Küssaberg ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg an der Grenze zur Schweiz. In Küssaberg verläuft die Verkehrsverbindung Deutschlands mit der Schweiz zwischen Waldshut-Tiengen und Schaffhausen über die Rheinbrücke Zurzach–Rheinheim. Die auf der Gemarkung Küssabergs gelegene Küssaburg ist Wahrzeichen des Landkreises Waldshut.

Geographie mini|Küssaberger Ebene mit Rheinheim, gegenüber: Bad Zurzach (CH), Kadelburg (unten rechts) Küssaberg liegt am südöstlichen Rand des Schwarzwalds und ist Teil der Landschaft Klettgau. Die Gemeinde liegt in einer Ebene, die zum Land hin von einer Bergkette des Randen und im Süden vom Hochrhein begrenzt wird. Das Gemeindegebiet umfasst 26,20 km²; 10,18 km² sind bewaldet, die Landwirtschaftsfläche beträgt 12,62 km². Im von Wald und landwirtschaftlicher Nutzung geprägtem Umfeld liegt von den Wohnbereichen abgeschirmt ein Gewerbebezirk.

Lage mini|Küssenberg mit Burg von Westen Die Randen-Bergkette mit der Ruine Küssaburg in 634 Meter Höhe bildet im Osten die Grenze zur Gemeinde Hohentengen am Hochrhein, im Nordosten zur Gemeinde Klettgau und im Nordwesten zur Gemeinde Lauchringen. Im Westen führt durch einen Engpass nahe dem Mündungsgebiet des Rhein-Zuflusses Wutach die Landesstraße 161 in den Bereich der Städte Waldshut und Tiengen.

Auf der Schweizer Seite liegt der Kanton Aargau mit den Gemeinden Zurzach und Mellikon. Die Stadt Zürich liegt 30 Kilometer entfernt.

Weiteres Umfeld Küssaberg liegt etwa in der Mitte zwischen Basel und dem Bodensee; bis Freiburg und zur französischen Grenze (Vogesen) sind es 80 bis 120 Kilometer; im Norden liegen im Schwarzwald der Feldberg, der Schluchsee und die Wutachschlucht, nordöstlich die ehemalige Kanonen- und heutige Museumsbahn. In 20 Kilometer Entfernung liegt der Rheinfall von Schaffhausen. Hier befindet sich auch die Anbindung an die Autobahn A 81. Im Süden ist der Flughafen Zürich-Kloten in einer Stunde Fahrzeit zu erreichen.

Siehe auch: Touristische Kurzbeschreibung

Gemeinde Die Gemeinde Küssaberg besteht aus den bis in die 1970er Jahre selbstständigen Ortschaften Bechtersbohl, Dangstetten, Kadelburg, Küßnach, Reckingen, Rheinheim und der Siedlung Ettikon. Dazu gehören im jeweiligen Umfeld zahlreiche Höfe und historisch auch ehemalige Siedlungsplätze.

Seit der Gemeindereform besteht ein Gemeindeverwaltungsverband mit Hohentengen am Hochrhein. Mit der Nachbargemeinde ist seit dem Schuljahr 2013/14 die Gemeinschaftsschule „Rheintal“ als weiterführende Schule vor Ort mit zwei Standorten in den beteiligten Gemeinden eingerichtet; die Klassen von 1–10 sind nach Altersgruppierungen verteilt und werden von 37 Lehrkräften unterrichtet.Sabine Gems-Thoma: Konzepte für die Zukunft. In: Alb-Bote. 27. Februar 2018.

mini|Wohnviertel „Neunschwanz“ in Kadelburg Ein zentrales Anliegen der Gemeinde ist die Wohnbebauung – Modellcharakter für eine ländliche Gemeinde hat das Wohnviertel „Neunschwanz“ in Kadelburg. Das neue Feuerwehrhaus mit DRK-Räumen wurde am 8. April 2018 eingeweiht. In Kadelburg soll die Ortsmitte neu gestaltet werden (bis 2022), „damit sich Geschäfte und Dienstleister weiterentwickeln und besser aufstellen können.“ Die Supermärkte müssen umziehen, auch „Aufenthalts- und Begegnungsbereiche“ sind vorgesehen.Bürgermeister Weber zitiert in: Peter Rosa: Der Einzelhandel braucht zeitgemäße Räumlichkeiten. In: Hochrhein-Anzeiger. 14. Mai 2017.

Die Verwaltungsgemeinde siehe: Die politische Gemeinde Kirchen siehe: Religiöse Gemeinschaften

mini|Gedenktafel beim Friedhof Bechtersbohl Entwicklungspolitischer Hintergrund

Die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und der Hungerwinter 1946/47 wurden durch die Schweizer Nachbarschaftshilfe abgemildert. Da die mittlere Hochrheinregion nahe an der Wirtschafts- und Industriemetropole Zürich und deren Umfeld liegt, fand ab den 1950er Jahren ein hoher Prozentsatz der deutschen Bevölkerung in den angrenzenden Schweizer Kantonen gut bezahlte Arbeitsstellen und die Schweizer Bevölkerung nutzt das nach wie vor bestehende Währungsgefälle zu Einkaufs- und Freizeit-Unternehmungen ins deutsche Grenzgebiet.

