Cheops [ˈkeːɔps] (altägyptisch Chufu) war der zweite König (Pharao) der altägyptischen 4. Dynastie im Alten Reich. Seine Regierungszeit wird auf etwa 2620 bis 2580 v. Chr.Jahreszahlen nach: Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002. datiert.

Cheops folgte seinem Vater oder Stiefvater, König Snofru, auf den Thron. Unter seiner Herrschaft wurde die berühmte Cheops-Pyramide von Gizeh erbaut, eines der Sieben Weltwunder der Antike, durch welches er größtenteils Berühmtheit erlangte.

Die einzige bekannte, vollständig erhaltene Skulptur, die Cheops abbildet, ist eine etwa 7,5 cm große Elfenbeinfigurine, die 1903 in Abydos gefunden wurde und deren zeitliche Einordnung unsicher ist. Von allen anderen Reliefs und Statuen gibt es nur noch Bruchstücke, seine Tempelanlagen sind nur als Ruinen erhalten oder verschollen.

Über sein Leben, Regierungszeit und staatsreligiösen Aktivitäten ist nur sehr wenig bekannt. Erhaltene Informationsquellen sind vor allem Inschriften aus seiner Nekropole und viel spätere schriftlichen Überlieferungen. So ist er zum Beispiel die literarische Hauptfigur in den Erzählungen des Papyrus Westcar aus der 13. Dynastie. Das meiste ist aus den Schriftwerken antiker ägyptischer und griechischer Historiker überliefert.

Cheops Nachruf präsentiert sich insgesamt in zwiespältiger und nicht immer leicht zu beurteilender Form: Während er zumindest im Alten und Neuen Reich kultische Verehrung und Denkmalpflege genoss und sein Ansehen durch literarische Werke aufrechterhalten wurde, zeichneten die griechischen Gelehrten Manetho, Herodot und Diodor rund 2000 Jahre später ein äußerst negatives Charakterbild von ihm. Bis heute hat sich dank dieser griechischen Autoren dieses eher kritische bis düstere Bild von König Cheops gehalten.

Name Cheops () ist die von Herodot und Diodor überlieferte, gräzisierte Namensform des Pharaos, der auch unter seinem Geburtsnamen Chufu (eigentlich Chnum-Chuf(u)) sehr bekannt ist. Weniger gebräuchliche, gräzisierte Varianten seines Namens sind das von Manetho bezeugte Sûphís (Σοῦφις) und das von Flavius Josephus überlieferte Sofe (Σόφη).

Herkunft und Familie Abstammung Die Mutter des Cheops war Hetepheres I.; als Vater wird seit langem sein Vorgänger Snofru angenommen. Dessen Söhne Anchhaf (vielleicht aber auch ein Sohn des Cheops), Nefermaat und Rahotep wären somit seine Halbbrüder gewesen.

Ob Snofru tatsächlich der Vater des Cheops war, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sah man zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Cheops noch einen Adligen aus der Provinz, der lediglich in Snofrus Familie eingeheiratet hatte,vgl. etwa: J. H. Breasted: Geschichte Ägyptens. Köln 2001, S. 85. schienen die Grabungen von George Andrew Reisner in Gizeh hingegen für eine andere Version zu sprechen. 1925 wurde östlich der Cheopspyramide das Schachtgrab der Hetepheres (G 7000x) entdeckt, in dem sich zahlreiche Grabbeigaben fanden. Einerseits wurde im Grab mehrfach der Name des Snofru gefunden, andererseits wird sie als „Königsmutter“ (mwt nswt – mut-nesut) bezeichnet. Damit schien klar, dass sie die Gemahlin des Snofru war und somit beide die Eltern des Cheops waren.

In jüngerer Zeit wurden aber wieder vermehrt Zweifel an Cheops’ unmittelbarer königlicher Abstammung geäußert. Grund hierfür sind die Titel der Hetepheres und das Grab G 7000x als solches. Problematisch ist, dass unter den zahlreichen Titeln, die Hetepheres trug, nicht der der „Königsgemahlin“ (ḥmt nswt – hemet-nisut) zu finden ist. Im Gegenzug trug sie aber den Titel einer „leiblichen Gottestochter“ (s3t nṯr nt ẖt=f – sat netjer net chet=ef), der hier zum ersten Mal auftauchte. Es wurde daher die Vermutung geäußert, Cheops sei kein leiblicher Sohn des Snofru gewesen und habe stattdessen versucht, seinen Herrschaftsanspruch über eine fiktive göttliche Abstammung seiner Mutter zu legitimieren.Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie (= Ägypten und Altes Testament. Band 46). Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04368-7 (Zugleich: Dissertation, Universität Mainz, 1997). Das Grab selbst spricht insofern gegen Cheops Abstammung von Snofru, als sämtliche Königinnengräber des Alten Reiches im Pyramidenkomplex ihrer Ehegatten und nicht ihrer Söhne errichtet wurden.Peter Jánosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen. Untersuchungen zu einem Grabtyp des Alten und Mittleren Reiches (= Österreichische Akademie der Wissenschaften. Denkschriften der Gesamtakademie. Band 13/ Untersuchungen der Zweigstelle Kairo des Österreichischen Archäologischen Institutes. Band 13). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, ISBN 3-7001-2207-1, S. 73 ff.

