mini|Andrzej Duda (2025) Andrzej Sebastian Duda (* 16. Mai 1972 in Krakau) ist ein polnischer Politiker. Er war von 2015 bis 2025 Präsident der Republik Polen.
Der studierte Verwaltungsjurist war 2011 bis 2014 Abgeordneter des Sejm und 2014 bis 2015 Mitglied des Europäischen Parlaments, nachdem er zuvor für Jarosław und Lech Kaczyński gearbeitet hatte. Im Mai 2015 trat er in Folge seiner Wahl zum Präsidenten aus symbolischen Gründen aus der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) aus, blieb ihr aber programmatisch treu.
Familie, Ausbildung und Beruf Dudas Vorfahren stammen aus den südostpolnischen Beskiden.Christoph von Marschall: Polens neues Staatsoberhaupt. Andrzej Duda: Präsident aus der Platte. In: Der Tagesspiegel, 5. August 2015 (Seite 2). Einer seiner Großväter kämpfte als Kavallerist 1920 gegen die Sowjetunion und 1939 gegen Deutschland,Jan Cienski: The World According to Duda. In: Politico.eu, 19. August 2015, aktualisiert am 20. August 2015 (englisch). ein Großonkel wurde als Partisan der polnischen Heimatarmee von der Gestapo zu Tode gefoltert.Gerhard Gnauck: Polens Präsident Duda. „Die Nato sollte ihre Ostflanke stärken“. In: Die Welt, 28. August 2015. Seine Eltern, Janina Milewska-Duda und Jan Tadeusz Duda, kommen aus der Gegend von Warschau und zogen nach Krakau, wo beide Professoren an der Wissenschaftlich-Technischen Universität Krakau waren. Duda und seine jüngere (Adoptiv-)Schwester Dominika wurden in Krakau geboren und wuchsen dort auf. In: Inside Poland, 25. Mai 2015; Janina Milewska-Duda, prof. dr hab. inż. In: AGH.edu.pl; Prof. dr hab. inż. Jan Tadeusz Duda. In: AGH.edu.pl.
Duda war 1984 bis 1990 bei den Pfadfindern und besuchte 1987 bis 1991 den humanistischen Zweig des Jan-Sobieski-Gymnasiums Krakau. Er begann daraufhin ein Studium an der Fakultät für Recht und Verwaltung der Jagiellonen-Universität in Krakau, wo er 1997 einen Magisterabschluss erwarb und anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Verwaltungsrecht war. In: AndrzejDuda.pl (polnisch). 2005 wurde er dort bei Jan Zimmermann mit einer Arbeit über das Rechtsschutzinteresse im polnischen Verwaltungsrecht promoviert, die 2008 veröffentlicht wurde,Interes prawny w polskim prawie administracyjnym. Vorstellung des aus der Dissertation hervorgegangenen Buches beim Beck-Verlag Polen. und war anschließend an derselben Hochschule als Dozent tätig.PiS reveals its candidate for next Polish president. In: The Warsaw Voice, 13. November 2014 (englisch). Im Frühjahr 2005 gründete Duda zudem eine Rechtsanwaltskanzlei.
Er ist seit 1994 mit der Deutschlehrerin Agata Kornhauser-Duda verheiratet, In: AndrzejDuda.pl (polnisch); In: Sobieski.krakow.pl (Schulwebsite, polnisch). einer Tochter des Krakauer Dichters Julian Kornhauser. 1995 wurde ihre Tochter Kinga geboren.Stichwahl ums Präsidentenamt: Polen bekommt einen neuen Präsidenten. In: Spiegel Online, 24. Mai 2015. Sie lebten bis zu seiner Wahl zum Staatsoberhaupt in Prądnik Biały, einer Großwohnsiedlung im nördlichen Krakau.Christoph von Marschall: Polens neues Staatsoberhaupt. Andrzej Duda: Präsident aus der Platte. In: Der Tagesspiegel, 5. August 2015, S. 1. Die der Regierungspartei PiS nahestehende Wochenzeitschrift Do Rzeczy kritisierte, dass Duda seine Tochter Kinga im Präsidialamt als „Beraterin für gesellschaftliche Fragen“ engagiert hat.Duda rządzi, Duda radzi, in: Do Rzeczy, 28. September 2020, S. 34.
mini|Beim Amtsantritt in der Präsidentenkanzlei mit Lech Kaczyński (2008) mini|Mit seinem Förderer Jarosław Kaczyński (2013)
Politische Karriere bis zur Präsidentschaftskandidatur Duda engagierte sich 1990 und 1995 als Freiwilliger beim Präsidentschaftswahlkampf von Lech Wałęsa. Im Jahr 2000 wurde er Mitglied der linksliberalen Partei Unia Wolności, die damals Juniorpartner in der Regierung von Jerzy Buzek war und wurde deren stellvertretender Kreisvorsitzender im Krakauer Stadtteil Podgórze, verließ jedoch die Partei 2001 wieder. Über seine Erfahrungen bei Unia Wolności sagte er später, dass „es reichte um von ihnen abgeschreckt zu werden“.
