mini|TAZ-Gebäude Friedrichstraße in Kreuzberg Taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG (Eigenangabe taz, die tageszeitung. Verlagsgenossenschaft, häufig kurz taz-Verlagsgenossenschaft oder taz-Genossenschaft) ist eine deutsche Mediengenossenschaft mit Sitz in Berlin. Sie wurde Ende 1991 durch Leser und Mitarbeiter der 1978 gegründeten Tageszeitung ins Leben gerufen, um die Zeitung und ihre Nebenprodukte weiterhin unabhängig von anderen großen Medienunternehmen herauszugeben und zu entwickeln. Im September 2025 hatte die als Herausgeberin agierende Genossenschaft 25.068 Mitglieder.
Die Taz ist die erste überregionale Tageszeitung in Deutschland mit reiner Onlineausgabe an Wochentagen und erlaubt weiterhin das kostenfreie Lesen aller Artikel online ohne Abonnement.
Geschichte Vorgeschichte Die Tageszeitung wurde im Jahr 1979 gegründet und konnte durchgehend erscheinen. Im Jahr 1994 wurde die spezielleBerlinförderung als Konsequenz aus der Wiedervereinigung gestrichen. Berliner Unternehmen (wie die TAZ) waren unter anderem mit Steuerbegünstigungen unterstützt worden. Gleichzeitig gingen die Einnahmen durch das Anzeigengeschäft zurück, so dass der Verein in eine existenzielle Krise geriet. Eigentümer der Taz waren zu diesem Zeitpunkt (seit der Gründung) der eingetragene Verein Freunde der alternativen Tageszeitung, in den nur Mitarbeiter aufgenommen werden konnten. Nach Diskussionen unter Einbeziehung der Öffentlichkeit entschieden sich die Mitarbeiter in der Mitgliederversammlung am 16. November 1991 (mit 132 zu 58 Stimmen bei 6 Enthaltungen) für die Auflösung des Vereins und den Verkauf der Zeitung an eine neu zu gründende Genossenschaft.
Gründung mini|Hans-Christian Ströbele zu 25 Jahre taz-Genossenschaft (2016) Ein Teil der Redaktion hatte ursprünglich eine GmbH gründen wollen, um zahlungskräftige Unterstützer zu finden. Andere warnten davor. Hintergrund dieser Warnung war laut Hans-Christian Ströbele, dass Kapitalgeber auf Dauer Profit erwarteten. Auch Olaf Scholz empfahl damals der taz, eine Genossenschaft zu gründen.
2000 Leser zeichneten für 3 Mio. Mark Genossenschaftsanteile und retteten die taz aus der Finanzkrise. Das Statut der taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG, wurde am 27. November 1991 errichtet und am 6. April 1992 vollständig neu gefasst. Der Eintrag der Genossenschaft in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg erfolgte am 13. April 1992 unter der Genossenschaftsregisternummer 480. Der Geschäftsbeginn war am 1. Juni 1992.
Weitere Entwicklung Seit 2003 bemühte sich die Genossenschaft wegen der anhaltenden Medienkrise um eine Ausweitung über das eigene politische Milieu hinaus.
Die Anteilszeichner an der taz-Genossenschaft zogen die politische Rendite dem finanzieller Gewinn vor. Im Laufe ihrer Geschichte erwies sich die Genossenschaft als Garant für das Überleben der taz und als Finanzier für wichtige Vorhaben, beispielsweise für die Neubeschaffung von Redaktionssystemen oder für den 2015 geplanten Neubau des Redaktionshauses. So brachten die taz-Genossen den wichtigen Neubau-Finanzierungsanteil der stillen Beteiligungen aus der Genossenschaft mit insgesamt 7 Millionen Euro auf. 1.099 neue Mitglieder erklärten ihren Beitritt zur Genossenschaft, Alt-Mitglieder erhöhten ihre Anteile. Innerhalb von drei Monaten wurden so 868.000 Euro neue Geschäftsanteile gezeichnet.
