mini|Gingicithara cylindrica mini|Mangelia multilineolata mini|Bela laevigata aus dem Mittelmeer Die Mangeliidae sind eine monophyletische Familie kleiner Gehäuseschnecken, die ausschließlich marin vorkommen. Sie wurden bis zum Jahr 2011 als Unterfamilie Mangeliinae zur Familie der Kegelschnecken innerhalb der Überfamilie Conoidea (Giftzüngler) gezählt. Nach einer Revision unter molekularbiologischen Gesichtspunkten wurden sie zusammen mit der verwandten Unterfamilie Oenopotinae in eine eigenständige Familie gestellt. Ein häufiger Vertreter in der Nord- und Ostsee (unterhalb von 20 Metern Tiefe) ist das Treppengiebelchen (Propebela turricula), in kälteren Gewässern die Kleine Pfeilschnecke (Curtitoma trevelliana).
Merkmale Das Gehäuse ist im Querschnitt oval bis spindelförmig, seine Höhe beträgt je nach Art 3 bis 30 Millimeter, im Regelfall 6 bis 12 Millimeter. Die Spitze ist verhältnismäßig niedrig und kann schulterförmig abgesetzt sein. Sowohl die radiale als auch die spirale Skulpturierung sind deutlich ausgebildet. Eine spiralig angeordnete feinkörnige Skulpturierung ergänzt das Erscheinungsbild der Gehäuseoberfläche. Die Mitglieder der Familie Mangeliidae ähneln äußerlich den Arten der Familie Clathurellidae, die jedoch breitere, gerundete Windungen und eine starke Skulpturierung aufweisen.
Die Mündung wird nicht durch Falten oder Lamellen eingeengt, selten gibt es Zähnchenbildungen. Der Siphonalkanal ist kurz oder mäßig verlängert. Die Arten der ehemaligen Unterfamilie Oenopotinae besitzen zum Verschließen der Mündung ein Operculum mit einem randständigen Kern (Nucleus), beim Großteil der Arten fehlt es jedoch.
Der Protoconch ist meist multispiral mit bis zu fünf Umgängen und radialen Rippen auf den jüngeren Windungen. Bei Arten mit paucispiralen Protoconchen sind diese spiralig geriffelt.
Die Radula hat seitliche Zähnchenreihen. Die Radulazähnchen sind je nach Art sehr unterschiedlich ausgeprägt, basal meist verbreitert, mit einem seitlichen Fortsatz oberhalb der Basis. An der Spitze der Zähnchen können Widerhaken vorhanden sein wie beispielsweise bei Benthomangelia trophonoidea oder fehlen wie bei Toxicochlespira pagoda. Der Giftkanal innerhalb der Zähnchen mündet seitlich.
Lebenszyklus Die Mangeliidae sind wie die meisten Vorderkiemerschnecken getrenntgeschlechtlich. Die Eier werden in Eikapseln abgelegt, die keine Nähreier enthalten. Bei Arten der Gattung Oenopota wurde der Entwicklungszyklus genauer untersucht. Dabei läuft die Entwicklung 6–7 Wochen in der Eikapsel ab, wo zunächst das Trochophora-Larvenstadium durchlaufen wird. Weitere 6–7 Wochen lebt die Veliger-Larve frei schwebend im Zooplankton, ehe sie die Metamorphose zur Jungschnecke durchmacht. Die Mangeliidae sind Bodenbewohner und ernähren sich räuberisch von Wirbellosen, die sie mit ihren Giftzähnchen lähmen.
Systematik und Taxonomie Die Unterfamilien Mangeliinae und Oenopotinae gehörten bis zur Revision im Jahr 2011 der Familie der Kegelschnecken (Conidae) an, die sieben Unterfamilien umfasste. Im Jahr 2011 stellten Bouchet et al. die beiden Unterfamilien zusammen in die neue Familie Mangeliidae. Der Name Mangeliinae P. Fischer, 1883 war wesentlich älter als der Name Oenopotinae Bogdanov, 1987, daher wurde die Familie nach der ersten Gruppe benannt. Sie wurde nicht weiter in Unterfamilien geteilt.
Die Neueinteilung der Kegelschnecken, bei der auch andere Unterfamilien zu Familien erhoben wurden, beruht hauptsächlich auf der DNA-Sequenzierung von drei Gen-Fragmenten. Sie wird jedoch von morphologischen Ergebnissen unterstützt. Die Gehäusemorphologie und die Struktur der Radula mit ihren charakteristischen Zähnchen, die wie bei allen Schnecken der Überfamilie Conoidea von einem Giftkanal durchzogen sind, bilden eine Grundlage für die Unterscheidung der einzelnen Familien.
Gattungen Derzeit werden 64 rezente Gattungen innerhalb dieser Familie unterschieden.
