mini|Ulrich Pietzsch Ulrich Pietzsch (* 12. Februar 1937 in Oberwartha) ist ein deutscher Maler und Autor.

Leben Pietzsch ist der Sohn eines Angestellten und Kleinhändlers. Von 1943 bis 1951 besuchte er Schulen in Oberwartha und Cossebaude. Anschließend absolvierte er eine Landwirtschaftslehre in Ebersbach und Pillnitz und arbeitete von 1953 bis 1954 als Montagearbeiter in Dresden. Danach trat er ein Volontariat bei der Zeitung Der freie Bauer an und war dort als Assistent und Hilfsredakteur tätig. Nach bestandener Sonderreifeprüfung studierte er von 1959 bis 1964 Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während des Studiums lernte er Wolf Biermann kennen und unterstützte ihn beim Ausbau eines Kinos zu einem Theater, wo Biermann sein Stück Berliner Brautgang aufführen lassen wollte. Dieses wurde jedoch vor der Premiere verboten. Pietzsch arbeitete von 1964 bis 1966 als Redakteur für die „Neue Berliner Illustrierte“. Im Ergebnis des 11. Plenums des ZK der SED 1965 wurde er zusammen mit Klaus Schlesinger, Jean Villain und Alfred Marquardt fristlos entlassen. Grund war seine Freundschaft mit Biermann.

Von 1967 bis 1976 arbeitete Pietzsch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sektion für Ästhetik und Kunstwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität. Die Verteidigung seiner 1977 fertiggestellten Dissertation unterließ er aus Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Er war außerdem als Theaterkritiker für Berliner Rundfunk und die Zeitschrift „Theater der Zeit“ tätig sowie als Fernsehautor und Verfasser von Büchern. Sein erstes Buch, Feinde, das die Inszenierungstechniken des Regisseurs Wolfgang Heinz dokumentierte, erschien 1969. In erster Ehe war er mit Erika Dahmke verheiratet, mit der er einen 1963 geborenen Sohn hat. 1970 heiratete Pietzsch Lydia Wolgina, ehemalige 1. Ballerina der Staatsoper Berlin, und betätigte sich danach im Themenbereich Ballett als Kritiker, Filmschaffender, Übersetzer und Herausgeber.

Ab 1976 wirkte Pietzsch als autodidaktischer Bildermaler. Er beendete seine Arbeit als Kritiker und lebte zurückgezogen in Wandlitz. Er malte Szenen aus seiner Umwelt, Genrebilder und Stillleben. Ab 1978 stellte er seine Werke aus, unter anderem in der Galerie Berlin des Staatlichen Kunsthandels der DDR und im Museum der agraren Produktivkräfte in Wandlitz. 1982 beantragte er zusammen mit seiner Frau die Ausbürgerung aus der DDR und reiste im gleichen Jahr in die BRD aus. Danach lebten sie im Bezirk Kreuzberg, ab 1987 im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Pietzsch wirkte weiterhin als Maler und stellte regelmäßig aus, insgesamt zeigte er seine Bilder auf 60 Einzelausstellungen (Stand 2009). Außerdem schrieb er Erzählungen, Tagebücher und Gedichte.

Pietzsch lebt und arbeitet in Kukate, Wendland.

Werk Mitte der 1970er beendete Pietzsch seine bisherigen Tätigkeiten als Theaterkritiker, Wissenschaftler, Buchautor und Filmemacher, um sich der Bildmalerei widmen zu können. Er nannte sich „Der Bildermaler“ und kam, laut eigener Aussagen, von einem fremdbestimmten Leben zu einem Dasein, das ihm in der meisten Zeit eine unbegrenzte Freiheit im Schöpfungsdrang ermöglichte. Neben Bildern, Aquarellen und Pastellen sind neuerdings auch Acrylbilder und Ölpapierarbeiten entstanden. Er hatte (bis 2015) 75 Personalausstellungen in Galerien, Museen und Institutionen im In- und Ausland.