Nach der Parlamentswahl in Polen 2005 wurde er Rechtsberater der PiS-Fraktion im Sejm. Am 1. August 2006 trat Duda als stellvertretender Justizminister ins Kabinett von Jarosław Kaczyński ein, dem er bis zu einer Kabinettsumbildung 2007 angehörte. In: Inside Poland, 25. Mai 2015 Von November 2007 bis 2011 war er vom Sejm gewähltes Mitglied des polnischen Staatsgerichtshofs. In: PiS.org.pl, 25. Mai 2015. Am 16. Januar 2008 wurde er als Unterstaatssekretär in die Präsidentenkanzlei berufen und zum engen Berater des damaligen polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczyński, der beim Flugunfall von Smolensk 2010 ums Leben kam. Duda war als Teil der Delegation vorgesehen, die 2010 nach Smolensk flog, verzichtete jedoch wegen einer Erkrankung seiner Tochter kurzfristig auf die Teilnahme.
Duda wurde bei den Selbstverwaltungswahlen in Polen 2010 in den Rat der Stadt Krakau gewählt und saß dort der PiS-Fraktion vor. Bei der Parlamentswahl in Polen 2011 wurde Duda im Krakauer Wahlkreis 13 in den Sejm gewählt, wo er bis zu seinem Ausscheiden 2014 PiS-Abgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Verfassungsausschusses war.Andrzej Duda. In: Sejm.gov.pl (polnisch). Vom 27. November 2013 bis zum 9. Januar 2014 diente er als Parteisprecher der PiS und organisierte im Anschluss den Europawahlkampf 2014 der Partei. Am 25. Mai 2014 wurde er ins Europäische Parlament gewählt, dem er ab dem 1. Juli 2014 für die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer angehörte. Dort war er stellvertretender Vorsitzender der Delegation in der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung und Mitglied im Rechtsausschuss. Mit zwölf vorgelegten Berichten belegte er den zweiten Platz aller Abgeordneten im Europäischen Parlament und wurde daher auch als bester Europaabgeordneter bezeichnet.Aleksandra Pawlicka: In: Newsweek Polska, 10. März 2015. Er schied am 25. Mai 2015 aus.Andrzej Duda. Alle Wahlperioden. In: Europäisches Parlament (Website). Für den Tagesspiegel war Duda allerdings ein unauffälliger Hinterbänkler.Paul Flückiger: Polens Präsident. Der Novize Duda. In: Der Tagesspiegel, 27. August 2015. Das sozialliberale Nachrichtenmagazin Polityka führte ihn in einer Rangfolge als einen der besten Sejm-Abgeordneten des Jahres 2013 auf.
Präsidentschaftskandidatur 2015 mini|Im Wahlkampf (2015) Am 11. November 2014 schlug der Parteivorsitzende Jarosław Kaczyński den bis dahin weithin unbekannten Duda als Kandidaten der PiS bei der Präsidentschaftswahl in Polen 2015 vor. Zuvor hatten viele Medien vermutet, dass Kaczyński nach der Präsidentschaftswahl in Polen 2010 ein zweites Mal antreten werde. In: TheNews.pl, 12. November 2014 (englisch). Am 6. Dezember 2014 nominierte der PiS-Parteivorstand Duda als Präsidentschaftskandidaten. Zu Beginn seines Wahlkampfs im Februar 2015 versprach Duda, das Erbe Lech Kaczyńskis anzutreten und sich für den sozialen Ausgleich einzusetzen, konkret durch eine Senkung des Rentenalters sowie eine Anhebung des Steuerfreibetrags auf mindestens 8.000 Złoty.; Er drängte darauf, dass über beide Projekte, die nicht in der Zuständigkeit des polnischen Präsidenten liegen, im Sejm noch vor der im Herbst anstehenden Parlamentswahl abgestimmt werde. Gesellschaftspolitisch nahm Duda mit der Ablehnung von Abtreibungen und der gleichgeschlechtlichen Ehe eine konservative Position ein. Außenpolitisch setzte er auf einen eigenständigeren Kurs gegenüber den großen Ländern der Europäischen Union, insbesondere Deutschland, mit moderater EU-Skepsis und Ablehnung des Euro. Duda stilisierte sich als freundlicher, aufgeschlossener und zeitgemäßer Kandidat, der mit vielen Bürgern auf Reisen durch das Land ins Gespräch kam und als dynamische, nahbare Alternative wahrgenommen wurde.Konrad Schuller: Polen nach der Wahl. Der freundliche Duda. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Mai 2015.
