen Aussehen ab. So verfügte das Haus in den 1690er Jahren über einen großen, zentralen Kamin, die Fenster waren als Flügelfenster ausgeführt und die Innenräume waren mit weiß getünchtem Holz anstelle von Putz verkleidet.
Bereits 1919, als die Chilmark Associates das Grundstück erwarben, waren diese charakteristischen Merkmale nicht mehr vorhanden, jedoch kann das Hauptgebäude aufgrund verschiedener anderer Indizien – insbesondere die Bauweise mit fünf Jochen, ein zentraler Eingang, das Giebeldach sowie verschiedene architektonische Aspekte im Inneren – eindeutig dem Ende des 17. Jahrhunderts zugeordnet werden.
Gemeinsam mit der Scheune aus dem 18. Jahrhundert sowie den Steinwällen und Feldern erinnert das Gelände an die Ursprünge von Chilmark als landwirtschaftliche Siedlung und begründet damit seine historische Bedeutung. Die übrigen Bauwerke aus dem 20. Jahrhundert deuten ebenso auf die Vergangenheit als kolonialer Bauernhof hin wie auf die Idealisten, die das Gelände zu dieser Zeit als alternativen Sommer-Rückzugsort nutzten.
Historische Einordnung und Bedeutung Das Gelände ist vor allem aus drei Gründen von kulturhistorischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Zunächst ist das Haupthaus, nach seinen Eigentümern auch bekannt unter der Bezeichnung Skiff-Mayhew-Vincent House, eines von nur noch wenigen existenten Beispielen für die einheimische Architektur der frühen Tage der Besiedlung des westlichen Endes von Martha’s Vineyard durch englische Auswanderer. Obwohl es in seinem Aussehen mit den Jahren verändert wurde, weist es auch heute noch wesentliche charakteristische Merkmale der Periode seiner Errichtung auf. Zweitens erinnern die Scheune aus dem 18. Jahrhundert, die Felder und die Steinwälle an die landwirtschaftlich geprägte Geschichte der Insel, in der die Schafzucht die Haupteinnahmequelle für die Einwohner der Insel – und auch des hier beschriebenen Bauernhofs – darstellte. Drittens schließlich veranschaulicht das Ensemble die wachsende Bedeutung der Insel als Sommerfrische im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und hat damit auch sozialgeschichtliche Relevanz.
1919 zog die pittoreske, unmittelbar am Atlantik gelegene Farm eine Gruppe von Schriftstellern, Künstlern und Gesellschaftskritikern mit ihren Freunden und Familien an. Sie gründeten die Vereinigung Chilmark Associates, welche die Farm übernahm und in eine gemeinschaftlich betriebene Sommerkolonie umwandelte, in der die Mahlzeiten gemeinsam in der Scheune eingenommen und die anstehenden Arbeiten unter den Bewohnern aufgeteilt wurden. Sie renovierten das Haupthaus und errichteten einige kleine Hütten, so dass gleichzeitig bis zu drei Dutzend Personen untergebracht werden konnten. 1927 benannten sie das Anwesen in Barn House um und stellten damit die als Treffpunkt genutzte Scheune auch namentlich in den Mittelpunkt.
Da einige der ursprünglichen Mitglieder der Chilmark Associates bis in die 1960er Jahre hinein dort lebten, erstreckt sich der relevanzstiftende Zeitraum, auf den sich die Eintragung in das NRHP bezieht, vom Zeitpunkt der Errichtung des Haupthauses (ca. 1690) bis 1961 und damit über 271 Jahre. Eine überregionale Bedeutung über Chilmark hinaus wird jedoch nicht erkannt.
Nutzung und Eigentümer Der Hauptwirtschaftszweig speziell im westlichen Teil von Martha’s Vineyard war vom ersten Tage der Besiedlung an die Schafzucht, da Schafe mit der hügeligen und felsigen Landschaft besser zurechtkamen als beispielsweise Kühe. Neben der lokalen Nutzung des Fleisches und der Wolle der Tiere wurden diese Produkte nach Connecticut, in das südöstliche Massachusetts und an das Cape Cod exportiert.
Im 18. Jahrhundert lebten allein in Chilmark bis zu 20.000 Schafe, 1837 waren es noch 6470, wonach statistisch auf jeden Einwohner neun Tiere entfielen. Darunter befanden sich 1600 Merinoschafe, deren Wolle hochwertiger war. Noch 1911 führte die Encyclopædia Britannica die Schafzucht auf der Insel als an und listete speziell das Dukes County unter den drei größten Produzenten von Wolle in Massachusetts.