miniatur|Goodrich Castle von Osten Goodrich Castle ist eine mittelalterliche Burgruine aus normannischer Zeit, nördlich des Dorfes Goodrich in der englischen Grafschaft Herefordshire. Von ihr aus konnte man eine Schlüsselstelle an der Straße von Monmouth nach Ross-on-Wye kontrollieren. William Wordsworth hat sie als „nobelste Ruine in Herefordshire“ beschrieben und der Historiker Adrian Pettifer sieht sie als „glänzendste (Ruine) im gesamten County und eines der besten Beispiele für englische Militärarchitektur“.

Vermutlich ließ Godric of Mappestone Goodrich Castle nach der normannischen Eroberung Englands erbauen, anfangs als hölzerne Festung mit Erdwällen. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Burg durch einen steinernen Donjon ersetzt und Ende des 13. Jahrhunderts deutlich zu einer Ringburg erweitert, die luxuriöse Wohngebäude mit ausgedehnten Befestigungen verband. Der Erfolg der Anlage von Goodridge Castle beeinflusste in den folgenden Jahren viele andere Konstruktionen in ganz England. Es wurde der Familiensitz der mächtigen Talbots, wurde aber gegen Ende der Tudorzeit Residenz aufgegeben.

Goodrich Castle wurde im englischen Bürgerkrieg erst von der New Model Army und dann von königstreuen Kräften gehalten und schließlich 1646 von John Birch mit Hilfe des riesigen Roaring-Meg-Mörsers belagert. Die Burg fiel und wurde geschleift. Ende des 18. Jahrhunderts wurde Goodrich Castle zu einer bekannt pittoresken Ruine und Vorlage für viele Gemälde und Gedichte. Vorgänge auf der Burg bildeten die Vorlage für William Wendworths berühmtes Gedicht von 1798 namens We are Seven. Ende des 20. Jahrhunderts war das Anwesen eine bekannte Touristenattraktion, gehörte English Heritage und war für die Öffentlichkeit zugänglich.

Architektur miniatur|links|Am Südostturm sieht man das charakteristische, rechtwinklige Eckblatt zur Verhinderung der Unterminierung während einer Belagerung

Goodrich Castle steht auf einem hohen Felsvorsprung aus Sandstein über dem River Wye. Es bewacht eine Furt über den Fluss namens Walesford oder Walford, etwa 26 km entfernt von Hereford und 6,4 km von Ross-on-Wye. Die Burg überwacht die frühere Römerstraße von Gloucester nach Caerleon beim Übergang von England nach Wales.

Im Zentrum der Burg befindet sich ein Donjon mit quadratischem Grundriss, der zu Beginn der Normannenzeit aus hellgrauem Sandstein erbaut wurde. Er hat normannische Fenster und Pilaster-Strebewerke. Der Donjon hat zwar dicke Wände, ist aber relativ klein; die einzelnen Zimmer in jedem Stockwerk messen innen nur 4,5 m × 5,5 m. Dieser Donjon war eher für die Verteidigung geeignet als für das tägliche Leben. Der Donjon besaß ursprünglich aus Sicherheitsgründen eine Tür im 1. Obergeschoss, die später in ein Fenster umgewandelt wurde; der Eingang ist heute im Erdgeschoss. Die Basis des Donjons war ursprünglich von einem Erdwall umgeben, der ihn gegen Angriffe schützen sollte, und die Bruchsteine der ersten paar Lagen sind gröber.

Um den Donjon befindet sich eine nahezu quadratische Befestigung, die von drei großen Türmen überragt wird, die alle um 1280 aus etwas dunklerem Sandstein errichtet wurden. Auf der verletzlicheren Süd- und Ostseite der Burg wurden Burggräben von 27 m Länge und 9 m Tiefe in den Fels gemeißelt, wobei man einen natürlichen Bruch ausnutzte. Diese Türme haben große Eckblätter, die aus Verschneidungen von Pyramide mit quadratischem Grundriss mit den runden Türmen entstehen und an den Wänden aufsteigen. Dieses Detail ist charakteristisch für Burgen in den Welsh Marches, wie z. B. St Briavels Castle und Tonbridge Castle. Sie sollten die Unterminierung der Türme durch Angreifer verhindern.

miniatur|Das Torhaus kann man über einen ausgesetzten Damm erreichen, der von der Barbakane (rechts) verdeckt wird. Das Fenster der Kapelle kann man im linken Turm sehen.

