Nairobi [] ist die Hauptstadt Kenias mit 4.906.000 Einwohnern (Schätzung für 2025),Kenya National Bureau of Statistics: (PDF; 1,7 MB) KNBS die auf einer Fläche von etwa 704 Quadratkilometern leben. Bis 2010 war Nairobi auch die Hauptstadt einer der acht Provinzen des Landes, heute liegt Nairobi im Nairobi County.
Der Name der Stadt kommt von dem Maa-Ausdruck Engare Nyarobie, was etwa „kühler Fluss“ bedeutet.
Geographie Geographische Lage Nairobi liegt im Süden Kenias am Fluss Nairobi, einem Nebenfluss der Athi. Auf durchschnittlich Höhe errichtet, zählt sie zu den höchstgelegenen Hauptstädten Afrikas. Nairobi liegt knapp südlich des Äquators auf den geografischen Koordinaten Breitengrad 1° 17′ Süd und Längengrad 36° 49′ Ost.
Klima Die Stadt liegt in der tropischen Klimazone, hat aber wegen ihrer Höhenlage ein ausgesprochen gemäßigtes Klima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 19 Grad Celsius, die Jahresniederschlagsmenge 1024,2 Millimeter im Mittel.
Der wärmste Monat ist der März mit durchschnittlich 20,5 Grad Celsius, der kälteste der Juli mit 16,8 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Monat April mit durchschnittlich 219,4 Millimeter, der wenigste im Juli mit 17,5 Millimeter im Mittel.
Stadtgliederung mini|Lageplan, Stadtteile und wichtige Punkte im Zentrum mini|Die größten Slums von Nairobi mini|Slum Kibera
Etwa 60 Prozent der Einwohner Nairobis leben in Slums, von denen es mehr als 200 gibt.Maja Dreyer, Peter Koppen: Die neue Apartheid – Slums in Nairobi, Deutsche Welle, 23. Februar 2007. Im Nordosten der Stadt liegt der älteste Slum der Stadt, gelegen im Mathare Valley. Entlang der Eisenbahnlinie im Südwesten, liegt außerdem der Slum Kibera, mit ca. 200.000 Einwohnern. Frühere Schätzungen, es handele sich um den größten Slum Afrikas, mit bis zu einer Million Einwohnern, wurden mit einer Volkszählung widerlegt.Muchiri Karanja: Myth shattered: Kibera numbers fail to add up. Daily Nation, 3. September 2010. Weitere Slums sind Korogocho und die Ansammlungen in Kariobangi.
Im Süden Nairobis liegt der mondäne Vorort Karen, benannt nach der dänischen Schriftstellerin und Farmerin Karen Blixen, die dort viele Jahre lebte.
Geschichte Durch die Ausgrabungen im Bereich der Kantis Fossil Site am Stadtrand von Nairobi ist belegt, dass im Gebiet der Stadt bereits vor rund 3,5 Millionen Jahren Australopithecus afarensis, frühe Vorfahren des Menschen, existierten.
Nairobi entstand aus einem Eisenbahnlager und Versorgungsdepot, das die britische Verwaltung Ugandas 1896 in dem sumpfigen Gebiet im Zentrum Kenias errichtete. Ein Jahr zuvor hatte von Mombasa aus der Bau der Uganda-Bahn begonnen, der die Küste und Uganda miteinander verbinden sollte. Der Ort im Hochland, von Massai und Kikuyu besiedelt, war für das Eisenbahnlager wegen der umliegenden Flüsse und des günstigen Klimas gewählt worden. 1899 verlegte die Verwaltung der Uganda Railways ihr Hauptquartier nach Nairobi, im selben Jahr zog auch die Administration der Ukamba-Provinz von Machakos nach Nairobi. Im Dezember 1901 bildete sich ein erster Stadtrat. Zu dieser Zeit hatte der Ort noch immer den Charakter eines riesigen Zeltcamps, ein Beobachter beschrieb ihn als „den gesetzlosesten und gefährlichsten Ort Afrikas“.Carl G. Rosberg/John Nottingham: The Myth of Mau Mau. Nationalism in Kenya. Nairobi 1985. S. 23.
Sechs Jahre später wurde Nairobi zur Hauptstadt des Protektorats Britisch-Ostafrika (wie die spätere Kolonie Kenia bis 1920 hieß) und löste damit Mombasa ab. Bereits in dieser Phase war sie enorm gewachsen. Mehr als 1200 Weiße lebten inzwischen hier.Richard Meinertzhagen: Kenya Diary, London 1983, S. 301. Nairobi war kommerzielles und kulturelles Zentrum für die wachsende Zahl von europäischen Siedlern im nahen Hochland und Basis für den boomenden Jagdtourismus. Die Errichtung des größten Teils der Gebäude hatte der indische Kaufmann und Bauunternehmer Alibhoy Mulla Jeevanjee übernommen, der sich bereits durch einen Kontrakt mit Uganda Railways über die Verschiffung der indischen Bauarbeiter und deren Versorgung bewährt hatte.