2018 setzte sich das Mitgliederwachstum weiter fort. Es wurden über 1.200 neue Mitglieder gewonnen. Das Wachstum setzte sich fort, wenn auch in geringerem Ausmaß und 436 neue Mitglieder traten 2025 bei, so dass die Taz laut Eigenaussage Ende des Jahres 47.759 Personen hatten, die die Zeitung dauerhaft unterstützen wollten.
Der Sonderweg der Taz Die Taz unterscheidet sich für Leser von anderen Tageszeitungen: Der freie Zugang zu allen Artikeln in der Taz ist prinzipiell kostenfrei möglich und die Printausgabe für Wochentage wurde im Oktober 2025 eingestellt. Am Wochenende stehen sowohl die Online-Ausgabe als auch weiterhin das Printmodell zur Verfügung.
Satzung Die Satzung wurde seit der ersten Fassung vom 27. November 1991 mehrfach überarbeitet. Laut Satzung ist der Zweck der Genossenschaft die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Mitglieder als Mitarbeiter und Leser der taz, dies vor allem mit dem Ziel, der Garantie der Unabhängigkeit von großen Verlagen oder Konzernen. Das Unternehmen hat zum Ziel, eine Tageszeitung und daran angrenzende Publikationen herzustellen und zu vertreiben, genossenschaftseigene Räume und Einrichtungen anzumieten oder zu verpachten und weitere Dienstleistungen bereitzustellen.
Eigenkapital Am 31. Dezember 2015 betrug das Eigenkapital der taz-Genossenschaft (Geschäftsguthaben verbliebener Mitglieder) mehr als 15 Mio. Euro. Stand 2026 hatte die Taz 24 Millionen Euro zur Verfügung, Tendenz steigend.
Unternehmensstruktur Die taz-Genossenschaft fungiert für die taz-Gruppe als Holding und trägt folgende Teilunternehmen:
Taz Verlags- und Vertriebs GmbH (Redaktion und Verlag), „Geschäftsführer:in: Aline Lüllmann, Andreas Marggraf“ Taz Entwicklungs GmbH (Geschäftsführung der Taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG) Taz Treuhand- und Verwaltungs GmbH (Treuhandkommanditistin der Taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG) Taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG (Taz Unternehmensbereich Nord, Datenbanken und Digitaz, Le Monde Diplomatique) Contrapress Media GmbH (Werbeagentur, Handel, Geschäftsführung der Contrapress Satz und Druck GmbH & Co. Neue KG) Contrapress Satz und Druck GmbH & Co. Neue KG (Produktion)
Organe der Genossenschaft Generalversammlung Die Generalversammlung der Mitglieder ist das höchste Organ der Genossenschaft. Mindestens einmal jährlich, meist im September, findet die Generalversammlung statt, an der jedes Mitglied teilnehmen kann.
Mitarbeiterversammlung Diese wird von Mitarbeitenden gebildet, die Mitglieder der Genossenschaft und mehr als ein Jahr bei der Genossenschaft oder bei einem von ihr beherrschten Unternehmen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind sowie vom Vorstand als Mitglieder der „Versammlung der Mitarbeitenden“ anerkannt wurden (siehe Satzung). Die Versammlung der Mitarbeitenden kann unter anderem ein Veto gegen die Beschlüsse der Generalversammlung einlegen (§ 16, Absatz 1 der Satzung), den Vorstand bestellen und muss dem Redaktionsstatut zustimmen.
