Eine Tourismusstrategie ist eine politische Strategie zur Entwicklung des Tourismus in einer Destination oder Verwaltungseinheit und bildet die Grundlage für tourismuspolitisches Handeln.
Eine Tourismusstrategie basiert auf einer aktuellen Situationsanalyse, formuliert eine Vision für die gewünschte Situation in einem bestimmten Zeithorizont, definiert Ziele für die Zukunft, beinhaltet einen Aktions- und Zeitplan sowie ein Indikatorenset für Monitoring und Evaluation der Strategieumsetzung und legt Zuständigkeiten sowie Koordinations- und Kooperationsstrukturen fest.
Eine Tourismusstrategie ist notwendig, um Destinationen wettbewerbsfähig zu gestalten und den Tourismus auf tourismusrelevante Veränderungen und Entwicklungen einzustellen. Sie stellt die Grundlage für strategisches tourismuspolitisches Handeln in der Destination dar und ist eine Orientierungshilfe für alle relevanten Akteure.
Strategieplanung Elemente einer Tourismusstrategie sind die Situationsanalyse, mit der durch die SWOT-Analyse und das Benchmarking die aktuelle Situation beschrieben wird, auf den kontinuierlichen Vergleich mit anderen Destinationen geachtet wird und Prognosen gestellt werden.
Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften schaffen effiziente Tourismusförderung betreiben, Impulse geben Rahmenbedingungen verbessern, Voraussetzungen schaffen Standortattraktivität erhöhen Arbeitskräfte aus- und weiterbilden, Kompetenzvorsprung zur Konkurrenz Strukturwandel fördern, Infrastruktur schaffen touristischen Erlebniswert erhöhen Qualität der Dienstleistungen verbessern, Preisnachteile kompensieren Konfliktpotenziale abbauen Umwelt und Natur schonen, die touristische Grundlage erhalten Raum ordnen und nachhaltig nutzen, Zukunftsoptionen offenhalten Tourismusbewusstsein in der Bevölkerung stärken, die Gastfreundschaft erhöhen Marktauftritt der Tourismuswirtschaft stärken Kooperation fördern, Effizienz steigern integrierte Marktbearbeitung unterstützen, Schlüssel zum Markt optimieren Instrumente zur Beobachtung der Tourismusentwicklung schaffen, d. h. Erfolgskontrolle ermöglichenH. Müller; (2011): Tourismuspolitik: Wege zu einer nachhaltigen Entwicklung. Rüegger Verlag, S. 100 ff.
Ebenfalls zu den Kernpunkten gehören die Schwerpunkte der einzelnen Tourismusstrategien, die jeweiligen Zielgruppen, Maßnahmen und Aktionspläne, um einzelne Themengebiete weiterzuentwickeln und zu verbessern, sowie Budgetplanung und -verwaltung, die Umsetzung der beschlossenen und konzipierten Strategie, die Berichtspflichten und auch die Kontrolle durch Monitoring und Evaluation. Die Wirkungsdauer beträgt meist 5–15 Jahre und ist damit mittelfristig. Bei den Wirkungsräumen von Tourismusstrategien unterscheidet man in Destinationen (Bsp.: WattenmeerNationalpark Wattenmeer: Gemeinsame Tourismusstrategie für das Weltnaturerbe. 2012. Abgerufen am 25. März 2015., HunsrückHunsrück-Touristik GmbH: . Hahn 2011. Abgerufen am 25. März 2015.), welche aufgrund landschaftlicher Gegebenheiten vom Markt definiert werden und Verwaltungseinheiten (Bsp.: Staaten, Bundesländer/Provinzen oder Kommunen), welche durch die politische Administration definiert werden.
Entstehungsprozess Eine erfolgreiche Tourismusstrategie entsteht in einem Konsultationsprozess unter Beteiligung der für ihre Umsetzung relevanten Akteure. Tourismusstrategien werden von den verantwortlichen politischen Akteuren der Destination (i. d. R. Destinationsmanagement-Organisation) oder Verwaltungseinheit (oft Wirtschaftsreferat der jeweiligen Administrative) initiiert, dabei wird neben der verantwortlichen Destinationsmarketingagentur oder Tourismusberatungsunternehmen mit zahlreichen Akteuren zusammengearbeitet, u. a.:
Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft, Naturschutz, Verkehr und Tourismus;
Politische Vertreter, vorwiegend aus den Ressorts für Wirtschaft, Umwelt, Verkehr, und Tourismus;
Praxisvertreter wichtiger privater und öffentlicher Tourismuseinrichtungen der Destination.
