mini|hochkant=1.3|Alte Landesbibliothek (1886 erbaut, 1970 abgerissen)

Die Württembergische Landesbibliothek (WLB) ist eine große wissenschaftliche Universalbibliothek in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Neben der Badischen Landesbibliothek (BLB) in Karlsruhe ist sie die Regionalbibliothek für Baden-Württemberg, wobei die WLB speziell für die Regierungsbezirke Stuttgart und Tübingen zuständig ist. Besonders widmet sich die Landesbibliothek der Beschaffung, Erschließung, Archivierung und Bereitstellung des Schrifttums über Württemberg, den so genannten Württembergica. Zusammen mit der BLB hat sie auch das Pflichtexemplarrecht für Baden-Württemberg (seit 1964, vorher nur für Württemberg) und ist damit Archivbibliothek. Mit einem Bestand von über 6 Millionen Medieneinheiten ist die Württembergische Landesbibliothek die größte wissenschaftliche Bibliothek in Baden-Württemberg.

Bestände 6,4 Millionen Medieneinheiten, davon u. a. (Stand: 18. März 2025): 4.253.440 Bände Buchmaterialien 15.751 Handschriften 7.094 Inkunabeln 180.905 Autographen 493.274 Mikroformen 159.867 Karten und Pläne 97.462 Plakate 36.930 Porträts 159.916 Flugblätter 588.803 Fotos 163.947 Feldpostbriefe 81.223 Noten 52.665 AV-Medien (Ton- und Bildträger) 31.090 CD-ROMs 22.314 Bibeln (in 803 Sprachen) 7.524 laufend gehaltene Zeitungen und Zeitschriften 33.564 elektronische Zeitschriften 382.061 E-Books 295 Online-Datenbanken

Geschichte Standorte und Namen Die Württembergische Landesbibliothek hat sechsmal ihren Standort und fünfmal ihren Namen gewechselt.Standorte: #Pust 2015. Namen: Württembergische Landesbibliothek, Eigene Besitzstempel.

Jahr Gebäude Ort Straße 1765 Beck’sches Haus Ludwigsburg Stuttgarter Straße 12/1 1767 Grafenhaus Ludwigsburg Schlossstraße 29/31 1777 Herrenhaus Stuttgart Marktplatz 1820 Invalidenhaus Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 8 1886 Neubau 1886 Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 8 1970 Neubau 1970 Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 8 Jahr Name 1765 Herzogliche Öffentliche Bibliothek 1803 Kurfürstliche Öffentliche Bibliothek 1806 Königliche Öffentliche Bibliothek 1901 Königliche Landesbibliothek 1921 Württembergische Landesbibliothek

Gründung in Ludwigsburg (1765) mini|Gründer der Bibliothek: Herzog Carl Eugen von Württemberg (Gemälde von Pompeo Batoni aus dem Jahr 1756)

Gegründet wurde die Bibliothek von Herzog Carl Eugen am 11. Februar 1765, seinem 37. Geburtstag, als Herzogliche Öffentliche Bibliothek. Ihr erster Standort war das Beck’sche Haus (heute Stuttgarter Straße 12/1) in der damaligen württembergischen Residenzstadt Ludwigsburg. Bemerkenswert an der Gründung war, dass die Bibliothek ihrem Stiftungsdiplom nach von Anfang an jedermann offenstand, „mit alleiniger Ausnahme der Livrée-Bedienten“. Der Herzog, dem seine Bibliothek eine Herzensangelegenheit war und der zeit seines Lebens als oberster Bibliothekar fungierte, hatte also keine weitere Hofbibliothek geschaffen, wie sie damals noch üblich war, sondern eine Institution, die bereits wesentliche Züge einer modernen Bibliothek aufwies. Auch die Erwerbungsrichtlinien strebten bereits eine Repräsentation aller Fachbereiche im Bestand an. 1767 zog die Bibliothek in den Grafen- und Gesandtenbau in der Schlossstraße 29/31 in Ludwigsburg um. Das Gemälde Carl Eugens von Pompeo Batoni aus den Jahren 1753–1756 gehörte zur Gründungsausstattung der herzoglichen Bibliothek und hängt heute im Katalograum der Württembergischen Landesbibliothek.

