Großräschen (; ) ist eine Kleinstadt im brandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Niederlausitz.
Geografie mini|hochkant=1.25|links|Karte von Großräschen und Umgebung mini|links|hochkant=1.25|Großräschen am 24. September 2005 aus 600 m Höhe, Blick nach Osten Die Stadt liegt in der Niederlausitz im Süden von Brandenburg, rund 30 Kilometer südwestlich von Cottbus, 65 Kilometer nordöstlich von Dresden und 110 Kilometer südöstlich von Berlin.
Nördlich von Großräschen liegen die kiefernbestandenen Moränen des Niederlausitzer Landrückens, südlich befindet sich der nach Flutung eines Tagebaurestlochs entstandene Großräschener See, der zum Lausitzer Seenland gehört. Durch die Stadt fließt der Fluss Rainitza.
+ Nachbargemeinden Gliederung Name Grenze Landkreis Gemeinde Bronkow N OSL Gemeinde Altdöbern N OSL Gemeinde Neu-Seeland O OSL Stadt Senftenberg S OSL Gemeinde Schipkau S OSL Gemeinde Sallgast W EE
Stadtgliederung Die Stadt Großräschen gliedert sich in folgende Ortsteile mit den zugehörigen Wohnplätzen (sorbische Bezeichnungen in Klammern)Großräschen im Kommunalverzeichnis des Landes Brandenburg:
Allmosen (Wołobuz) mit dem Wohnplatz Ausbau (Wutwaŕ) Barzig (Barce) Dörrwalde (Suchy Gózd) Freienhufen (Dobry Wótšow) mit dem Wohnplatz Bulldorf (Bulkojce) Saalhausen (Załuž) Wormlage (Wórmlag) mit den Wohnplätzen Jungs Mühle (Jungojc Młyn) und Schäfers Mühle (Šaparic Młyn) Woschkow (Wóškow) mit dem Wohnplatz Chausseehaus (Šosejaŕnja)
mini|links|Alte Lindenstraße in der ehemaligen Gemeinde Kleinräschen Zum ortsteilfreien Kerngebiet von Großräschen gehören die Wohnplätze Anhalter Kolonie (Anhaltska Kolonija), Die Ausbauten (Wutwaŕki), Großräschen Ost (Smogorjow), Kunzesiedlung (Kuncowe Sedlišćo), Neu-Bückgen (Nowa Bukowka) und Temposiedlung (Tempowe Sedlišćo).
Die ehemalige Gemeinde Kleinräschen (Rańk) ist heute vollständig in Großräschen aufgegangen, das historische Ortszentrum ist die „Alte Lindenstraße“. Der ehemalige Stadtteil Großräschen Süd/Bückgen (Bukowka) wurde wegen des Braunkohlebergbaus bis auf die Bereiche Mühlenstraße und Seestraße devastiert. In der Nähe des Ortsteils Freienhufen liegt die Wüstung Nossedil (Nosydło).
Geschichte mini|Lage von Großräschen auf einer Karte von ca. 1850 Großräschen wurde erstmals am 20. Dezember 1370 mit „Redschin magnum et parvumdas“ erwähnt (Groß- und Kleinräschen). Kleinräschen ist historisch der ältere Ortsteil, ein wendisches Angerdorf. Ernst Eichler und Hans Walther leiten den Namen von Rěčina, in etwa Ort am Bach, ab.Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Akademie-Verlag, Berlin 1975. Der Ortsname von Großräschen wurde im Jahr 1427 „Grosen Reschen“ und im Jahr 1474 „Grosse Reschin“ geschrieben.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-89-1, S. 346f.
Ursprünglich gehörte Großräschen zur Herrschaft Senftenberg im Markgraftum Niederlausitz. Im Jahr 1449 kam der Ort zum Kurfürstentum Sachsen und gehörte dort zum Amt Senftenberg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt fast vollständig verwüstet, im Zuge des Wiederaufbaus wurde im Jahr 1656 die erste Kirche errichtet. In den Jahren 1662, 1725 und 1781 gab es größere Ortsbrände. Das Kurfürstentum Sachsen wurde im Jahr 1806 zum Königreich Sachsen erhoben, nach der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung Sachsens kam Großräschen zum Königreich Preußen. Bei der dortigen Gebietsreform im Jahr 1816 wurde der Ort dem Kreis Calau in der Provinz Brandenburg zugeordnet. Im Jahr 1858 wurde die durch Großräschen verlaufende Chaussee zwischen Calau und Senftenberg fertig gestellt.Stadtgeschichte. Stadt Großräschen, abgerufen am 12. Februar 2023.