Diese Zweifel unterliegen jedoch gewissen Einschränkungen. Zum einen ist der Titel Königsgemahlin erst nach Hetepheres mit Sicherheit belegt, sein Fehlen ist somit kein eindeutiger Beweis gegen eine Ehe mit Snofru. Zum anderen ist nicht sicher, dass Hetepheres wirklich in Gizeh bestattet wurde. Obwohl ihr Grab unberaubt geblieben ist, wurde der Sarkophag leer vorgefunden. Dafür enthielt das Grab allerdings den Kanopenkasten mit den mumifizierten Organen der Hetepheres.

Zusammenfassend kann Hetepheres aufgrund der häufigen Nennung von Snofrus Namen im Grab G 7000x und aufgrund ihrer Titel mit hoher Wahrscheinlichkeit als Hauptfrau des Snofru angesehen werden, letzte Gewissheit dafür gibt es allerdings nicht. So könnte sie auch eine untergeordnete Nebenfrau oder eine Verwandte des Snofru gewesen sein. Im ersten Fall wäre Cheops dann zwar tatsächlich ein leiblicher Sohn des Snofru gewesen, aber ohne legitimen Thronanspruch.P. Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band 1, Wien 2005, S. 62.

Ehen Cheops war verheiratet mit Meritites I., einer Tochter Snofrus, sowie mit Henutsen und weiteren namentlich nicht bekannten Frauen. Meritites I. ist zeitgenössisch belegt, der Name von Henutsen ist hingegen nur auf einer Stele genannt, die in die 26. Dynastie datiert wird und sie als Besitzerin einer der Königinnenpyramiden des Cheops (G Ic) ausweist.

Nachkommen Für Söhne des Cheops werden die späteren Pharaonen Radjedef (Djedefre) und Chephren sowie Babaef I., Hordjedef und Minchaef aufgrund ihrer Titel und der Position ihrer Gräber auf dem Ostfriedhof der Cheops-Pyramide gehalten. Ein weiterer Prinz namens Kawab, der ebenfalls in einem Grab auf dem Ostfriedhof bestattet wurde, galt in der Forschung lange Zeit als früh verstorbener Kronprinz, allerdings basiert diese Annahme nur auf der Position seines Grabes, weitere Belege existieren nicht.P. Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band 1, Wien 2005, S. 101–103. Nach neueren Erkenntnissen scheint Kawab wohl eher ein Sohn des Snofru und damit ein Bruder des Cheops gewesen zu sein.Roman Gundacker: Ein Beitrag zur Genealogie der 4. Dynastie. In: Sokar. Band 16, 2008, , S. 22–51.

Ein weiteres solches Grab gehörte Chufuchaef I., der entweder ein weiterer Sohn oder identisch mit dem späteren Pharao Chephren war. Nicht zeitgenössisch belegt ist ein Sohn namens Bauefre. Er wird in einer Felsinschrift im Wadi Hammamat und im Papyrus Westcar (beide im Mittleren Reich entstanden) erwähnt. Vielleicht war er identisch mit Babaef I. Mindjedef und Duaenhor waren eventuell ebenfalls weitere Söhne, vielleicht aber auch Söhne von Kawab und somit Enkel bzw. Neffen von Cheops.A. Dodson, D. Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. Kairo 2004, S. 56, 60.

Nicht eindeutig geklärt ist, ob auch Horbaef ein Sohn des Cheops war. Er ist nur durch seinen Sarkophag bezeugt, dessen genauer Fundort aber nicht notiert wurde. Eine spätere Zuordnung zu einem Grab auf dem Ostfriedhof der Cheopspyramide, auf dem die Söhne des Cheops bestattet wurden, ist daher spekulativ.

