mini|Amazonas-Regenwald

Der Amazonas-Regenwald bedeckt nahezu das gesamte Amazonasbecken in Südamerika, welches sechs Millionen Quadratkilometer in neun Ländern umfasst. Der weitaus größte Teil des Waldes (etwa 60 Prozent) befindet sich in Brasilien. Weitere 13 Prozent liegen in Peru, 10 Prozent in Kolumbien sowie kleinere Teile in Venezuela, Ecuador, Bolivien, Guyana, Suriname und Französisch-Guyana. Bundesstaaten und Verwaltungseinheiten von vier Ländern tragen den Namen Amazonas.

Der Amazonas-Regenwald umfasst mehr als die Hälfte des weltweit verbliebenen tropischen Regenwaldes und weist in der Summe die größte Biodiversität aller tropischen Wälder auf (bezogen auf die Gefäßpflanzen als Indikator).Kerstin Engelhard: Rätselraten im Regenwald, Artikel auf spektrum.de vom 18. April 2016, abgerufen am 3. Dezember 2021. Amazonien beherbergt damit eines der sechs großen Biome Brasiliens, das rund 49 Prozent des brasilianischen Territoriums einnimmt.Joberto Veloso de Freitas: Präsentation im Rahmen der Expert Consultation on Global Forest Resource Assessment (Organisatoren: FAO, Metla, UNECE), Kotka (Finnland), 12. bis 16. Juni 2006. Es erstreckt sich über drei der fünf statistischen Regionen des Landes (Norte, Nordeste und Centro-Oeste). Ein 52.000 km² großes Schutzgebiet im zentralen Amazonas-Regenwald, das den Nationalpark Jaú umfasst, wurde von der UNESCO 2000 (mit Erweiterung 2003) zum Welterbe erklärt. Sozialgeographisch ist das Amazonasbecken in Brasilien der Region Amazônia Legal zugeordnet. Zum Zweck der wirtschaftlichen Entwicklung der Region wurde 1966 die Superintendência do Desenvolvimento da Amazônia (SUDAM) geschaffen.

Der Amazonas-Regenwald hat eine große Bedeutung im Welt-Klimasystem, da er einen großen Einfluss auf die Niederschlagsbildung und -verteilung hat.Thomas Lovejoy und Carlos Nobre: Amazon Tipping Point. Science Advances, 21. Februar 2018, Vol 4, Issue 2 doi:10.1126/sciadv.aat234. Die langfristige Fortexistenz des Amazonas-Regenwaldes ist daher im Zeitalter der globalen Erwärmung vorrangig. Sie steht allerdings im Konflikt mit den Interessen einer mächtigen Agrar- und der internationalen Aluminiumindustrie.Treibhausgase durch Abholzung: Der „Tropen-Trump“ bedroht den Regenwald. FAZ.net, 4. Dezember 2018.

Alleine der brasilianische Regenwald wurde nach Regierungsangaben durch Raubbau Im Zeitraum von August 2017 bis Juli 2018 um eine Waldfläche von ca. 7900 km² verkleinert, was der Fläche von mehr als einer Million Fußballfeldern entspricht.7900 Quadratkilometer Regenwald binnen einem Jahr abgeholzt. Spiegel online, 24. November 2018. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Zerstörung nach 2020 in West-, Süd- und Ostamazonien bereits so große Ausmaße angenommen hat (20 % entwaldet, 6 % stark degradiert, 41 % leicht degradiert, 33 % intakt), dass dort eine nicht mehr aufzuhaltende Umwandlung in eine Savanne stattfinden wird.Marlene Quintanilla, Alicia Guzmán León, Carmen Josse (Hauptautoren): AMAZONIA AGAINST THE CLOCK: A REGIONAL ASSESSMENT ON WHERE AND HOW TO PROTECT 80 % BY 2025. Investigative research conducted by the Red Amazónica de Información Socioambiental Georreferenciada (RAISG) within the framework of the Initiative “Amazonia for Life: protect 80 % by 2025” and coordinating organizations COICA and Stand.earth., Executive summary 2022, PDF abgerufen am 30. September 2024.

