mini|Innenhof und unterer Hof von Framlingham Castle von Nordwesten Framlingham Castle ist eine Burg im Markt Framlingham in der englischen Grafschaft Suffolk. Dort wurde 1148 eine frühe Motte oder ein frühes Ringwerk von den Normannen gebaut, aber dieses Bauwerk wurde von Heinrich II. in den Nachwehen der Revolte von 1173–1174 zerstört. Einen Ersatz hierfür ließ Roger Bigod, der Earl of Norfolk bauen. Die neue Burg hatte – damals ungewöhnlich – keinen zentralen Donjon, aber stattdessen Kurtinen mit 13 Mauertürmen, um die Kernburg zu verteidigen. Dennoch wurde die Burg von Johann Ohneland 1216 nach einer kurzen Belagerung eingenommen. Ende des 13. Jahrhunderts war Framlingham Castle eine luxuriöse Wohnstätte geworden, die von ausgedehnten Parks umgeben war, die man für die Jagd nutzte.
Im 15. und 16. Jahrhundert gehörte Framlingham Castle zu den wichtigsten Ländereien der mächtigen Familien Mowbray und Howard. Zwei künstliche Seen, Meres genannt, wurden um die Burg angelegt, das, wie damals modern, in Ziegelbauweise erweitert wurde. Der große, reiche Haushalt der Burg kaufte Waren aus allen Teilen Englands und importierte auch Luxusgüter aus internationalen Märkten. Ausgedehnte Lustgärten entstanden in der Burg und ältere Teile von ihr wurden umgebaut, sodass die Besucher die sich daraus ergebenden Ausblicke genießen konnten. Ende des 16. Jahrhunderts aber verfiel die Burg und, nachdem der letzte Besitzer aus der Familie Howard, Theophilus, in finanzielle Schwierigkeiten kam, wurden Burg und das umgebende Anwesen abverkauft.
Im Jahre 1636 wurde Framlingham Castle als philanthropische Geste dem Pembroke College übertragen. Anschließend wurden die inneren Gebäude abgerissen, um Platz für den Bau eines Armenhauses auf dem Gelände zu schaffen. In dieser Weise wurde die Burg bis 1839 genutzt und dann das Armenhaus geschlossen. Anschließend diente die Burg als Drillhalle und als County Court. 1913 übertrug das Pembroke College Framlingham Castle an den Commissioner of Works. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Burg vom britischen Militär als Teil der regionalen Verteidigung gegen einen möglichen deutschen Angriff genutzt. Heute ist Framlingham Castle ein Scheduled Monument, wurde vom neuen Eigentümer English Heritage als historisches Gebäude I. Grades gelistet, und dient als Touristenattraktion.
Geschichte 11. und 12. Jahrhundert Die Bevölkerung von Framlingham nahm nach der normannischen Eroberung dramatisch zu und aus dem Dorf wurde eine kleine Stadt mit mindestens 600 Einwohnern, die von wertvollen Ländereien in einer der blühendsten Regionen des Landes umgeben war. Die Region gehörte dem mächtigen Hugh d’Avranches, dem Earl of Chester, der sie wiederum an Roger Bigod, der damals High Sheriff of Suffolk war, als Lehen vergab. Ein Ringwerk oder eine Motte wurden entweder im 11. Jahrhundert oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts in der Nordhälfte des inneren Hofes der heutigen Burg errichtet.
Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg in Framlingham datiert von 1148, aber das eigentliche Baujahr ist unsicher und es gibt drei Möglichkeiten, die von Historikern vorgeschlagen werden: Die erste Möglichkeit ist, dass die Burg Roger Bigod entweder Ende des 11. Jahrhunderts oder um 1100 errichten ließ, gleichzeitig mit dem Bau von Bigods Caput baroniae, dem nahegelegenen Eye Castle. Eine zweite Möglichkeit ist, dass Roger Bigods Sohn, Hugh Bigod die Burg während der Anarchie in den 1140er-Jahren auf dem Grundstück eines bereits existierenden Herrenhauses bauen ließ; die Burg wäre dann ähnlich Bigods Bungay Castle. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass es tatsächlich zwei Burgen gegeben hätte: die erste Ende des 11. Jahrhunderts gebaut und dann von Hugh Bigod in den 1160er-Jahren zerstört, um Platz für eine neue, größere Burg zu schaffen. Der Historiker Magnus Alexander hat die Hypothese aufgestellt, dass die Burg über einigen, bereits existierenden angelsächsischen Prestigebauten erstellt worden sein könnte, eine Praxis, die anderswo in East Anglia durchaus üblich war, möglicherweise auch ähnlich der Vorgehensweise beim Castle Acre Castle; dies wäre am wahrscheinlichsten, wenn die Burg im 11. Jahrhundert gebaut worden ist.