Es werden Sekundärdaten über die Tourismussituation ausgewertet und häufig auch neue Primärdaten erhoben. Wichtige statistische Daten sind dabei Übernachtungen, Tagestouristen, Besuchszahlen wichtiger Veranstaltungen der Destination, Verkehrsmittelnutzung, Geschäftsreisen aber auch soziographische und interessensbezogene Informationen zu den Besuchern der Destination (Zielgruppen). Die Erarbeitung der Strategie kann je nach Ambition, Vorgeschichte, Umfang der Partizipation und Ausdehnung des Wirkungsraums ein bis zwei Jahre dauern.
Umsetzungsprozess Die Umsetzung der Tourismusstrategie wird meist von dem tourismuspolitisch federführenden Ministerium koordiniert und kontrolliert. Gemeinsam mit lokalen Tourismusorganisationen, regionalen Akteuren, Kammern und Verbänden sind sie für die Zuständigkeitsbereiche und Aufgaben verantwortlich. Die Finanzierung und Förderung wird ebenfalls durch das zuständige Ministerium geleistet. Für das Monitoring und die anschließende Evaluation ist das Qualitätsmanagement (beinhaltet Balanced Scorecard, Marktforschung, Nachfragemonitor und Marketingmonitor) der einzelnen Destinationen zuständig und wird ebenfalls vom Ministerium überwacht.
Tourismusstrategien auf unterschiedlichen politischen Ebenen Tourismusstrategie auf UN-Ebene Tourismus spielt in der Agenda 21 keine nennenswerte Rolle.United Nations Department of Economic and Social Affairs, Division for Sustainable Development: Review of implementation of Agenda 21 and the Rio Principles – Synthesis Ohne Ort 2012, S. 7. Abgerufen am 16. März 2015. Die Vereinten Nationen haben auf der UN-Sondergeneralversammlung zur Diskussion der Umsetzung der Agenda 21 „Rio+5“ 1997 in New York angesichts der Bedeutung des Tourismus für nachhaltige Entwicklung die Kommission der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung (CSD) beauftragt, ein „handlungsorientiertes internationales Arbeitsprogramm zu nachhaltiger Tourismusentwicklung“ vorzulegen.Generalversammlung der Vereinten Nationen: Programme for the Further Implementation of Agenda 21. Resolution A/RES/S-19/2, 28 June 1997. Paragraph 69. Abgerufen am 16. März 2015. Das daraufhin auf der 7. Sitzung der CSD 1999 von Regierungsvertretern verabschiedete ArbeitsprogrammCSD: Report on the seventh session (1 May and 27 July 1998, and 19–30 April 1999). New York 1999, S. 38 ff. Abgerufen am 16. März 2015. erwies sich als ausgesprochen anspruchsvoll und richtungsweisendÖ.T.E.: Nachhaltiger Tourismus in Deutschland. Überregionale und modellhafte Initiativen von Politik, Wirtschaft und Verbänden im Spiegel der Umsetzung des Arbeitsprogramms „Tourismus und nachhaltige Entwicklung“ der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD). Bonn 2009, S. 17ff. Abgerufen am 16. März 2015..
Es war im Arbeitsprogramm vorgesehen, das Programm im Jahr 2002 auf dem „Rio+10“-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg zu evaluieren (über diese Auswertung liegen keine Informationen vor). Die UN entwickelte auf selbigem Weltgipfel die Grundidee für 10-Jahres-Rahmenprogramme für nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen, die auch den Tourismus einschließen.Vereinte Nationen: Report of the World Summit on Sustainable Development. Johannesburg 2002, S. 13ff. Abgerufen am 16. März 2015. In den darauffolgenden Jahren 2003 bis 2011 wurde das Programm in der als „Marrakesch-Prozess“ bekannten Implementierungsphase ausgearbeitet.Aachener Stiftung Kathy Beys: Zusammenfassung des Marrakesch-Prozesses. In: Lexikon der Nachhaltigkeit. Abgerufen am 16. März 2015. Für den Tourismus zuständig war dabei die 2006 gegründete International Task Force on Sustainable Tourism Development (ITF-STD), eine aus 18 Staaten und 25 Organisationen bestehende Arbeitsgruppe unter der Leitung Frankreichs. Durch sie wurden 40 Projekte in verschiedenen Bereichen auf den Weg gebracht. 2011 ging die ITF-STD in die Global Partnership for Sustainable Tourism über, welche die gleichen Aufgabenbereiche und Programme wie ihre Vorgängerin hat, aber über eine breitere finanzielle Basis verfügt.Global Partnership for Sustainable Tourism: GPST History. Abgerufen am 16. März 2015.