Töchter waren Hetepheres II. (Gemahlin des Kawab und nach dessen Tod des Radjedef) und Meresanch II. (Gemahlin des Horbaef), möglicherweise auch Chamerernebti I. (Gemahlin des Chephren) und Neferetiabet.

Herrschaft

Regierungsdauer Über die Regierungsdauer des Cheops herrscht Unsicherheit. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, nennt 23 Regierungsjahre, der griechische Geschichtsschreiber Herodot 50 und der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho sogar 63. Das höchste zeitgenössisch belegte Datum ist ein „17. Mal der Zählung“ (gemeint ist eine landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung). Eine zusätzliche Problematik ergibt sich dadurch, dass diese Zählungen ursprünglich alle zwei Jahre, später aber auch teilweise jährlich durchgeführt wurden.siehe hierzu: M. Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. In: Archiv Orientální. Band 69, 2001. Sollte unter Cheops eine regelmäßige zweijährliche Zählung stattgefunden haben, wären also 34 Regierungsjahre belegt. Thomas Schneider nimmt an, dass die 23 Regierungsjahre im Turiner Königspapyrus zweijährlichen Zählungen entsprachen und Cheops somit insgesamt 46 Jahre regierte.

Handel und Expeditionen Die einzigen genauer datierbaren Ereignisse aus seiner Regierungszeit sind drei Expeditionen, von denen er zwei in das Umfeld der Oase Dachla in der Libyschen Wüste entsandte und die der Beschaffung von Pigmenten dienten. Felsinschriften vom etwa 50 km westlich von Dachla gelegenen sogenannten „Wasserberg des Djedefre“ zufolge fanden diese Expeditionen im „Jahr nach dem 12. Mal der Zählung“ (25. Regierungsjahr) und im „Jahr nach dem 13. Mal der Zählung“ (27. Regierungsjahr) statt.Wilkinson’s zweites Zerzura. Auf: carlo-bergmann.de 2011 wurde bei Wadi al-Garf am Roten Meer eine Hafenanlage erforscht, die gemäß der gefundenen Keramik und der Inschriften in der frühen 4. Dynastie, wahrscheinlich schon unter Snofru, gegründet wurde.Gregory Marouard: Un port de la IVe Dynastie au Ouadi al-Jarf (mer Rouge). In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale. (BIFAO). Band 112, 2012, S. 399–446 (online).Pierre Tallet: Les « ports intermittents » de la mer Rouge à l'époque pharaonique: caractéristiques et chronologie. In: Bruno Argémi und Pierre Tallet (Hrsg.): Entre Nil et mers. La navigation en Égypte ancienne (= Nehet. Revue numérique d’Égyptologie. Band 3). Université de Paris-Sorbonne / Université libre de Bruxelles, Paris/Brüssel 2015, S. 60, Tabelle 1 (Volltext online). Ein hier gefundener, stark zerstörter Papyrus nennt ebenfalls ein „Jahr nach dem 13. Mal der Zählung“ des Cheops und steht wohl im Zusammenhang mit einer Expedition auf die Sinai-Halbinsel.Pierre Tallet: Les papyrus de la mer Rouge (ouadi el-Jarf, golfe de Suez). In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (CRAIBL). Band 2013, 2013, S. 1020–1021 (Volltext online)

Durch undatierte Graffiti ist Cheops in Elkab und auf Elephantine, sowie in den Steinbrüchen von HatnubRudolf Anthes: Die Felsinschriften von Hatnub (= Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Ägyptens. (UGAÄ) Band 9). Hinrichs, Leipzig 1928, S. 1–8. und des Wadi Hammamat belegt. Auch außerhalb der damaligen Grenzen Ägyptens ist sein Name bezeugt: In den Diorit-Steinbrüchen am Gebel el-Asr westlich von Abu Simbel ließ er zwei Stelen errichten.Ian Shaw: Quarrying and landscape at Gebel el-Asr in the Old and Middle Kingdoms. In: Francesco Raffaele, Massimiliano Nuzzollo, and Ilaria Incordino (Hrsg.): Recent Discoveries and Latest Researches in Egyptology. Proceedings of the First Neapolitan Congress of Egyptology, Naples, June 18th-20th 2008. Harrassowitz, Wiesbaden 2010, S. 293–312 (Volltext online). Eine Felsinschrift im Wadi Maghara auf dem Sinai zeigt Cheops als Beschützer der dortigen Minen. Auch Handelsbeziehungen mit der phönizischen Stadt Byblos lassen sich nachweisen. Dort wurden Fragmente von Alabaster-Gefäßen sowie eine Kupferaxt gefunden, die den Namen des Cheops tragen.