Die vierte Ecke der Burg bildet das Torhaus. Hier wurde die klassische, eduardische Torhauskonstruktion in ein asymmetrisches Gebäude abgewandelt, bei dem ein Turm viel größer ist als der andere. Am Torhaus findet man Fallgatter, Meurtrières (Öffnungen in der Gewölbespitze, durch die die Verteidiger auf die Angreifer schießen konnten) und eine Zugbrücke. Unterhalb des Torhauses liegt eine große Barbakane, die der zur selben Zeit entstandenen aus dem Tower of London ähnelt und möglicherweise von denselben Handwerkern errichtet wurde. Sie soll den Damm zum Torhaus schützen. Die Barbakane hat heute nur noch die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe, besitzt aber ein eigenes Tor, das dazu diente, Eindringlinge an der inneren Festungsmauer festzusetzen. Torhaus und Barbakane sind durch einen Steindamm verbunden.

Der nach Osten zeigende Turm des Torhauses enthält eine Kapelle, eine unübliche Anordnung, die wohl dem Platzmangel geschuldet ist. Sie hat ein kürzlich restauriertes Ostfenster aus Glas im Stil des 15. Jahrhunderts, das von Nicola Hopwood entworfen wurde und Licht auf den Priestersitz (Sedilia) fallen lässt. Der Fensterrahmen aus dem 15. Jahrhundert ersetzte ein noch größeres Fenster aus dem 13. Jahrhundert. Das Westfenster der Kapelle ist modern und erinnert an britische Soldaten, die von 1936 bis 1976 bei der Entwicklung des Radars ihr Leben ließen. Der Altar selbst ist besonders alt; er entstand möglicherweise noch vor der Burg.

Die Vorburg nahm eine Reihe großer Gebäude für den Haushalt der Burg auf, z. B. den Rittersaal, den Solar, die Küche, den Servierraum und die Speisekammer, alle mit einer luxuriös großen Anzahl an Aborterkern und offenen Kaminen. Die großen Türme boten weitere Wohnmöglichkeiten. Die Konstruktion der Haushaltsgebäude war sorgsam miteinander verbunden, um die Verteidigung der Vorburg zu unterstützen. Der 20 m × 9 m große Rittersaal z. B. liegt in der stärksten Position über dem River Wye, sodass er trotz der großen Fenster und des großen offenen Kamins leicht verteidigt werden konnte. Das Wasser für die Burg wurde ursprünglich aus dem Brunnen im Hof geschöpft, wurde aber später von einer Quelle auf der anderen Seite des Tals durch Leitungen der Burg zugeführt. In den Küchen gab es ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts Leitungswasser. Die Konstruktion der Gebäude stellte sicher, dass Dienerschaft und Herrschaften auf dem begrenzten Platz einer Burg voneinander getrennt leben konnten, was zu damaliger Zeit revolutionär war.

Unterhalb der Hauptburgmauern liegen die Stallungen. Heute liegen sie in Ruinen, aber man sieht noch den Boden aus Geröll. Die Stallungen und die Nord- und Westseite der Burg wurden durch eine weitere, kleinere Kurtine geschützt, aber die ist heute größtenteils verfallen. Aus Kontenaufzeichnungen ist ersichtlich, dass die Stallungen etwa 60 Pferde aufnehmen konnten und im 17. Jahrhundert zur Aufnahme von noch mehr Tieren erweitert wurden.

Geschichte Mittelalter 11. und 12. Jahrhundert miniatur|Der Große Donjon ersetzte die ursprüngliche Holz- und Erdwallfestung von Godric of Mappestone Mitte des 12. Jahrhunderts

Goodrich Castle gab es seit 1101; damals hieß es Godric’s Castle, vermutlich nach Godric of Mappestone, einem angelsächsischen Thane und Landbesitzer in der Gegend, der im Domesday Book 1086 erwähnt wird. Historiker aus viktorianischer Zeit glaubten aber, dass die Burg noch älter ist und aus vornormannischer Zeit von König Knut stammt und dieses Gelände zur kleinen Zahl sächsischer Befestigungen entlang der walisischen Grenze gehörte. Zur Zeit der normannischen Eroberung Englands gehörte Goodrich Castle zu den Welsh Marches, einer Reihe von Ländereien, die den normannischen Adligen in Wales und an der walisischen Grenze entlang zu Lehen gegeben wurden. Obwohl Goodrich auf der sichereren, englischen Seite der Grenze lag, hatte es doch fast die ganze Zeit über mit Angriffen und Überfällen zu kämpfen.

