mini|Westfassade von Hylton Castle (2008)

Hylton Castle ist eine Burgruine in der Gemarkung North Hylton der Stadt Sunderland in der englischen Verwaltungseinheit Tyne and Wear. Die Burg wurde von der Familie Hilton (später Hylton) kurz nach der normannischen Eroberung Englands 1066 aus Holz errichtet und Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts durch eine steinerne Burg ersetzt. Im 18. Jahrhundert wurde die Hylton Castle innen und außen deutlich verändert, blieb aber Familiensitz der Hyltons bis zum Tod des letzten Barons 1746. Sie wurde dann gotisiert, aber bis 1812 vernachlässigt und dann vom neuen Besitzer wiederbelebt. In den 1840er-Jahren stand sie erneut leer, diente dann kurze Zeit als Schule und wurde 1862 erneut verkauft. Anfang des 20. Jahrhunderts ging das Anwesen an eine örtliche Kohlebergwerksgesellschaft und wurde 1950 vom Staat übernommen.

Eines der wichtigsten Details an der Burg sind die heraldischen Wappen, die man hauptsächlich an der Westfassade findet. Sie sind vom ursprünglichen Gebäude bis heute erhalten und sind den örtlichen Familien des niederen und hohen Adels Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts zuzuordnen. Sie weisen auf die ungefähre Zeit des Burgneubaus in Stein hin.

Heute gehört die Burg English Heritage, einer überregionalen Regierungsstelle, die sich mit der Verwaltung historischer Gebäude und Strukturen in England befasst. Das umgebende Parkland wird von der Gemeinde betreut. Burg und Burgkapelle sind von English Heritage als historische Gebäude I. Grades gelistet und gelten als Scheduled Monument. Seit 2008 wird das Anwesen vermessen und untersucht, um über seine Zukunft zu entscheiden.

Geschichte Frühe Geschichte Die Familie Hylton ist seit der Herrschaft von König Æthelstan (ca. 895–939) in England ansässig. Damals stiftete Adam de Hylton dem Kloster Hartlepool einen silbernen Pyxis oder ein silbernes Kruzifix, 710 g schwer und mit seinem Familienwappen verziert. Als Wilhelm der Eroberer in England landete, schlossen sich Lancelot de Hilton und seine beiden Söhne Robert und Heinrich, dessen Truppen an, aber Lancelot fiel in Faversham als Wilhelms Truppen nach London vorrückten. Der dankbare König gab dem ältesten Sohn Heinrich ein großes Stück Land an den Ufern des Wear zum Lehen.

Die erste Burg an dieser Stelle wurde von Henry de Hilton etwa 1072 erbaut, vermutlich aus Holz. In der Folge wurde sie von Sir William de Hylton (1376–1435) in Stein als vierstöckiges, befestigtes Herrenhaus im Stil eines Torhauses neu errichtet, etwa ähnlich wie Lumley Castle oder Raby Castle. Man spricht zwar von einem Torhaus, aber es handelte sich eher um eine Art kleine Burg aus dem 14. Jahrhundert, ähnlich wie Old Wardour Castle, Brywell Castle oder Nunney Castle. Erstmals wurde die Burg in einer Haushaltsinventur 1448 urkundlich erwähnt als „Torhaus, in Stein errichtet“. Obwohl man nichts über die Details der Konstruktion weiß, geht man wegen der Wappen an der Westfassade davon aus, dass es zwischen 1390 und dem Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Man nimmt an, dass Sir William de Hylton ursprünglich eine größere Burg zusätzlich zum Torhaus bauen lassen wollte, diesen Plan aber wieder aufgab.

Die Haushaltsinventur, die anlässlich des Todes von Sir William de Hylton im Jahre 1435 durchgeführt wurde, erwähnt zusätzlich zur Burg eine Halle, vier Schlafkammern, zwei Schuppen, eine Küche und eine Kapelle, sodass man davon ausgehen kann, dass es damals noch andere Gebäude auf dem Anwesen gegeben haben muss. Mit Ausnahme der Burg und der Kapelle dürften all diese Gebäude aus Holz bestanden haben. 1559 tauchte das Torhaus in einer weiteren Haushaltsinventur als „Tower“ (dt.: Turm) auf, als Böden und Balkone eingezogen wurden, um den Rittersaal aufzuteilen.

Der exzentrische Henry Hylton, de jure 12. Baron Hylton, vererbte die Burg bei seinem Tod 1641 an die City of London Corporation, damit diese sie für 99 Jahre mildtätigen Zwecken zuführe. Nach der Stuart-Restauration wurde Hylton Castle an Henrys Neffen, John Hylton, de jure 15. Baron Hylton, zurückgegeben.

