Das Kloster Arnsburg (auch Abtei Arnsberg; ) ist die teilerhaltene Klosteranlage einer ehemaligen Zisterzienserabtei und seit 1977 Stadtteil der Stadt Lich in Hessen, Deutschland. Die Abtei wurde 1174 gegründet und 1803 im Laufe der Säkularisation aufgehoben. Nach dem Abzug der Mönche 1810 fiel das Klostergut an die Grafen zu Solms-Laubach, die Teile der barocken Gebäude der Anlage bis heute als Schloss nutzen, während die spätromanischen und frühgotischen Teile der Kirche als Ruine erhalten sind. Im ehemaligen Kreuzgang befindet sich seit 1960 eine Kriegsgräberstätte.
Geografische Lage mini|Umgebung von Kloster Arnsburg (Stich aus dem Jahr 1715) Kloster Arnsburg liegt am Nordrand der Wetterau in der Niederung des Flusses Wetter, unweit der Burg Münzenberg, in unmittelbarer Nähe des Limes. Es ist von Westen her erreichbar über die Abfahrt 36 Münzenberg der A 45 (Sauerlandlinie) und die Bundesstraße 488 Richtung Lich, von Osten aus Lich ebenfalls über die B 488 Richtung Butzbach. Orte der Umgebung sind Lich, Münzenberg, Butzbach und Gießen. Kloster Arnsburg, vom 1. April 1953Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (eingesehen am 12. April 2026) bis zum 31. Dezember 1976 selbständige Gemeinde mit dem Namen Arnsburg, ist seit dem Abschluss der Gebietsreform in Hessen ein Stadtteil von Lich sowie ein eigener Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach § 81 und 82 der Hessischen Gemeindeordnung.Hauptsatzung der Stadt Lich vom 21. Juli 2006, zuletzt geändert am 21. Mai 2014 (PDF; 94 kB).
Geschichte Vorgänger mini|Grundmauern der Burg Arnsburg Am römischen Wetteraulimes entstand um 90 n. Chr. ein befestigtes Kohortenkastell auf einer Hochfläche über der Mündung des Welsbaches in die Wetter. Mit der Aufgabe des römischen Limes 250/260 wurde das Kastell Arnsburg dem langsamen Verfall preisgegeben. In der Folgezeit besiedelten Franken die Wetterau und in der Nähe des verlassenen Kastells entstanden nacheinander zwei Burgen: Eine kleinere im Nordwestteil des späteren Klosters Arnsburg, die in die Zeit um 800 datiert wird und deren letzte Reste noch 1834 erwähnt wurden,Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen, Friedberg, 1. Jahrg., S. 95 f., 1834. und eine zweite, deren Entstehung um 1000 angesetzt wird. Diese entwickelte sich in vier Bauabschnitten bis 1151. Das Gelände des ehemaligen Kastells gehörte, wie umfangreiche Ländereien im Tal der Wetter, zur Burg Arnsburg, in deren Nähe die mittelalterliche Siedlung Villa Arnesburg lag.
Der erste Burgherr, der Reichsministeriale Kuno von Arnsburg, Gefolgsmann Kaiser Heinrichs III., heiratete 1064 Gräfin Mathilde von Beilstein. Ihre Tochter Gertrud von Arnsburg ehelichte Eberhard von Hagen aus der Dreieich. Beide wählten als Wohnsitz die Arnsburg und nannten sich fortan von Hagen und Arnsburg.Jost, Reichsministerialen.
Ihr Enkelsohn Konrad II. und seine Frau Luitgart stifteten 1150 auf dem Gelände des ehemaligen Kastells unweit ihrer Burg das Benediktinerkloster Alteburg, das zur Abtei Fulda gehörte. Als Ausgleich erhielten sie von Fulda 1151 den unbesiedelten Münzenberg und verlegten nach 1156 ihren Stammsitz in die dort neu errichtete Burg. Ihr im selben Jahr geborener Sohn Kuno I. nannte sich als erster der Familie dann von Hagen-Münzenberg.
Die Mönche benutzten mit Duldung der Eigentümer zum Bau ihrer Klosterkirche sowohl Material aus dem Kastell als auch nach 1156 aus der nun verlassenen Burg Arnsburg, die dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bereits 1174 endeten jedoch die Baumaßnahmen am Kloster und es wurde aufgelöst.
Gründung mini|hochkant=1.6|Lageplan Kloster Arnsburg Nur wenige Monate nach dem Abzug der Benediktinermönche übergab Kuno I. von Münzenberg die Reste seiner Stammburg Arnsburg samt Ländereien dem Kloster Eberbach zur Neugründung eines Zisterzienserklosters in der nahen Flussniederung.Jost, Burgruine.
