mini|Karl Hermann Rumschöttel (1820–1885), Landrat von St. Wendel von 1856 bis 1885 (Bildarchiv der Kreissparkasse St. Wendel) Karl (Carl) Hermann Rumschöttel (* 19. November 1820 in Trier; † 11. Juli 1885 in Wiesbaden) war ein deutscher Verwaltungsbeamter.

Leben Karl Hermann Rumschöttel wurde geboren als Sohn des Johann August Rumschöttel (1786–1845), Regierungsregistrator, Hofrat und später Direktor des Trierer Landarmenhauses, und der Henriette Erhardina Ernestina, geb. Diedrich (* 1791). Am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier erlangte er 1838 das Abitur.Verzeichnis der Direktoren, Lehrer und Abiturienten des Königlichen Friedrich Wilhelms-Gymnasiums vom Jahre 1815 ab. Anhang zu: Königliches Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Trier 1563–1913. Festschrift zur Feier des 350jährigen Jubiläums der Anstalt am 6.–8. Oktober 1913. Lintz, Trier 1913, S. 34 als Rumschöttel, Hermann (online bei Internet Archive). Von 1838 bis 1842 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin und Heidelberg. In Heidelberg wurde er Renonce des Corps Guestphalia Heidelberg, trat dann aber 1840 zum Zweck der Rekonstitution zum seit 1833 suspendierten Corps Saxo-Borussia Heidelberg über.Kösener Korpslisten 1910, 120, 169

Nach Abschluss des Studiums wurde Rumschöttel 1842 Auskultator beim Landgericht Trier und 1844 Regierungsreferendar bei der Regierung in Trier. Nach dem Assessorexamen wurde er zum Landratsamt in Merzig überwiesen, wo er im Juni 1848 vertretungsweise die Geschäfte des Landrats übernahm. Im September 1848 wurde er zunächst kommissarisch und am 4. April 1853 – nachdem der St. Wendeler Kreisrat auf sein Nominationsrecht wie üblich verzichtet hatteHanns Klein: Der Landkreis St. Wendel 1835–1871. Streiflichter, Notizen und Anmerkungen zu seiner Geschichte. In: Beiträge zur Geschichte von Gewerbe, Industrie und Verwaltung im Westrich und an der Saar. Für und mit Hanns Klein aus Anlaß seines 75. Geburtstages. Hrsg. von Irmtraut Eder-Stein u. a. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 1995, ISBN 978-3-86110-073-7, S. 301–347, S. 333. – definitiv zum Landrat des Landkreises St. Wendel ernannt.Landkreis Sankt Wendel Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke)

Als Deputierter dieses Kreises nahm Rumschöttel am 15. Mai 1865 an der Jubel-Huldigungsfeier der Vereinigung der Rheinlande mit der Krone Preußen in Aachen teil.Nikolaus Schüren: Die Jubel-Huldigungsfeier der Vereinigung der Rheinlande mit der Krone Preußen am 15. Mai 1865. Blätter der Erinnerung. Selbstverlag des Verf., Aachen , S. 93 (online bei Google Books). Qua Amt leitete er als Direktor die St. Wendeler Lokalabteilung des Landwirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen zu Bonn.Mentzel und v. Lengerke's verbesserter landwirthschaftlicher Hülfs- und Schreib-Kalender auf das Jahr 1869. Jg. 22. Teil 2. Wieggand & Hempel, Berlin 1869, S. 251 Nr. 56 (online bei Google Books). In Rumschöttels Amtszeit als Landrat fallen die Gründung der Kreissparkasse St. Wendel (1859), bei der er eine führende Rolle einnahm,Constanze Baus und Johannes Naumann: Die 150-jährige Geschichte der Kreissparkasse St. Wendel. In: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 35 (2007/09), S. 232–240, S. 232 (online als PDF). und die Einrichtung eines größeren Kreishauses. Sein nachhaltiges Engagement für die Erhaltung eines römerzeitlichen Kulturdenkmals, das ihm hoch anzurechnen sei, führte auch zur Bereitstellung von Geldmitteln aus dem Dispositionsfonds von Kaiser Wilhelm I.Daniel Hinkelmann: Das Mithrasdenkmal bei Schwarzerden, seine Erhaltung ein Sorgenkind des alten Kreises St. Wendel (1848–1887). In: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 10 (1963/64), S. 77–79 (online als PDF). Seine entschieden regierungskonforme Haltung im Kulturkampf, der im Landkreis St. Wendel mit dem Namborner Aufruhr von 1874 und den Marienerscheinungen in Marpingen von 1876/77 gewalttätige Auseinandersetzungen verursacht hat, brachten ihm in der neueren Forschung Beurteilungen wie Hard-Liner-Landrat ein.So etwa David Blackbourn: Marpingen: Marienerscheinungen in Deutschland. In: Landschaften der deutschen Geschichte. Aufsätze zum 19. und 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-37043-8, S. 63–95, S. 89 (als Vorschau online bei Google Books).

