mini|260px|Chor der Klosterruine, Blick nach Osten mini|260px|Blick ins Innere der Klosterruine nach Westen Richtung Jugenheim, links Taufstein, daneben Grabplatte des Conrad von Weinsberg-Breuberg; gegenüberliegende Wandseite: Grabplatten der Familie Oberkeim aus dem Ende des 15. Jahrhunderts Die Klosterruine Heiligenberg (in Urkunden nach 1413 auch Lorscher Kloster auf dem heiligen BergePhilipp Heber: Das Kloster Lorsch auf dem heiligen Berge, In: Die vorkarolingischen christlichen Glaubenshelden am Rhein und deren Zeit, S. 72 genannt) ist der Überrest eines hochmittelalterlichen Nonnenklosters auf dem Heiligenberg bei Jugenheim, einem Ortsteil von Seeheim-Jugenheim im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen.

Das Kloster wurde spätestens Mitte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Bickenbach gegründet, die zwischen Wurzelbach im Osten und Gernsheim am Rhein, mit dem späteren Jugenheim und der Mutterkirche Bickenbach im Zentrum ihr erstes Herrschaftsgebiet aufbauten und zuerst vom Weilerhügel bei Hähnlein (heute Alsbach-Hähnlein) aus, nach 1241 über ihre Burg Bickenbach (heute Schloss Alsbach genannt) kontrollierten. Das 1413 dem Kloster Lorsch übereignete Kloster ist noch bis um 1550 urkundlich belegt; ab diesem Zeitraum wurde das damals kurpfälzische Kloster reformiert und wahrscheinlich ab 1556 als Teil der in diesem Jahr säkularisierten Domäne Lorsch weiterbetrieben. Spätestens im Dreißigjährigen Krieg wurde es zur Ruine. Seine Weinberge wurden, wie die Erwähnung eines Kelterhauses des Klosterbetriebes Lorsch 1632, und, nach anderen Quellen belegt, auch nach dem Dreißigjährigen Krieg bis ins 18. Jh. bewirtschaftet.Buchmann, Jugenheim 1979 S. 75/Klostergarten Das heutige Erscheinungsbild stammt in wesentlichen Teilen von einem partiellen Wiederaufbaugenau genommen der neugotische Chor auf frühromanischen Fundamenten, der Rest der heute sichtbaren Mauern stammt aus dem 11.-13. Jahrhundert, siehe weiter unten in "Zellersche Grabungen". 1831 als romantische Ruine unter Einbeziehung historischer Mauerreste, den Großherzogin Wilhelmine von Hessen und bei Rhein veranlasst hatte. Auch die Weinberge ließ sie wieder instand setzen. Die Klosterruine ist Teil des hessischen Kulturdenkmals Gesamtanlage Heiligenberg.

Lage mini|Die Ruine auf dem Heiligenberg Die Ruinen des ehemaligen Klosters befinden sich knapp 240 m westlich des Schlosses Heiligenberg auf dem gleichnamigen Berg () an der Bergstraße, östlich etwa 90 Höhenmeter oberhalb von Jugenheim, rund dreizehn Kilometer südlich von Darmstadt. Der das Kloster tragende Bergsporn, der eigentliche Heiligenberg mit weitem Ausblick auf die Rheinebene wird vom Stettbacher Tal im Norden mit dem namengebenden Stettbach und dem Balkhäuser Tal im Süden eingefasst, durchflossen vom sogenannten QuaddelbachDieser ist nicht nach Quaddeln benannt, sondern hieß früher nach dem Namen der Siedlung im Quellgebiet Quattelbach, auf neuerem Kartenmaterial heute mit „dd“.. Im 19. Jahrhundert angelegte Wanderwege verbinden jenseits des Marienberges das früher zum Schloss gehörende Gut Talhof, im Norden über die Höhenzüge der nördlichen Bergstraße die Ruinen der Burgen Tannenburg und Frankenstein, im Süden das früher zum Kloster gehörende, im Tal gelegene Nonnenbrünnchen und jenseits davon über die Bauernhöhe hinweg die Ruine der Burg Jossa unterhalb des Darsberges und den Melibokus, an dessen Westhang sich die Ruine des oben erwähnten Alsbacher Schlosses findet.

Geschichte Gründung Am Ort des Klosters vermutete Horst Wolfgang Böhme zwar eine ältere spätkarolingische/ottonische Befestigung und Gerichtsstätte der späteren Herren von Bickenbach,Horst Wolfgang Böhme: Die Turmhügelburg bei Alsbach-Hähnlein und die Territorialentwicklung an der mittleren Bergstraße im Früh- und Hochmittelalter. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 30 (1983), S. 503–519. doch konnte weder der Großherzoglich Hessische Finanzrat August Konrad Hofmann beim Bau seines Hofgutes im heutigen Schlossareal Anzeichen früherer Bebauung finden, noch trat bei der in seinem Auftrag durchgeführten Ausräumung des Klostergeländes etwas zu Tage, was als Beleg für diese Annahme hätte dienen können. An dieser Fundsituation hat sich seither nichts geändert.

