mini|hochkant=1.8|Essen, 1572 mini|hochkant=1.8|Essen, 1898 mini|hochkant=1.8|Essen, heute Der Artikel Architektur in Essen beschreibt die Architektur in den unterschiedlichen Epochen der über 1000-jährigen Geschichte der Stadt. Essen geht auf das 845 gegründete Damenstift Essen am Burgplatz zurück. Neben dem Stift Essen gab es das von Liudger um 800 gegründete Kloster Werden. Im 14. Jahrhundert wurde Essen von Kaiser Karl IV. zur freien Reichsstadt erhoben. Ab 1900 wurden in Essen Leistungen erbracht, die an „Bedeutung den Entwicklungen in den bekannten Metropolen Berlin, München und Hamburg zur gleichen Zeit nicht nachstanden.“Watzlawik, S. 5 und S. 6.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war die wachsende Industriestadt Essen, die „viertgrößte Stadt des Königreichs Preußens.“Watzlawik, S. 4.

Nachdem 1924 der alte Essener Oberbürgermeister Hans Luther durch Franz Bracht abgelöst wurde und 1925 ein Wirtschaftsaufschwung einsetzte, wurde im Rahmen einer „längst überfälligen Innenstadterneuerung“Watzlawik, S. 33. die am Burgplatz befindlichen „Kurien“ des Damenstiftes durch Ernst Bodes Baedekerhaus und Blum-Haus ersetzt.

1930 bildeten Weltwirtschaftskrise und Notverordnungen der Reichsregierung den Grund für ein „abruptes Ende der regen Bautätigkeit“.Watzlawik, S. 7.

In den 1990er Jahren wurden „wichtige Meisterleistungen der frühen Moderne“Watzlawik, S. 7. abgerissen, obwohl es seit 1980 ein Landes-Denkmalschutzgesetz gab.

Vorromanik Das Oktogon des Essener Münsters ist vorromanisch. Ebenfalls in diese Epoche einzuordnen ist die einst dreischiffige Saalkirche St. Clemens in Werden aus der Mitte des 10. Jahrhunderts. Sie lag innerhalb einer Ringwallanlage aus dem 9.–11. Jahrhundert, wurde 1817 abgerissen und ihre Fundamente später freigelegt. Seit 1986 ist sie ein Bodendenkmal.; abgerufen am 8. Juni 2015 Das etwa aus dem 10. Jahrhundert stammende Westwerk der St.-Ludgerus-Kirche in Werden gehört ebenfalls der Vorromanik an.

Romanik Der Stenshofturm, auch Romanisches Haus genannt, befindet sich heute auf dem Gelände des Grugaparks. Es handelt sich um einen mittelalterlichen Wohnturm aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts., abgerufen am 8. Juni 2015 Damit ist er der älteste, erhaltene Profanbau in Essen.

Nach Brand in der St.-Ludgerus-Kirche in Werden im Jahre 1256 wurde sie als dreischiffige Basilika im romanischen Stil neugestaltet. Die ebenfalls in Werden befindliche St.-Lucius-Kirche wird heute der Romanik zugeschrieben.

Die Essener Marktkirche war im Kern romanisch. Im Stil der Romanik war das Mittelschiff mit dem eingebauten Westturm und teilweise das nördliche Seitenschiff erbaut, das letztere wurde jedoch im 15. Jahrhundert verändert. Der romanische Kirchturm ruhte auf schweren Mauern. In der Turmhalle befand sich ein Kreuzgratgewölbe, in der Ecke waren kleine Eckpfeiler mit Kämpfern. Die romanische Turmhalle war nur durch eine Öffnung – ein niedriger Rundbogen – mit dem Mittelschiff verbunden. Die Pfeiler des romanischen Baues waren früher durch zwei durcheinandergeschobene Rechtecke mit in die Ecken gestellten Diensten gebildet. Der Kirchturm war fünfstöckig und zeigte im obersten Stockwerk auf jeder Seite vier durch Vertikallisenen getrennte und Rundbogenfriese geschlossene Blenden. Die mittleren waren mit Rundbogenfenster ausgestattet.Clemen, S. 57–58.

Die Stiftskirche Maria in der Not in Stoppenberg wurde von der Äbtissin Swanhild gegründet. Der Bau ist eine romanische, dreischiffige Pfeilerbasilika aus Ruhrsandstein. Sie wurde Mitte des 12. Jahrhunderts fertiggestellt.

Im 13. Jahrhundert wurden auch verschiedene Burgen erbaut, Burg Altendorf, Burg Luttelnau und Neue Isenburg.

Gotik mini|Gotischer Kreuzgang im Essener Münster Neben dem gotischen Kreuzgang weist das Essener Münster den ältesten gotischen Hallenchor auf.