Verlegung nach Stuttgart (1777) 1777 wurde die Bibliothek nach Stuttgart verlegt, das seit 1775 wieder württembergische Residenz war. Das aus dem Jahre 1435 stammende Herrenhaus, ein großer Holzbau direkt am Stuttgarter Marktplatz, nahm die Bibliothek auf, die dort am 12. Februar 1777 neu eröffnet wurde. Wegen der Holzbauweise bestand hohe Feuergefahr, und die Bibliothekare waren oft mit ständigen diesbezüglichen Vorsichts- und Abwehrmaßnahmen beschäftigt.

Herzog Carl Eugen hatte den Ehrgeiz, eine der führenden Bibliotheken Deutschlands zu etablieren. Grundstock der Bestände waren die Bibliothek der Ludwigsburger Residenz, noch von Herzog Eberhard Ludwig begonnen, und die angekauften Buchbestände des ersten Bibliothekars Joseph Uriot; zusammen um die 10.000 Bände. Das seit 1710 in Württemberg bestehende Pflichtexemplar wurde von der Bibliothek des Regierungsrats auf die neue Bibliothek übertragen. Auch die herzogliche Antiquitäten-Sammlung und das Medaillen-Cabinett wurden der Bibliothek zugeschlagen. Höchstpersönlich kümmerte der Herzog sich um den Bestandsausbau, war ständig in Sachen Bibliothek unterwegs und kaufte unter Aufwendung beträchtlicher Summen vielfältige Sammlungen an, u. a. zwei große Bibelsammlungen des Kopenhagener Predigers Josias Lorck und des Nürnberger Archidiakons Georg Wolfgang Panzer, die den Grundstock für die große Bibelsammlung der WLB bildeten. Nach Verlegung der Bibliothek nach Stuttgart wurde eine Reihe von Behördenbibliotheken aus dem ganzen Land in den Bestand aufgenommen. Vom württembergischen General Ferdinand Friedrich von Nicolai kaufte Herzog Carl Eugen auch die seither so genannte Sammlung Nicolai.

Gegen Lebensende des Herzogs hatte die Bibliothek einen Bestand von 100.000 Bänden erreicht, Teile der Bestände mussten aus dem Herrenhaus ausgelagert werden. Obwohl Herzog Carl Eugens Nachfolger zunächst wenig Interesse an der Bibliothek zeigten und schon 1794, wenige Monate nach seinem Tod, den Neukauf von Büchern drastisch einschränkten, wuchsen die Bestände weiter. Für Zuwachs sorgten u. a. ab 1803 die Bibliotheken der Klöster, die im Zuge der Säkularisation neu an Württemberg gekommen und aufgehoben worden waren, beispielsweise Weingarten, Zwiefalten oder Wiblingen. Große Teile der Bestände, vor allem die wertvollen Handschriften,Vgl. etwa Maria Sophia Buhl, Lotte Kurras: Die Handschriften der ehemaligen Hofbibliothek Stuttgart. Band 4,2: Codices physici, medici, mathematici […] (= Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. Band II, 4,2.) Wiesbaden 1969. gingen allerdings nicht an die öffentliche Bibliothek, sondern an die von König Friedrich 1810 neu geschaffene Königliche Handbibliothek, eine Fürstenbibliothek alten Typs. Erst später gingen auch diese Bestände, noch später dann die gesamte Königliche Handbibliothek, ab 1886 Königliche Hofbibliothek, an die Landesbibliothek.

Wegen großer Raumnot zog die Bibliothek, nunmehr Königliche Öffentliche Bibliothek, 1820 um in das Invalidenhaus an der Neckarstraße 8, das ursprünglich 1810 für ein Invalidenregiment errichtet worden war. Damit war der Standort erreicht, an dem die Bibliothek sich noch heute befindet. Dieses Gebäude war zumindest teilweise aus Stein errichtet, zu großen Teilen bestand es aber immer noch aus Holz, so dass die Feuergefahr auch in diesem Gebäude hoch blieb.

Erster Bibliotheksbau (1886) mini|Fassade des Landauer-Baus von 1886

Auch das Invalidenhaus war ein Holzbauwerk, und wegen der Feuergefahr drängte die Bibliothek immer wieder auf einen Neubau aus Stein, der schließlich 1878 bis 1886 unter dem ausführenden Architekten Theodor von Landauer an (fast) gleicher Stelle errichtet wurde. Für den Fassadenschmuck mit Reliefs und Kapitellen war Adolf von Donndorf verantwortlich. Leiter der Bibliothek war zu dieser Zeit der auch als Historiker hervorgetretene Wilhelm Heyd. Nach seiner Ernennung zum König hatte König Friedrich I. die Bibliothek in Königliche Öffentliche Bibliothek umbenannt, 1901 wurde sie in Königliche Landesbibliothek und nach dem Ende der Monarchie 1921 in Württembergische Landesbibliothek umbenannt.

