Die Mimi Horn war das vierte Kombischiff, das von der Reederei H. C. Horn für den Dienst nach Westindien beschafft wurde. Sie war das zweite von vier Schwesterschiffen, die von der Reederei bei den Schichau-Werken bestellt wurden.

1939 suchte die Mimi Horn bei Kriegsausbruch Zuflucht in Curaçao. Anfang März 1940 versuchte sie, von dort die Heimat zu erreichen. Sie wurde in der Dänemarkstraße von einem britischen Hilfskreuzer gestellt und wurde von ihrer eigenen Besatzung versenkt auf .

Geschichte des Schiffes Die Flensburger Firma H. C. Horn hatte 1921 erstmals einen Frachter nach Westindien geschickt. Der Erfolg führte zum Aufbau einer Frachtlinie, deren Schiffe bis zu 12 Passagiere mitnehmen konnten.Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt 1850 bis 1990, Bd. IV Vernichtung und Wiedergeburt 1914–1930, S. 153 Die gute Auslastung der Kabinen veranlassten den Reedereichef Heinrich Christian Horn, Kombischiffe mit einer größeren Passagierkapazität zu beschaffen. So lieferte die Hamburger Reiherstiegwerft 1926 zwei Motorschiffe mit einer Passagiereinrichtung für 32 Fahrgäste I. Klasse und 18 Fahrgäste III. Klasse. Ab 1928 folgten vier weitere Neubauten von den Schichau-Werken. 1932 wurde als letztes Schiff die 4132 BRT große H.C. Horn von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft abgeliefert;Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt 1850 bis 1990, Bd. V Eine Ära geht zu Ende 1930–1990, S. 54 sie war der einzige große Seeschiffneubau des Jahres 1932.Schmelzkopf, S. 150

Die unter der Baunummer 1189 entstandene Mimi Horn lief am 17. Februar 1928 vom Stapel. Sie hatte eine Länge von 100,3 m über alles und war 14,8 m breit. Sie und ihre drei Schwesterschiffe wurden von 5-Zylinder-Sulzer-Schichau-Dieselmotoren von 2500 PSe angetrieben, die eine Geschwindigkeit von 13 Knoten (kn) ermöglichten. Die Mimi Horn war mit 4007 BRT vermessen und hatte eine Tragfähigkeit von 5200 tdw. Die Passagiereinrichtung der Schichau-Serie bot Platz für 30 Fahrgäste der I.Klasse in dem großen Aufbau mittschiffs. Am 18. Juli 1928 wurde das Schiff abgeliefertArnold Kludas: Passagierschiffahrt, Bd. IV , S. 154.

Die Schiffe der Horn-Linie führten Namen von Familienmitgliedern. Die neue Mimi Horn war das vierte Schiff der Reederei mit diesem Namen. Zuletzt hatte ein bei Henry Koch in Lübeck 1922 gebautes Frachtschiff von 2445 BRT diesen Namen bis zum Verkauf 1926 geführt.

Einsatzgeschichte der Mimi Horn Die Mimi Horn begann am 4. August 1928 ihre Jungfernfahrt von Hamburg nach Mittelamerika. Seit 1927 bediente die Reederei H.C. Horn zusammen mit der Hapag zwei Dienste nach Westindien. Sie liefen von Hamburg über Venezuela und Kolumbien zur Ostküste Mittelamerikas und bedienten die sogenannte Insellinie nach Kuba und Jamaika. mini|links|Die 1928 in Dienst gekommenen Orinoco der Hapag Die Hapag setzte neben den Kombischiffen der Horn-Linie im Passagierdienst anfangs ältere Schiffe wie die Grunewald und die ehemaligen Stinnes-Schiffe Artemisia und Albingia ein, beschaffte aber auch moderne große Passagiermotorschiffe wie die Orinoco und Magdalena. ein. 1935 trennten sich die beiden Reedereien im Rahmen der staatlich verordneten Entflechtung und der Einstellung noch größerer Schiffe (Caribia, Cordillera) wiederArnold Kludas, Bd. V, S. 54 ff.. Die sieben Kombischiffe der seit 1933 nach Hamburg ins Slomanhaus umgezogenen ReedereiArnold Kludas, Bd. V, S. 56 bedienten jetzt einen Dienst über Belgien und England nach Curacao, Venezuela aber auch bis Kolumbien und zur Dominikanischen Republik. Die Reederei verfügte neben den Kombischiffen für 30 Passagiere noch über das kleinere Motorschiff Frida Horn. Dazu setzte die Reederei noch zwei kleinere Zubringer in der Karibik mit der Zulia von 1755 BRT bis 1935 und der Karibia mit 428 BRT ein. Mit der Horn-Linie reisten auch viele Auswanderer, darunter eine Vielzahl von JudenAbfahrten/Passagierlisten der Horn-Schiffe über Bremen 1938/39.