Der Amazonas mini|Satellitenbild des Amazonas

Der Amazonas ist ein großer südamerikanischer Fluss, der in den Anden, in Peru entspringt und bei der Insel Marajó in Brasilien in den Atlantik mündet. In seinem Verlauf trägt er die Namen Tunguragua, Apurímac, Marañón, Ucayali, Amazonas (ab dem Zusammenfluss der Flüsse Marañon und Ucayali, in Peru), Solimões und wieder Amazonas (ab dem Zusammenfluss der Flüsse Solimões und Rio Negro in Brasilien). Lange Zeit wurde gedacht, der Amazonas sei der an Volumen reichste und zweitlängste Fluss der Welt. Neue Untersuchungen jedoch zeigen ihn als den längsten Fluss der Welt. Er ist der Fluss mit dem größten Zuflussgebiet der Welt, welches 7 Millionen Quadratkilometer überschreitet, ein großer Teil davon Tropischer Wald.

Die vom Amazonas und seinen Nebenflüssen mit Wasser bedeckte Fläche mehr als verdreifacht sich während der Jahreszeiten. Im Durchschnitt sind während der Trockenzeit 110 000 km² überflutet, während diese Fläche während der Regenzeit 350 000 km² erreicht. An seinem breitesten Punkt erreicht er während der Trockenzeit eine Breite von 11 km, die sich in der Regenzeit bis zu 45 km ausdehnt.

Geschichte mini|Teil des brasilianischen Amazonien nahe Manaus mini|Sicht auf den Nationalpark Manú, in Peru

Am Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen starben die Dinosaurier aus und das Klima wurde feuchter, was möglicherweise eine Ausbreitung tropischer Wälder über den ganzen Kontinent begünstigte. Vor 66 bis 34 Millionen Jahren reichte der Wald über den 45. südlichen Breitengrad hinaus.

Der Amazonas-Regenwald bildete sich vermutlich während des mittleren Eozäns (Bartonium) vor rund 40 Millionen Jahren. Er entstand in Folge eines globalen Temperaturrückgangs in den Tropen, nachdem der Atlantische Ozean so groß geworden war, dass er zu einem feuchtwarmen Klima im Amazonasbecken führte. Der überwiegende Teil der Region war in der Zeit vor dem jetzigen Eiszeitalter, als das Klima trockener und Savannen verbreiteter waren, frei von savannenartigen Biomen.Robert J. Morley: Origin and Evolution of Tropical Rain Forests. Wiley, 2000, ISBN 0-471-98326-8 (Känozoisches Eiszeitalter.)

Klimaschwankungen während der letzten 34 Millionen Jahre ermöglichten eine Ausdehnung der Savannengebiete bis in die Tropen. So existierte etwa während des Oligozäns nur ein relativ schmaler Waldgürtel oberhalb des 15. nördlichen Breitengrades. Während des mittleren Miozäns breitete sich der Wald aus, in der letzten Kaltzeit konnte er nur in einigen isolierten Refugien im Landesinneren fortbestehen. Dort konnte der Wald in dieser Zeit weiterhin gedeihen, was das Überleben und die Evolution zahlloser Arten ermöglichte.Yadvinder Malhi, Oliver Phillips: Tropical Forests & Global Atmospheric Change. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-856706-5.

Es wird angenommen, dass das Einzugsgebiet des Amazonas während des mittleren Miozäns in der Mitte des Kontinents durch den Purus-Bogen geteilt war. Das Wasser auf der östlichen Seite floss dem Atlantik zu, während das Wasser im Westen durch das Amazonasbecken Richtung Pazifik floss. Durch die entstehenden Anden wurden die Wassermassen zu einem See gestaut, dem heutigen Solimões-Becken. Vor fünf bis zehn Millionen Jahren durchbrachen die Wassermassen den Purus-Bogen und vereinigten sich mit den östlichen Wasserläufen zum heutigen Amazonas, der in den Atlantik entwässert.

Es gibt Belege dafür, dass es in den letzten 21.000 Jahren durch das letzteiszeitliche Maximum und das darauffolgende Gletscherschmelzen beträchtliche Veränderungen der Vegetation des amazonischen Tropenwaldes gegeben hat. Analysen von Sedimentablagerungen durch Paläoseen im Amazonasbecken deuten darauf hin, dass es im Amazonasbecken während des letzteiszeitlichen Maximums weniger regnete als heute, was sehr wahrscheinlich eine reduzierte tropische Feuchtvegetation zur Folge hatte.P.A. Colinvaux, P.E. De Oliveira: Palaeoecology and climate of the Amazon basin during the last glacial cycle. Wiley InterScience. 2000. Umstritten ist jedoch, wie groß der Rückgang der Feuchtvegetation tatsächlich ausfiel beziehungsweise wie sie im Land verteilt war. Einige Wissenschaftler meinen, dass der tropische Regenwald auf kleinere und isolierte, durch offenen Wald und Grasland getrennte Refugialräume reduziert wurde;T. Van der Hammen, H. Hooghiemstra: Neogene and Quaternary history of vegetation, climate, and plant diversity in Amazonia. Elsevier Science Ltd. 2002. doi:10.1016/S0277-3791(99)00024-4 andere sind hingegen der Ansicht, dass der Regenwald weitgehend intakt blieb und trotz trockenerer Zwischenräume keine Isolation stattfand; während er allerdings im Norden, Süden und Osten nicht bis an seine heutige Ausdehnung heranreichte. Keiner dieser beiden Standpunkte hat sich bisher durchsetzen können, da wissenschaftliche Untersuchungen im tropischen Regenwald nur eingeschränkt möglich sind und daher mehr Daten für die Randregionen des Amazonasbeckens vorliegen. Die vorhandenen Daten lassen beide Argumentationen zu.

