Die Roche Holding AG (auch Roche-Gruppe oder kurz Roche genannt, sprich: "Rosch") mit Hauptsitz in Basel in der Schweiz gehört zu den grössten Pharmaunternehmen der Welt. Mit 52,457 Mrd. US-Dollar Umsatz steht es seit dem Jahr 2025 an vierter Stelle. Roche gehört zur Spitze unter den 500 grössten Unternehmen in der Schweiz und zu den 500 grössten Familienunternehmen der Welt.
Roche beschäftigt weltweit über 100.000 Mitarbeiter. Neben Arzneimitteln stellt Roche auch Reagenzien und Geräte zur medizinischen Untersuchung her (Diagnostika). Roche forscht primär auf den Gebieten Onkologie, Virologie, Neurologie und Augenkrankheiten. Hauptwachstumspräparate sind: Hemlibra (Emicizumab), Ocrevus (Ocrelizumab), Phesgo (Fixkombination Pertuzumab und Trastuzumab) und Vabysmo (Faricimab).
Unter dem früheren Firmennamen F. Hoffmann-La Roche AG firmiert heute der operative Hauptsitz der Roche-Gruppe in Basel.
Familie Fritz Hoffmann gründete 1894 mit einem Apotheker aus München die Gesellschaft Hoffmann, Traub & Co zum «Handel und der Herstellung von pharmazeutischen und chemischen Produkte».Die Roche-Geschichte: Eine wilde Mixtur aus Visionen, tiefsten Krisen und bahnbrechenden Medikamenten 1894–1897 1914 1921 1928–1933 1939–1945 1953 1976 1986–1990 1998 2009. In: nzz.ch vom 6. Mai 2012. 1895 heiratete Fritz Hoffmann Adèle La Roche. Die Firma hiess von nun an F. Hoffmann-La Roche & Co. 1932 verunglückte der Sohn des Firmengründers, Emanuel Hoffmann, seine Witwe Maja Stehlin-Hoffmann blieb zurück. Der zweite Ehemann von Maja Stehlin-Hoffmann, Paul Sacher, riskierte nach Kriegsende den Rückkauf der Familien-Aktien von der bankrotten Basler Handelsbank und sicherte der Familie damit die Stimmrechts-Mehrheit. Seitdem die Aktienmehrheit durch Paul Sacher (1906–1999), den damaligen Hauptaktionär der heutigen Roche Holding, gesichert wurde, spielte die Gründerfamilie Hoffmann eine führende Rolle bei der Ausrichtung des Konzerns. Nur wenige Mitglieder der Familie tragen noch den Nachnamen Hoffmann, viele heissen Duschmalé, Oeri, Michalski oder, wie die Kinder von Paul Sacher, Gräfin von Faber-Castell.
Geschichte Meilensteine 1896 Firmengründung 1930er Vitamine 1952 Tuberkulose-Medikament 1960 Benzodiazepine (Diazepam) 1973 Parkinson-Krankheit-Medikament 1976 Sevesounglück ab 1980 Gentechnik1994 Erwerb von Syntec, Ausbau USA-Aktivitäten1995 Arzneimittel gegen HIV und Krebs 1997 Übernahme von Boehringer Mannheim 2000 Oseltamivir (Tamiflu, EU-Zulassung 2002) ab 2000 Fokussierung auf Bereiche Pharma und Diagnostik 2003 mit Roche Diabetes care Marktführer bei Diabetes 2004 Avastin und Tarceva zur Krebstherapie 2005 Übernahme Glycart Biotechnology in Schlieren 2009 Übernahme Genentech, Schwerpunkt Biotechnologie 2010 Zulassung von Actemra für rheumatoide Arthritis2011Übernahme Probenverteiltechnik (PVT) GmbH 2013/14 Zulassung USA/EU von Gazyvaro gegen Leukämie (CLL)2014Übernahme cobas Liat PCR System von IQuum2018Übernahme von Foundation Medicine mini|Hauptsitz der F. Hoffmann-La Roche (Roche Holding) in Basel, die beiden Türme sind die höchsten Hochhäuser der Schweiz (Stand: 2022) mini|Inhaberaktie der F. Hoffmann-La Roche & Co. AG vom 15. Januar 1932 mini|Genussschein der F. Hoffmann-LaRoche & Co AG vom 15. Januar 1932Aktiensammler 01/12, S. 14f,
