mini|Alte Ortsmitte
Büttelborn (im lokalen Dialekt: Biddelborn) ist eine Gemeinde im südhessischen Kreis Groß-Gerau.
Geographie Geographische Lage Naturräumlich liegt Büttelborn am Rande des nördlichen hessischen Rieds in der Oberrheinischen Tiefebene, genauer an der Grenze zwischen dem nördlichen Oberrheintiefland und dem Rhein-Main-Tiefland.
Büttelborn liegt in direkter Nachbarschaft zur Kreisstadt Groß-Gerau. Die räumliche Nähe zu den Großstädten des Rhein-Main-Gebietes und die verkehrsgünstige Lage machen es zu einer attraktiven Wohngemeinde. Die nächsten größeren Städte sind Darmstadt (12 km östlich), Mainz (25 km), Wiesbaden (30 km nordwestlich) und Frankfurt am Main (30 km nordöstlich) sowie Mannheim (50 km südlich).
Nachbargemeinden
Das Gemeindegebiet grenzt im Westen an die Kreisstadt Groß-Gerau, im Norden an die Stadt Mörfelden-Walldorf (beide Landkreis Groß-Gerau), im Osten an die Stadt Weiterstadt und im Süden an die Stadt Griesheim (beide Landkreis Darmstadt-Dieburg).
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in die drei ehemals selbstständigen Ortsteile Büttelborn (5.829 Einwohner), Klein-Gerau (3.849 Einwohner) und Worfelden (4.536 Einwohner). (abgerufen am 10. November 2012, Stand 31. Dezember 2011). (Stand: 31. Dezember 2011)
Flächennutzung Von der Gemarkungsfläche mit einer Gesamtgröße von 3.001 ha werden 1.741 ha landwirtschaftlich genutzt, 571 ha bestehen aus Wald, 334 ha aus Gebäuden und Freiflächen und 239 ha werden als Verkehrsflächen verwendet.
Klima Das Klima im Gemeindegebiet ist relativ mild, trocken und sonnig. Die mittlere Tagesmitteltemperatur lag in den Jahren 1901 bis 2000 zwischen 10,1 und 11,0 °C, davon im Frühjahr und Herbst zwischen 9,1 und 10,0 °C, im Sommer zwischen 18,1 und 19,0 °C und im Winter zwischen 0 und 1 °C. Die Niederschlagsmenge ist ebenfalls relativ gering; sie lag im Mittel in den Jahren 1901 bis 2000 bei ca. 650 mm. Das führte bei der Wasserbilanz (Differenz zwischen Niederschlagsmenge und Verdunstung) zu einem etwa ausgeglichenen Wert, wobei sie in der westlichen Gemeindehälfte leicht negativ (−99 bis 0 mm) und in der östlichen Gemeindehälfte leicht positiv (0 bis 100 mm) war. Die mittlere Sonnenscheindauer ist dagegen relativ hoch und lag im Mittel zwischen 1951 und 2000 bei 1601 bis 1650 Stunden, im südlichen Gemeindegebiet sogar bis zu 1700 Stunden.Umweltatlas Hessen (Klima) (abgerufen am 10. November 2012).
Geschichte Frühgeschichte Das Gebiet des heutigen Büttelborn ist bereits seit der Jungsteinzeit vor etwa 4.000 Jahren besiedelt.
Zwischen 70 und 260 n. Chr. war das südwestliche Hessen Teil des römischen Weltreiches. Der Limes verlief etwa 25 km nördlich von Büttelborn im Taunus. Zur Versorgung des etwa zwei Kilometer westlich des heutigen Ortskerns von Büttelborn gelegenen Kastells auf Esch in Groß-Gerau wurden in der Umgebung zahlreiche römische Bauernhöfe angelegt, so auch einer im heutigen Büttelborn. Seine Grundmauern wurden im Jahr 1891 freigelegt. Römische Münzfunde, Gefäßreste sowie ein römisches Grab sind weitere Beweise römischer Präsenz.Website der Gemeinde Büttelborn https://www.buettelborn.de/standort/wissenswertes/ortsgeschichte/
Aus fränkischer Zeit existiert etwa 650 m südlich des Ortskerns von Büttelborn ein Reihengräberfeld, das bereits 1904/06 erstmals entdeckt wurde. Es handelt sich dabei um ca. 550 Gräber aus der Zeit zwischen 580 und 750 n. Chr. Etwa 450 dieser Gräber wurden in den Jahren 1998 bis 2013 vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege freigelegt, untersucht und dokumentiert. Dabei wurden auch zahlreiche Grabbeilagen, darunter Glasfunde, die zwecks Konservierung teilweise an die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin übergeben wurden, geborgen.Artikel aus dem Heimatboten Büttelborn: https://www.yumpu.com/de/document/read/7682917/schaferhundeverein Website der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin: https://krg.htw-berlin.de/studium/studienschwerpunkte/archaeologisch-historisches-kulturgut-ahk/studienprojekte/fraenkische-glasfunde-aus-buettelborn-hessen/
Mittelalter und Frühe Neuzeit Die älteste erhaltene Erwähnung stammt von 1211. Darin wird der Ort als Butelbrunne bezeichnet. Ab 1257 ist die Herrschaft der Grafen von Katzenelnbogen über den Ort belegt. Mit dem Erlöschen dieses Hauses kam das Amt Dornberg mit Büttelborn 1479 an die Landgrafschaft Hessen.