Kuno I. von Münzenberg handelte mit der Berufung eines Zisterzienserkonvents in die Wetterau zeitgemäß. Die Epoche für neue Benediktinerklöster im hessischen Raum war vorüber, Klostergründer wandten sich den neuen Ideen der Reformorden zu. Neben den Erzbischöfen von Mainz traten zunehmend Ministerialengeschlechter als Gründer in Erscheinung. Dabei nahmen die Gründer nicht mehr das seit der Kirchenreform des 11. und frühen 12. Jahrhunderts heftig bekämpfte weltliche Schutzrecht für das Kloster in Anspruch, sondern übertrugen es dem zuständigen Bischof. Zisterzienser, Augustiner und Prämonstratenser beanspruchten grundsätzlich Vogtfreiheit.Heinemeyer, S. 171. Kuno I. entschied sich für die Zisterzienser. Am 16. Juli 1174 fand auf Burg Münzenberg eine Versammlung statt, bei der er die Stiftung feierlich an Abt Gerhard vom Kloster Eberbach übergab und den Zisterziensern auch das Gelände seiner ehemaligen Burg Arnsburg mit den zugehörigen Kastellresten und dem begonnenen Kirchenbau der Benediktiner übereignete. In der Stiftungsurkunde wurde die Unabhängigkeit der Zisterzienser vom Stifter als gewährleistet festgestellt. Dem Stifter oblag lediglich die Schirmherrschaft (tutoris ac provisoris) über das Kloster.Ebel in Walbe, S. 9. König Friedrich II. stellte Kloster Arnsburg 1219 auch lediglich unter seinen Schutz (defensio), ohne irgendwelche Privilegien zu fordern. Diese verbriefte Vogtfreiheit führte später immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Obrigkeit und Konvent. Trotz des anfänglichen Eifers kam die eigentliche Gründung des zweiten Klosters aber auch nicht recht voran. Warum die Besiedlung mit Mönchen erst 1197 geschah, ist nicht schlüssig zu begründen.Kiesow, S. 235.
Besitz Angeführt von ihrem Abt Mengot zogen die Eberbacher Mönche 1197 in Arnsburg ein. Bereits mit der Stiftung 1174 erhielt das Kloster eine umfangreiche Dotation von 710 Morgen Land, wovon 150 Morgen in unmittelbarer Nähe lagen, der größere Teil aber weit verstreut bis Mainz und Frankfurt.
Zum Ende des 14. Jahrhunderts bezog das Kloster Einnahmen aus 270 Orten und besaß zusätzlich eigene Höfe unter anderem in Frankfurt, Friedberg, Grünberg, Mainz, Marburg,Insoweit nachgewiesen bei Dersch, S. 6. Gelnhausen, Gießen, und Wetzlar, in denen es seine landwirtschaftlichen Produkte vermarktete. Bei der Ausweitung des Besitzes spielten Folgestiftungen frommer Familien, die sich eine Grabstätte im Kloster gewählt hatten, eine wesentliche Rolle. Hervorzuheben ist dabei die Familie der Herren und Grafen von Hanau, die hier ihr Erbbegräbnis einrichtete und Seelenmessen bestellte. Sie war direkte Teilrechtsnachfolgerin der Stifterfamilie.Vgl.: Münzenberger Erbschaft. 1324 stiftete Angelus von Sassen aus Friedberg, in seinen letzten Lebensjahren Mönch in Arnsburg, einen Altar und bedachte das Kloster in seinem Testament mit ausgedehnten Liegenschaften in der Wetterau. 1367 ließ Bischof Rudolf von Verden eine Grabkapelle im Kloster erbauen und stattete sie reichlich mit Geld, Landbesitz und Gebäuden aus.
mini|Klostergasse Der wachsende Arnsburger Wohlstand gründete auch auf der wirtschaftlichen Tüchtigkeit der Zisterzienser. Das von ihnen voll entwickelte Konversen-Institut, die Einbindung von Laienbrüdern in Wirtschaft und geistliches Leben der Klöster, ermöglichte es, die klösterliche Wirtschaft erfolgreich umzugestalten: Zentrale Güter- und Einkünfteverwaltung, selbständige, von Konversen bewirtschaftete Betriebseinheiten (Grangien und Kurien) mit der Aufgabe, Überschüsse zu erwirtschaften und sie in den Städten zu verkaufen, waren zentral für das Konzept.Heinemeyer, S. 172.
