mini|x210px|Firmengründer Johann Wilhelm Kampf (1799–1875) mini|x210px|Firmengründer Johann Christian Spindler (1801–1881) Die Firma Kampf & Spindler, 1832 als Kontor für Heimweber in Elberfeld gegründet und 1970 als Paul-Spindler-Werke KG in Hilden geschlossen, entwickelte sich während der 138-jährigen Firmengeschichte von einem im Verlagssystem arbeitenden Vertrieb von handgewebten Seidenerzeugnissen zu einem vollstufig vertikal organisierten Industrieunternehmen, das vom Rohstoff beginnend Textilerzeugnisse in vier Städten herstellte und in seiner Blütezeit europaweit vermarktete. Als Familienunternehmen wurde die Firma während ihres Bestehens stets von Mitgliedern der Familien Kampf und Spindler und nahen Verwandten geleitet.

Geschichte Zeit der Handweber mini|Firmenadresse ab 1840: Elberfeld, Königstr. 121 mini|x210px|Leipzig: Verkaufsräume in Wagners Geburtshaus In ländlichen Gegenden des Rheinlands gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch viele Handweber. Meist wurden auf Handwebstühlen Seidentücher und Baumwollstoffe gewebt. Dabei mussten meist alle Familienmitglieder mithelfen. Der Mann saß hinter dem Webstuhl, die Frau machte die Webspulen zurecht. Die älteren Kinder halfen mit. Wenn die Frau spulte und mit dem einen Fuß das Rad antrieb, musste sie mit dem andern vielfach noch eine Kinderwiege in Bewegung halten; denn die Ehen waren damals fast immer kinderreich. Die Hausweber arbeiteten für einen Kontoristen, der meist in einer der größeren Städte wohnte, waren aber noch ihre eigenen Herren, konnte sich ihre Arbeit nach Belieben einteilen und z. B. noch nebenbei in ihrem Stall eine Ziege halten. An einem bestimmten Wochentag brachte ein Hauderer die fertig gewebten Stücke der Handweber mit seinem Huffwagen, das war ein mit Zelttuch überdachter Wagen, zum Kontoristen. Auf dem Rückweg brachte er neue Webketten und auch das Geld für die abgelieferte Ware mit. Das war immer ein Festtag für die Weberfamilien.

Gründung von Kampf & Spindler in Elberfeld Johann Christian Spindler (* 27. Juli 1801 in Kassel; † 29. Januar 1881 in Hilden), Sohn eines Hofdachdeckermeisters und Enkel eines Webers im Hunsrück zog nach Elberfeld, heute zu Wuppertal, auf den Hofkamp um. Als Kaufmann kaufte er ab 1827 den Handwebern die Waren ab und vertrieb sie weiter.

Johann Christian Spindler und Johann Wilhelm Kampf (* 1799 in Elberfeld; † 10. August 1875 in Hilden) freundeten sich an. Johann Wilhelm Kampf stammte aus einer Familie, die schon im Mittelalter in der Textilbranche als Bleicher und Garnhändler tätig war. Johann Christian Spindler und Johann Wilhelm Kampf gründeten 1832 in Elberfeld die Firma „Kampf & Spindler“, eine Halbseidenwaren- und Bandfabrik. Später wurde die Fabrikation auf wollene Tücher und Westen ausgedehnt. Das erste Kontor befand sich auf dem Hofkamp. 1835 zog die Firma zum Neuenteich um, 1840 zur neu angelegten Königstraße (seit 1946 Friedrich-Ebert-Straße). Die damals an Hausnummer 121 errichtete Villa Spindler zeugt auch heute noch von im Textilhandel schnell erworbenem Reichtum. In den Messestädten Leipzig und Braunschweig war die Firma mit eigenen Verkaufsräumen vertreten. In Leipzig repräsentierte Kampf & Spindler im Geburtshaus Richard Wagners.

Trennung der Gründer Im Jahre 1848 trennten sich die Gesellschafter und führten ihre Geschäfte als Einzelfirmen fort. Johann Christian Spindler verblieb in Elberfeld. Johann Wilhelm Kampf zog 1848 nach Hilden ins Haus Hagdorn, das ihm für Wohnung und Geschäft genügend Raum bot. In Hilden lebten gut ausgebildete Heimweber. Schon 1849 beschäftigte Kampf 100 Arbeitskräfte, die auf 100 Handwebstühlen tätig waren. Bis zum Beginn der Industrialisierung trugen die Heimweber wesentlich zum Aufstieg der Stadt Hilden bei.

Johann Wilhelm Kampf versuchte 1857, die Hildener Weber zu einer Weber- und Wirkerinnung zusammenzuschließen. Von 135 ortsansässigen Webmeistern traten 62 dieser Vereinigung bei.