Während des Zweiten Weltkrieges, in der Nacht vom 12. auf den 13. September 1944, brannte das Bibliotheksgebäude bei einem schweren Luftangriff auf Stuttgart beinahe vollständig aus. Nur das separat stehende Verwaltungsgebäude (und mit ihm die Bibliothekskataloge) konnten vor der Feuersbrunst gerettet werden. Alle Bestände, die nicht ausgelagert worden waren, verbrannten. Über 400.000 Bände, etwa die Hälfte des damaligen Gesamtbestandes, gingen verloren; darunter die gesamte neuere Literatur ab 1930, komplette Fachgruppen, viele Zeitungen und Zeitschriften und auch der größte Teil der ehemaligen Hofbibliothek. Die andere Hälfte des Bestandes, darunter die meisten Kostbarkeiten, war zum Glück rechtzeitig ausgelagert und damit gerettet worden.

Das Bibliotheksgebäude wurde nach 1944 teilweise wiederaufgebaut und am 21. Februar 1946 wiedereröffnet.Annegret Kotzurek, Rainer Redies: Stuttgart von Tag zu Tag 1900-1949. Eine Chronik. Tübingen 2009, S. 180. 1970 wurde es abgebrochen. An seiner Stelle wurde die heutige Landesbibliothek errichtet.

Zweiter Bibliotheksbau (1970) mini|Foyer des Linde-Baus von 1970

In der Nachkriegszeit wurde versucht, die großen Lücken, die der Krieg gerissen hatte, zu schließen, was teilweise gelang, vor allem durch großzügige Spenden der württembergischen Verlage. Unter der Ägide Wilhelm Hoffmanns, der die Landesbibliothek von 1945 bis 1969 leitete und mit Theodor Heuss (dem damaligen württemberg-badischen Kultminister) befreundet war, gelang es, von Regierung und Landtag ausreichende Mittel für den Neuanfang zu erhalten. Als am 3. August 1970, nach jahrzehntelangen Provisorien, das heutige Bibliotheksgebäude (Entwurf: Prof. Horst Linde) eingeweiht wurde, hatte der Bibliotheksbestand schon fast wieder die Größe vor der Zerstörung erreicht. Unter Hoffmanns Nachfolger Hans-Peter Geh, der von 1985 bis 1991 Präsident der internationalen Bibliotheksvereinigung IFLA war, konnten die Bestände mehr als verdoppelt werden; 1990 betrugen sie rund 2,5 Millionen Bände.

Seit dem Ausbau der Technischen Hochschule Stuttgart zur Voll-Universität Stuttgart im Jahre 1967 übernimmt die WLB, ihrem Bestandsschwerpunkt bei den Geisteswissenschaften entsprechend, für die geisteswissenschaftlichen Fächer der Universität die Literaturversorgung und fungiert insofern als Universitätsbibliothek, außerdem auch als Hochschulbibliothek für die benachbarte Musikhochschule (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart) und die Kunsthochschule (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart). Etwa 91 % des Buchbestandes sind in geschlossenen Magazinen aufgestellt.

Die Badische und die Württembergische Landesbibliothek erstellen und veröffentlichen gemeinsam die Landesbibliographie Baden-Württemberg. Unter dem Namen Baden-Württembergisches Online-Archiv (BOA) kooperieren beide Bibliotheken darüber hinaus bei der Online-Archivierung von Internetseiten, die sich auf Baden-Württemberg beziehen.

Zum 1. Januar 2000 wurden Personal und Bestände der Bibliothek für Zeitgeschichte übernommen, die schon seit 1972 im Gebäude der WLB ansässig war und deren Bestände über die WLB zu benutzen waren. Rund 350.000 Bände zur Zeitgeschichte ab 1914, insbesondere zum Militärwesen und zur Konfliktforschung, gingen an die Landesbibliothek über, nebst archivalischen Sondersammlungen mit u. a. Plakaten und Feldpostbriefen sowie dem ehemaligen DFG-Sondersammelgebiet 8.3 Nicht-konventionelle Materialien zur Zeitgeschichte aus dem deutschsprachigen Bereich.

Erweiterungsbau (2020) mini|Erweiterungsbau von 2020