Die Mönche waren nicht nur erfolgreiche Baumeister, sondern auch meisterhafte Landwirte: Sie bauten ertragreichere Getreidearten und Obstsorten an und errichteten Höfe, wie Kolnhausen, Hof Güll, Wickstadt und den Pfaffenhof zu Erbstadt. Ihre vorbildliche Landwirtschaft wird in einem großen Ackerbuch dokumentiert, 780 Pergamentseiten stark, auf denen jedes Grundstück vermerkt ist, die von Emsdorf nördlich von Kirchhain bei Marburg bis Geinsheim am Rhein reichten.Küther, S. 74. Bis zur Aufhebung des Klosters 1803 schwanden allerdings diese Besitzungen durch äußere und innere Wirren, sodass ihr Umfang wieder etwa auf das Ausmaß der Klostergründung schrumpfte. „Noch jetzt gehören zum Klostergut gegen 700 Morgen Landes“ ist in einer Schrift aus dem Jahr 1834 zu lesen.Ebel in Walbe, S. 4 f.
Rechte Mit dem Besitz der Arnsburger Zisterzienser wuchsen gleichermaßen auch die ihnen zuerkannten Rechte. So hatten sie die Investitur im nahen Muschenheim und das Patronat über mehrere Pfarrkirchen der Gegend inne. Zudem bestätigte eine von Kardinal Bessarion 1461 ausgestellte Urkunde, dass die Kirchen in Grüningen, Muschenheim, Trais-Münzenberg, Birklar, Bettenhausen, Wickstadt, Holzheim und Eberstadt dem Kloster inkorporiert waren. Außerdem übten die Arnsburger die Aufsicht über sechs andere Zisterzienserinnenklöster aus (darunter Kloster Patershausen).
Einnahmen aus dem Ablasshandel und indirekte Einkünfte durch vom Kaiser oder dem hessischen Landgrafen eingeräumte Steuer- und Zollfreiheit gehörten zu den Privilegien ebenso wie die bereits von Papst Hadrian bewilligte und später mehrfach bestätigte Zehntfreiheit für diejenigen Güter, die das Kloster selbst bestellte. Untermauert wurde die rechtliche Stellung des Klosters durch das Erlangen der Unabhängigkeit vom Diözesanbischof (Exemtion), dem es anfänglich unterstellt war.
Kloster und Stifterfamilie Hatte die Stifterfamilie um Kuno I. noch dem Verzicht auf Vogteirechte gegenüber dem Kloster zugestimmt, sahen ihre Erben darin zunehmend eine Beschneidung ihrer Rechte und versuchten, letztlich mit Erfolg, sie geltend zu machen. Nach den Münzenbergern stritten deren Erben, die Herren von Falkenstein-Eppstein und nachfolgend die Grafen von Solms um die Privilegien, Gerichtstage im Kloster abzuhalten und die Gerichtsbarkeit über den mit dem Kloster verbundenen Ablassmarkt auszuüben. Sie entsandten Bevollmächtigte zu den Abtswahlen und beanspruchten Einlager und Atzung. 1541 und 1542 kam es aufgrund offensichtlicher Missstände und dem durch die Reformation ausgeübten Druck in Arnsburg zu Vereinbarungen zwischen dem Kloster und den Solmser Grafen, die diesen erheblichen Einfluss auf die Finanzverwaltung und sogar auf die Lebensführung von Abt und Mönchen einräumten. mini|Kloster Arnsburgs Territorium auf einer Karte aus dem 18. Jahrhundert Als die Licher Linie der Solmser sich 1562 der Reformation anschloss, versuchte sie, zunächst nicht erfolglos, das Kloster wie sein Umland dem lutherischen Glauben zuzuführen. Der Gedanke an eine Reform der Kirche in Arnsburg stieß nicht von vornherein auf Ablehnung: 1581 wurde der Arnsburger Mönch Heinrich Jung evangelischer Pfarrer in Freienseen.
Die Solmser Reformationsbestrebungen riefen selbstverständlich das Erzbistum Mainz auf den Plan. Es entbrannte ein erbitterter Streit, in den unter anderem Abt Robert Kolb I. 1687 und 1694 mit seinen Streitschriften vom kämpfenden Adler (Aquila certans pro immunitate und Laurea aquilae certantis) eingriff. Dies nahm die katholische Seite zum Anlass, die alten Ordensprivilegien einzufordern und sich von der protestantischen Landesherrschaft unabhängig zu machen. 1715 entschied der Reichshofrat in Wien zwar zugunsten des Klosters, doch ständiger Einspruch der Gegenpartei ließ den Prozess nie zum Abschluss kommen. Die Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 kam einem Urteil zuvor. Sieger blieben letztlich die Nachfolger der Stifterfamilie, die Grafen zu Solms-Laubach, denen das Kloster zufiel und die es heute noch besitzen und in Teilen auch zu Wohnzwecken nutzen.
Äußere Wirren