mini|Ortsansicht Groß Köris ist eine Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie wird vom Amt Schenkenländchen verwaltet.
Geografie Die Gemeinde liegt am Schulzensee, Zemminsee, Großen und Kleinen Moddersee, der Gemeindeteil Klein Köris am Klein Köriser See. Im Norden der Gemarkung liegen weiterhin der Kleine Karbuschsee, der Große Karbuschsee, der Diecksee sowie im Nordwesten der Buhrsee, Güldensee und der Kleine und Große Roßkardtsee. Das nordwestlich des Gemeindezentrums liegende Waldgebiet wird durch den Peschkegraben entwässert, der in den Zemminsee mündet.
Gemeindegliederung Nach der Hauptsatzung gehören zur Gemeinde Groß Köris der Ortsteil Löpten und der Gemeindeteil Klein Köris sowie die Wohnplätze Am Pätzer See, Am Rohga, Forsthaus Buschmeierei, Forsthaus Löpten, Hammer, Löpten-Nord, Löpten-Süd, Neubrück, Rankenheim und Wilhelminenhofer Weg.
Geschichte Frühzeit bis 17. Jahrhundert Die Region war bereits nachweislich im 2. bis 5. Jahrhundert besiedelt, wie Ausgrabungen in Klein Köris zeigten. Groß Köris kam im 14. Jahrhundert in den Einflussbereich derer Schenk von Landsberg, die sich in der Region über die Jahrhunderte – von 1330 bis 1717 – einen Machtbereich in der südlichen Mark Brandenburg schufen. Der Ort wurde 1546 als Grossen Kuriß erstmals urkundlich erwähnt. 1624 bestand er aus zehn Hufen, auf denen es acht Kötterhöfe sowie einen Hirten gab. Der Schulze leistete einen Taler und 18 Groschen Abgaben, die Kötter je einen Taler, ebenso der Krüger – demzufolge muss es auch bereits einen Krug gegeben haben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Groß Köris schwer getroffen. 1652 lebten im Ort nur noch drei Bauern und vier Kötter.
18. Jahrhundert Groß Köris erholte sich und so war der Bestand an Wohngebäuden auf 10 Giebel (=Wohnhäuser) im Jahr 1711 angewachsen. Es gab wieder einen Hirten, einen Schäfer sowie vier Paar Hausleute. Sie gaben für die elf Hufen große Gemarkung je vier Groschen Abgaben. Die Linie der Schenken starb 1721 mit Ludwig-Alexander Schenk von Landsberg aus und der Besitz gelangte durch einen Aufkauf Friedrich Wilhelm I. in das preußische Königreich. Es dürfte sich jedoch nur um wenige Kötter und Bauern gehandelt haben, die zu dieser Zeit in Groß Köris in einem Straßendorf lebten. Im Jahr 1743 gab es im Ort 14 „von der Prinzlichen Gesamtkammer egalisierte Einwohner“ und einen Krug. 1752 lebten in Groß Köris zehn Bauern, vier Ganzkötter einschließlich des Krügers, sowie zwei kleine Kötter einschließlich den Schulzen.
Überlieferungen zufolge entstand 1753 nordöstlich des Dorfzentrums – und damit zur Zeit Friedrich II. – der Wilhelminenhof. Daneben entstanden weitere Gehöfte auf der Gemarkung von Groß Köris. Im Jahr 1771 war der Bestand aus 16 Giebel angewachsen. Es gab einen Hirten, 1,5 Paar Hausleute, die 17 Hufen bewirtschafteten und hierfür je vier Groschen gaben. Zur Gemarkung zählten dabei auch vier Hufen, die ursprünglich Löpten zustanden. 1786 erbauten Handwerker auf Anordnung Friedrich Wilhelm II. eine handbetriebene Zugbrücke mit einem Brückenwärterhaus zwischen dem Großen Moddersee und dem Schulzensee.