Menschliche Präsenz mini|Geoglyphen in entwaldeten Gebieten, ehemals des amazonischen Waldes des Bundesstaats Acre, in Brasilien Archäologische Untersuchungen in der Höhle von Pedra Pintada legen nahe, dass Menschen seit mindestens 11.200 Jahren in der Amazonasregion leben. Später entstanden in Randregionen des Waldes bis etwa 1250 n. Chr. spätprähistorische Siedlungen, die mit menschlichen Eingriffen in den Wald verbunden waren.

Lange Zeit wurde angenommen, dass der Amazonasregenwald immer nur sehr spärlich bevölkert war, da die schlechten Böden keinen Ackerbau und damit keine größeren Bevölkerungszahlen erlaubten. Eine der bekanntesten Vertreterinnen dieser (bereits widerlegten) Forschungsmeinung war die Archäologin Betty Meggers, die ihre Theorien unter anderem in dem Buch Amazonia: Man and Culture in a Counterfeit Paradise darlegte. Sie behauptete, dass der Regenwald nur auf die Jagd spezialisierte Gesellschaften mit einer Bevölkerungsdichte von höchstens 0,2 Bewohnern pro Quadratkilometer zuließe, für größere Bevölkerungsdichten jedoch Landwirtschaft notwendig sei. Jüngere anthropologische Erkenntnisse deuten allerdings darauf hin, dass die Amazonasregion dichter besiedelt war. Um das Jahr 1500 könnten in Amazonien ca. fünf Millionen Menschen gelebt haben, verteilt auf dicht besiedelte Küstengebiete wie die Insel Marajó sowie das Hinterland. 1900 betrug die Einwohnerzahl der Region nur noch rund eine Million, Anfang der 1980er Jahre weniger als 200.000.Chris C. Park: Tropical Rainforests. Routledge, 2003. (books.google.co.uk) Ein Forscherteam um Heiko Prümers bewies, dass auch im Amazonasgebiet Menschen in einer fortgeschrittenen Agrargesellschaft lebten. Mithilfe der Lidar-Technologie gelang es im bolivianischen Amazonastiefland insgesamt 26 Siedlungen der Casarabe-Kultur zu vermessen.Heiko Prümers u. a.: Lidar reveals pre-Hispanic low-density urbanism in the Bolivian Amazon. In: Nature (2022) Ein Gebiet von der Größe Englands sei für den Ackerbau, die Jagd und die Fischerei genutzt worden.Alexander Busch: Und das Amazonasgebiet war doch besiedelt! Archäologen widerlegen eine jahrzehntelange Annahme. Neue Zürcher Zeitung 12. Juni 2022 Die in der Region Llanos de Moxos teilweise neu entdeckten Städte der Casarabe-Kultur seien vergleichbar mit den Monumentalbauten der Tiwanaku, der Inkas, Mayas oder Azteken.Norbert Suchanek: Präkolumbianische Megastädte. Neues Deutschland, 17. Juni 2022

Der erste Europäer, der dem Verlauf des Amazonas folgte, war 1542 der Spanier Francisco de Orellana.A. Smith: Explorers of the Amazon. University of Chicago Press, Chicago 1994, ISBN 0-226-76337-4. In der BBC-Dokumentationsreihe Unnatural Histories wurden Belege präsentiert, wonach Orellanas Bericht, dass entlang des Amazonas eine komplexe Gesellschaft existiere, keineswegs wie zuvor angenommen übertrieben, sondern für die 1540er Jahre durchaus zutreffend gewesen sei. Wahrscheinlich ging diese Kultur durch aus Europa eingeschleppte Infektionskrankheiten wie Pocken unter.