Neben der Malarbeit hat er immer geschrieben, auch Gedichte. Sein Geschichtenbuch „Verdammte Heimat“ fand Beachtung. Er legte ein Buch mit dem Titel „Aufs richtige Pferd gesetzt“ vor. Humorige Episoden und Geschichten zeigen, wie es in seinem Malerleben zuging, was er mit Galeristen, Museumsleuten, Generaldirektoren, Bildersammlern, Ausstellungsmachern, Künstlerkollegen und – nicht zuletzt – mit seinem Publikum erlebte. Dr. Manfred Fortmann gab einen Bildband über den Maler heraus. Er selbst verfasste die Lebensgeschichte seiner Frau und schrieb über seine Kindheit.

Literarische Werke Feinde. Wolfgang Heinz inszeniert Gorki, Modellbuch Deutsches Theater Berlin, 1969, Henschelverlag Berlin Michail Fokin: Gegen den Strom, Herausgabe und Übersetzung, zusammen mit Lydia Wolgina, Berlin 1974, Henschelverlag Berlin Die Welt des Tanzes in Selbstzeugnissen, Herausgabe, zusammen mit Lydia Wolgina, Berlin 1977, Henschelverlag Berlin Verdammte Heimat, Geschichtenband, Muschkeverlag, Berlin, 1984 Berlin über die Dörfer, eigene Bilder und Verse, Muschkeverlag Berlin, 1985 Herzblätter, Bilderkatalog, Eigenverlag, 1993 Aufs richtige Pferd gesetzt, Geschichtenband, Verlag Stock & Stein Schwerin, 2005 Bilderkatalog zum 70., Verlag Stock& Stein, Schwerin, 2007 Der kleine Wadenbeißer, eine Kindheit zwischen Oberwartha und Dresden, Husum Verlag, Husum, 2015 Der Bildermaler Ulrich Pietzsch Werkverzeichnis I 1976 bis 2017, Selbstverlag, 2015 Meine Frau, die Ballerina LebensSprünge, Biographie Lydia Wolgina", Selbstverlag, 2016 Meine Frau, die Ballerina, Bildband Lydia Wolgina, Selbstverlag, 2017 Der junge Traumtänzer, Autobiographie Ulrich Pietzsch 1949 bis 1976, Copyright Ulrich Pietzsch, 2019 Vom Anfang einer Opernliebe Erinnerungen an die Sängerelite der Staatsoper Dresden 1949 bis 1954, Dresdner Verlag Holger Oertel, 2019 Die Kunstsprache des klassischen Balletts, Florian Noetzel Verlag, 2023 Es hat sich so gefügt, Tagebücher von 1976 - 1980, Selbstverlag, 2024

