Die Universität Siegen ist eine Hochschule in Siegen. Sie ging 2003 aus der Universität-Gesamthochschule Siegen hervor. Forschungsschwerpunkte sind die kultur- und gesellschaftswissenschaftliche Medienforschung sowie die Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Sensorik und der Nanowissenschaften. Der Leitsatz lautet „Zukunft menschlich gestalten“.
Im Wintersemester (WiSe) 2018/19 waren wie in den Vorjahren knapp 20.000 Studierende eingeschrieben, nachdem es zehn Jahre zuvor noch über 12.000 gewesen waren. Im Sommersemester (SoSe) 2021 besuchten 17.185 Studierende und 492 Studienanfänger die Uni und im WiSe 2021/2022 gab es einen leichten Anstieg auf 17.659 Studierende und 3.495 Studienanfänger. Im WiSe 2023/2024 waren 14.852 Studierende eingeschrieben und 1.761 Erstsemester. Im Vorjahr waren es noch 16.397 Studierende gewesen, was einen Rückgang um 9,4 Prozent bedeutet. Die Universität beschäftigt 257 Professoren und 1167 wissenschaftliche sowie 854 Mitarbeiter in Technik und Verwaltung. Sie bietet an fünf Fakultäten über 51 Studiengänge.
Geschichte 1536 übertrug der Landesherr, Graf Wilhelm der Reiche von Nassau, dem sächsischen Pädagogen und Theologen Erasmus Sarcerius die Errichtung einer Lateinschule (das heutige Gymnasium am Löhrtor). Von 1595 bis 1599/1600 und nochmals von 1606 bis 1609 war die 1584 in Herborn gegründete calvinistisch-reformierte Hohe Schule Johannea von Herborn nach Siegen verlegt und in Gebäuden am Unteren Schloss untergebracht.
Wiesenbauschule mini|Hauptstandort Haardter Berg mini|222x222px|Das Untere Schloss, der Sitz der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht der Universität Siegen mini|Denkmal am Paul-Bonatz-Campus für den Direktor der Wiesenbauschule, Louis Ernst 1853 wurde die über die Landesgrenzen hinaus bekannte Wiesenbauschule gegründet. Sie beschäftigte sich mit dem Wiesenbau bzw. der Wiesenmelioration. Durch geeignete Be- und Entwässerung der Wiesen sollten Erträge landwirtschaftlicher Nutzflächen optimiert werden. Eine solche Optimierung war insbesondere im Siegerland nötig, da aufgrund des großen Bedarfs an Holzkohle der umliegenden Eisenhütten die meisten Nutzflächen Wälder waren. Diese schränkten die zur Viehzucht geeigneten Flächen stark ein, weshalb nach Möglichkeiten zur Verbesserung des Ertrags der knappen Wiesen geforscht werden musste.Gisbert Strotdrees, "In die grüne Pracht hineinstauen" Der Siegerländer „Kunstwiesenbau“ veränderte im 19. Jahrhundert die Landschaft Westfalens, Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben 15/2024, Seite 74 Der Schwerpunkt der Ausbildung verlagerte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Richtung Bauingenieurwesen; aus diesem Grund wurde die Wiesenbauschule 1962 in Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen umbenannt.
Vorläufer, Gründung und erste Jahre mini|Schematische Darstellung der Geschichte Die erste jüngere akademische Einrichtung in Siegen (damals mit Standort in Weidenau/Hüttental) erfolgte mit der Gründung der Pädagogischen Hochschule Siegerland im Jahr 1964. Durch die 1965 vorgenommene Zuordnung zur Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe als Abteilung Siegerland wurde sie in eine wissenschaftliche Hochschule umgewandelt.
Am 1. August 1971 wurden die Fachschulen Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen, Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen Siegen, Staatliche Höhere Wirtschaftsfachschule Siegen, Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen Gummersbach und die Höhere Fachschule für Sozialpädagogik in Aufbauform Siegen in die neu errichtete Fachhochschule in Siegen mit den Abteilungen Gummersbach und Siegen übergeleitet.Gesetz über die Errichtung von Fachhochschulen im Lande Nordrhein-Westfalen vom 8. Juni 1971. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen. Jahrgang 1971, Nr. 26, Düsseldorf 24. Juni 1971, S. 158.