Ein gotischer Profanbau aus der Zeit um 1440 war Essens ältestes Rathaus. Dieses war ein zweigeschossiges Steingebäude mit einem Dachreiter und Treppengiebel im Stil der Gotik. Die Schaufassade zum Marktplatz schmückten die gotischen Figuren der Stadtheiligen Cosmas und Damian und von Maria. Der Bau wurde 1840 abgerissen. auf Essen.de.

Ein gotischer Sakralbau ist St. Johann Baptist. Er wurde 1471 erbaut und ist ein dreischiffiger, gotischer Hallenbau. Das Gebäude besteht aus großen Kohlensandsteinblocken von fast quadratischer Form und wird mit drei Satteldächern eingedeckt.Clemen, S. 55.

Ein weiterer gotischer Sakralbau war die Heilige-Geist-Kapelle des Hospitals zum Heiligen Geist am Kopstadtplatz aus dem 14. Jahrhundert.

Barock mini|Kloster Werden, Torhaus der ehem. Abtei, Eingang zum Hof, (1794) Die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung ist ein 1765–1769 erbauter Barockbau: „Der langgestreckte dreigeschossige Bau aus Sandstein mit Barockkirche zwischen den beiden Wohnflügeln wurde von 1765 bis 1769 erbaut […] Über der Mittelachse, die ebenfalls als Risalit vorgezogen ist, erhebt sich der Schweifgiebel der Kirche, über dem sich ein Türmchen mit laternenbekrönter Schweifhaube befindet […] Barockarchitektur besonders der Kapelle“.

Das 1794 fertiggestellte Torhaus des Klosters Werden im Stil des Barock ist zweistöckig und dreiteilig und zeigt eine Gliederung durch Säulenstellungen und Attika mit folgender lateinischer Inschrift:

Die dreigeschossige Fassade des Hauptbaus des Klosters Werden zeigt einen schmalen Mittelrisaliten. Im Schweifgiebel befindet sich ein Wappen. Der Portalbau wird von zwei Säulen getragen. Dort befindet sich auch ein romanisches Relief, das 50 cm hoch und 1,55 Meter lang ist. Es stellt einen Löwen dar, der einem Hirsch hinterherjagt.Clemen, S. 103f.

Zu den Sakralbauten des Barock zählt auch das 1746 eingeweihte Kapuzinerkloster. Die Klosterkirche war einschiffig und mit einem Tonnengewölbe ausgestattet. Die Längsseiten waren je mit vier Fenstern gestaltet. Im Westgiebel war über dem Portal eine Nische zu sehen. In dieser Nische befand sich die lebensgroße Marienfigur mit Jesuskind. Das Kind hielt einen Speer, mit dem es die Schlange unter den Füssen der Mutter durchbohrte. Am Giebel war die Zahl 1746 zu lesen. Das Kloster war 1288 durch den Essenschen Kanonikus Heinrich de Kettwig geweiht, weshalb es ursprünglich auch Kloster Kettwig hieß.Clemen, S. 58. Der barocke Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und einige andere Reliquien aus der Klosterkirche befinden sich in der heutigen Kirche des Elisabeth-Krankenhauses.Krüssmann, S. 90, Nr. 33 [Elisabeth-Krankenhaus, Architekten Otto Krämer/Peter Sistenich, Baujahr 1913, Ort: Huttrop, Moltkestraße 61.]: „die originale Barockausstattung“.

Im Stil des Barock ist der Hochaltar der Kirche St. Ludgerus in Werden gestaltet worden: Über eine romanische, steinerne Mensa erhebt sich ein zweigeschossiger Aufbau aus der Zeit um 1700 im Stil des Barock mit schwarzem und vergoldetem Holz und reichem Goldrahmen. Das Oberteil zeigt als Mittelbild eine Darstellung des Heiligen Ludgerus. Darüber befindet sich das – von zwei Löwen gehaltene – Wappen des Abtes Ferdinand von Erwitte. Der zweigeschossige Aufbau wird von Pilastern und gewundenen Säulen mit korinthischen Kapitellen getragen. Flankiert wird das Stück von Ludgerus und Karl dem Großen. Im Aufsatz befindet sich ein gutes Mittelmedaillon mit der in Wolken thronenden Maria. In dem geschweiften durchbrochenen Giebel befindet sich die Figur Jesu mit der Weltkugel zwischen zwei knienden Engeln.Clemen, S. 93.

Die Barockausstattung des Essener Münsters befindet sich heute in St. Johann Baptist und stammt aus der Zeit um 1700: Ein Hochaltar mit großem Aufbau, der von der Figur des auferstandenen Jesus gekrönt wird. Das Mittelbild zeigt eine Kreuzigung zwischen zwei Paaren gewundener Säulen. Der Hochaltar wird von den Heiligenfiguren Nepomuk und Josef geschmückt, die auf Konsolen stehen. Das Chorgestühl bestand ursprünglich aus jeweils zehn Sitzen, die mit Löwenköpfen und Festons geschmückt waren und im Jahre 1699 von Georg Dollar in Münster geschaffen wurden.Clemen, S. 56.

