mini|Werbeplakat zur Kunstausstellung des Hamburger Künstlervereins im Kunstverein in Hamburg von Eduard Steinbach, 1909 mini|Los zur Unterstützung des Vereins. Aufschrift: Loos zum Besten der Unterstützungskasse des Hamburger Künstler-Vereins, ca. 1870 mini|Einladung zum Faschingsgrog 1912 von dem Hamburger Künstlerverein. Holzschnitt auf Japanpapier von Friedrich Lissmann mini|Medaille zur Feier des 70. Geburtstages des Medailleurs Heinrich Lorenz, vom Hamburger Künstlerverein, 1880 mini|Entwurf eines Banners für den Hamburger Künstlerverein von Martin Gensler, 26. März 1848, Hamburger Kunsthalle
Der Hamburger Künstlerverein von 1832, auch Hamburger Künstler-Verein, wurde unter dem Namen Klub Hamburgischer junger Künstler im September 1832 gegründet und existierte bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Der Verein Am 19. September 1832 fanden sich fünfzehn Hamburger Künstler zusammen und gründeten den Klub Hamburgischer junger Künstler, der bald in Hamburger Künstlerverein umbenannt wurde. Zu den Gründern gehörten die drei Malerbrüder Günther Gensler, Martin Gensler und Jacob Gensler, die anderen Maler Carl Julius Milde, der der erste Präses des Vereins wurde,100 Jahre Hamburger Künstlerverein, Altonaer Nachrichten, 17. September 1932, S. 2 Otto Speckter, Franz Heesche, Johann Wilhelm David Bantelmann, August Jancke, Heinrich Stuhlmann, Georg Viegelmann, Johann Ludwig Wilhelm Westermann und Adolph Friedrich Vollmer, der Bildhauer Otto Sigismund Runge sowie die beiden Architekten Johann Friedrich Lauenburg und Alexander Gascard, der auch Lithograph war. Im Gründungsjahr kamen noch der Maler Hermann Kauffmann und der Architekt Gottfried Semper hinzu. Die Maler kannten sich meist schon länger aus dem Zeichenunterricht am Johanneum bei Gerdt Hardorff dem Älteren oder von ihrem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo sie auch der Hamburger Künstlerkolonie angehörten. Einige hatten einen Italienaufenthalt hinter sich und waren stilistisch den Nazarenern bzw. den Deutschrömern zuzuordnen oder waren zumindest von ihnen beeinflusst. Die meisten Maler waren Vertreter der Hamburger Schule. Getroffen hat man sich immer sonnabends, im Sommer im oberen großen Raum des Baumhauses am Baumwall und im Winter bis zum großen Brand 1842 im Ratsweinkeller des Eimbecksche Hauses. Ab 1847 tagte dann der Verein jahrzehntelang im neuen Haus der Patriotischen Gesellschaft. 1845 waren es schon 68 Mitglieder. Ein Drittel der Mitglieder gehörte auch dem Kunstverein in Hamburg an. Sich gemeinsam künstlerisch zu fördern und sich in der Liebe zur Kunst zu bestärken, war die Absicht des Vereins. Der Aspekt der gegenseitigen Belehrung war ein wichtiger Aspekt bei dem Künstlerverein. Bei jedem Treffen musste ein Mitglied etwas vorweisen, was begutachtet und kritisiert wurde. Wer nichts vorlegte, musste eine Strafe zahlen.