Am 1. August 1972 wurde durch das Gesamthochschulentwicklungsgesetz die Gesamthochschule mit Sitz in Siegen/Hüttental zusammen mit vier weiteren Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen gegründet.Gesetz über die Errichtung und Entwicklung von Gesamthochschulen im Land Nordrhein-Westfalen (Gesamthochschulentwicklungsgesetz – GHEG) vom 30. Mai 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen. Jahrgang 1972, Nr. 25, Düsseldorf 12. Juli 1972, S. 134. Der Baubeginn des Gebäudekomplexes in Weidenau fiel auf den 8. November 1972.„Zurückgeblättert …“, Siegener Zeitung vom 4. Dezember 2010. Die Pädagogische Hochschule Siegerland und die Fachhochschule Siegen-Gummersbach mit deren Abteilungen Siegen und Gummersbach wurden in die Gesamthochschule Siegen (kurz GH Siegen) eingegliedert.
In der Gründungsphase verfügte die Gesamthochschule Siegen über etwa 200 Hochschullehrer und knapp 4000 Studierende.1999 – Das Studentenwerk wird 25 Jahre jung. Studentenwerk Siegen (Hrsg.), Siegen 1999. Es wurden vier interdisziplinär ausgerichtete interne Forschungsschwerpunkte gebildet: Historische Mobilität und Normenwandel, Massenmedien und Kommunikation, Stoffkunde/Stofftechnik sowie computerunterstützte Mess- und Steuerungsverfahren. Gründungsrektor war unter anderen der Wirtschaftswissenschaftler Professor Artur Woll, Honorary Professor (Zhongnan University Wuhan).
1980 erhielt die Gesamthochschule Siegen den Namenszusatz Universität-Gesamthochschule.Gesetz über die wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen vom 20. November 1979. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen. Jahrgang 1979, Nr. 72, Düsseldorf 20. Dezember 1979, S. 926. Der Standort Gummersbach wurde am 1. Juni 1983 in die Fachhochschule Köln ausgegliedert.Gesetz über die Eingliederung der Abteilung Gummersbach der Universität-Gesamthochschule-Siegen in die Fachhochschule Köln vom 17. Mai 1983. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen. Jahrgang 1983, Nr. 19, Düsseldorf 30. Mai 1983, S. 165. Die Lernenden studierten u. a. nach dem in NRW etablierten Y-Modell, bei dem das Grundstudium bis zum Vordiplom weitgehend gemeinsam absolviert wurde, um danach im Hauptstudium das Diplom I oder II zu erlangen. Das Diplom 1 umfasste dabei eine Regelstudienzeit von 6+1 Semester und entsprach einem Abschluss einer Fachhochschule, das Diplom 2 mit 8+1 Semester endete mit einem Universitätsabschluss.
1990 bis 2010 1996 beteiligte sich die Universität-Gesamthochschule Siegen als erste deutsche Hochschule am „Institutional Quality Audit Programme“ der Europäischen Rektorenkonferenz (CRE) und setzte die Empfehlungen der Auditoren sukzessive um. Die Universität Siegen versteht sich als Hochschule moderner Prägung. Von besonderer Bedeutung ist für sie moderne Grundlagenforschung, berufsbezogene Ausbildung und ihr Beitrag für den Strukturwandel im Kreis Siegen-Wittgenstein und in den angrenzenden Regionen.
Im Einklang mit der politischen Zielsetzung, die zur Gründung der Gesamthochschulen führte, steht sie für Demokratisierung, Chancengleichheit, Durchlässigkeit von beruflicher und wissenschaftlicher Bildung und Internationalität. Der Reformanspruch der Gesamthochschule wurde durch die integrierten Studiengänge verwirklicht. So wurden innovative integrierte Diplom-Studiengänge wie „Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung“ und „Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht“ geschaffen.
Zum 1. Januar 2003 wurde die Hochschulform Gesamthochschule vom Landesgesetzgeber aufgegeben, die bestehenden Universitäten-Gesamthochschulen wurden in Universitäten umgewandelt. Seitdem führt die Hochschule die Bezeichnung Universität Siegen.Gesetz zur Errichtung der Universität Duisburg-Essen und zur Umwandlung der Gesamthochschulen vom 18. Dezember 2002. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen. Jahrgang 2002, Nr. 37, Düsseldorf 30. Dezember 2002, S. 644. Von zu Gründungszeiten etwa 200 stieg die Anzahl der Professoren bis 1998 auf rund 280 an. Danach sank sie wieder, über rund 250 im Jahr 2005 bis leicht unter 200 im Jahr 2007. Durch Kürzungen des Landes büßte die Universität zwischen 1990 und 2008 96 Stellen ein.Studiengebühren füllen leere Uni-Kassen. Westfälische Rundschau, Ressort Politik, 18. April 2008.