Wiedervereinigung der Geschäfte in Hilden mini|Haus Hagdorn, erster Firmensitz in Hilden, Benrather Str. 1 Die Kinder der beiden Gründer von Kampf & Spindler in Elberfeld, Wilhelm Kampf (* 4. Oktober 1830 in Elberfeld; † 27. März 1877 in Sanremo) und Emilie Spindler (* 2. August 1837 in Elberfeld; † 13. Oktober 1919 in Hilden) heirateten 1858. Dies war der Anlass für Johann Christian Spindler und Johann Wilhelm Kampf, sich aus ihren Geschäften zurückzuziehen und diese per 1. Oktober 1863 unter der früheren Firmierung Kampf & Spindler in Hilden wieder zu vereinigen.

Wilhelm Kampf und Adolph Spindler (* 9. August 1839 in Elberfeld; † 9. April 1895 in Hilden) übernahmen gemeinsam die Leitung der nun in Hilden, Haus Hagdorn, Benrather Straße 1, mit Wiegekammer und Lagerraum ansässigen Firma.

Anfang 1873 wurde Arnold Münker (* Oktober 1844 in Langenberg (Rheinland); † April 1894 in Hilden) als dritter Teilhaber in das Unternehmen aufgenommen. 1882 verließ Münker das Unternehmen und war bis zu seinem Tod unter eigener Firma zusammen mit seiner Ehefrau Helene in Hilden als Seidenstoffgroßhändler tätig.

Nach dem frühen Tod von Wilhelm Kampf wurde Gustav Adolph Spindler 1877 alleiniger Inhaber von „Kampf & Spindler“. Er wohnte von 1873 bis 1878 im Vorgängerbau des im Jahr 1900 erbauten Rathauses, heute Bürgerhaus. 1877 erbaute er ein neues Wohnhaus an der Klotzstraße 14. Nebenan wurden neue Kontor–Räume geschaffen. Zwei seiner Söhne, Adolf, der älteste, und Paul Spindler lernten das Textilhandwerk. Adolf Spindler (* 2. August 1865; † 13. Januar 1956 in Halver-Schmalenbach) hatte die Webschule und die praktische Ausbildung in der Maschinenfabrik Rüti bei Zürich absolviert. Er trat 1883 als Lehrling in das Unternehmen ein. Paul Spindler (* 25. Februar 1872 in Hilden; † 14. März 1949 in Wiesbaden) trat als 17-Jähriger 1889 in das Unternehmen ein. Er durchlief alle Abteilungen und lernte die Firma von der Pike auf kennen.

Bis zum Jahre 1887 kamen nur Handwebstühle zur Anwendung. Die Drechslerei von Kaspar Kirberg (1781–1849) fertigte die Handwebstühle in Hilden an der Schwanenstraße, Klinkenhaus am Klinkenhammer. Während der Zeit der Handwebstühle wurden darauf ausschließlich ganzseidene Tücher und Kleiderstoffe hergestellt.

Zusätzlich zum Kontor entstand die Fabrik. In Hilden neben dem Kontor wurde in der Winderei gefärbtes Seidengarn, sowohl Kett- wie Schussgarn auf Bobinen gewunden. Zuerst wurde das große Schwungrad von einem kräftigen Mann in Bewegung gesetzt. Mit dem Aufkommen des Gasmotors stellte die Firma einen in Deutz gebauten Otto Gasmotor zum Betrieb der Winderei auf.

Zeit der mechanischen Webstühle Im Jahre 1886 wurden im Saal der Winderei erste mechanische Webstühle aus der Maschinenfabrik Rüti (Schweiz) aufgestellt. Im nächsten Jahr 1887 wurden 48 mechanische Webstühle errichtet. Sie wurden mit einer in der Maschinenfabrik von Friedrich Kirberg (* August 1824; † 28. Februar 1914) in Hilden, Schwanenstraße, hergestellten Dampfmaschine über Transmissionen angetrieben. Bis zum Jahre 1895 war die Belegschaft auf 250 Mitarbeiter angestiegen.

Nach dem Tod von Gustav Adolph Spindler im Jahre 1895 übernahmen seine Witwe Elise, geborene vom Baur (* 1835 in Lüttringhausen; † 29. April 1903) und sein Sohn Adolf Spindler das Geschäft und wurden Teilhaber. Sohn Paul Spindler erhielt gleichzeitig Prokura. Mit der Zeit war Adolf für den Verkauf und Paul für die Fabrikation zuständig. 1896 gelang es Paul Spindler, durch eine Erfindung auf dem mechanischen Webstuhl die Qualität von im Faden gefärbten reinseidenen Stoffen mit den gleich guten Eigenschaften herzustellen, wie sie bis dahin nur von Handwebern erzielt werden konnte.