19. Jahrhundert 1801 gab es in Groß Köris 16 Ganzbauern, fünf Büdner, 15 Einlieger und einen Krug. Erstmals erschien auch eine Försterei; der Ort hatte 15 Feuerstellen. 1816 wurde in Groß Köris ebenfalls die Bauernbefreiung durchgesetzt. An Stelle von Naturalabgaben traten nun vorzugsweise Steuern an den preußischen Staat, die die Landwirte und Fischer von Groß Köris entrichten mussten. In dieser Zeit entstanden zu beiden Seiten der Dorfstraße (später Hauptstraße, im 21. Jahrhundert Lindenstraße) um einen Dorfplatz mit einem Krug ihre Gebäude. 1840 existierten im Ort 16 Bauernhöfe und 17 Wohngebäude, in denen insgesamt 249 Einwohner lebten. 1858 bestanden mit Wilhelminenhof 16 Hofeigentümer sowie ein Pächter, die zehn Knechte und Mägde beschäftigten. Außerdem gab es 25 nebengewerbliche Landwirte mit insgesamt 42 Besitzungen. Die größte Besitzung war 353 Morgen groß. 16 weitere waren zwischen 30 und 300 Morgen groß und umfassten zusammen 2453 Morgen. 12 Besitzungen waren zwischen 5 und 30 Morgen groß (zusammen 162 Morgen), 13 weitere unter fünf Morgen. 1860 errichteten Straßenbauer eine erste befestigte Verbindung zwischen Königs Wusterhausen und Märkisch Buchholz, die 1937 zur Reichsstraße und später zur Bundesstraße 179 umbenannt wurde. Im gleichen Jahr gab es im Dorf zwei öffentliche, 41 Wohn- und 44 Wirtschaftsgebäude. Daneben bestand das Forsthaus Groß Köris mit einem Bruckenwärterhaus sowie zwei Wohn- und vier Wirtschaftsgebäuden.
Ab 1869 konnten die Schüler des Ortes in einem eigens dafür errichteten Gebäude unterrichtet werden; zuvor fand der Unterricht in einem Schulgehöft statt, zu dem Überlieferungen zufolge auch ein Kuhstall und ein Schweinestall gehört haben sollen.Das Bauerndorf – Groß Köriser Geschichte(n), Webseite von Schenkenland Tourist e. V., abgerufen am 4. Februar 2017. Eine eigene Kirche gab es hingegen noch nicht. Die Gläubigen mussten einen rund sechs Kilometer langen, sandigen Weg durch den Wald gehen, um zur Heilig-Geist-Kirche nach Teupitz zu gelangen. 1894 bestand der Ort aus dem Dorf, dem Bahnhof, zwei Bahnwärterhäusern sowie dem Gemeindebezirk mit den Wohnplätze Am Pätzersee, Am Rohga, Etablissement Rankenheim, Am Schulzensee, Etablissement Auf dem Ackerplan, Brückenwärteretablissement, Kalkhofen und Wilhelminenhof. Seit 1896 ist Klein Köris über eine Straße mit Groß Köris verbunden. Zuvor bestand nur eine Fährverbindung, die 1930 aufgegeben wurde. Ein Jahr später eröffnete der Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz. Die Landwirte konnten nun ihre Produkte mit der Bahn nach Berlin transportieren, ebenso wichtig benötigte Rohstoffe aus der Region wie Holz und Ton. Im gleichen Jahr kam die Villenkolonie Am Großen Karbuschsee sowie das Fischereietablissement Neubrück zum Ort hinzu.
20. Jahrhundert mini|Evangelische Kirche von 1916 mini|Feriensiedlung Anglersiedlung am Wohnplatz Neubrück, besteht seit 1930 mini|Denkmalgeschützte Klappbrücke aus dem Jahr 1958 Im Jahr bestanden in Groß Köris 86 Häuser; der Bestand wuchs auf 158 Häuser im Jahr 1931 an. Dieser Zeit kamen immer mehr Reisende aus Berlin, die nicht nur die Naherholung am Wochenende suchten, sondern in den Außenbezirken an den Seen repräsentative Villen errichteten. Zu den Neubürgern zählten zum Beispiel die Künstler Josef Kremo und Sylvester Schäffer junior. Neben Künstlern waren es aber auch Wassersportler, die nach 1900 in die Stadt kamen. Es entstanden Gaststätten und Privatunterkünfte für Touristen.Tourismus – Groß Köriser Geschichte(n), Webseite von Schenkenland Tourist e. V., abgerufen am 4. Februar 2017. Zwischen dem Bahnhofsgebäude und der Zugbrücke wuchsen neue Straßenzüge, an denen sich Gewerbetreibende, Arbeiter und Angestellte, aber auch Rentner niederließen. In den nächsten Jahren eröffneten eine Schneiderei, ein Dachdeckerbetrieb, eine Schmiede und ein Friseurgeschäft. Hinzu kamen eine Bäckerei, fünf Gaststätten und ein Kolonialwarenhandel sowie 1912 eine Bau- und Möbeltischlerei. Bis 1910 wuchs der Bestand so auf 117 Wohngebäude. Der neue Ortsteil rund um die Chausseestraße entwickelte im Gegensatz zu dem dörflich geprägten, älteren Ortskern, eher städtische Züge. Doch auch im historischen Kern siedelten sich immer mehr Handwerker an.
