Amstetten ist eine Stadt im Westen Niederösterreichs, dem Mostviertel. Sie ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft Amstetten und zählt Einwohner (Stand ).
Geografie Lage Die Stadtgemeinde Amstetten liegt an historisch-traditionellen, topographisch vorgegebenen Durchzugswegen – als Nadelöhr zwischen den Voralpen im Süden sowie dem granitenen Ausläufer der Böhmischen Platte, der hier von der Donau durchschnittenen Neustadtler Platte. Sie grenzt im Westen und Osten an die üppigen Bauernlandschaften des Mostviertels. Diese Faktoren – Transit und Landwirtschaft – haben auch die historische Entwicklung bis in die Neuzeit geprägt, und speziell die Entwicklung zum heutigen Wirtschafts- und Handelsplatz im Gleichklang mit historischen Wandlungen – dem Verlust der Bedeutung militärischer Sicherung, die Amstetten bis zur Grenze des Bestands führte, und der gestiegenen Bedeutung des Transports, mit dem Amstettens Bedeutung traditionell direkt zusammenhängt – gefördert.
So liegt die Stadt heute an der Westautobahn A 1 und an der Westbahn. Als wichtiges Tor zum Ennstal ist sie das wirtschaftliche Zentrum des westlichen Mostviertels mit dem Gerichtsbezirk Amstetten mit etwa 110.000 Einwohnern geworden.
Gewässer Neben mehreren teils recht wasserreichen Bächen (unter anderem Gschirmbach, Edlabach, Preinsbach, Mühlbach) finden sich zwei Flüsse in Amstetten: die kleine Url, die kurz vor Amstetten in die Ybbs mündet, den Hauptfluss der wasserreichen Region. Sie ist auch Wappenfluss Amstettens. Erst umfangreiche Dammverbauten – als neben Eisenbahn und Straße dritte, das Stadtgebiet früher zertrennende Linie, das bis heute größte städtebauliche Problem – konnten die Ybbs hindern, die Stadt regelmäßig zu überfluten. Sie trennt (mehrfach überbrückt) die südlicher gelegenen Teile Allersdorf, Greinsfurth, Ulmerfeld sowie Hausmening vom übrigen Stadtgebiet. Die Ybbs, die Amstetten im Süden ursprünglich begrenzte und heute durchschneidet, war bis in die 1960er Jahre beliebter Badefluss der Amstettner, und ihr Wasser speiste auch das alte Freibad. Sie war aber in den 1970er Jahren von der Papier- und Zellstoffindustrie des Ybbstales nahezu ruiniert, wurde jedoch in den 1990er Jahren durch Reinigung der Einleitungen mittels Kläranlagen zunehmend in der Wasserqualität verbessert. Der früher als Holztrift genutzte Fluss bietet heute nach dramatischen Maßnahmen zur Wassergüteverbesserung streckenweise wieder ein beliebtes Ziel des Naherholungsraumes (Angel- und Badesport). Die Wasserqualität der Ybbs gilt gegenwärtig als sehr gut.
Klima Amstetten liegt in der Klimaprovinz des österreichischen Alpenvorlandes und im Übergangsbereich zwischen feuchtem ozeanischem Klima im Westen Europas und trockenem kontinentalem Klima im Osten. Aufgrund der geschützten Lage ist es im Schnitt 3 bis 6 °C wärmer als in den umliegenden Gemeinden. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt etwa 9 bis 12 °C. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beläuft sich auf 1.000 mm, wobei die häufigsten Niederschläge in Form von Regen und in den Sommermonaten zu verzeichnen sind.
Besonders in den Herbst- und Wintermonaten kommt es aufgrund der Beckenlage häufig zu hartnäckiger Inversionsbewölkung, wodurch die Sonnenscheindauer sehr gering ist.
Der Wind weht meist nur schwach bis mäßig mit Stärken von 2 bis 3 Beaufort, hauptsächlich aus westlicher Richtung. Nur bei Hochdruckwetterlagen treten häufig Ostwinde auf. Diese wehen sehr beständig und oft mehrere Tage hindurch und können sehr kräftig ausfallen, erreichen jedoch selten mehr als Windstärke 7.
Starke Stürme sind eher selten. Sie kommen ausschließlich aus dem Westen, erreichen jedoch hin und wieder Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h, wodurch es alle paar Jahre zu starkem Windbruch in den umliegenden Forsten kommt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende sechs Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Amstetten () Greinsfurth () Hausmening () Mauer bei Amstetten () Neufurth () Ulmerfeld ()
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Amstetten, Edla, Hausmening, Mauer bei Amstetten, Preinsbach, Schönbichl und Ulmerfeld.