Bei der Teilung der Landgrafschaft Hessen unter den Erben Philipp des Großmütigen 1567 gelangte Büttelborn an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Noch deren erster Regent, Georg I., veranlasste, dass die von seinem Kanzler, Johann Kleinschmidt, zusammengestellte Rechtssammlung Landrecht der Obergrafschaft Katzenelnbogen dort rechtsverbindlich wurde. Sie galt in Büttelborn als Partikularrecht, subsidiär ergänzt um das Gemeine Recht, bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 108f. und beiliegende Karte. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte zum 1. Januar 1900 das alte Partikularrecht außer Kraft.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Büttelborn 1645 von den Franzosen geplündert. Lebten vor dem Krieg etwa 500 Einwohner in Büttelborn, so waren es nach dessen Ende 1648 nur noch 50.
Neuzeit In der frühen Neuzeit waren auf unterster Ebene die Funktionen von Verwaltung und Rechtsprechung in einer gemeinsamen Institution (Amt) vereinigt. 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt als Rheinbundstaat zum Großherzogtum Hessen erhoben. Das Amt Dornberg mit Büttelborn waren der Provinz Starkenburg zugeordnet. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 wurden die bisherigen Ämter aufgelöst, für die Verwaltungsaufgaben Landratsbezirke und für die Rechtsprechung Landgerichte eingerichtet. Für die übergeordnete Verwaltung in Büttelborn zuständig war nun der Landratsbezirk Dornberg. Für die Rechtsprechung wurde das Landgericht Großgerau eingerichtet, das mit der Reichsjustizreform und Wirkung vom 1. Oktober 1879 vom Amtsgericht Groß-Gerau ersetzt wurde.
1858 hatte Büttelborn erstmals mehr als 1000 Einwohner und wurde als „Weißkrautgemeinde“ bekannt, auch weil 1887 eine Sauerkrautfabrik erbaut wurde, die 35 Jahre lang Bestand hatte.
Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden auch in Büttelborn der frei gewählte Gemeinderat durch von der NSDAP bestimmte Personen ersetzt und Straßennamen im Sinne der NS-Ideologie umbenannt. Von den 33 jüdischen Familien, die 1933 in Büttelborn wohnten, konnten sich nur Personen, die der jüngeren Generation angehören, dem Holocaust durch rechtzeitige Flucht entziehen. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs kehrten zwar viele aus den umliegenden Großstädten evakuierte Menschen dorthin zurück, durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen wuchs die Büttelborner Bevölkerung aber weiter an.
Am 1. Januar 1977 wurde Büttelborn im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz mit den Nachbargemeinden Klein-Gerau und Worfelden unter dem Namen Büttelborn zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Sitz der Verwaltung ist Büttelborn. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Braunshardt Airfield Im Herbst 1944 wurde in der Gemarkung Worfelden, heute Ortsteil von Büttelborn, nahe der Grenze zu Braunshardt, im Auftrag der Luftwaffe mit dem Bau eines Feldflugplatzes begonnen.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45; PDF-Datei online: ww2.dk/Airfields%20-%20Germany%20[1937%20Borders].pdf, abgerufen am 9. Dezember 2023. Der Flugplatz wurde jedoch erst nach der Übernahme der US Air Force fertiggestellt, indem das fehlende Mittelstück mit Sandblechen belegt wurde. In Verkennung der genauen Lage erhielt der den Namen Braunshardt AirfieldDavid C. Johnson: U.S. Army Air Forces Continental Airfields (ETO), D-Day to V-E Day; Research Division, USAF Historical Research Center, Maxwell AFB, Alabama (1988). PDF-Datei online, abgerufen am 9. Dezember 2023. (siehe Braunshardt Flugplatz.) Nach einer kurzen Nutzungszeit durch die USAF wurden die Bleche und andere Teile der Start- und Landebahn von der Bevölkerung als Baumaterial verwendet, bis die Reste des Flugplatzes Mitte der 1960er Jahre entfernt und die Flächen wieder landwirtschaftlich genutzt wurden.Marc Wickel: In den Himmel über Braunshardt. Darmstädter Echo, online vom 8. August 2017, abgerufen am 9. Dezember 2023.Informationstafel „Braunschardt Airfield, Germany“ (nach US Air Force) am westlichen Ende der Lage der früheren Start- und Landebahn.
Flugplatz Büttelborn Im Spätsommer 1944 wurde südsüdöstlich von Büttelborn westlich der heutigen Landesstraße 3303 ein weiterer Feldflugplatz angelegt. Der Flugplatz war unbefestigt und hatte die Abmessungen von ca. 1000 × 320 Metern. Er diente als sogenannter Schattenplatz (Ausweichflugplatz) und als Abstellplatz für nicht genutzte Flugzeuge. Die Fläche wird heute wieder als Ackerland genutzt.Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe … und was von ihnen übrig blieb. Verlag VDMedien Heinz Nickel, Zweibrücken, 2010. ISBN 978-3-86619-054-2.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45; PDF-Datei online: ww2.dk/Airfields%20-%20Germany%20[1937%20Borders].pdf, abgerufen am 9. Dezember 2023.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Büttelborn angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Dornberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Dornberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Dornberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die drei Provinzen des Volksstaates Hessen Oberhessen, Rheinhessen sowie Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011