mini|Der Innenhof mit den nach hinten offenen Mauertürmen Ende des 12. Jahrhunderts dominierte die Familie Bigod Suffolk. Sie hatte den Titel eines Earl of Norfolk und besaß neben Framlingham Castle drei andere Burgen, Bungay Castle, Walton Castle und Thetford Castle. Die erste Gruppe steinerner Gebäude, wie z. B. der erste Rittersaal, wurden in den 1160er-Jahren im Inneren der Burg gebaut. Die Spannungen zwischen der Krone und den Bigods setzten sich aber über die gesamte Periode frot. Hugh Bigod gehörte während der Anarchy in der Regierungszeit von König Stephan einer Gruppe abtrünniger Barone an und nachdem Heinrich II. König wurde, versuchte dieser, die gesamte Region wieder unter königlichen Einfluss zu bringen. Als Teil dieser Bemühungen konfiszierte Heinrich 1157 alle vier Burgen der Bigods, gab aber Framlingham Castle und Bungay Castle nach Zahlung einer hohen Strafe von £ 666 an Hugh Bigod zurück.
Hugh Bigod schloss sich dann der Revolte von Heinrichs Söhnen (1173–1174) an. Der Versuch, Heinrich II. zu stürzen, war nicht erfolgreich und als Strafe ordnete der König an, verschiedene Burgen der Bigods, auch Framlingham Castle, zu zerstören. Der Militäringenieur des Königs, Alnoth, zerstörte in den Jahren 1174 bis 1176 die Befestigungen in Framlingham Castle und füllte den Burggraben auf, wobei Kosten von £ 16 s 11 d 12 entstanden, obwohl er die innenliegenden Gebäude vermutlich eher auffüllte als zerstörte.
Hughs Sohn Roger Bigod war bei König Heinrich in Ungnade. Er verweigerte ihm anfänglich den Titel eines Earls und das Recht an den Anwesen der Familie, wie Framlingham. Roger Bigod gewann schließlich die königliche Gunst zurück, als 1189 Richard Löwenherz auf den Thron kam. Roger begann dann, eine neue Burg in Framlingham zu bauen; die Arbeiten wurden sehr schnell ausgeführt und die Burg war spätestens 1213 fertig. Die neue Burg hatte einen Innenhof mit 13 Mauertürmen, einen anschließenden unteren Hof mit kleineren Mauern und Türmen und eine große Vorburg mit hölzernen Befestigungen. Zu dieser Zeit gab es ein Burgbewachungssystem in Framlingham, bei dem Land an örtliche Adlige als Lehen gegeben wurde und diese dafür Ritter und Soldaten vorhielten, die die Burg bewachten.
13. Jahrhundert mini|Der Mere, einer der beiden Seen, die vermutlich im Spätmittelalter angelegt wurden Der erste Krieg der Barone begann 1215 zwischen Johann Ohneland und einer Gruppe rebellischer Barone, die sich seiner Regentschaft widersetzten. Roger Bigod wurde einer der Rädelsführer des Widerstandes gegen Johann Ohneland, weil er gegen Johanns Forderung nach militärischen Frondiensten wetterte. Königliche Truppen plünderten das umliegende Land und Johanns Armee traf am 12. März ein, am nächsten Tag gefolgt von König Johann selbst. Mit König Johanns Erlaubnis wurden am 14. März Meldungen von der Burg an Roger gesandt, der, eingedenk des Schicksals von Rochester Castle im Jahr vorher, der Garnison von 26 Rittern, 20 Sergeanten, sieben Bogenschützen und einem Priester die Erlaubnis gab, sich kampflos zu ergeben. Johanns Truppen zogen weiter nach Essex und Roger eroberte später seine Burg zurück. Sein Enkel, ein weiterer Roger, erbte Framlingham Castle 1225.
Ein großer mittelalterlicher Rehpark namens „Great Park“ entstand um die Burg; dieser Park wird erstmals 1270 urkundlich erwähnt, wurde aber vermutlich etwas früher angelegt. Der Great Park umfasste 243 Hektar, erstreckte sich über 3 km Länge nördlich der Burg und war durch Gräben begrenzt, was zwar in England allgemein üblich, in Suffolk aber sehr unüblich war. Im Park entstand eine Lodge, um die später ein Erholungsgarten angelegt wurde. Wie andere Parks aus dieser Zeit diente auch der Great Park nicht nur der Jagd, sondern wurde auch anderweitig genutzt: Es gibt Aufzeichnungen, die aussagen, dass dort z. B. 1385 Holzkohle hergestellt wurde. Es gab vier weitere, kleinere Parks in der Nähe der Burg, die die Jagdmöglichkeiten entlang des langen, in Ost-West-Richtung verlaufenden Gürtels von Parkland noch erweiterten.