Leistungen mini|Gemeindezentrum zwischen Rheinheim und Kadelburg Seit der in Küssaberg wirksamen Gemeindereform Mitte der 1970er Jahre entstand ein Gemeindezentrum mit einer Haupt- und Werkrealschule (der heutigen GMS Rheintal), zwei Sporthallen (Küssaburg-Halle im Gemeindezentrum in Rheinheim und Sporthalle bei der Grundschule in Kadelburg), Freisportanlagen und Rathaus.Küssaberg Webseite. Hinzu kommen vier Kindergärten in Dangstetten, Kadelburg, Rheinheim sowie dem Waldkindergarten auf der Anhöhe bei der Küssaburg.

Bürgergemeinschaft Die Bürgergemeinschaft Küssaberg entstand 2016, als sich der Ortseniorenrat, das kommunale Seniorenwerk, die Nachbarschaftshilfe und der Förderverein Sozialstation zusammenschlossen. Stand 2017 hat der Verein mehr als 700 Mitglieder.Tina Prause: Miteinander geht vieles besser. In: Alb-Bote. 15. Dezember 2017. Ehrenamtliche Helfer organisieren unter anderem einen an vier Tagen der Woche fahrenden „Bürgerbus“.Website der Bürgergemeinschaft Küssaberg.

Projekt „Wohnen im Alter“ mini|Haus Wohnen im Alter kurz vor der Eröffnung (März 2022) Ab 2017 plante die Gemeinde die Vorbereitung und Umsetzung einer vollständig selbstverwalteten Wohngemeinschaft in einem Bauprojekt. Mit einem Jahr Verzögerung gegenüber der Planung konnten nach dem ersten Spatenstich im Juni 2019 im Dezember 2021 erste Bewohner einziehen. Am 9. April 2022 fand die offizielle Übergabe und Inbetriebnahme statt.

Weitere Arbeitsbereiche der Bürgergemeinschaft sind: mini|Hausbau der Gemeinde für Flüchtlingsfamilien (Nov. 2015) Nachbarschaftshilfe (mit Vermittlung von Handwerkerarbeiten in Haus und Garten für Senioren) Veranstaltungen mit „Jung und Alt“ zur Kommunikation unter den Generationen.

Flüchtlingshilfe In Küssaberg wurden bis Juni 2018 rund 70 Flüchtlinge aufgenommen. Ein Flüchtlingshelferkreis vermittelt unter anderem auch Arbeitsstellen, jeder Flüchtling hat einen zugeteilten „Paten“.Tina Prause: Gemeinde lädt Asylhelferkreis und Flüchtlinge zu einem gemeinsamen Grillabend ein. In: Südkurier, 17. Juli 2017.

mini|Museum mit Ausstellungen zu Zeitgeschichte, Sammlungen und Kunsthandwerk Kulturelle Gemeinde Das 1985 gegründete Museum Küssaberg zeigt die Kontinuität der Besiedlung mit einem umfangreichen Dauerprogramm. Außerdem hat das Museum ein etwa sechsmal jährlich wechselndes Ausstellungsprogramm. Dem ursprünglichen Gründungsmotiv, der römischen Vergangenheit Küssabergs, dient der Gewölbekeller des kaiserlichen Jagdhauses und ehemaligen Ratshauses von Rheinheim, hier befinden sich Nachbildungen der wichtigsten Objekte aus dem Römerlager Dangstetten und originale, auch dendrochronologisch erfasste Fundamentpfosten aus dem Eichenholz einer antiken Rheinbrücke sowie Studien und Modelle zum römischen Brückenbau.Website des Museumvereins.

mini|Einheitliche Wanderweg-Markierung Tourismus 2016 lag die Zahl der Übernachtungen in Küssaberg bei 30.000.Tourismusstatistik Landkreis Waldshut.

In Küssaberg befindet sich eine Minigolfanlage mit von Kunsthandwerkern gestalteten Schikanen, es werden Kanu- und Soft-Rafting-Touren auf dem Rhein angeboten, unter anderen mit Durchquerung des Lauffen bei Ettikon.

Naturschutzgebiete Küssaberg befindet sich innerhalb eines Schutzgebietsnetzes.