Das erste Produkt war Aiodin, ein Schilddrüsen-Präparat. 1898 wurde das Hustenmittel Sirolin, das den eigenentwickelten Wirkstoff Thiocol enthielt, eingeführt. Es wurde über 60 Jahre lang vertrieben. Erfolgreich war auch ein 1904 auf den Markt gebrachtes standardisiertes Herzglykosid-Präparat mit dem Namen Digalen. Um 1900 gelang es Roche-Technikern, ein Verfahren zu entwickeln, das sie kontinuierliche Doppelextraktion nannten. Mit diesem Verfahren konnten sie Morphin und Codein verlustfrei aus Rohopium gewinnen. Auf Vorschlag von Hermann Sahli wurde ab 1909 unter dem Namen Pantopon ein gereinigter und injizierbarer Opium-Extrakt produziert. Pantopon enthielt die Alkaloide des Opiums in natürlicher Zusammensetzung. Ab 1915 wurde Pantopon auch in sterilen Ampullen mit fest verbundener Injektionsnadel (Tubunic) angeboten. Der Bedarf an Tubunics nahm während des Ersten Weltkrieges stark zu. Die in Basel konzentrierte Fabrikation konnte die Nachfrage auch durch kontinuierlichen Schichtbetrieb nicht decken. Pantopon wurde noch in den 1970er Jahren produziert und verkauft.H. v. Tappeiner: Lehrbuch der Arzneimittellehre. Leipzig 1918, S. 276.Knud O. Møller: Pharmakologie. 2. Auflage. Basel 1953, S. 294.E. Bernoulli, H. Lehmann, P. G. Waser: Übersicht der gebräuchlichen und neueren Arzneimittel. 14. Auflage. Basel / Stuttgart 1973, S. 42. 1919 wurde Roche in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Durch eine Verdoppelung des Aktienkapitals wurde die Basler Handelsbank zur grössten Aktionärin. Als diese gegen Ende der 1930er-Jahre selber in eine Krise geriet, konnte die Aktienmehrheit unter der Führung von Emil Barell und Paul Sacher zurückgeholt werden.
In den 1930er Jahren wurde Roche im Bereich der Vitamine aktiv. Besonders durch die synthetische Herstellung grosser Mengen von Vitamin C erreichte die Firma die Marktführerschaft auf diesem Gebiet. 1952 gelang mit dem Isoniazid Rimifon, einem Mittel gegen Tuberkulose, der Einstieg in die Chemotherapeutika-Sparte.
Während des Zweiten Weltkriegs kollaborierte Roche mit dem NS-Regime in Deutschland und setzte Zwangsarbeiter in seinen deutschen und polnischen Fabriken ein.
Leo Sternbach, der seit 1941 in den USA für Roche forschte, entdeckte 1957 die beruhigende Wirkung der Benzodiazepine. Valium mit dem Wirkstoff Diazepam wurde für viele Jahre das meistverkaufte Medikament der Welt. Neben Pharmaforschung und -produktion betätigte sich Roche ab 1968 auch als Hersteller von diagnostischen Produkten. 1971 wurde das Institut für Immunologie Basel eröffnet.
Nachdem Dopamin-Mangel als Ursache der Parkinson-Krankheit identifiziert worden war, brachte Roche 1973 das erste Dopamin-Präparat, Madopar (Levodopa), auf den Markt.
1976 ereignete sich in einer zum Roche-Konzern gehörenden italienischen Tochterfirma das Sevesounglück, bei dem durch freigesetzte Dioxine über 200 Menschen verletzt wurden und es zu einer nachhaltigen Schädigung der Umwelt kam.
Ab 1980 arbeitete Roche mit dem amerikanischen Biotech-Unternehmen Genentech zusammen. Damit begann die Ära der Interferone und weiterer gentechnisch hergestellter Substanzen.
Im Dezember 1995 erfolgte die Zulassung in den USA für das erste neu entwickelte AIDS-Medikament. Der HIV-Proteaseinhibitor Saquinavir (Invirase) wird heute noch im Rahmen der hochaktiven antiretroviralen Therapie eingesetzt.
1997 wurde die Boehringer Mannheim übernommen. Deren Pharmasparte wurde in diejenige von Roche integriert, während die Diagnostikasparten beider Firmen zur Roche Diagnostics zusammengelegt wurden. Diese wurde im April 2000 durch den Zukauf der Medizintechnik-Abteilung der AVL List sowie durch die Übernahme des Insulinpumpen-Herstellers Disetronic (2003 für 1,6 Milliarden Franken) erweitert. 2002 wurde die Sparte Vitamine und Feinchemikalien, mit einem Produktionswerk in Kaiseraugst, für 1,75 Milliarden Euro an den niederländischen Chemiekonzern Koninklijke DSM verkauft. 2004 wurde der 50-%-Anteil am gemeinsamen Geschäft mit OTC-Arzneimitteln – also der Medikamente, die in Apotheken ohne Rezept frei verkäuflich sind – für 2,38 Milliarden Euro an den Joint-Venture-Partner Bayer AG veräussert.