Im 12. Jahrhundert begann sich die Einstellung des englischen Adels gegenüber den Walisern zu verhärten. Das Vorgehen folgender Herrscher, aber vor allen Dingen das von Heinrich II., wurde in dieser Region immer aggressiver. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde Godrics ursprüngliche Erd- und Holzfestung abgerissen und durch einen hohen, aber relativ kleinen, quadratischen Donjon aus Stein ersetzt, der manchmal „Macbeth’s Tower“ genannt wird. Der Donjon war sicher und beeindruckend konstruiert, aber relativ billig zu bauen. Es ist aber nicht sicher, wer genau für diesen Umbau verantwortlich war, ebenso wenig wie das genaue Datum desselben, das zwischen 1120 und 1176 gelegen haben mag.

Anfang des 12. Jahrhunderts ging die Burg von Godric an William Fitz Baderon über, der vermutlich der Schwiegersohn des ersteren war, und in den 1120er-Jahren weiter an dessen Sohn, Baderon of Monmouth. England aber versank in den 1130er-Jahren in Anarchie, weil die rivalisierenden Parteien von Stephan und seiner Base Matilda nach der Macht strebten. Baderon of Monmouth heiratete Rohese de Clare, ein Mitglied der mächtigen Familie Clare, die üblicherweise Stephan unterstützten. Es gibt Aufzeichnungen, die nahelegen, dass Baderon Goodrich Castle während der Kämpfe in der Region, die größtenteils zu den Unterstützern Matildas hielt, aufgeben musste. Einige vermuten, dass Baderon vielleicht deswegen den steinernen Donjon in den ersten Jahren dieses Konfliktes bauen ließ. Stephan machte aber Baderons Schwager, Gilbert de Clare, zum Earl of Pembroke und dieser erwarb später Goodrich Castle selbst. Gilberts Sohn, Richard, der auch „Strongbow“ genannt wurde, folgte ihm 1148 nach, und Richard ist ein weiterer Kandidat für den Bau den Donjons. 1154 fiel Richard in Ungnade bei Heinrich II., weil die De Clares Stephan unterstützt hatten, und die Burg fiel an die Krone. Einige meinen auch, dass der König selbst den Donjon hätte bauen lassen.

13. und 14. Jahrhundert miniatur|links|Der private Solar wurde bei der Erweiterung unter William de Valence in die Verteidigungsmauern eingebaut.

Während der folgenden Herrschaften von Richard Löwenherz und seinem Bruder Johann Ohneland waren Burg und Grundherrschaft in den Händen der Krone. König Johann aber verlor viele Ländereien in Frankreich, was im Gegenzug viele wichtige englische Adlige um ihr eigenes Land brachte – Johann sorgte sich zunehmend um eine mögliche Opposition gegen seine Herrschaft. Daher übertrug er 1203 Goodrich Castle und die umgebende Grundherrschaft an William Marshal, den Earl of Pembroke, um ihn zumindest teilweise für seine Landverluste in Frankreich zu entschädigen. Marshal war ein bekannter englischer Ritter im Ruf eines tapferen Kriegers und er erweiterte Goodrich Castle um eine turmbewehrte, steinerne Kurtine um den schon existierenden Donjon. Marshal musste militärisch einschreiten, um Goodrich Castle vor walisischen Angriffen zu beschützen. Besonders bekannt ist die Intervention 1216, als Marshal gezwungen war, die Krönungsfeierlichkeiten für Heinrich III. in Gloucester zu verlassen und nach Goodrich zurückzueilen, um die Burg zu befestigen.

Marshals Sohn erbte die Burg nach dem Tod seines Vaters; Marshal vererbte sie an seinen ältesten Sohn William, der sie wiederum an seinen jüngeren Bruder, Walter, weitergab. Nach Williams Tod aber übernahm Marshals zweiter Sohn, Richard, die Burg. Richard für die Opposition der Barone gegen Heinrich III. an und verbündete sich mit den Walisern, was dazu führte, dass König Heinrich 1233 Goodrich Castle belagerte und wieder für einige Zeit die persönliche Kontrolle über die Burg erlangte. Walter bekam zwar später Goodrich Castle wieder zurück, starb aber wenig später 1245.

Die Burg fiel kurz wieder zurück an die Krone, wurde aber 1247 durch Heirat an William de Valence, den Halbbruder Heinrichs III., übertragen. De Valence war ein französischer Adliger aus Poitiers und ein ausgewiesener Soldat, der den größten Teil seines Lebens in militärischen Konflikten verbrachte. Heinrich arrangierte seine Heirat mit Joan de Munchensi, einer der Erbinnen des Anwesens von Marshal. Diese Heirat machte de Valence immens reich und verschaffte ihm den Titel eines Earl of Pembroke.