Orchideenwiese Küßnach Lauffen bei Ettikon (Stromschnellen im Rhein) Naturschutzgebiet Küssaberg Pulsatilla-Standort Dangstetten

Ortschaften Überblick Wappen Ortsteil Einwohner(Stand: 2022) 30px|Wappen Bechtersbohl 280 30px|Wappen Dangstetten 1114 30px|Führt kein Wappen Ettikon 305 30px|Wappen Kadelburg 2015 30px|Wappen Küßnach 137 30px|Wappen Reckingen 339 30px|Wappen Rheinheim 1467

Ortschaftsporträts „Die Geschichte beginnt nicht mit den Anfängen, sondern erst mit der schriftlichen Überlieferung der Geschehnisse.“ schrieb noch der Heimatforscher Emil Müller-Ettikon 1981. Heute erweitert die Archäologie mit immer differenzierteren Methoden zwar weniger das Wissen um Ereignisse, jedoch die Vorstellungen zur Lebensweise in frühen Kulturen – oft über bemerkenswerte Handwerkstechniken.

mini|Altes Zollhaus in Kadelburg Kadelburg ist der älteste Siedlungsplatz der Gemeinde, Funde sind seit der Steinzeit bezeugt. Grund für die Bedeutung der Ortschaft seit der Frühzeit war die Verbindung eines nahegelegenen, gut zu befestigenden Platzes (Anhöhe mit Bergkirche) mit einer Fährstelle, die durch die Flussberuhigung im Rückstau des Ettikoner Lauffen möglich war. Dadurch war der Ort Handelszentrum – unterbrochen nur in den beiden Jahrhunderten der Römerzeit, als die Brücke Zurzach zu einem städtischen Zentrum machte (Tenedo) und über den ‚Brückenkopf‘ Rheinheim die Heer- und Handelsstraße an Kadelburg vorbei führte. Nach der Zerstörung der Brücke im 5. Jahrhundert änderte sich dies wieder und im Mittelalter und durch die spätere Zugehörigkeit zu Zurzach (Eidgenossenschaft) und dann auch angeregt durch die Tatsache, dass es seit der Reformation zwei Konfessionen gab, gewann Kadelburg seine Bedeutung zurück und ist bis heute das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum in Küssaberg. Symbol für diese Bedeutung sind das Kelnhaus als ehemaligem Sitz des Vogts (eine Art frühem ‚Bürgermeister‘) und das große historische Zollhaus. Die Entscheidung, das politische Zentrum bei Rheinheim einzurichten, sorgte im 20. Jahrhundert für einen Ausgleich.

mini|Küßnach, Frühjahr 2017 Auch Küßnach kann ein sehr alter Platz sein, es war ein typisches Refugium – eine Siedlungsstelle, die es erlaubte, bei Gefahr sich auf den gut zu befestigten Platz des Küssenberges zurückzuziehen. Der Name weist auf einen keltischen Ursprung hin. Der Ort ist noch heute die kleinste Siedlung Küssabergs mit nur geringem Durchgangsverkehr zu den Höfen bzw. nach Hohentengen, zu deren Pfarrei es bis 1966 gehörte.

Der Ursprung von Rheinheim lag in seiner Funktion als Brückenkopf der Römerzeit mit den sich dabei ansiedelnden Einrichtungen des Kontroll- und Reisegewerbes. Heute Wohnort und Verkehrsknotenpunkt (Rheinheimer Kreisel). In der westlichen Peripherie liegt das Gemeindezentrum Küssabergs – nordöstlich das Kieswerk, ehemaliger Platz des römischen Truppenstandorts ab 15 v. Chr., bereits auf der Gemarkung Dangstetten. Nach ihrem Sieg über die Alamannen um 500 n. Chr. „sicherten die Franken die natürlichen Verkehrsmittelpunkte durch ihre – heim-Orte. Demnach wäre Rheinheim wohl zu Beginn des 6. Jahrhunderts [auf römischen Fundamenten] gegründet worden.“Emil Müller-Ettikon: Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs. Gemeinde Küssaberg (Hrsg.), 1981, S. 22. Rheinheim lag „an einer Seitenroute zum großen Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Die süddeutschen Wallfahrer besuchten erst das Verenaheiligtum in Zurzach. Der Höhepunkt der deutschen Jakobuswallfahrten war um das Jahr 1500.“ Überliefert ist, dass „nach dem Jahre 1500 in Rheinheim eine rege Bautätigkeit begann. Zahlreiche öffentliche Gebäude aus Stein entstanden. Rheinheim wurde eine kleine ‚Klosterstadt‘. […] Das Kloster Rheinau hatte hier seinen weltlichen Verwaltungssitz.“Wolf Pabst: Kleiner Führer durch die Ortschaft Rheinheim. Neuauflage der Broschüre von 1985, Küssaberg 2011, S. 8 und 11.

Dangstetten wird ebenfalls im Zusammenhang der mit Sicherheit schon vor den Römern existenten Handelsstraße nach Norden als Siedlungsplatz entstanden sein; möglicherweise stand hier Viehzucht im Vordergrund, denn der Name kann sich vom alamannischen Wort „Tang“ ableiten, das einen kleinen See als Tränke für Viehherden bezeichnete. Der Hinterbach besaß früher eine höhere Wasserführung. Das enge Straßendorf ist heute durch ein hohes Verkehrsaufkommen beeinträchtigt. Die Römerstraße führte vermutlich (wegen der Hochwasserbedrohung) nicht der Talsohle entlang, sondern am nördlichen Hang zur Anhöhe beim Friedhof Bechtersbohl.

mini|Passhöhe von Bechtersbohl in den Klettgau