Im Mai 1885, zwei Monate vor seinem Tod, legte Rumschöttel, der sicher nicht zu den liberaleren Vertretern seines Standes zählte, nach fast 37-jähriger Amtszeit das Amt aus Gesundheitsgründen nieder und zog nach Wiesbaden.Max Müller: Die Geschichte der Stadt St. Wendel von ihren Anfängen bis zum Weltkriege. Verlag der Stadt St. Wendel, St. Wendel 1927, S. 276.

Rumschöttel war mit der Trierer Bankierstochter Elise (Elisa) geb. Gilquin verheiratet,Thomas Schnitzler: Zwischen Restauration und Revolution. Das Trierer Turnen im Organisations- und Kommunikationssystem der nationalen Turnbewegung (1815-1852). P. Lang, Frankfurt/Main u. a. 1993, S. 149. die 1877 als Frau Landrath […] zu St. Wendel das königlich preußische Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen erhielt.Königlich Preußische Ordensliste 1877. Teil 3. Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin S. 1308 Nr. 2191 (online bei HathiTrust). Der Landgerichtsrat und Bürgermeister von St. Johann (Saar) Karl Heinrich Rumschöttel war sein Bruder.

Auszeichnungen 1865: Verleihung des Roten Adlerordens, IV. Klasse, aus Anlass der Feier zur 50-jährigen Vereinigung der Rheinlande mit Preußen.Nikolaus Schüren: Die Jubel-Huldigungsfeier der Vereinigung der Rheinlande mit der Krone Preußen am 15. Mai 1865. Blätter der Erinnerung. Selbstverlag des Verf., Aachen , S. 117 (online bei Google Books). 1874: Verleihung des Roten Adlerordens, III. Klasse mit der Schleife durch den Trierer Regierungspräsidenten Arthur von Wolff anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der höheren Schule in St. Wendel. Programm des Königlichen Kronprinz Friedrich Wilhelms-Progymnasiums zu St. Wendel für die Schuljahre 1874 bis 1876. Carl Maurer, St. Wendel 1876, S. 17 f. (online bei: Münchener Digitalisierungszentrum). 1874 Juni 2: Verleihung des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig, Ritterkreuz I. Klasse.Hof- und Staatshandbuch des Großherzogtums Oldenburg für 1875. Jg. 100. Schulze, Oldenburg , S. 82 (online bei Google Books). 1884: Ernennung zum Geheimen Regierungsrat.Neueste Mittheilungen. Jg. 3. Nr. 35 vom 22. März 1884, S. 3 unter Personalien (online als PDF beim Zeitungsinformationssystem (ZEFYS) der Staatsbibliothek zu Berlin).

Literatur Bärbel Holtz (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 4/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11827-0, S. 635. (Online; PDF 1,9 MB).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Landrat (Landkreis St. Wendel) Kategorie:Geheimer Regierungsrat Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse Kategorie:Träger des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1820 Kategorie:Gestorben 1885 Kategorie:Mann