Andreas Theißen (* 1972 in Berlin) ist ein deutscher Kommunalpolitiker (NPD) und Rechtsextremist. Er war zeitweise stellvertretender Leiter des Bundesordnungsdienstes seiner Partei. Bis zum Jahre 2016 fungierte er als Büroleiter von Udo Pastörs und ist seit 2009 Stadtvertreter in Lübtheen. Sein langjähriges Engagement in der Neonazi-Szene und mehrere Strafverfahren machten ihn überregional bekannt.

Leben Theißen war von 1992 bis 1994 Funktionär („Unterführer“) der mittlerweile verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend.Andrea Röpke: Heimlich, still und leise. Wie NPD-Aktivisten in der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) Kinder zu Neonazis erzieht. In: Mathias Brodkorb, Volker Schlotmann (Hrsg.): Provokation als Prinzip. Die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Adebor Verlag, Banzkow 2008, ISBN 978-3-9809375-5-9, S. 104. Er nahm an VeranstaltungenAndrea Röpke, Andreas Speit: Mädelsache! Frauen in der Neonazi-Szene. Links, Berlin 2011, ISBN 978-3-86153-615-4, S. 212. in der Lüneburger Heide teil und pflegte Kontakte zur Nationalistischen Front, so der NPD-Verbotsantrag der Bundesregierung von 2001. In den 1990er Jahren gehörte er einer Wehrsportgruppe um Gerd Ulrich an.Zeitleiste Rechtsterrorismus. Dossier Rechtsextremismus, Bundeszentrale für politische Bildung, 27. August 2013. Wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wurde er 1999 vom Amtsgericht Hagenow zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Er stand mit seiner in der Szene aktiven FamilieAndrea Röpke: Heimlich, still und leise. Wie NPD-Aktivisten in der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) Kinder zu Neonazis erzieht. In: Mathias Brodkorb, Volker Schlotmann (Hrsg.): Provokation als Prinzip. Die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Adebor Verlag, Banzkow 2008, ISBN 978-3-9809375-5-9, S. 110. in Kontakt mit dem mittlerweile verbotenen neonazistischen Verein Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) und organisierteArne Lehmann: Region Lübtheen. In: Hubertus Buchstein, Gudrun Heinrich (Hrsg.): Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Demokratie und Rechtsextremismus im ländlichen Raum (= Wochenschau Wissenschaft). Wochenschau Verlag, Schwalbach 2010, ISBN 978-3-89974-578-8, S. 286. dort Zeltlager. Die völkische-nationale Erziehung von Kindern in dieser Region sorgte für überregionales Medieninteresse.Marie Schumann: Hilfe und Hetze. Zeit Online, Nr. 20, 7. Mai 2008. Röpke stellte nach jahrelangen Recherchen zu Theißens Engagement in der HDJ fest, sie wollten mit ihrer „nationalistische[n], antidemokratische[n] Bildungsdressur [...] die Kader von morgen schulen.“ Nach der Historikerin Sandra Pingel-Schliemann und dem Sozialpädagogen Karl-Georg Ohse (2006) sei Theißen ein „bundesweit bekannte[r] Neonazi[]“.Sandra Pingel-Schliemann, Karl-Georg Ohse: Der Wahlerfolg der NPD in Mecklenburg-Vorpommern. In: Deutschland Archiv, 39 (2006) 6, 968 (969).

2008 wurde Theißen vom Amtsgericht Schwerin wegen Körperverletzung und Nötigung – er griff als Mitglied des Ordnungsdienstes einen NDR-Kameramann an –Thomas Niehoff, Andrea Röpke: »Der gelenkte Mob«. In: Andrea Röpke, Andreas Speit (Hrsg.): Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft. 3. Auflage, Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-564-5, S. 205.Andrea Röpke, Andreas Speit: Mädelsache! Frauen in der Neonazi-Szene. Links, Berlin 2011, ISBN 978-3-86153-615-4, S. 213. zu einer Geldstrafe i.H.v. 1.000 Euro verurteilt. Die Berufung vor dem Landgericht Schwerin wurde 2009 zurückgewiesen.dpa: Richterin lehnt Berufung ab. In: Nordkurier, 9. Juli 2009. Zeitweise war Theißen unter Manfred BörmAndrea Röpke: Brauner Wachdienst. Blick nach Rechts, 4. Juli 2007. stellvertretender Leiter des Bundesordnungsdienstes der Partei.Oliver Cruzcampo: . Endstation Rechts, 13. Dezember 2010. Er trat wiederholt bei, zum Teil in Verfassungsschutzberichten erwähnten Demonstrationen, etwa gemeinsam mit Jürgen Gansel, René Despang und Udo Pastörs bei der Spontandemo „Willkür durch Polizei und Justiz“ der Jungen Nationaldemokraten (JN) auf.Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2008. 2. Auflage, Berlin 2013, S. 98.