Die Stadt, die eigentlich für die europäischen und indischen Bewohner der Kolonie geplant war, zog aber auch viele Afrikaner an, die von Anbeginn die große Mehrheit der Bewohner stellten. Neben afrikanischen und indischen Bahnarbeitern, die in angelegten Barackenlagern wohnten, siedelten sich sudanesische und somalische Händler und Soldaten an, Träger aus allen Teilen Ostafrikas und die Hilfssoldaten der Kolonialtruppen, vor allem Massai, Nandi und Baganda aus der benachbarten Kolonie. Darüber hinaus zogen zahlreiche Kikuyu aus dem Umland in die Stadt. Sie lebten an den Rändern der Stadt, in illegalen Vierteln, von denen einige schnell abgerissen wurden, andere blieben eine Weile bestehen. 1921 lebten ca. 12.000 Afrikaner in acht verschieden afrikanischen Stadtvierteln, zu denen Mombasa, Masikini, Kaburini, Kariokor und Kibera, Pumwani und Pangani gehörten. In diesen afrikanischen Vierteln entstanden die Ursprünge einer ersten organisierten antikolonialen Bewegung. Insbesondere die Teestuben Panganis in der östlichen Vorstadt und – sonntags – der Sportplatz des Viertels waren Treffpunkte für politisch Aktive, bis Pangani 1938 abgerissen wurde.
Schon früh strömten Zuwanderer in die Stadt Nairobi. Sie siedelten sich oft am Rande der Stadt an, an vielen Stellen bildeten sich so slumartige Zustände. Die Stadt hat eine der weltweit höchsten Kriminalitätsraten.
Anfang der 1990er Jahre wuchs die Opposition der Bevölkerung gegenüber dem kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi, was mehrere Unruhen zur Folge hatte. Immer wieder demonstrieren in der Stadt auch die Studenten der Universitäten.
mini|Bombenanschlag auf die US-Botschaft 1998 Am 7. August 1998 wurden bei einem Terroranschlag auf die US-Botschaft in Nairobi 213 Menschen getötet. Heute befindet sich an der Stelle eine grüne Gedenkstätte mit Kapelle.
Im Januar 2007 fand in Nairobi das siebte Weltsozialforum statt, bei dem die Bewohner von Korogocho eine Gelegenheit fanden, die Weltöffentlichkeit auf ihre Lebenssituation aufmerksam zu machen.
Am 21. September 2013 verübten islamistische Extremisten der somalischen Al-Shabaab-Milizen im Stadtteil Westlands einen Überfall auf das Westgate-Einkaufszentrum, bei dem mindestens 68 Menschen ums Leben kamen.
Im August 2025 fand in Nairobi die Wikimania statt.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. +JahrEinwohnerJahrEinwohner190611.5001962266.800191114.0001965380.000192124.3001969509.300192629.9001979827.775192932.90019891.324.570193147.80019951.810.000193961.30019992.143.2541944108.90020052.750.5611948119.00020093.138.3691955186.00020194.397.0731957221.7002026~5.500.0001960251.000 Für das Jahr 2050 wird mit einer Bevölkerung von 14,2 Millionen Einwohnern in der Agglomeration gerechnet. Nairobi würde damit zu einem der größten Ballungsräume weltweit anwachsen.
Sprachen Die am häufigsten gesprochenen Sprachen sind Kiswahili und Englisch. Vor allem in den Slums ist die Jugendsprache Sheng verbreitet.
Politik mini|Jomo-Kenyatta-Statue und Oberstes Gericht
Internationales Nairobi ist eine stark international geprägte Stadt: Nairobi ist eine der vier Städte mit einem Büro der Vereinten Nationen (neben New York, Wien und Genf) Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat sein weltweites Hauptquartier in Nairobi. Das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-HABITAT) hat sein Welthauptquartier in der kenianischen Hauptstadt. Daneben haben 22 weitere regionale Büros von Organisationen der UN oder Stiftungen ihren Sitz in Nairobi, so z. B. die FAO oder UNHCR. Weitere Informationen bietet das Unic-Nairobi (United Nations Information Centre). 1996 wurde von den Welthauptquartieren der UNEP und von UN-HABITAT eine gemeinsame Verwaltungsorganisation gegründet, das United Nations Office, Nairobi (UNON). Weitere internationale Organisationen oder Medien haben ihre Sitze in Nairobi.