Ab 1834 veranstaltete der Verein auch Ausstellungen, zunächst alle zwei Jahre eine Verkaufsausstellung im Kunstverein, doch dann folgten jährliche Ausstellungen. Der kunstinteressierte Senatssyndikus Karl Sieveking war ein Förderer des Vereins. Alexis de Chateauneuf hatte unter anderem schon dessen Landhaus im Hammer Park ausgebaut, auch Möbel entworfen, und Erwin Speckter hatte 1830 die Decken- und Wandmalereien auf die Holzverkleidungen des kleinen Kabinetts des Hauses gemalt, die sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe befinden.Birgit Döring: Pompeji an der Alster – Nachleben der Antike um 1800. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1995, ISBN 3-923859-27-9, S. 118 sowie 124–129. (Buch zur gleichnamigen Ausstellung) Künstler, wie die Gensler-Brüder, Hermann Kauffmann, Otto Speckter oder Heinrich Stuhlmann gingen in dem Haus ein und aus. Anlässlich des Besuches des dänischen Königs Christian VIII. und seiner Gemahlin Caroline Amalie wurde 1840 in der Halle des Hammer Hofes im Hammer Park eine Ausstellung des Hamburger Künstlervereins veranstaltet, an der 24 Künstler teilnahmen. Die älteste Tochter Sievekings, Elisabeth Sieveking hielt die Ausstellung in einer kleinen Tuschezeichnung fest.Lilli Martius: Der Künstlerkreis um das Sievekingsche Haus in Hamburg, 1939, S. 250Abbildung der Tuschezeichnung von Elisabeth Sieveking
1841 wurde vom Hamburger Künstlerverein die Witwenkasse gegründet, die Künstlerfamilien sozial absichern sollte. Der Verein organisierte auch Künstlerfeste, 1852 fand das erste statt.Quellen von Der Verein siehe Digitalisate und PDF-Dateien unter Literatur Im selben Jahr wurde dem Maler Gerdt Hardorff, der Zeichenlehrer unter anderen am Johanneum und an der Zeichenschule der Patriotischen Gesellschaft war, und damit wegweisender Lehrer vieler Hamburger Maler, die Ehrenmitgliedschaft des Künstlervereins verliehen.Gerd Hardorff in Herrmann Kauffmann und die Kunst in Hamburg 1800–1850 von Alfred Lichtwark, Seite 30 (Digitalisat)
Da zwischen Kieler und Hamburger Künstler gute Kontakte gepflegt wurden, reiste der Maler Friedrich Loos am 21. Mai 1859 im Namen des Ende 1857 gegründeten Kieler Künstlervereins nach Hamburg, um die Kollegen des Hamburger Künstlervereins zu einem gemeinsamen Fest einzuladen, das am 29. Mai stattfand und zu Ehren Albrecht Dürers, der ein Symbol der deutschen Einheitsbewegung war, veranstaltet wurde. Im Protokoll des Hamburger Künstlervereins heißt es:
Die in Hamburg gedruckte Einladungskarte entwarf der Hamburger Maler Hermann Wilhelm Soltau, der guten Kontakt zu den Kieler Künstlern hegte. Der Entwurf befindet sich heute im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle. Zu den Teilnehmern, die sich im Großen Saal des Lokals Englischer Garten in der Eckernförder Straße versammelten, gehörten die Hamburger Louis Asher, Peter Gustav Brünner (1833–1929), Carl Gottfried Eybe, Günther Gensler, Martin Gensler, Hermann Rudolph Hardorff, Hermann Dietrich Hastedt (1824–1901), Carl Martin Laeisz, A. L. J. Meier (1828–1878), Julius Diedrich Meyer (1833–?), Heinrich Friedrich Christoph Rampendahl, Valentin Ruths und Hermann Wilhelm Soltau sowie Künstler des Kieler Künstlervereins und rund 500 Kunstfreunde. Nach der Eröffnungsrede des Architekten und Vorsitzenden des Kieler Künstlervereins Gustav Ludolf Martens (1818–1882) setzte der Festzug sich in Bewegung. An Bäumen genagelte Figuren im Stil des Wochenblatts Kladderadatsch wiesen den Weg. Günther Gensler, Präsident des Hamburger Künstlervereins notierte:
Günther Gensler lobte die Kieler Künstler und schenkte dem Kieler Künstlerverein zum Dank einen Trinkbecher mit Inschrift. Beim Uhlenkrug (heute Julienlust) an der Grenze zum Amt Kronshagen hielt der Kieler Maler Friedrich Ernst Wolperding, der auch Mitglied im Hamburger Künstlerverein war, einen poetischen Willkommensgruß. Als man unter Marschmusik den Festplatz im Buchhenhain bei Hasseldieksdamm erreicht hatte, folgten eine Rede, ein Umzug durch den Wald, begleitet vom Gesang des Cäcilien-Vereins, weitere Reden und Trinksprüche, die allgemeinen Belustigungen mit Tanz, später im Waldesdunkel mit Bengalischem Feuer, bis ein Signal zur Heimkehr ertönte.
Am 18. September 1859 reiste der Hamburger Künstlerverein erneut nach Kiel, um sein Stiftungsfest zum 28. Jubiläum mit dem Kieler Künstlerverein zusammen zu feiern. 36 Festteilnehmer, darunter nicht weniger als 20 aus Hamburg, unternahmen eine Bootsfahrt nach Neumühlen und wanderten über die Höhen nach Ellerbek. Beim Sandkrug fand ein Festessen mit Begleitmusik statt. Bei dieser Gelegenheit überreichte Hermann Wilhelm Soltau im Namen des Hamburger Künstlervereins dem Kieler Künstlerverein eine malerisch und zeichnerisch reich verzierte Dankesadresse. Die Dankesadresse befindet sich heute in der Sammlung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel. Der Text der Dankesadresse hat folgenden Wortlaut:
Zu den Unterzeichneten gehörten A. L. J. Meier, H. E. Lüders (1835–?), Berend Otto Roosen (1832–1912), Ernst Glüer, Dr. J. H. Lührs (Gründer und Präses des Hamburger Tierschutzvereins), Otto Speckter, H. S. Ehbets (1833–1878), Hermann Kauffmann, Peter Gustav Brünner, H. J. Hochstein (1826–?), Christian Carl Magnussen, Carl Martin Laeisz, Georg Haeselich, Adolph Diedrich Kindermann, Ernst Gottfried Vivié, Heinrich Friedrich Christoph Rampendahl, Martin Gensler, Günther Gensler und Hermann Wilhelm Soltau.