Stand: 17. März 2015 Acmaturris Woodring, 1928 Agathotoma Cossmann, 1899 Anticlinura Thiele, 1934 Antiguraleus Powell, 1942 Apispiralia Laseron, 1954 Apitua Laseron, 1954 Bactrocythara Woodring, 1928 Bela Leach, 1847 Belalora Powell, 1951 Bellacythara McLean, 1971 Benthomangelia Thiele, 1925 Brachycythara Woodring, 1928 Cacodaphnella Pilsbry & Lowe, 1932 Canetoma Bartsch, 1941 Citharomangelia Kilburn, 1992 Cryoturris Woodring, 1928 Curtitoma Bartsch, 1941 Cytharopsis A. Adams, 1865 Eucithara Fischer, 1883 Euryentmema Woodring, 1928 Fusiguraleus Powell, 1942 Genotina Vera-Peláez, 2004 Gingicithara Kilburn, 1992 Glyphoturris Woodring, 1928 Granotoma Bartsch, 1941 Granoturris Fargo, 1953 Guraleus Hedley, 1918 Hemicythara Kuroda & Oyama, 1971 Heterocithara Hedley, 1922 Ithycythara Woodring, 1928 Kurtzia Bartsch, 1944 Kurtziella Dall, 1918 Kurtzina Bartsch, 1944 Kyllinia Garilli & Galletti, 2007 Leiocithara Hedley, 1922 Liracraea Odhner, 1924 Lorabela Powell, 1951 Macteola Hedley, 1918 Mangelia Risso, 1826 Marita Hedley, 1922 Mitraguraleus Laseron, 1954 Neoguraleus Powell, 1939 Notocytharella Hertlein & Strong, 1955 Obesotoma Bartsch, 1941 Oenopota Mörch, 1852 Oenopotella A. Sysoev, 1988 Papillocithara Kilburn, 1992 Paraguraleus Powell, 1944 Paraspirotropis Sysoev & Kantor, 1984 Perimangelia McLean, 2000 Platycythara Woodring, 1928 Propebela Iredale, 1918 Pseudorhaphitoma Boettger, 1895 Pyrgocythara Woodring, 1928 Rubellatoma Bartsch & Rehder, 1939 Saccharoturris Woodring, 1928 Stellatoma Bartsch & Rehder, 1939 Suturocythara Garcia, 2008 Tenaturris Woodring, 1928 Toxicochlespira Sysoev & Kantor, 1990 Venustoma Bartsch, 1941 Vexiguraleus Powell, 1942 Vitjazinella Sysoev, 1988 Vitricythara Fargo, 1953
Synonyme Fehria van Aartsen, 1988, Ginnania Monterosato, 1884 und Ichnusa Jeffreys, 1847 wurden zur Gattung Bela Leach, 1847 gestellt. Cyrtocythara F. Nordsieck, 1977, Cytharella Monterosato, 1875, Lyromangelia Monterosato, 1917, Mangiliella Bucquoy, Dautzenberg & Dollfus, 1883, Rissomangelia Monterosato, 1917, Rugocythara Nordsieck, 1977, Smithiella Monterosato, 1890, Vielliersia Monterosato, 1884 und Villiersiella Monterosato, 1890 wurden mit der nominotypischen Gattung Mangelia Risso, 1826 synonymisiert. Cestoma Bartsch, 1941, Funitoma Bartsch, 1941, Turritoma Bartsch, 1941, Turritomella Bartsch, 1941 sind Synonyme von Propebela Iredale, 1918. Clinuromella Beets, 1943 und Clinuropsis Thiele, 1929 gehören zu Anticlinura Thiele, 1934. Nematoma Bartsch, 1941 und Widalli Bogdanov, 1986 sind Curtitoma Bartsch, 1941. Ditoma Bellardi, 1875 ist gleichbedeutend mit Agathotoma Cossmann, 1899. Euguraleus Cotton, 1947 ist ein Synonym zu Guraleus Hedley, 1918. Lora Auctores non Gray, 1847 und Nodotoma Bartsch, 1941 wurden zu Oenopota Mörch, 1852 gestellt.
Einzelnachweise P. Bouchet, Y. I. Kantor, A. Sysoev & N. Puillandre: A new operational classification of the Conoidea. Journal of Molluscan Studies, 77, S. 273–308, 2011 (Online) Philippe Bouchet: Mangeliidae P. Fischer, 1883. In: WoRMS, World Register of Marine Species, 2014, abgerufen am 16. März 2015 Philippe Bouchet & Jean-Pierre Rocroi (Hrsg.): Classification and nomenclator of gastropod families. Part 2. Working classification of the Gastropoda. Malacologia, 47, S. 239–283, Ann Arbor 2005 ISBN 3-925919-72-4 R. L. Shimek: The Biology of the Northeastern Pacific Turridae. Journal of Molluscan Studies, 49, 2, S. 146–163, 1982 N. Puillandre, Yu. I. Kantor, A. Sysoev, A. Couloux, C. Meyer, T. Rawlings, J. A. Todd & Philippe Bouchet: The dragon tamed? A molecular phylogeny of the Conoidea (Gastropoda). Journal of Molluscan Studies, 77, 3, S. 259–272, 2011 (PDF)
Literatur Philippe Bouchet & Jean-Pierre Rocroi (Hrsg.): Classification and nomenclator of gastropod families. Part 2. Working classification of the Gastropoda. Malacologia, 47, S. 239–283, Ann Arbor 2005 ISBN 3-925919-72-4. P. Fischer: Manuel de conchyliologie et de paléontologie conchyliologique. F. Savy, Paris 1887 (Erstbeschreibung)
Weblinks
Philippe Bouchet: Mangeliidae P. Fischer, 1883. In: WoRMS, World Register of Marine Species, 2014, abgerufen am 17. März 2015 Mangeliidae, Bilder verschiedener Gattungen bei Gastropods.com, abgerufen am 17. März 2015
Kategorie:Neuschnecken Kategorie:Neogastropoda