Städtepartnerschaften Denver, USA Kapstadt, Südafrika (seit Mai 2023)Cape Town and Nairobi now sister cities. Tourism Update, 26. Mai 2023.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Modernes Nairobi
Bauwerke Interessant sind das Nationalmuseum mit einer umfassenden Sammlung zur afrikanischen Frühgeschichte, das , das Parlamentsgebäude, das Rathaus, das Gericht sowie das Nationaltheater und die Nationalbibliothek. Das State House bildet die offizielle Residenz des Präsidenten.
Nairobi-Nationalpark
Der Nairobi-Nationalpark wurde 1946 eröffnet. Der Park ist nur 7 km vom Stadtzentrum entfernt, 120 km² groß und beherbergt eine Vielzahl von Tieren: 80 Säugetierarten sowie über 500 Vogelarten wurden nachgewiesen. Der Park ist an drei Seiten eingezäunt, die 4. Seite wird von dem Fluss Athi begrenzt. Der größte Teil des Parkes besteht aus offener Ebene. Im Park leben einige der letzten Spitzmaulnashörner sowie Massai-Giraffen, Kaffernbüffel, Buschschweine; Thomson-, Grant-Gazellen, Löwen, Leoparden, Schwarze Panther, Geparden und Hyänen. Die häufigsten Arten im Nairobi-Nationalpark sind Schabrackenschakale, Gnus, Kuhantilopen und Zebras.
Lang’ata Giraffe Centre Das Giraffenzentrum „Lang’ata Giraffe Centre“ wird von AFEW (African Fund for Endangered Wildlife) im Stadtteil Lang’ata unterhalten. Insbesondere für Kinder besteht die Hauptattraktion im Füttern von Rothschild-Giraffen „Auge in Auge“ von einem Turm aus. Gegenüber dem Center beginnt ein ca. 1–2 km langer Naturwanderweg in einem ursprünglichen Waldgebiet. Daten zu den Pflanzen und Tieren entlang des Weges kann man entweder aus einer Broschüre oder von einem der Ranger erfahren, welche auch Führungen anbieten.
Karen Blixen Museum Im Haus des heutigen Karen Blixen Museums lebte einst die dänische Schriftstellerin Karen Blixen, die durch die Verfilmung ihres Romans Afrika – dunkel lockende Welt unter dem Titel Jenseits von Afrika weltberühmt wurde. Ihr Haus wurde vom kenianischen Staat aufgekauft und ist seit 1986 ein Museum, teilweise mit Originalmöbeln ausgestattet, teilweise aber auch mit Requisiten aus dem Film Jenseits von Afrika. In diesem Wohnhaus einer ehemaligen Kaffee-Plantage (auf deren Gebiet heute der Stadtteil Karen liegt) verbrachte Karen Blixen 14 Jahre, bis ihr Geliebter Denys Finch Hatton starb. Die Farm selbst ging bankrott, weshalb Karen Blixen sie aufgab und wieder nach Dänemark zurückkehrte.
David Sheldrick Wildlife Trust mini|Elefantenwaisen beim Spielen
Das Elefantenwaisenhaus Nairobis befindet sich im Nairobi-Nationalpark und kann über die Magadi Road angefahren werden, wobei die Eintrittsgebühr für den Nationalpark entfällt. Hier werden unter sachkundiger Leitung der Biologin Daphne Sheldrick hauptsächlich Elefanten- aber auch einzelne Nashornbabys aufgezogen, die durch Wilderei oder andere Umstände zu Waisen wurden. Da Besucher die Arbeit der Pfleger und Biologen stark beeinträchtigen, öffnen sich die Pforten für Gäste nur zwischen 11:00 und 12:00 Uhr oder nach Voranmeldung. Hier kann man Elefantenwaisen beim Spielen beobachten, während Pfleger und Biologen Vorträge über Tiere halten.The David Sheldrick Wildlife Trust.
Sport Der Gymkhana Club Ground war einer der Austragungsorte der ICC KnockOut 2000 und des Cricket World Cup 2003.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Nairobi erbringt zirka ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung von Kenia und einen großen Teil der industriellen Produktion. 2017 lag das BIP pro Kopf im County Nairobi (deckungsgleich mit der Stadt) bei 317.700 Kenia-Schilling (ca. 6.344 Internationale Dollar oder ca. 2.720 Euro). Nairobi ist das Wirtschafts- und Kommunikationszentrum des Landes Kenia, wobei es durch seine hohe Wachstumsrate im afrikanischen Gesamtvergleich auffällt. Die Tech- und Start-up Szene in und um Nairobi wird Silicon Savannah genannt, hier gab es seit 2007 bedeutende Fortschritte.