Im Januar 2008 wurde die auf Gewebediagnostik spezialisierte US-amerikanische Firma Ventana Medical Systems für 3,4 Milliarden US-Dollar übernommen, um die Sparte Tissue Diagnostics zu stärken.
Im Jahr 1990 erwarb Roche einen kontrollierenden Anteil an dem kalifornischen Biotechunternehmen Genentech und 1995 dieses vollständig, brachte Genentech 1999 jedoch wieder an die New York Stock Exchange und verkaufte in den darauf folgenden Monaten insgesamt 40 % der Genentech-Aktien. Im März 2009 erwarb Roche für 46,8 Milliarden US-Dollar erneut sämtliche ausstehenden Anteile an Genentech. Das war Bloomberg-Daten zufolge der bislang grösste Biotechnologie-Deal.Roche vor Megadeal in den USA Handelsblatt vom 12. Juli 2013, abgerufen am 13. Juli 2013.
Im März 2011 übernahm Roche für bis zu 85 Millionen Euro die Firma PVT Probenverteiltechnik GmbH mit Hauptsitz in Waiblingen. Roche PVT GmbH wurde in Roche Diagnostics Automation Solutions GmbH (RDA) mit Sitz in Ludwigsburg umbenannt.
Im September 2014 übernahm Roche die kalifornische Firma InterMune, Inc., welche bis zu diesem Zeitpunkt an der NASDAQ-Börse gehandelt wurde. Das wichtigste Medikament von InterMune (Esbriet, Wirkstoff: Pirfenidon) wurde wenige Wochen nach der Übernahme von der Food and Drug Administration zur Behandlung von bestimmten Lungenfibrosen zugelassen. Der Kaufpreis betrug 8,3 Milliarden US-Dollar, wovon 5,75 Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt aufgenommen wurden. Zur selben Zeit wurde das cobas Liat PCR-System der amerikanischen Firma IQuum für 275 Millionen US-Dollar (plus bis zu 175 Millionen US-Dollar bei der Erreichung bestimmter Meilensteine) gekauft. Das Gerät dient zur Blutanalyse.
Im Januar 2017 hat Roche die Firma ForSight Labs übernommen. Im Juni hat das Unternehmen die Diabetes-Management-Plattform mySugr für einen nicht veröffentlichten Preis gekauft. Ende Dezember hat Roche angekündigt, dass es Ignyta Inc wegen seines expandierenden weltweiten Krebs-Geschäftsfeldes zukauft., abgerufen am 24. Dezember 2017. Für 4,3 Milliarden US-Dollar übernahm Roche 2019 den Gentherapie-Spezialisten Spark Therapeutics.
Im März 2021 gab Roche den Erwerb von GenMark Diagnostics bekannt. GenMark ist ein führender Anbieter von molekularen Multiplex-Diagnoselösungen.
Durch eine im Februar 2024 angekündigte Zusammenarbeit mit der US-Firma Path AI soll die Entwicklung von Präzisionstherapien mittels künstlicher Intelligenz vorangetrieben werden.Roche setzt in der Diagnostik auch auf künstliche Intelligenz. Handelszeitung/sda, 13. Februar 2024, abgerufen am 13. Februar 2024.
Struktur Divisionen Der Konzern ist in die beiden Divisionen Pharmaceuticals und Diagnostics aufgeteilt. Verwaltungsratspräsident der Roche Holding AG ist Severin Schwan. Vorsitzender der Konzernleitung der Roche Holding AG ist seit März 2023 Thomas Schinecker, Chief Executive Officer (CEO) der Division Pharmaceuticals ist Teresa Graham,https://www.roche.com/de/about/leadership/teresa-graham/ CEO der Division Diagnostics ist Matt Sause.https://www.roche.com/de/about/leadership/matt-sause/
Die Division Pharma ist weltweit führend in der Onkologie. Andere Therapiegebiete umfassen Anämie, Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen, Erkrankungen des Zentralnervensystems, Transplantationen und Virusinfektionen. Roche hält seit 2001 eine Mehrheitsbeteiligung bei dem japanischen Pharmaunternehmen Chūgai Seiyaku. Weitere Schwerpunkte sind die Infektiologie sowie die Rheumatologie.
Die Division Diagnostics ist weltweit führend in der In-vitro-Diagnostik. Sie hat ihren Hauptsitz in Rotkreuz (Kanton Zug) und besitzt weitere Standorte in Mannheim, Penzberg (Bayern), Indianapolis (Indiana, USA) und Pleasanton (Kalifornien, USA) sowie Sant Cugat del Vallès (Barcelona, Spanien). Die Division ist aufgeteilt in die Bereiche Molecular Diagnostics, Professional Diagnostics, Tissue Diagnostics und der Tochtergesellschaft Roche Diabetes Care GmbH.
Roche Deutschland links|mini|Panoramaansicht von Grenzach-Wyhlen