In allen Umfragen lag Duda hinter dem Amtsinhaber Bronisław Komorowski, der zur Wiederwahl antrat, auf dem zweiten Platz. In: Ukraine Today, 8. Februar 2015 (englisch). Bei der Präsidentschaftswahl erhielt er in der ersten Wahlrunde am 10. Mai jedoch 34,76 Prozent der abgegebenen Stimmen und verdrängte damit überraschend Komorowski mit 33,77 Prozent auf den zweiten Platz. In der Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten am 24. Mai 2015 setzte er sich mit 51,55 Prozent der Stimmen gegen Komorowski mit 48,45 Prozent durch und war damit zum Präsidenten der Republik gewählt. In: Prezydent2015.pkw.gov.pl (polnisch). Am 26. Mai 2015 verzichtete er auf die Mitgliedschaft in der Partei Recht und Gerechtigkeit, In: Gazeta.pl, 26. Mai 2015 (polnisch). um die Überparteilichkeit des Präsidentenamtes zu betonen: Es sei für ihn klar, dass er „als Präsident in keiner Weise parteilich sein“ könne.
Duda wurde am 6. August 2015 als Staatsoberhaupt vereidigt.
Dudas Wahlerfolg lässt sich teils darauf zurückführen, dass vor allem Jungwähler, die bis dahin eher die liberalkonservative Platforma Obywatelska unterstützt hatten, sich mehrheitlich für ihn entschieden. Dabei spielte in den Augen einiger Kommentatoren eine Rolle, dass die beruflichen Aussichten und Verdienstmöglichkeiten für Berufsanfänger in Polen trotz jahrelangen Wirtschaftswachstums und sinkender Arbeitslosigkeit sich in der langen Regierungszeit der Bürgerplattform nicht ausreichend verbessert hatten, sondern für viele prekär blieben, während die politische Elite als abgehobene und in sich abgeschlossene Kaste wahrgenommen worden sei. Während der Amtsinhaber Komorowski mit seinem auf „Zusammenhalt und Sicherheit“ zugeschnittenen Wahlkampf die Fortschreibung dieses Status quo versprach, sei es Duda gelungen, sich als Gesicht einer jüngeren Generation statt der regierenden alten Kämpfer des antikommunistischen Widerstandes der achtziger Jahre zu präsentieren, der mit den Bürgern in einen Dialog auf Augenhöhe treten würde.Aleks Szczerbiak: What does Andrzej Duda’s victory mean for Polish politics? In: The Polish Politics Blog, 28. Mai 2015; Konrad Schuller: Polen nach der Wahl. Wie es zum Sieg des Presslufthammers kam. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Mai 2015. Die Soziologin Krystyna Szafraniec vermutet als eine Ursache für den Erfolg des konservativen Kandidaten das allmähliche Verschwinden der linksliberalen Meinungsträger aus der öffentlichen Debatte.Marta Ciastoch, Krystyna Szafraniec: In: Newsweek Polska, 26. Mai 2015. Für Duda stimmten sogar 54,9 Prozent der Wähler, die noch bei der Parlamentswahl 2011 für den kleinen Koalitionspartner der Bürgerplattform, die gemäßigt konservative PSL, votiert hatten. Der Journalist Jan Cienski wies darauf hin, dass er neben seinem jugendlichen Image zugleich an ein Traditionsbewusstsein appellierte, das die nationale Bedeutung des Heldentums, des verlorengeglaubten ländlichen Lebens der Kresy und der katholischen Kirche wiederzubeleben versucht. Als Vorbilder bezeichnete er neben Lech Kaczyński die Widerstandskämpfer des Warschauer Aufstands 1944 und Papst Johannes Paul II.
Erste Amtszeit als Präsident (2015–2020) mini|Der ehemalige Präsident Bronisław Komorowski und seine Ehefrau zusammen mit dem neuen Präsidentenpaar (2015) mini|Andrzej Duda während der Eidablegung im Sejm (2015)