Die Mimi Horn verließ am 22. Juli 1939 zum letzten Mal Deutschland mit nur fünf AuswanderernDie Mimi Horn 22. Juli 1939. Auf Grund der Warnmeldungen zum bevorstehenden Kriegsausbruch lief sie aus Cartagena, Kolumbien am 27. August Curacao an, wo sie mit einer Vielzahl deutscher Schiffe bis zum Frühjahr 1940 verblieb. Von der Reederei hatte hier auch das kleine Motorschiff Karibia und das Kombischiff Henry Horn Zuflucht gefunden. Das Schwesterschiff Heinz Horn hatte allerdings noch vor dem Kriegsausbruch den Hafen verlassen und am 1. Oktober Deutschland erreicht. Im Frühjahr 1940 wurde beschlossen, das vier der in Curacao festliegenden Schiffe den Ausbruch versuchen sollten. Neben der Mimi Horn sollten die Kombischiffe Hannover des NDL sowie Seattle und Vancouver der Hapag den Durchbruch in die Heimat versuchen. Die zwangsweise auf einer Außenreede liegenden deutschen Schiffe wurde auf See durch den französischen Schulkreuzer Jeanne d’Arc und zwei britische Schiffe überwacht. Als am 4. März der französische Kreuzer überraschend ablief und durch einen kanadischen Zerstörer ersetzt wurde, beschlossen die Deutschen den lange vorbereiteten Ausbruch. Mimi Horn und Seattle entkamen in der Dunkelheit, in der auch die Jeanne d’Arc wieder zurückkehrte. Hannover und Vancouver blieben zurück, da sie ihre Maschinen nicht hinreichend klar bekamen. Der Hannover gelang in der folgenden Nacht der Ausbruch; sie entkam allerdings nicht ihren Verfolgern, die sie schließlich stellten.

mini|Die Transylvania

Die alleinfahrende Mimi Horn entkam aus der Karibik und erreichte die Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland, wo sie am 28. März 1940 vom Hilfskreuzer Transylvania (16923 BRT, 16 kn) entdeckt wurde. Der Kapitän sah keine Chance, dem großen Drei-Schornsteiner zu entkommen, evakuierte sein Schiff auf den Rettungsbooten und versenkte es selbst.

Die Motor- und Kombi-Schiffe der Reederei H.C. Horn Name Bauwerft BRTtdw Stapellaufin Dienst Weiteres SchicksalFrida Horn Flensburger SGBauNr. 397 31842532 15.06.1925 10.1925 28. September 1939 in Hamburg angekommen, 1940 Transporter A25, Januar 1941 Torpedoklarmachschiff, Februar 1946 an Sowjetunion: Bogdan Chmelnickij, 1960 Abbruch ;Minna HornClaus Horn ReiherstiegwerftBauNr. 577 31794220 28.05.1925 16.01.1926 1930 umbenannt in Claus Horn, 1939 an Kriegsmarine, U-Boot-Tender Neisse, 1947 an Jugoslawien: Topusko, 1961 Abbruch ;Waltraut HornHenry Horn ReiherstiegwerftBauNr. 578 31644220 14.01.192617.04.1926 1936 kurzzeitig: Presidente Gomez, dann Henry Horn, 1939 Zuflucht in Curacao, 1940 beschlagnahmt, niederländische Bonaire, ab 1947 bei KNSM, 1957 abgewrackt;Ingrid Horn Schichau-WerkeBauNr. 1187 40065200 11.10.192704.1928 Mai 1940 Sperrbrecher B, 1941 Sperrbrecher 25, 24. Juli 1944 in Kiel nach Bombentreffer gesunken, 3 Tote;Untergang der Ingrid HornMimi Horn Schichau-WerkeBauNr. 1189 40075200 17.02.192818.07.1928 1939 Zuflucht in Curacao, 1940 Versuch der Rückführung nach Deutschland, am 28. März 1940 in der Dänemarkstrasse selbst versenktUntergang der Mimi HornHeinz Horn Schichau-WerkeBauNr. 1190 39945200 21.07.192811.11.1928 19. September 1939 von Curacao kommend Kristiansand erreicht, Wohnschiff der Kriegsmarine , 1946 an die Niederlande: Betuwe, 1947 norwegische Livarden, 1954 britische Crete Avon, dann Alderney, 1961 Abbruch in Hamburg;Presidente GomezWaltraut Horn Schichau-WerkeBauNr. 1200 39955200 25.11.192825.04.1929 1936 umbenannt, Mai 1940 Sperrbrecher A, 1941 Sperrbrecher 24, Einsatz bei der GMSA, 1946 an Sowjetunion Kuska, 1952/53 zeitweise bei der Volksmarine als Kuschka;H.C. Horn Flensburger SGBauNr. 423 41324950 16.07.19323.11.1932 Ende August 1939 ohne Passagiere Murmansk angelaufen, zeitweise Wohnschiff der Kriegsmarine, März 1943 Sperrbrecher 27, am 2. Mai 1945 in der Lübecker Bucht durch Luftangriff schwer beschädigt, am 26. Mai 1946 mit Gasmunition beladen im Skagerrak versenktVersenkung der H.C. Horn.

Siehe auch Horn-Linie H. C. Horn

Weblinks Horn Line Ships powered by Sulzer engines Die Mimi Horn 14. November 1938/22. Juli 1939 Die Mimi Horn 1938/39 Antilles at War Van Kinsbergen history The history of Aruba shipwrecks

Literatur Horn-Linie 100 Jahre Horn-Linie 1882–1982. Jubiläumsschrift, Hamburg 1982 Gert Uwe Detlefsen / Friedrich-Wilhelm Kunze: Horn-Linie – Die Chronik einer traditionsreichen Reederei, DF-Verlag Bad Segeberg, 1990 Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt 1850 bis 1990. Ernst Kabel Verlag, 1986ff. Reinhardt Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschifffahrt 1919–1939. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg, ISBN 3-7979-1847-X.

Einzelnachweise

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