Aufsichtsrat Der Aufsichtsrat besteht aus den drei Mitgliedern: Jens Pohlmann: (ab 2019) Steuerberater aus Bielefeld Astrid Deilmann: (ab 2024) Geschäftsführende Vorständin von Campact und Gesellschafterin von HateAid Tolgay Azman: (ab 2025) Mitarbeiter im Verlagsmanagement und der Redaktion, Umstellung von der Printausgabe zur digitalen Ausgabe der Taz
Vorstand Den geschäftsführenden Vorstand bilden (Stand: Ende 2025):
Pascal Beucker, Redakteur Anne Fromm, Redakteurin Aline Lüllmann, Kauffrau Andreas Marggraf, Kaufmann Anja Mierel, Verlagskauffrau
Mitgliedschaft mini|hochkant=3|Altersgruppen der Mitglieder der taz Genossenschaft 2016
Der Beitritt in die Genossenschaft wird mit einer einmaligen Zahlung von mindestens 500 € (auch in 20 Raten zahlbar) abgeschlossen. Seit der Satzungsänderung im September 2010 ist die Zeichnung von maximal 200 Anteilen pro Person möglich, was einer Einlage von 100.000 € entspricht. Jedes Mitglied hat unabhängig von der eingelegten Summe immer nur eine Stimme.
Mitgliederverwaltung Im Jahr 2020 wurde die Leitung des taz-Geno-Teams, das unter anderem für die Mitgliederverwaltung und die Vorbereitung des jährlichen Mitgliederversammlungen zuständig ist, von Kornelia (Konny) Gellenbeck an Rebecca Finke und Stefanie Baumeister übergeben. Im Juni 2023 folgte Lana Wittig Juni 2023 und ab Februar 2026 ist Ferenc Földesi Leiter des Genossenschaftsteams.
Mitgliederzeitung Mindestens einmal im Jahr gibt die Genossenschaft die Mitgliederzeitung Mitgliederinfo heraus, die in Vorbereitung der Mitgliederversammlung der taz-Genossenschaft unter anderem den Jahresabschluss enthält. Ein- bis zweimal im Jahr erscheint die Zeitschrift Genossenschaftsinfo, die sich mit aktuellen Fragen der Genossenschaft beschäftigt.
Nachschusspflicht Eine Nachschusspflicht besteht nicht (§ 33, Absatz 3 der Satzung).
Generationenprojekt Über das von der Tageszeitung Verlagsgenossenschaft so bezeichnete Generationenprojekt erhalten junge Menschen, die sich selbst keinen Genossenschaftsanteil leisten können, die Möglichkeit, Mitglied der Genossenschaft zu werden. Ihre Anteile werden durch finanziell gut gestellte Mitglieder gespendet. Nach einem Ausscheiden aus der Genossenschaft verbleiben solche Anteile beim taz Verlag.
Galerie
Weblinks
Webseiten der taz-Verlagsgenossenschaft auf taz.de Satzung (PDF) der taz-Verlagsgenossenschaft (Stand 2. November 2023) Genosse Ströbele auf der Geno-Versammlung 2016 (Video, 27 min.) Hans-Christian Ströbele spricht am 17. September 2016 zur Gründungsgeschichte „Wir waren fast alle Überzeugungstäter“ (PDF; 5,3 MB) Doris Benjack und Ralf Klever als „taz-Urgesteine“ im Interview des Genossenschaftsinfos 1/2017, Seiten 6–7
Einzelnachweise Der Punkt wurde erst ab Ende 2011 aus dem Logo des Kernproduktes (ehemals „taz, die tageszeitung.“) in die Eigenschreibweise der Genossenschaft übernommen, so auf Titelseiten der Genossenschafts- und Mitgliederinfos. Kurzschreibweisen finden sich uneinheitlich auch mit Leerzeichen statt Bindestrich oder mit Binnenmajuskel.
Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1992. In: tazMitgliederInfo (Nr. 2) zur Generalversammlung der tazVerlagsgenossenschaft am 18. September 1993, Sommer 1993, Seite 10. Der Gründung basierte demnach auf einem Beschluss der Mitgliederversammlung des Vereins Freunde der alternativen Tageszeitung am 16. November 1991, der zuvor die Tageszeitung herausgegeben hatte.
taz.die Tageszeitung: Die Zeitung. Die Genossenschaft. Das Projekt. 9. Auflage. Berlin 2014, 52 Seiten.
Kategorie:Die tageszeitung Kategorie:Genossenschaft (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1991