Als Außenstellen der Stadtverwaltung gibt es die Ortsvorstehungen Mauer-Greinsfurth und Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth.Ortsvorstehungen auf amstetten.at
Nachbargemeinden
Geschichte
mini|Pfarrkirche St. Stephan
Wie Funde zeigen, war das Gebiet schon in der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit besiedelt. Im Stadtteil Mauer befinden sich bedeutende Ausgrabungsstätten, in denen antike römische Funde gemacht wurden, Mauer war in der Römerzeit Teil des Kastells Locus Felicis. 1937 wurde hier der bedeutendste römerzeitliche Schatzfund Österreichs gemacht: das Inventar eines Heiligtums des Gottes Jupiter Dolichenus. Die Bronzestatuetten und Bronzevotivstandarten, Silbervotive, Bronzegeschirr und Eisengeräte wurden vermutlich um 233 n. Chr. vergraben. Heute befinden sie sich im Kunsthistorischen Museum in Wien. Amstetten lag an einer damals bereits wichtigen Durchzugslinie: Die römische Limesstraße hat alle späteren Durchzugsstraßen (B 1) vorweggenommen. Zur Zeit der Völkerwanderung war das Land aber wieder weitgehend entvölkert, lediglich Slawen siedelten sich an. Im 7. Jahrhundert nutzten die Awaren die Römerstraße. Ihr entlang zogen später auch die Heere, die Karl der Große in den Kampf gegen die Awaren führte. Die Schlacht von 788 „In campo Ibose“ – am Ybbsfeld bei Neumarkt an der Ybbs – ist urkundlich gesichert.
Im 9. Jahrhundert wird die als „Slawenland“ titulierte Gegend – noch heute gehen viele Orts- und Flurnamen auf slawische Worte zurück – sowohl von Salzburg wie von Passau aus besiedelt und christianisiert. Es ist nicht mehr ganz klärbar, ob nicht sogar die Pfarre St. Stephan mit umgebenden Grundstücken und Pfarrhof vor dem eigentlichen Ort Amstetten bestand, auch wenn sie nicht zu den Urpfarren der Gegend gehörte. Auf jeden Fall dürfte es der älteste Teil sein, der sich Amstetten nannte. Von 903 bis 955 war das Gebiet vorerst aber noch von Ungarn besetzt – bis zur Enns. Zu dieser Zeit dürfte im Stadtteil Eisenreichdornach bzw. einer Römerstraße nach St. Georgen entlang bereits ein von Dornenhecken umgebener Hof bestanden haben.
Zeit ab dem 10. Jahrhundert
Leopold I. erhielt 976 als Lehen eine Markgrafschaft am Donautal (aus welcher später Österreich entstand) und dieses umfasste auch Amstetten. 995 wurde der heutige Stadtteil Ulmerfeld als ein Freising’scher Markt das erste Mal urkundlich erwähnt. Als Ort selbst wird es erst 1111 als Markt des Bischofs von Passau urkundlich genannt, und seine Stärkung, die v. a. eine Stärkung der Pfarre St. Stephan war, war wahrscheinlich schlicht Passauisches Zurückdrängen der Salzburger Urpfarre Winklarn, dem damaligen „Ipusa“ (Ybbs). Der Name „Amstetten“ stammt wahrscheinlich von ahd. ambahtsteti, Amtstätte, Amtstadt. Etwa aus dieser Zeit stammt auch der Kern des ältesten noch erhaltenen Baus Amstettens: des Nordteils der gotischen (nur wenig barockisierten) Stadtpfarrkirche St. Stephan.
1321 wurde die Burg in Ulmerfeld unter dem Freisinger Bischof Konrad III. erbaut und der Ort mit Zustimmung des ersten Habsburgers als Römisch-deutschem König Rudolf I. mit einer Stadtmauer ausgebaut.
Auch der Markt Amstetten erhielt die Erlaubnis zur Errichtung einer Befestigung, nutzte diese jedoch kaum. Es kam lediglich zu temporären Wehrgraben- und Hügelanlagen, von denen noch heute einige zu sehen sind. Nicht zuletzt deshalb ist die Geschichte des Marktes in Spätmittelalter und beginnender Neuzeit eine Aneinanderreihung von Plünderungen, Brandschatzungen und Verwüstungen – durch Bauernaufstände, Ungarn, Hussiten oder andere Streitigkeiten. Vollständig niedergebrannt ist der Ort unter anderem 1509 und im Türkensturm 1529, der als „sein tiefster und schrecklichster Niedergang“ bezeichnet wird, sodass der Ort etwa bis 1542 verödete und leer stand und damit auch seine Marktprivilegien jahrzehntelang verlor. Die kaiserlichen Urkunden waren schlicht verbrannt.