18. Jahrhundert mini|Hylton Castle und Katharinenkapelle – Samuel und Nathaniel Buck (1728) Anfang des 18. Jahrhunderts ließ John Hylton (gestorben 1712), der zweite Sohn von Henry Hylton, de jure 16. Baron Hylton, die Burg entkernen und daraus ein dreistöckiges Gebäude (je ein Raum pro Stockwerk) machen. Er ließ auch große, wechselweise zu öffnende Schiebefenster mit Aufsätzen im Italianate-Stil einbauen und einen dreistöckigen Nordflügel hinzufügen, wie auf Samuel und Nathaniel Bucks Gravierung von 1728 zu sehen. Auch eine Tür zum neuen Flügel wurde hinzugefügt, die über eine im Halbkreis angelegte Treppe erreichbar war. Oberhalb der Tür befand sich ein Wappen, das vermutlich an die Heirat von John Hylton und Dorothy Musgrave erinnern sollte. Heute ist das Wappen über der Türe von The Golden Lion Inn in South Hylton auf der anderen Flussseite angebracht.

Nach 1728 ließ Hyltons zweiter Sóhn, John Hylton, de jure 18. Baron Hylton, einen entsprechenden Südflügel, dessen Fundamente heute noch zu sehen sind, hinzufügen. Er ließ beide Flügel befestigen und die Tür im Nordflügel zumauern. Den runden Scharwachturm an der nördlichen Westfassade ließ er in ein achteckiges Türmchen umbauen und die Fallgatter am Westeingang beseitigen.

Als der 18. und letzte Baron 1746 ohne männlichen Nachkommen starb, fiel die Burg an seinen Neffen, Sir Richard Musgrave, der dann den Namen Hylton annahm. Dieser verkaufte dann die Burg nach einem Privatgesetz (“Private Bill”, 23 Geo. II c.21) im Jahre 1749. Der neue Eigentümer war ein Mr Wogan, der aus Südostasien zurückgekommen war, um die Burg für £ 30.550 (£ 3,7 Mio. im Jahre 2007) zu kaufen, aber Verkauf kam niemals durch. Stattdessen kaufte Lady Bowes, die Witwe von Sir George Bowes, aus Streatlam und Gibside im County Durham die Burg. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, ob sie oder jemand aus ihrer Familie jemals auf Castle Hylton gewohnt hat. Die Burg erbte dann ihr Enkel John Bowes, 10. Earl of Strathmore and Kinghorne. Damals wurden Stuckaturen von Pietro La Francini – die heute schon längst wieder verschwunden sind – im Weinkeller und im Salon angebracht. La Francini arbeitete für Daniel Garrett, der für Lady Bowes auch am Gibsite Banketing House gearbeitet hatte. In William Howitts Buch „Visits to Remarkable Places” (1842) steht, dass die Räume “Stuckdecken mit Figuren, Büsten an den Wänden und eine große Szene hatten, die Venus und Cupido darstellten, wobei Apollo für die Götter Geige spielte, Miverva mit ihrem Helm daneben stand, ebenso wie ein alter König“. Garrett entwarf vermutlich auch die gotische Vorhalle am Westeingang, den gotischen Schirm und die einstöckigen Räume mit gebogener Front, die den Osteingang abschließen.

19. Jahrhundert mini|Hylton Castle und Katharinenkapelle (links) – unbekannter Maler, um 1800 mini|Hylton Castle und Katharinenkapelle – unbekannter Maler, um 1800–1829 Nachdem die Burg lange leergestanden hatte, begann sie zu verfallen. Erst 1812 pachtete Simon Temple, ein örtlicher Geschäftsmann, die Burg von den Streathmores und machte sie wieder bewohnbar. Er ließ die Kapelle mit einem neuen Dach versehen, sodass sie wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden konnte, ließ an den Flügeln Zinnen anbringen und die Gärten kultivieren. Da seine Geschäfte allerdings nicht erfolgreich waren, konnte er die Arbeiten nicht abschließen und 1819 lebte ein gewisser Mr Thomas Wade in der Burg.

Ab 1834 war die Burg wieder unbewohnt. 1840 erschien eine Annonce von Rev. John Wood im „Newcastle Courant“ für die Hylton Castle Boarding School (Internat) und die Volkszählung 1841 weist aus, dass Wood, seine Familie, Schüler und Personal auf dem Anwesen lebten. Das Internat scheint nicht sehr lange existiert zu haben, da Howitt 1842 bemerkte, dass „es eine Szene von großer Trostlosigkeit wäre (...), die Fenster im größten Teil des Gebäudes und an der gesamten Frontfassade verrammelt wären (...), das ganze, große, alte Haus leerstünde (...) und in sehr desolatem Zustand wäre“. Er gibt allerdings an, dass die Küche von einer armen Familie genutzt werde. Ab 1844 wurde die Kapelle als Schreinerwerkstatt genutzt und laut Durham Chronicle vom Januar 1856 fing die Burg Feuer, während sie von einem Bauern, Mr McLaren, genutzt wurde.