mini|Brikettfabrik Viktoria, Beginn 20. Jahrhundert mini|hochkant|Markt mit Stadtkirche Vor der Industrialisierung wurde in beiden Dörfern mehrheitlich Sorbisch gesprochen; in der Großräschener Kirche wurde der sorbische Gottesdienst 1868 eingestellt, zu einem Zeitpunkt, als noch etwa die Hälfte der Pfarrgemeinde sorbischsprachig war.Arnošt Muka: Pućowanja po Serbach. Nakład Domowiny, Budyšin 1957, S. 63. Mit der Öffnung der Kohlegrube Viktoria I im Jahr 1864 und der Gründung der Ilse Bergbau AG im Jahr 1871 begann der rapide Aufschwung des Braunkohlenbergbaus, was zu einer erheblichen Veränderung der sozialen Struktur in Großräschen führte. Zu dieser Zeit wanderten viele Menschen aus Schlesien, Polen und Böhmen zu. Im Zuge der Industrialisierung wurde die sorbische Sprache und Kultur immer mehr verdrängt. Waren in den 1850er Jahren in Großräschen noch an die 90 Prozent der Einwohner sorbischsprachig, waren es knapp zwanzig Jahre später nur noch um die zehn Prozent. Wurden bei der Volkszählung am 1. Dezember 1871 noch 99 Einwohner in Großräschen und 87 Einwohner in Kleinräschen ermittelt, stieg die Einwohnerzahl bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Groß- und Kleinräschen zusammen auf 4269 an. Zwischen 1871 und 1873 wurde die heutige Großräschener Kirche als Ersatz für den Vorgängerbau errichtet, im folgenden Jahr erhielt Großräschen einen Bahnhof an der neu gebauten Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz.
Wegen der reichen Tonvorkommen in Verbindung mit der vorhandenen Kohle siedelte sich um 1900 auch die Ziegelindustrie an. Da es durch die Industrialisierung auch zu einem Zuzug an Arbeitern katholischer Konfession gab, wurde bis 1913 die katholische Kirche St. Antonius errichtet. Am 1. April 1925 wurden die Gemeinden Groß- und Kleinräschen zur Gemeinde Großräschen vereinigt, zu diesem Zeitpunkt hatte Großräschen 2917 und Kleinräschen 3893 Einwohner. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kam es am 17. März 1945 zu einem Luftangriff auf Großräschen und einige umliegende Gemeinden, bei dem unter anderem die Brikettfabrik Victoria zerstört wurde. Bei dem Angriff kamen 33 Personen aus der Zivilbevölkerung ums Leben, darunter sechs Kinder. Fünf Tage später stürzte in der Nachbargemeinde Schmogro ein angeschossenes Flugzeug in ein Wohnhaus, wobei acht weitere Personen getötet wurden. Am 21. April 1945 wurde Großräschen kampflos von der Roten Armee eingenommen.Auszug aus der „Chronik der Stadt Großräschen“ (siehe hier, abgerufen am 12. Februar 2023).
Nach Kriegsende kam Großräschen zur Sowjetischen Besatzungszone. Wegen Fehlens gültiger Postwertzeichen von Ende Juli bis September 1945 verwendete das Postamt Großräschen postalische Zettel (als Wertpaketzettel, Nachnahmezettel, Klebezettel für unzustellbare Sendungen etc.). Die Wertangabe wurde handschriftlich eingesetzt. Dazu enthielten die Zettel einen Kurzschriftstempel mit dem Text „Schriftwechsel in deutscher Kurzschrift erwünscht“ als Schutz gegen Fälschungen.Großräschen-Zettel. In: phila-lexikon.de, abgerufen am 29. Mai 2023. Am 1. März 1946 wurden Bückgen und Schmogro nach Großräschen eingemeindet, die Dörfer wurden später in „Großräschen Süd“ und „Großräschen Ost“ umbenannt. Ab 1949 gehörte Großräschen zur DDR. Bei der Kreisreform am 1. Juli 1950 blieb der Ort im südlichen Teil des aufgespaltenen Landkreises Calau, der in Landkreis Senftenberg umbenannt wurde. Bei der Gebietsreform am 25. Juli 1952 wurde Großräschen dem Kreis Senftenberg im Bezirk Cottbus zugeordnet. Im gleichen Jahr wurde eine Poliklinik gebaut. Von 1954 bis 1990 wurden die Ziegler der gesamten Gebiet DDR zentral in der Betriebsberufsschule der Ziegler in Großräschen ausgebildet.Beschreibung von Klinker- und Ziegelwerk Großräschen und Berufsschule der Ziegler Anfang der 1990er Jahre wurde die letzte Ziegelei durch einen Brand zerstört und abgerissen.