Theißen engagierte sich in der Vergangenheit bei WahlkämpfenThomas Niehoff: Von nationaldemokratischen Kreidefressern. Über Gewalt, Angsträume und die NPD. In: Mathias Brodkorb, Volker Schlotmann (Hrsg.): Provokation als Prinzip. Die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Adebor Verlag, Banzkow 2008, ISBN 978-3-9809375-5-9, S. 124. u. a. der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2006 im Wahlkreis Parchim II (5,8 Prozent der Erststimmen) und im Jahr 2011 im Wahlkreis Ludwigslust III (6,2 Prozent der Erststimmen). Er gilt als Weggefährte der NPD-Funktionäre Udo Pastörs und Stefan Köster; er war NPD-KreisvorsitzenderMinisterium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2013. 2. Auflage, Schwerin 2014, S. 70. Westmecklenburg und ist angestellter WahlkreisbüroleiterAndreas Speit: „Auf kommunaler Ebene Ausgrenzung unterlaufen“. Kommunale Dominanzbemühungen der NPD in Regionen von Mecklenburg-Vorpommern. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 232. von Udo Pastörs,Marc Brandstetter: „Das Finanzwesen der NPD – Wie die Demokratie ihre Feinde finanziert“. In: Ministerium des Innern des Landes Brandenburg (Hrsg.): Verfassungsfeinde und das Kapital. Finanzströme im Rechtsextremismus. Dresden 2012, S. 37. dem Fraktionsvorsitzenden der NPD im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, in Lübtheen. Bei den Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern 2009 wurde er in den Stadtrat von Lübtheen gewählt.Marc Brandstetter: Mit Bratwurst und Kuchen gegen das verhasste „System“. Die gesellschaftliche Verwurzelung des Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern In: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen (Hrsg.): Rechtsextremismus zwischen „Mitte der Gesellschaft“ und Gegenkultur. Dresden 2013, S. 54. 2014 konnte er sich erneut einen Platz sichern, fungiert seitdem als Vorsitzender der zweiköpfigen Fraktion (mit der Ehefrau von Pastörs) und ist in mehreren Ausschüssen vertreten.Jetzt geht es an die Arbeit. In: Schweriner Volkszeitung, Ausgabe Hagenow, 1. Juli 2014, S. 11. Er gilt als ein Beispiel für das neue „Kümmerer“-Image der Partei.Dominik Cziesche, Gunther Latsch, Conny Neumann, Irina Repke, Steffen Winter: Die netten Rechten. In: Der Spiegel, 29. Mai 2006, Nr. 22, S. 40 f.

Er war Mitinitiator des Pegida-Ablegers MVgidaRike Schröder: Aggressive Fremdenfeinde. Blick nach Rechts, 19. Juli 2016., der mittlerweile vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern beobachtet wirdMarc Brandstetter: . Endstation Rechts, 27. Januar 2016.. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 kandidiert er auf Listenplatz 6 seiner Partei.Marc Brandstetter: Warum die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern über das Schicksal der NPD entscheidet. Vorwärts/Blick nach Rechts, 20. Juli 2016.

Theißen, gelernter Zimmermann und Forstwirt, ist mit der Tochter Birkhild des Verlegers Uwe Berg (Uwe Berg-Verlag)Antwort der Landesregierung Niedersachsen auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Pia-Beate Zimmermann (LINKE) vom 5. Juli 2012: Völkische Brauchtumsfeste und NS-nahes Versandantiquariat, Niedersächsischer Landtag, Drucksache 16/5103, 9. August 2012, S. 1 f. aus Toppenstedt verheiratet, ist Vater von sechs Kindern und lebt seit 1999 in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern.Arne Lehmann: Region Lübtheen. In: Hubertus Buchstein, Gudrun Heinrich (Hrsg.): Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Demokratie und Rechtsextremismus im ländlichen Raum (= Wochenschau Wissenschaft). Wochenschau Verlag, Schwalbach 2010, ISBN 978-3-89974-578-8, S. 265. Er arbeitet als Zimmermann, Baumpfleger und Baumkontrolleur.Andrea Röpke: Immobilienkäufe durch Rechtsextremisten. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 253. Die Ansiedlung von NPD-Kadern in Norddeutschland sei Teil einer Strategie des „nationalen Widerstand[s]“, so Beobachter.Philipp Wittrock: Siegeszug der braunen Siedler. Spiegel Online, 26. September 2009.

Literatur Arne Lehmann: Region Lübtheen. In: Hubertus Buchstein, Gudrun Heinrich (Hrsg.): Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Demokratie und Rechtsextremismus im ländlichen Raum (= Wochenschau Wissenschaft). Wochenschau Verlag, Schwalbach 2010, ISBN 978-3-89974-578-8, S. 247 ff.

Weblinks Theißen, Andreas in: Netz gegen Nazis, 11. August 2010. Rainer Link: Der Nazi als guter Nachbar. Eine Nahaufnahme aus Südwest-Mecklenburg. Deutschlandfunk, 1. Juni 2012.

Einzelnachweise

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