Im Zuge der Umsetzung des Bologna-Prozesses wurde bereits relativ frühzeitig die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen eingeleitet mit dem Ziel, bis zum Beginn des Wintersemesters 2006/07 in allen Fachbereichen solche aufeinander aufbauenden Studiengänge zu etablieren. Die letzten vier verbliebenen Diplom-Studiengänge wurden zum Wintersemester 2008/09 auf Bachelor/Master umgestellt. Damit sollte auch durch eine bessere Vergleichbarkeit von Studienleistungen die Internationalisierung des Studiums weiter vorangetrieben werden. Dazu wurde außerdem eine moderne Sprachausbildung mit Spezialisierungen und Auslandspartnerschaften eingeführt bzw. erweitert.
Ab 2010 Unter Rektor Holger Burckhart, der zum 1. Oktober 2009 sein Amt mit einem Reformkonzept antrat, gab sich die Universität eine neue Gliederung. Aus zwölf Fachbereichen wurden mit Wirkung zum 1. Januar 2011 vier thematisch strukturierte Fakultäten. Mit der Neugliederung beabsichtigte das Rektorat die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, u. a. durch eine Optimierung der interdisziplinären Forschung und Zusammenarbeit und eine bessere Nutzung personeller und materieller Ressourcen.
Anfang 2016 zog die Universitätsverwaltung aus dem in der Innenstadt gelegenen alten Siegener Finanzamt am Herrengarten in ein am Campus Adolf-Reichwein-Straße neu errichtetes Gebäude. Zwischen 2017 und 2020 wurden durch Mittel des Hochschulbau-Konsolidierungsprogramms des Landes NRW Teile des Adolf-Reichwein-Campus (darunter die Hauptbibliothek und die Mensa) saniert und modern gestaltet. Darüber hinaus wurden am Campus Unteres Schloss ein neues Hörsaalzentrum und eine neue Mensa errichtet.
Die Universität engagiert sich verstärkt für die Einbindung der Ehemaligen und führt in regelmäßigen Abständen Alumni-Tage durch.
Gliederung Die Universität gliedert sich in Fakultäten sowie in wissenschaftliche Einrichtungen und Zentrale Betriebseinheiten. Sie wird von einem Rektorat geleitet, dem der Rektor vorsteht. Das Rektorat wird durch den Senat kontrolliert, der aus gewählten Vertretern der Hochschullehrer, der akademischen und nichtakademischen Mitarbeiter sowie aus Studierenden besteht. Ein Hochschulrat, der zu mindestens 50 % mit externen Personen besetzt ist, übernimmt u. a. die Funktion der wissenschaftlichen Beratung der Universitätsleitung.
Fakultäten An der Universität Siegen gibt es fünf Fakultäten. Zum Wintersemester 2021/2022 wurden 51 Fachstudiengänge angeboten sowie in der Philosophischen Fakultät ein Studienkonzept mit drei Studienmodellen und neun Lehramtsstudiengängen, verteilt auf 138 Teilstudiengänge.
Fakultät I – Philosophische Fakultät Germanistisches Seminar Historisches Seminar Medienwissenschaftliches Seminar Philosophisches Seminar Romanisches Seminar Seminar für Anglistik Seminar für Evangelische Theologie Seminar für Katholische Theologie Seminar für Sozialwissenschaften Fakultät II – Bildung · Architektur · Künste Department Erziehungswissenschaft Department Architektur Department Kunst und Musik Fakultät III – Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und WirtschaftsrechtBetriebswirtschaftslehreForschungsstelle Plurale ÖkonomikStatistikVolkswirtschaftslehreWirtschaftsdidaktikWirtschaftsfremdsprachenWirtschaftsinformatikWirtschaftsrecht Fakultät IV – Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät Department Bauingenieurwesen Department Chemie und Biologie Department Elektrotechnik und Informatik Department Maschinenbau Department Mathematik Department Physik Fakultät V – Lebenswissenschaftliche Fakultät Department Digitale Gesundheitswissenschaften & Biomedizin Department Psychologie
Wissenschaftliche Zentren und Einrichtungen Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ (FoKoS)