Am 30. August 1897 heiratete Paul Spindler in Gummersbach Meta Sondermann (* 14. September 1877 in Gummersbach; † 16. Februar 1957). 1910 zogen Paul und Meta Spindler in den an der Hochdahler Straße am nördlichen Stadtrand von Hilden mit umfangreichen Parkanlagen umgebenen neu erbauten Landsitz Haus Kolksbruch. Später stellte Paul Spindler die Villa samt dem umliegenden Gelände dem 1933 an die Macht gekommenen Reichskanzler Adolf Hitler zur Verfügung und zog 1934 mit seiner Familie in die im heutigen Stadtpark in der Stadtmitte gelegene Villa. Haus Kolksbruch wurde von den nationalsozialistischen Machthabern in ein Müttererholungsheim umgewandelt. Von 1945 bis 1958 wurde das Gebäude dann von Besatzungsstreitkräften genutzt, bevor es der Bundesvermögensverwaltung zufiel. Seit 1965 befindet sich dort in neu errichteten Gebäuden das Institut für öffentliche Verwaltung des Landes NRW.

Während des Ersten Weltkrieges musste Adolf Spindler sofort ins Feld. Nach vier Jahren kehrte er heim. Er nahm danach seine Arbeit nicht wieder auf, sondern übertrug das Unternehmen auf seinen Bruder Paul und ließ sich seinen Erbanteil auszahlen. So ausgestattet, zog er sich ins Privatleben zurück und erwarb vom Wirtschaftswissenschaftler Eugen Schmalenbach dessen Gut Schmalenbach, wo er sein weiteres Leben verbrachte und 1956 starb.

Firmenerweiterungen mini|Kampf & Spindler Verwaltungsgebäude, Hilden Klotzstraße 22 mini|x210px|Der letzte Heimweber Carl Hasbach Paul Spindler baute die Produktion aus. In den Jahren 1902 kamen die Zweigwebereien in Baumberg heute Stadtteil von Monheim am Rhein und 1908 die Zweigweberei in Nastätten/Taunus hinzu. Mit der Vergrößerung der Produktionsstätten reichten die bisherigen Kontor- und Lagerräume nicht aus. Im Jahre 1910 wurde daher an der Klotzstraße 22 in Verbindung mit der mechanischen Weberei ein einheitliches Kontor- und Verwaltungsgebäude errichtet. Der Architekt des bruchsteinsichtigen Hauses mit dem Türmchen an der Klotzstraße 22 war Walter Furthmann. Das Kontor und der geschäftliche Betrieb wurden aus dem „Haus Hagdorn“ herübergenommen.

81 Jahre nach Firmengründung war die Umstellung vom Handwebstuhl auf den mechanischen Betrieb abgeschlossen. Als letzter Handweber lieferte Carl Hasbach 1913 sein letztes zu Hause gefertigtes Webstück ab. Er wurde von allen Seiten fotografiert. Die Fotos dienten als Vorlagen für das Bronzedenkmal „Pfeife rauchend, angetan mit dem guten Rock, den Warenbaum mit dem daran hängenden Bobinensack geschultert“. Infolge der Wirren des Ersten Weltkrieges wurde die Bronzeplastik von Rudolf Zieseniss aus Düsseldorf erst 1929 im Vorgarten des Verwaltungsgebäudes an der Klotzstraße (heute Hotel am Stadtpark) aufgestellt. Der heutige Standort der Plastik befindet sich an der Ecke Hochdahler Straße/Berliner Straße.

Reyon, Kunstseiden–, Zellstoffspinnerei, Färberei, Druckerei, Appretur mini|x210px|„Betriebstreue“, Berta Bruchhausen Nach fünfjähriger Forschung in einer bei „Sondermann & Co“ in Gummersbach eingerichteten Versuchsspinnerei wurde 1931 in Hilden an der Walder Straße die Kunstseidenspinnerei eröffnet. Darin wurden Chemiefasern aus Cellulose mit dem Nassspinnverfahren hergestellt. Der Name Kunstseide rührt vom seidenähnlichen Glanz der Fasern her. Der Begriff Kunstseide ist veraltet und heute nicht mehr gebräuchlich. Man spricht bei dieser Art von textilem Rohstoff von cellulosischen Filamentgarnen, beispielsweise Viscose–Filamentgarnen.

Am 1. Januar 1935 wurde Herbert Spindler (* 4. Januar 1901; † 10. Oktober 1945), Sohn von Adolf Spindler, Teilhaber.

Die Tochter von Paul Spindler, Judith Spindler (* 19. März 1906 in Hilden; † 2006) hatte den Diplomaten Friedrich Karl von Siebold (* 11. Mai 1897; † 26. Mai 1984 in München) geheiratet. Er trat am 1. Juli 1934 in die Firma ein. Ab dem 1. Januar 1935 bis zum Ende des Jahres war er Prokurist, ab 1. Januar 1936 Teilhaber und Geschäftsführer. Er schuf vor allem die Organisation, die dem schnell wachsenden Werk angemessen war. Am 31. März 1939 schied er aus dem Unternehmen wieder aus, um in seinem alten Beruf zurückzukehren. 1971 ließen sich Judith geb. Spindler und F. K. von Siebold scheiden. Sie nahm nach der Trennung ihren Mädchennamen Judith Spindler wieder an und verbrachte ihren Lebensabend in Lindau am Bodensee.