Am 1. Juli 1965 erhielt das bis dahin größte Dorf der DDR die Stadtrechte. Ab den 1980er Jahren bestimmte der vorrückende Braunkohletagebau Meuro das Großräschener Stadtbild. Zwischen 1987 und 1991 wurde der Stadtteil Großräschen-Süd/Bückgen nach und nach für den Tagebau devastiert. Für die umgesiedelten Einwohner entstanden im nördlichen Stadtgebiet von Großräschen Neubauten in Großplattenbauweise, es handelte sich um die größte bergbaubedingte Umsiedlung in der Geschichte der Lausitz. Nach der Wiedervereinigung kam Großräschen zum Landkreis Senftenberg im Land Brandenburg. Im Jahr 1992 schloss sich die Stadt mit mehreren Gemeinden aus den Landkreisen Senftenberg und Calau im Amt Großräschen zusammen, bei der Kreisreform im Dezember 1993 kam die Stadt zum neuen Landkreis Oberspreewald-Lausitz.
mini|Seebrücke Großräschen Am 1. August 1997 wurde Freienhufen nach Großräschen eingemeindet, am 31. Dezember 1998 erfolgte die Eingliederung der Gemeinde Woschkow. Der Tagebau Meuro wurde 1999 eingestellt. Im Vorfeld der Gemeindereform in Brandenburg wurden am 31. Dezember 2001 die Gemeinden Allmosen, Barzig, Saalhausen und Wormlage nach Großräschen eingemeindet, wobei das Amt Großräschen aufgelöst wurde. Zwischen 2004 und 2007 wurden die IBA-Terrassen, die Seebrücke und das Seehotel am Rand des Tagebaurestloches fertig gestellt, am 15. März 2007 wurde mit dessen Flutung zum Großräschener See begonnen. Im Mai 2019 wurde der Großräschener Stadthafen eingeweiht. Nachdem im Frühjahr 2024 der endgültige Füllstand des Sees erreicht wurde, wurde dieser zwischen August und Oktober 2024 erstmals zum Baden freigegeben. Die endgültige Freigabe für das Baden und die Schifffahrt erfolgte im Juni 2025; bereits seit dem Pfingstwochenende 2024 war das Befahren des Sees für einige Sportboote gestattet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 486 1890 1.192 1910 6.093 1925 6.779 1933 7.431 1939 7.268 Jahr Einwohner 1946 11.895 1950 11.900 1964 12.609 1971 13.633 1981 11.919 1985 11.753 Jahr Einwohner 1990 12.527 1995 12.462 2000 11.687 2005 11.335 2010 10.262 2015 8.655 Jahr Einwohner 2020 8.455 2021 8.378 2022 8.509 2023 8.372 2024 8.355 2025 8.327
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), von 2011 bis 2021 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik
Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Großräschen besteht gemäß der Einwohnerzahl regulär aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister als stimmberechtigtem Mitglied. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,2 % zu dem in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
+ Ergebnisse vergangener Wahlen seit 2008 Partei / Wählergruppe Ergebnis2024 Sitze2024 Ergebnis2019 Sitze2019 Ergebnis2014 Sitze2014 Ergebnis2008 Sitze2008 Bündnis für Großräschen(bis 2019: Grüne Liga) 34,8 % 6 21,3 % 4 23,8 % 4 23,0 % 5 AfD 27,5 % 5 14,6 % 3 – – – – SPD 23,2 % 4 30,0 % 5 30,6 % 5 31,4 % 7 Die Linke 5,0 % 1 11,7 % 2 20,0 % 4 23,7 % 5 Einzelbewerber André Lehnick 4,8 % 1 4,4 % 1 3,3 % 1 – – Einzelbewerber Sascha Donath 2,5 % 1 – – – – – – Bündnis 90/Die Grünen 1,3 % – 2,6 % 1 – – – – FDP 1,0 % – 1,8 % – – – – – CDU – – 12,8 % 2 22,3 % 4 18,9 % 4 Einzelbewerberin Monika Böger – – 0,9 % – – – – – Freie Bürger – – – – – – 3,1 % 1 Wahlbeteiligung 61,2 % 50,8 % 44,7 % 47,0 %