Die Bevölkerung wuchs weiter und damit auch der Wunsch nach einer eigenen Kirche. 1914 – die Postagentur wurde in ein Postamt III. Klasse aufgewertet – begannen daher Handwerker mit dem Bau der Christuskirche. Sie wurde nach Plänen von Georg Büttner vom Architekten Hans Palm im Heimatstil bis 1916 errichtet. Da die königliche Hofkammer es ablehnte, ein Grundstück im königlichen Forst – und damit in der Nähe des historischen Dorfkerns – bereitzustellen, nutze die Gemeinde ein Grundstück südlich der Zugbrücke.Hans Sonnenberg: Unter und über dem Sternenhimmel, veröffentlicht im JahreBuch 2016 des Naturschutzbundes Deutschland, Regionalverband Dahmeland, Herbst 2015, ISSN 1869-0920, S. 122 Im Zuge der Einweihung wurde der angrenzende Verbindungsweg vom alten in das neue Dorf in Kirchstraße umbenannt. Das Pflaster der Straße im Fischgrätmuster besteht aus gelblichen Mauerziegeln, die in der Region hergestellt wurden.Sabine Schmidt: Rund um die Heideseen, veröffentlicht im JahreBuch 2016 des Naturschutzbundes Deutschland, Regionalverband Dahmeland, Herbst 2015, ISSN 1869-0920, S. 122 1919 eröffnete eine Armaturenfabrik. 1921 erhielt der Ort den Anschluss an das elektrische Stromnetz. 1925 – Groß Köris hat nun 158 Wohngebäude – ließ sich ein Zahnarzt, 1931 ein praktischer Arzt im Ort nieder.Die Gründerjahre – Groß Köriser Geschichte(n), Webseite von Schenkenland Tourist e. V., abgerufen am 4. Februar 2017. Zwischen der zweiten Hälfte der 1920er und Anfang der 1930er Jahre entstand zwischen dem Bahnhof und dem Schulzensee eine weitere Wochenendsiedlung, der Sandberg. Das Gelände wurde parzelliert und mehrheitlich an Berliner Bürger veräußert, die dort Lauben und Wochenendhäuser errichten ließen.
1928 wurden etwa 117 Hektar des Gutsbezirk Teupitz Schloss in die Gemeinde Groß Köris eingemeindet. Ein Jahr später kamen Teile aus dem Gutsbezirk Königs Wusterhausener Forst, rund 1081 Hektar der Mochheide, ebenfalls zum Ort. 1932 bestanden Groß Köris die Wohnplätze Rankenheim, Forsthaus Rohga, Bahnhof Teupitz-Groß Köris, Wilhelminenhof sowie die Siedlungen Am Ackerplan, Am Großen Roßkardtsee, Am Güldensee, Am Karbuschsee, Am Kleinen Roßkardtsee, Am Pätzersee und Am Schulzensee. 1936 eröffnete am Schulzensee ein Strandbad mit einer Seebrücke und einem Sprungturm. Zur gleichen Zeit entstanden am Klein Köriser See sowie am Schweriner See einige Campingplätze.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort durch Kriegseinwirkungen zum Teil schwer beschädigt: Die Schule brannte im April 1945 ab, deutsche Soldaten sprengten die Zugbrücke. Ein durchgängiger Bootsverkehr war nun zunächst nicht mehr möglich. Im Zuge der Bodenreform wurden 147 Hektar Fläche enteignet und davon 145 Hektar neu aufgeteilt. 84 Bauern erhielten zusammen 34 Hektar, sieben Betriebe insgesamt 95 Hektar sowie 14 Altbauern weitere 17 Hektar. Die Zersplitterung führte auch in Groß Köris zur Gründung einer LPG Typ I im Jahr 1953, die 1956 in einen Typ III in Wilhelminenhof umgewandelt wurde. 1955 hatte sie sechs Mitglieder, die 32 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschafteten. Die Bevölkerung baute den Ort in den 1950er Jahren wieder auf und eröffnete 1951 eine Jugendherberge.