Da der Konvent in einer Urkunde von 1413 dem franziskanischen Orden zugeordnet wurde, nahm Walther Möller 1922 an, das Nonnenkloster sei im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts durch Gottfried von Bickenbach und seine Ehefrau Agnes, eine geborene Wildgräfin zu Dhaun und Schwester des Erzbischofs von Mainz Gerhard I. Wildgraf von Dhaun und Kyrburg, gegründet worden.Walther Möller: Die Kirchen zu Zwingenberg und Jugenheim und das Kloster auf dem Heiligenberg. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde N. F. 13 (1922), S. 173–184, hier S. 181–182; zustimmend J. Friedrich Battenberg: Ortsherrschaft, Zentgewalt und Geistlichkeit am Heiligenberg. Gedanken zur Geschichte von Jugenheim an der Bergstraße. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde N. F. 50 (1992), S. 15–42, hier S. 18–19. Hierbei dürfte, folgt man dem 1910 erschienenen Beitrag von Adolf Zeller, eine bereits bestehende Kirche genutzt worden sein.Ernst Coester: Die einschiffigen Cistercienserinnenkirchen West- und Süddeutschlands von 1200 bis 1350. Mainz 1984 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 48), S. 12–13; ähnlich schon Adolf Zeller in Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. Neue Folge, Vierter Band (1906/1910), S. 5. Nach dessen Grabungen im Jahre 1906 ist zumindest diese Kirche eher in das späte 10. oder frühe 11. Jahrhundert zu datierenAdolf Zeller: Die Ausgrabungen auf dem Heiligenberge bei Jugenheim. In: Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. Neue Folge, Vierter Band (1906/1910), S. 55–70.. Das zuvor in der Region reich begüterte und einflussreiche Reichskloster Lorsch, das bis dahin in diesem Raum keine konkurrierenden Konvente aufkommen ließ, war 1232 dem Erzstift Mainz inkorporiert und somit stark geschwächt worden.Volker Rödel: Land und Kirche – Kirche und Land an der Bergstraße. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 55 (2003), S. 83–102, hier S. 91; vgl. zum Kontext Stefan Weinfurter: Der Untergang des alten Lorsch in spätstaufischer Zeit. Das Kloster an der Bergstraße im Spannungsfeld zwischen Papsttum, Erzstift Mainz und Pfalzgrafschaft. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 55 (2003), S. 31–58. Anfangs lebte die Frauengemeinschaft auf dem Heiligenberg möglicherweise zunächst nach der Benediktsregel.Verena Türck: Kirche, Kloster und Zent – Die Kirchengemeinde Jugenheim im Mittelalter. In: Stephanie Goethals (Red.). 750 Jahre »Kirche auf dem Heiligen Berg«. Beiträge zur Geschichte Jugenheims. Reinheim 2013, S. 26–49, hier S. 34. Wann genau dieses Kloster wirklich gegründet wurde lässt sich bis heute nicht sicher sagen; als frühester Befund finden sich die Fundamente der Klosterkirche, die das Ende des 10. Jahrhunderts möglich machen, und die erste Urkunde, die als spätestmöglichen Zeitpunkt das dritte Viertel des 13. Jahrhunderts anbietet:

Konrad (II.) von Bickenbach und seine Ehefrau Jutta von Falkenstein (auch „Guda“ bzw. „Ruda“ genannt, in zweiter Ehe mit Konrad verheiratet) schenkten dem Kloster auf dem Heiligenberg 1264 die Hälfte seines Hofs auf HartenauHartenau war ein Dorf, das noch 1800 mit 14 Wohnhäusern dokumentiert ist, 1823 Bickenbach eingemeindet wurde, aber bis 1853 sogar noch eine eigene Schule besaß. Ein eigenes Gasthaus ist ebenfalls überliefert. 1403 wird ein Dietrich von Hardenau erwähnt, Lehnsmann des Konrad von Bickenbach, der 1264 die Hälfte seines Hofes zu Hartenau dem Kloster Heiligenberg stiftet. Um 1550 ist die Familie von Hartenau ausgestorben. Im 16. Jahrhundert war Hartenau im Besitz der Grafen von Wallbrunn zu Ernsthofen. Dies gilt als erste Erwähnung des Konvents,Vgl. Friedrich Battenberg: Ortsherrschaft, Zentgewalt und Geistlichkeit am Heiligenberg. Gedanken zur Geschichte von Jugenheim an der Bergstraße. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde N. F. 50 (1992), S. 15–42, hier S. 19–20 und S. 39, Anm. 16 mit Verweis auf die kopial im Staatsarchiv Darmstadt, C 2 Nr. 502/2, fol. 136v überlieferte Urkunde von 1264 März 25 (Regest bei Johann Konrad Dahl: Urkundenbuch zur Geschichte und Topographie des Fürstenthums Lorsch. Darmstadt 1812, S. 118). wenn auch nur vermutet werden kann, dass in der inschriftlichen Erwähnung des 15. Jahrhunderts mit „Conrad Herrn auf Tannenberg“ tatsächlich Konrad von Bickenbach gemeint ist.Sebastian Scholz: Die Inschriften der Stadt Darmstadt und der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Gross-Gerau, L. Reichert, 1999, S. 69. Da die besagte Inschrift die Gründung der Jugenheimer Pfarrkirche im Jahr 1263 nennt und einem wohl als Konrad von Bickenbach zu identifizierenden Konrad von Tannenberg zuschreibt, wurde vermutet, dass dieser auch das Kloster zu dieser Zeit gestiftet hat.Verena Türck: Kirche, Kloster und Zent – Die Kirchengemeinde Jugenheim im Mittelalter. In: Stephanie Goethals (Red.). 750 Jahre »Kirche auf dem Heiligen Berg«. Beiträge zur Geschichte Jugenheims. Reinheim 2013, S. 26–49, hier S. 30–31; maßgebliche Edition der Inschrift bei Sebastian Scholz: Die Inschriften der Stadt Darmstadt und der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau. Wiesbaden 1999 (Die Deutschen Inschriften 49, Mainzer Reihe 6) ISBN 3-89500-119-8, Nr. 102, S. 68–70 (online auf www.inschriften.net). Wenn sich die Nachricht der Zimmerischen Chronik aus der Mitte des 16. Jahrhunderts „So ligen iren vil in ainem clösterle under Bickenbach die Bergstraß hinab uf ainem berg“ auf dieses Kloster bezieht, dürfte es als Grablege für die Herren von Bickenbach gedient haben. Grabsteine von Angehörigen dieser Familie sind jedoch erst aus späterer Zeit bekannt, im Kloster Himmelthal sind dagegen mehrere aus dem 14. Jahrhundert erhalten.Das Zitat bei Hansmartin Decker-Hauff (Hrsg.): Die Chronik der Grafen von Zimmern. Handschriften 580 und 581 der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen. Bd. 2. Konstanz und Stuttgart 1967, S. 55; Verena Türck: Kirche, Kloster und Zent – Die Kirchengemeinde Jugenheim im Mittelalter. In: Stephanie Goethals (Red.). 750 Jahre »Kirche auf dem Heiligen Berg«. Beiträge zur Geschichte Jugenheims. Reinheim 2013, S. 26–49, hier S. 35. Das Kloster beherbergte wohl stets nur wenige Nonnen.Verena Türck: Kirche, Kloster und Zent – Die Kirchengemeinde Jugenheim im Mittelalter. In: Stephanie Goethals (Red.). 750 Jahre »Kirche auf dem Heiligen Berg«. Beiträge zur Geschichte Jugenheims. Reinheim 2013, S. 26–49, hier S. 33. Bei den bisherigen Grabungen konnten außer den drei in der Klosterkirche nachgewiesenen Bestattungen keine weiteren Gräber festgestellt werden, der Ort des zu vermutenden Klosterfriedhofes ist unbekannt.

Klosterwidmungen 1304 wurden dem Kloster Anteile der vier Brüder Reinhard, Gerhard, Giso und Conrad aus dem Geschlecht der von Jazo gewidmet. Diese waren mit den Bickenbachern nah verwandt, erbten um 1290 Anteile Konrads und Gudas, aus denen das Amt Jossa geformt wurde, und errichteten um 1300 die Burg Jossa auf dem nahe gelegenen Dagsberg, dessen Name auch als Synonym für den der Burg benutzt wurde. 1322 wurde die Übertragung des großen Zehnten aus Jugenheim an das Kloster bestätigt, bewilligt durch den Lehensherrn Gottfried II. von Bickenbach. 1337 folgten Gülten des Alsbacher (Aldisbacher) Hofes der Bickenbacher durch Ulrich I. von Bickenbach im Namen seiner Frau Elisabeth und seiner Tochter Agnes, der späteren Gräfin von Katzenelnbogen nach ihrer Heirat mit Eberhard III. von Katzenelnbogen. Für 1340 erfolgten Bestätigungen durch den Edelknecht Gerlach Haelstein, 1353 durch Edelknecht Gizo von Jossa und 1361 durch Edelknecht Rabenolt von Tannenberg dem Ältesten an das Kloster, die durch Urkunden im Lorscher Judicialbuch nachgewiesen sind.

Übergang an das Kloster Lorsch