Ausstellungen 1977: Kulturbund Fontane-Club Brandenburg 1978: Galerie Kühl, Dresden 1979: Staatlicher Kunsthandel der DDR 1980: Museum für Landwirtschaft Wandlitz/Mark; Staatlicher Kunsthandel der DDR 1981: Kunstdienst der Evangelischen Kirche Berlin 1982: Galerie der Europäischen Akademie Berlin (West) 1983: Handelsakademie Kitzbühel/Österreich; Galerie Marianne Kühn, Köln 1984: Galerie 1003 Rathaus Berlin-Wilmersdorf; Institut für intereuropäische Studien Berlin; Kleine Galerie Deutschlandhaus Berlin 1985: Galerie Brigitte Wölffer, Berlin; Galerie der Europäischen Akademie Berlin; Wissenschaftszentrum Berlin 1986: Galerie im Kulturzentrum Wolfsburg 1987: Galerie Krankenheim Tempelhof Berlin; Museumsdorf Lübeln, Wendland; Foyer Rathaus Kreuzberg Berlin; Galerie Lippeck Berlin-Hermsdorf; Deutschland-Information Berlin 1988: Amtshaus Bad Neustadt/Rhön; Galerie Kunstamt Steglitz Berlin; Volksbank Hitzacker; ab 1988 jährliche Pfingstausstellungen im Atelier in Salderatzen 1989: Galerie Ancora Nieblum/Insel Föhr; Museumsdorf Lübeln, Wendland; 1991: Galerie Rathaus Tempelhof Berlin 1993: Altmärkisches Museum Stendal; Galerie GEHAG-Forum Berlin 1994: Museum Soltau 1995: Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel 1995/96: Galerie Meyer, Lüneburg 1996: Museum für Sächsische Volkskunst, Dresden (Retrospektive); Musikwoche Hitzacker, Kurhaus 1997: Galerie GEHAG-Forum Berlin (zum 60. Geburtstag); Galerie im Klostergang, Museum Arendsee 1998: Galerie Kreismuseum Osterburg 1999: Turmgalerie, Museum Festung Dömitz 2001: Museum des Landkreises Diepholz-Syke 2002: Galerie der Europäischen Akademie Berlin zum 20-jährigen Jubiläum der ersten Ausstellung im Westen und zum 65. Geburtstag; Freydanksche Villa Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel 2003: Galerie Rathaus Dannenberg/Elbe; Galerie Hopke, Freienhagen bei Berlin; Dorfkirche Prenden bei Berlin; Galerie GEHAG-Forum Berlin 2004: Kunstverein e.V. Talstraße Halle; Lohgerber-Kreis und Stadtmuseum Dippoldiswalde; Galerie Hopke, Freienhagen bei Berlin; Galerie Wassermühle Prisser (Dannenberg/Elbe) 2005: Galerie Hopke, Freienhagen bei Berlin; Galerie Wassermühle Prisser(Dannenberg/Elbe) 2006: Galerie Hopke, Freienhagen bei Berlin 2007: Kreishaus Lüchow – Dannenberg zum 70. Geburtstag; Lohgerber – Stadt und Kreis Museum Dippoldiswalde zum 70; Galerie GEHAG-Forum Berlin zum 70; Galerie Hopke Freienhagen bei Berlin 2008: Kreissparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg zur 850 - Jahrfeier von Lüchow; Sommersalon Kunstverein Schloss Wiligrad bei Schwerin 2009: Städtische Galerie Wollhalle Güstrow; Galerie Hopke Freienhagen bei Berlin 2010: Galerie GEHAG – Forum Berlin, zusammen mit Klaus Schweier und Uwe Tabatt 2011: „La Galeria“, Lüchow; Galerie Rathaus Dannenberg/Elbe 2012: Kunsthaus „Der Giebel“, Tangermünde; Museum Festung Dömitz, Galerie Hauptwache; Stadtbibliothek Uelzen 2013: Kunsthaus „Der Giebel“ Tangermünde; Galerie Meyer Lüneburg; Lion Club Salzwedel 2014: Kunstverein Rostock; ZeitkunstGalerie Halle (Saale) 2015: Distanz und Sehnsucht. Anklam - Nikolaikirche; Ost-West-Forum, Gut Gödelitz 2016: Museum Waldemarturm Dannenberg; Heimatmuseum Cossebaude; Kunsttenne e. V. Damnatz 2017: Im „Lässig“ im Hundertwasser-Bahnhof Uelzen; Kulturverein Klein Breese e.V. (zum 80. Geburtstag) 2019: Galerie „ebe“ Parchim; Salongalerie „Die Möwe“ Berlin

Auszeichnungen 1983: Preisträger des Hörspiel- und Erzählwettbewerbs der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat Bonn

Literatur Manfred Fortmann (Hrsg.): Der Bildermaler Ulrich Pietzsch, Bildband, Limosaverlag Clenze, 2011

Weblinks Homepage des Malers Ulrich Pietzsch mit komplettem Werkverzeichnis Ulrich Pietzsch im KULTURATION, dem Online Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik, Buchrezension 2011 über: Der Bildermaler Ulrich Pietzsch Laudatio von Wendelin Szalai zur 34. Kunstausstellung am 3. Oktober 2015 auf Gut Gödelitz Rezension über Ulrich Pietzsch: Der kleine Wadenbeißer von Isolde Dietrich in: KULTURATION, Online Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik Bildermaler – Menschenmaler - Artikel über eine Ausstellung in Uelzen auf barftgaans.de

Einzelnachweise

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