1862 boten die Streathmores die Burg zum Verkauf an und William Briggs, ein örtlicher Holzhändler und Schiffsbauer, kaufte sie.Hylton Castle (Newcastle upon Tyne) in historicbritain.com aufgerufen am 3. April 2015 Briggs veränderte das Erscheinungsbild der Burg so, dass er es für authentisch mittelalterlich hielt: Er ließ den Nord- und den Südflügel abreißen, das Hauptgebäude entkernen und Fenster mit ein, zwei oder drei Spitzbögen einsetzen. Er ließ auch die gotische Vorhalle durch eine „ernstere“ gotische Eingangstüre (dreiflügelig mit Rundbögen) und einen darüber angebrachten Balkon ersetzen. Um diese Veränderungen durchführen lassen zu können, ließ er das steinerne Wappen der Familie Hylton von seinem Platz über dem Westeingang des vorderen, linken Flankierungsturmes entfernen. Die inneren Wände des viergeteilten Raums im Erdgeschoss wurden abgerissen, der Boden um etwa einen Meter angehoben und daraus zwei Empfangsräume gemacht. Am östlichen Ende des früheren Mittelgangs wurde eine Podesttreppe eingebaut, die ins Obergeschoss führte, die Entfernung des Oratoriums bedingte und dafür sorgte, dass die Haupttreppe von Erdgeschoss aus nicht mehr zugänglich war. Die Seitenwände des Rittersaals wurden entfernt, um einen großen Salon zu schaffen, und ein großer Erker wurde an der Südfassade dort angebracht, wo früher der Übergang zum Südflügel war. Die Räume im Obergeschoss ließ man unangetastet, nur der Eingang zu den Räumen der Familie und des Kaplans mussten vom Haupttreppenhaus aus geschaffen werden.

Zusammen mit dem mittelalterlichen Mauerwerk kann man Briggs’ Veränderungen heute noch sehen, wenn auch in ruinösem Zustand. Briggs’ Sohn, Colonel Charles Briggs (Vater von Sir Charles James Briggs), erbte die Burg 1871 und ließ die nahegelegene Margaretenkirche (heute abgerissen) bauen.

20. Jahrhundert Nach Colonels Briggs’ Tod 1900 ging die Burg etwa 1908 in die Hände der Wearmouth Coal Company über, und von dort an das National Coal Board. Durch die Expansion der Stadt Sunderland in den 1940er-Jahren war die Burg auf einmal von Wohngebieten umgeben, die Castletown und Hylton Castle hießen. Die Burg wurde geplündert und das Blei von den Dächern wurde gestohlen. 1950 ging die Burg auf Druck der Bevölkerung hin und aus Sorge um ihre gänzliche Zerstörung an das Ministry of Works über. Wegen des fortgeschrittenen Verfalls der Einbauten aus dem 19. Jahrhundert ließ das Ministerium alle Innenwände entfernen und die Außenwände sichern, um das verbliebene mittelalterliche Mauerwerk zu erhalten. Das Ministerium stellte auch einen Vollzeit-Hausmeister für die Burg an und ließ die fehlenden Stücke des Bleidaches durch Dachpappe ersetzen, um das Dach wieder abzudichten.

1994 unternahm das Time Team von Channel 4 Ausgrabungsarbeiten auf der Ostterrasse. Ihre Untersuchungen deckten die Existenz einer mittelalterlichen Halle östlich der Burg auf; man nimmt an, dass sie als Speisezimmer diente.

Kapelle Eine der heiligen Katharina geweihte Kapelle gab es auf dem Anwesen seit 1157, als der Prior von Durham Romanus de Hilton gestattete, einen eigenen Kaplan für die Kapelle anzustellen. Dafür musste de Hilton eine jährliche Abgabe von 24 Garben Hafer für jeden Zugochsen, den er besaß, an das nahegelegene Kloster in Monkwermouth leisten und zu den heiligen Festen (Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Patrozinium St. Peter und St. Paul) zur Mutterkirche St. Peter kommen. 1322 gab es eine Gedenkmesse an die heilige Maria und 1370 waren drei Priester für Gedenkmessen angestellt.