Als der Kieler Maler Theodor Rehbenitz 19. Februar 1861 in Kiel verstarb, vertrat der Maler Rudolf Nonnenkamp den Hamburger Künstlerverein auf dessen Trauerfeier. Als am 14. Mai 1861 Hermann Wilhelm Soltau in Hamburg verstarb, brachten zwei Kieler im Namen des Kieler Künstlervereins einen Kranz zu dessen Begräbnis.Ulrich Schulte-Wülwer: Kieler Künstler – Band 1: Kunstleben und Künstlerreisen 1770–1870. Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte herausgegeben von Jürgen Jensen, Band 75, Boyens, Heide 2014, ISBN 978-3-8042-1406-4, S. 68–72, 74
1920 veranstaltete der Kunstverein in der Hamburger Kunsthalle eine Frühjahrsausstellung mit dem Titel Hamburgische Künstlerschaft. Eine Zusammenarbeit des Hamburger Künstlervereins und der Hamburgischen Sezession war dabei nur deshalb möglich, weil man der Sezession außergewöhnliche Sonderrechte zubilligte. Statt eine Jury in der Sparte Malerei und Graphik gab es nun zwei, von denen eine ausschließlich aus Mitgliedern des Sezession bestand. Zudem mussten im Ausstellungskatalog Mitglieder der Sezession als solche gekennzeichnet werden. Von den 16 Abbildungen im Katalog wurden 8 der Sezession zuerkannt, obwohl von den 152 Teilnehmern der Ausstellung nur 17 der Sezession angehörten. Der erfolgreiche Verlauf der gemeinsamen Ausstellung führte im Herbst 1920 zur Gründung einer Dachorganisation, der man, wie schon der Ausstellung, den Namen Hamburgische Künstlerschaft gab.Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg, Band 1: 1886–1945, Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg (Hrsg.), Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, ISBN 3-7672-0230-1, S. 158
Der Hamburger Künstlerverein war Mitglied des Kunstvereins in Hamburg von 1886 in: Jahres-Bericht des Kunst-Vereins in Hamburg für 1886. S. 14 (PDF-S. 10). PDF-Datei von kunstverein.de und des Kartells Hamburger Künstlerverbände, das am 20. Februar 1929 gegründet wurde und dessen Präsident der Schriftsteller Hans Henny Jahnn war. Das Kartell war ein Zusammenschluss aller freien Künstler Hamburgs zu einem Dachverband. Mitglieder des Vereins waren neben dem Hamburger Künstlerverein die Hamburgische Sezession, die Hamburgische Künstlerschaft, der Schriftsteller-Schutzverband Nordwestgau, die Vereinigung Hamburgischer Komponisten, der Reichsverband bildender Künstler und der Altonaer Künstlerverein.Hamburgs schaffende Künstler in Not – Bildung eines Kartells Hamburger Künstlerverbände, Altonaer Nachrichten, 18. März 1928, S. 7
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war Max Kutschmann für die Gleichschaltungen der Künstlervereine in Deutschland verantwortlich. Am 25. April 1933 wurden auch die Hamburgische Künstlerschaft e. V. und der Hamburger Künstlerverein gleichgeschaltet.Uta Schoop: Arnold Fiedler (1900–1985)– Eine Künstlermonographie. Dissertation. S. 234. unten. (PDF; 8,6 MB)
Im Hamburger Staatsarchiv werden die Tagebücher des Vereins sowie die Protokolle der Versammlungen mit Eintragungen über Einnahme und Ausgaben verwahrt und sind dort einsehbar. Der Bestand umfasst den Zeitraum 1832–1965. Er enthält zudem Korrespondenzen und Statuten. Die Tagebücher sind etwa 1946 von dem Maler und Vereinsvorsitzenden Franz Beck (1893–1983) beim Staatsarchiv abgegeben worden. 1991 erfolgte eine Nachlieferung an das Archiv durch eine Frau Brömmel.Bestand des Hamburger Künstlervereins im Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg
Günther Genslers Gruppenporträts