Auf der „Rio+20“-Konferenz in Rio de Janeiro 2012 wurde schließlich das 10 Year Framework Programme (10YFP) beschlossenVereinte Nationen: Report of the United Nations Conference on Sustainable Development. Rio de Janeiro 2012, S. 43. Abgerufen am 16. März 2015., unter dessen Dach seit 2014 das von der UNWTO koordinierte „10YFP on Sustainable Tourism“ läuft. Dieses verfolgt die politische Verankerung nachhaltiger Konsum- und Produktionsweisen im Tourismussektor, die Zusammenarbeit von Tourismusakteuren zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des Sektors, die Minimierung negativer und Maximierung positiver Auswirkungen von Tourismus sowie die finanzielle Förderung eines nachhaltigen Tourismus.UNEP: Sustainable Tourism Programme. Abgerufen am 16. März 2015.
Tourismusstrategie auf EU-Ebene Die Europäische Kommission hat 2010 durch die Mitteilung „Europa – wichtigstes Reiseziel der Welt: ein neuer politischer Rahmen für den europäischen Tourismus“ im Rahmen ihrer begrenzten tourismuspolitischen Zuständigkeiten einen Aktionsrahmen mit Maßnahmen vorgelegt. Ein dazugehöriger Umsetzungsplan wird regelmäßig aktualisiert.Europäische Kommission: EU-Politik – Hintergrund. 2014. Abgerufen am 25. März 2015.Europäische Kommission: . Brüssel 2010. Abgerufen am 25. März 2015.Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Europäische Tourismuspolitik Abgerufen am 25. März 2015.
Tourismusstrategie für Deutschland Deutschlands föderale Verfassung weist die tourismuspolitische Kernkompetenz den Ländern zu. Im Rahmen der begrenzten Zuständigkeit des Bundes wurden 2009 folgende tourismuspolitische Leitlinien durch Bundesregierung und Bundestag verabschiedet, die in neun Handlungsfelder gegliedert sind:Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Tourismuspolitische Leitlinien der Bundesregierung. Berlin 2009. Abgerufen am 25. März 2015.
Wirtschaftsfaktor Tourismus Der Tourismus hat in Deutschland eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung, da er als Wachstumsmotor gilt und gleichzeitig erheblich zum Image Deutschlands beiträgt. Die Bundesregierung strebt deshalb eine kontinuierliche Stärkung des Tourismus an, wofür gezielte Vermarktungsstrategien erforderlich sind.
Rahmenbedingungen Innerhalb der einzelnen Politikfelder soll angemessen Rücksicht auf die Belange der Tourismuswirtschaft genommen werden, destinationsbedingte Wettbewerbsverzerrungen sollen vermieden werden, Unternehmen sollen von überflüssiger Bürokratie entlastet werden und Barrierefreiheit soll als Ziel gestärkt werden. Besonders wichtig für den deutschen Tourismus ist das Engagement auf internationaler Ebene in der Welttourismusorganisation (UNWTO), in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und in den Fachkonferenzen der Vereinten Nationen zu tourismuspolitischen Themen. Hierzu gehören ebenfalls der Umwelt- und Klimaschutz sowie der Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.
Nachhaltigkeit Deutschland steht für einen nachhaltigen Tourismus, der in sozialer, kultureller, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht ethisch vertretbar und erfolgreich ist. Deutschland verfügt über eine “anspruchsvolle Klimapolitik und über ein vergleichsweise hohes Umweltbewusstsein”, was langfristig Wettbewerbsvorteile schafft, besonders in Hinsicht auf die durch den Klimawandel verlagerten Reiseströme. Für den Erhalt dieser Vorteile ruft die Bundesregierung alle Akteure auf, einen nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt beizubehalten und zu stärken.
Demografischer Wandel