1270 erbte Roger Bigod, der 5. Earl of Norfolk, die Burg und ließ sie umfangreich renovieren. Er lebte dort in beträchtlichem Luxus. Die Bigods waren zwar immer noch sehr reich, mussten sich aber doch erst von der jüdischen Gemeinde in Bungay und dann, nach der Vertreibung der Juden, von italienischen Kaufleuten, Geld leihen. Zum Ende des Jahrhunderts hatte Roger Bigod ebenfalls große Schulden bei König Eduard. Daher führte Roger die Barone an, die sich gegen Eduards Forderungen nach zusätzlichen Steuern und Unterstützung bei seinen Kriegen gegen Frankreich auflehnten. Eduard antwortete darauf mit der Einziehung von Rogers Ländereien und gab sie ihm nur unter der Voraussetzung zurück, dass Roger sie nach seinem Tode der Krone überlassen würde. Roger erklärte sich damit einverstanden und Framlingham Castle fiel daher nach seinem Tod 1306 an die Krone.
Ende des 13. Jahrhunderts wurde ein großes Gefängnis in der Burg gebaut; es entstand vermutlich in der Nordwestecke des unteren Hofes und wurde vom Gefängnisturm überragt. Im Mittelalter wurden dort z. B. Wilderer aus der Gegend festgehalten, und im 15. Jahrhundert religiöse Dissidenten, wie z. B. die Anhänger der Lollarden.
14. Jahrhundert mini|Die Mauern des Innenhofes aus dem 12. Jahrhundert Eduard II. gab die Burg an seinen Halbbruder, Thomas of Brotherton, den Earl of Norfolk. Aufzeichnungen zeigen, dass Framlingham Castle damals nur teilweise möbliert war, wenn auch nicht bekannt ist, ob der Grund hierfür der nur sporadische Gebrauch der Burg war, die Tatsache, dass Einbauten und Möbel mit deren Einwohnern von Burg zu Burg reisten oder die Burg schlicht und einfach neu eingerichtet wurde. Der Burgkomplex blühte weiterhin auf, aber nach Thomas’ Tod 1338 fiel er zuerst an seine Witwe und dann 1362 an die Familie Ufford. William de Ufford, der Earl of Suffolk, besaß die Burg während des Bauernaufstandes 1381. Dieser Bauernaufstand fand größtenteils in der Nähe von Framlingham statt. Von den Uffords wurde die Burg erst an Margaret Brotherton vererbt und dann an Thomas de Mowbray, den Herzog von Norfolk. Die Mowbrays scheinen den größten Teil des 15. Jahrhunderts über Framlingham Castle als ihren Hauptsitz genutzt zu haben.
Mit bis zu 83 Leuten, die dort gleichzeitig wohnten, spielte die Burg damals eine wichtige Rolle für die Wirtschaft ihres Umlandes. Große Mengen von Speisen und Getränken wurden dort benötigt. In den Jahren 1385 und 1386 wurden innerhalb von 12 Monaten z. B. £ 1000 hierfür ausgegeben und dafür u. a. 129.870 Liter Bier und 70.321 Laibe Brot beschafft. Im 14. Jahrhundert beschaffte die Burg Güter aus dem gesamten westlichen Europa, Wein aus Frankreich, Wildbret aus Parks bis von Northamptonshire und Gewürze aus dem fernen Osten über Händler in London. Die Burg kaufte einige Güter, wie z. B. Salz, auf dem jährlichen Stourbridge Fair im nahegelegenen Cambridge, eine der größten wirtschaftlichen Veranstaltungen im damaligen Europa. Einige dieser Ausgaben wurden durch den Fronhof an der Burg erwirtschaftet, der 168 Hektar Land umfasste und auf dem pro Jahr etwa 5000 Manntage von Leibeigenen geleistet wurden. Ende des 12. Jahrhunderts wurde bei der Burg ein Weinberg angelegt und im 14. Jahrhundert entstanden dort eine Bäckerei und ein Göpel. Umliegende Grundherrschaften lieferten auch ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse an die Burg. In den Jahren 1275 und 1276 gab man £ 434 für solche Güter aus der weiteren Region aus.