Immerhin wird aber 1662 wieder ein „Spitalmeister“ eines bischöflichen Spitales, das bald den Bürgern übergeben wurde, in den Annalen erwähnt. Und dies obwohl von der Mitte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts der Großteil der Bevölkerung evangelisch war, sich auch die Marktrechte trotz der katholischen Marktherren, der Passauer Bischöfe, zurückerstritten hatten. Durch die Gegenreformation freilich kam es bis Anfang des 17. Jahrhunderts durch harte Maßnahmen zu einem regelrechten „Bevölkerungsaustausch“ mit dem bemerkenswerten Indiz für den „gemäßigten Sinn“ der Einwohner, weil es im ganzen Raum Amstetten nicht einen einzigen Hexenprozess gab. Zwar arbeitete sich der Markt gegen starke Konkurrenz Seiseneggs (mit dem Landgericht für Verbrechensrecht) und Ardaggers bald zum wichtigsten Ort dieses Teiles des Mostviertels hoch, doch stand er stets im Schatten der viel bedeutenderen Eisenstädte Waidhofen und Steyr. Amstetten fehlten auffällig wichtige Faktoren, die überall sonst Merkmale bürgerlich-städtische Entwicklung waren: Ein Kloster, und Juden.
Diesem Höhenflug schadete der Dreißigjährige Krieg zwar weniger als anzunehmen war, denn die Gegend war durch die Nähe zur kriegswichtigen „Eisenwurzen“ (als Waffenschmiede) durch kaiserliche Privilegien abgabenbegünstigt. Dennoch war Amstetten, das 1640 seine erste Poststation bekam, durch Einquartierungen und Versorgungsverpflichtungen, aber auch durch die Pest, ausgeblutet und geschwächt. Auch wenn der Merianstich von 1649 mit der wohl historisch bekanntesten Ansicht des Marktes diesen wieder mit einer ansehnlichen Zeile von gemauerten Bürgerhäusern um den zentralen Hauptplatz zeigt.
Langsam kam der Ort gegen Ende des 17. Jahrhunderts wieder in die Höhe. Mit der wirtschaftlichen Stellung als Marktplatz stieg auch die Bedeutung als Gerichts- und Steuerort, allerdings nach wie vor nur mit Marktrecht. Für die erstaunliche Entfaltung auch überregionaler Beziehungen spricht unter anderem die Tatsache, dass die Matrikenbücher der ältesten Pfarre, St. Stephan, äußerst hohe Anteile von Heiraten mit „Auswärtigen“ aufweisen. Häufig dabei solche, die in Amstetten zuvor Arbeit gefunden hatten.
Der Aufbruchsstimmung des Barock – die über das aufblühende Wallfahrtswesen (Sonntagberg mit phasenweise über eine Million Pilgern im Jahr) auch Amstetten berührte – konnte auch der schwerste europäische Pesteinbruch von 1679, der den Ort halb entvölkerte, oder die verheerende Ruhrepidemie von 1684 mit etwa 110 Toten nur wenig anhaben. Beim neuerlichen Einbruch der Türken und Tataren 1683, der das ganze Land in Panik versetzte, und das befestigte Ulmerfeld Zufluchtsort der Amstettner wurde, gelang es tatsächlich kaiserlichen Truppen, den blank liegenden Ort zu verteidigen und vor den schlimmsten Verwüstungen zu bewahren. Die richtete ohnehin die Truppenversorgung „aus dem Land“ an. Warum ist nicht klärbar – Amstetten dürfte das gesamte 18. Jahrhundert über sein Marktrecht aber wieder verloren haben. Ein Pfarrbericht von 1718 aus St. Stephan weist inklusive der Filialkirche Viehdorf 1870 Erwachsene und 523 Kinder auf.
19. Jahrhundert
1803 endeten mit dem Reichsdeputationshauptschluss die Herrschaftsrechte der beiden geistlichen Fürstentümer Passau und Salzburg. 1805 kam es bei Amstetten zu einem größeren Gefecht. Die aus Bayern nach dem Sieg über die Österreicher bei Ulm (die damit Bayern räumen mussten) gegen Wien vorrückenden Franzosen trafen auf die zurückweichenden Russen unter Kutusow, die sich „auf den Höhen von Amstetten festgesetzt“ (Napoleon) hatten, und hier geschlagen wurden. In Folge wurde auch der Ort geplündert und zu großen Teilen niedergebrannt. Napoleon berichtet in seinen Memoiren „Mein Leben“ von 400 Toten und Verwundeten sowie 1500 gefangenen Russen. Das Gefecht findet auch bei Lew Tolstoi in „Krieg und Frieden“ Erwähnung.
1850 bzw. 1868 wurde Amstetten Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirks. Es erhielt im selben Jahr ein Bezirksgericht mit einem Gefängnis.