Klassizismus mini|Rathaus Essen (1842–1884), (Klassizismus). mini|Villa Hügel. Anfang des 19. Jahrhunderts war EssenSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der folgende Abschnitt dem Kapitel Größenentwicklung Essens in Essen. Rüstig zur Arbeit! Froh in der Rast! …auf S. 34f. noch ein „bescheidenes Landstädtchen“,Verkehrsverein, Essen. Rüstig zur Arbeit! Froh in der Rast! …, S. 31, 34. mit kaum 4000 Einwohnern und 729 Wohngebäuden, das dem Kloster seine Bedeutung verdankte.

In EssenSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der folgende Abschnitt dem Kapitel Aus Essens Vergangenheit in Essen. Rüstig zur Arbeit! Froh in der Rast! …auf S. 31f. wurden Ende der 1830er Jahre neue Kohlelager erschlossen und die Stahlindustrie wurde bedeutend. Der Ort entwickelte sich zunehmend zu einer bedeutenden Industrie- und Handelsstadt. Auf der Ruhr wurden zwischen 1841 und 1853 mithilfe der Ruhrschifffahrt jährlich bis zu 500.000 Tonnen Kohle befördert. Die von 1845 bis 1847 neu errichtete Köln-Mindener Eisenbahn war die erste Eisenbahn, welche den rheinisch-westfälischen Bergbaubezirk von Westen nach Osten durchschnitt und Essen zur Industriemetropole machte. Ende der 1840er und Anfang der 1850er Jahre wurden durch neue Zechen mit Maschinenbetrieb die Kohlenförderung „auf das Hundertfache gesteigert“.Verkehrsverein, Essen. Rüstig zur Arbeit! Froh in der Rast! …, S. 32. Anfang der 1860er Jahre beendete Essen sein Dasein als Ackerstadt und wurde ein „Industrieplatz ersten Ranges“.Verkehrsverein, Essen. Rüstig zur Arbeit! Froh in der Rast! …, S. 32. Essen hatte nun 40.000 Einwohner und ganze Straßenfluchten wurden errichtet, wo einst Ackerfläche war.

Beispiele für den Klassizismus in Essen sind das Essener Rathaus (1840–1884) und das Haus Huffmann (1830) an der Heckstraße 75 in Werden. Die Ostfassade ist streng symmetrisch gegliedert und zeigt ein aufgesetztes Tympanon.Kurt Westhoff et al., S. 179f. Die Villa Hügel wurde 1870/1873 nach Entwürfen der Architekten Eduard Schwarz und Julius Rasch „in einer an Viktorianische Vorbilder angelehnten klassizistischen Formensprache“ gestaltet.

Historismus Neugotik Zu den Profanbauten im Stil der Neugotik zählte das dritte Essener Rathaus. Ein anderer Profanbau der Neugotik war das Hauptverwaltungsgebäude Krupp des Architekten Robert Schmohl, das 1976 abgerissen wurde.

Folgende christliche Sakralbauten wurden im Stil der Neugotik gestaltet: die Pauluskirche, die Friedenskirche, die Lutherkirche, die St.-Dionysius-Kirche, die St.-Georg-Kirche, die St.-Gertrud-Kirche, die St.-Hubertus-Kirche, die St.-Laurentius-Kirche, die Markuskirche, das Seniorenstift St. Laurentius sowie die Evangelische Kirche Essen-Werden.

Neuromanik Neuromanische Kirchen sind die Erlöserkirche, die Herz-Jesu-Kirche sowie die Kreuzeskirche.

Neorenaissance Nach Vorbildern der Nordischen Renaissance wurde 1902/1904 das Carl-Humann-Gymnasium in Steele, im Stil der Neurenaissance erbaut.: „Es handelt sich um einen auf polygonalem Grundriß angelegten verputzten Massivbau von 2-3 Geschossen in historistischer Formensprache.“Schulgeschichte auf Carl-humann.de: „Konzipiert war der Bau im Stil der “deutschen Renaissance”, wie sie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wohl geschätzt wurde:“

Ein Beispiel für die Nordische Renaissance war das Eisenbahn-Direktionsgebäude Essen, fertiggestellt 1898 nach Entwurf der königlichen Regierungsbaumeister Behrendt und Jaffke: „Bei dem Essener Direktionsgebäude wurde aber mit Erfolg versucht, die sinnigen, anheimelnden Architekturformen des Renaissancestils mit Anlehnung an den holländischen Stil zu verwenden […] bei unseren Staatsbauten jetzt bemüht ist, das deutsche Empfinden auch in der deutschen Baukunst zum Ausdruck zu bringen.“Kellen, S. 156.Waechtler, S. 37:„In moderner Renaissance ausgeführt ist das Gebäude der Königlichen Eisenbahn-Direktion am Bismarckplatze; bemerkenswert sind Treppenhaus und Sitzungssaal.“