Die Iveco S.p.A. (Eigenschreibweise IVECO, Akronym für Industrial Vehicles Corporation) ist ein italienischer Hersteller von Nutzfahrzeugen, der 1975 in Turin gegründet wurde. Die Dachgesellschaft Iveco Group ist an der Borsa Italiana notiert.

Überblick mini|Das 2019 eingeführte Flaggschiff der Produktpalette, die Sattelzugmaschine Iveco S-Way mini|Die populäre Sattelzugmaschine Iveco Stralis vor einem dazugehörigen Sattelauflieger mini|Ein Reisebus der Reihe Irisbus Domino in Berlin mini|Crossway: IVECO und Irisbus mini|Rettungswagen auf Basis des Iveco Daily

Iveco entstand 1975 als Zusammenschluss der Lkw-Sparte von Fiat, des italienischen Lkw-Herstellers OM (Officine Meccaniche), des französischen Lkw-Herstellers Unic sowie der deutschen Magirus-Deutz unter Federführung des Fiat-Konzerns, dem das neue Unternehmen zu 80 % gehörte. Zunächst hielt Klöckner-Humboldt-Deutz (der frühere Mutterkonzern von Magirus-Deutz) die restlichen 20 % der Anteile an Iveco; diese gingen jedoch 1980 ebenfalls an den Fiat-Konzern, der fortan Alleineigentümer war. Bereits 1975 war die schon unbedeutend gewordene Nutzfahrzeugsparte des zu Fiat gehörenden Herstellers Lancia in die neue Iveco eingegangen. 1986 wurde die Lkw-Sparte von Alfa Romeo übernommen. Von 2010 an gehörte Iveco nach der Aufspaltung des Fiat-Konzerns zu Fiat Industrial, seit deren Fusion mit ihrer Mehrheitsbeteiligung CNH Global zu CNH Industrial bis 2022 zu eben dieser.Demerger of Iveco Group and Directors Appointment approved by CNH Industrial shareholders: Demerger expected to be effective on January 1, 2022.

Kernfelder der Produktion sind Transporter, leichte bis schwere Lastkraftwagen (Lkw) für den Nah- und für den Fernverkehr, Omnibusse, Baufahrzeuge und Feuerwehrfahrzeuge. Auch die Herstellung von Dieselmotoren für verschiedene Bereiche gehört zu den Aktivitäten von Iveco. Iveco ist der zweitgrößte Hersteller von Lkw in Europa (Marktanteil ca. 20 %), der größte Hersteller von Dieselmotoren weltweit. Die Produktion beträgt etwa 200.000 Nutzfahrzeuge und 460.000 Dieselmotoren pro Jahr. Neben den Lkw, in die 40 % der Motoren eingebaut werden (Tector, Cursor), Traktoren sowie in Fahrzeuge anderer Hersteller (SOFIM), werden sie zum Beispiel als Industriemotoren, Schiffsmotoren und Antriebe für Notstromaggregate verwendet (Turin-8000, Pregnana-Milanese). Iveco betreibt weltweit 49 Fabriken und 15 Entwicklungsabteilungen und beschäftigt 31.000 Mitarbeiter. Der Verkauf erfolgte in 19 Staaten (Stand der Zahlen: 2005).

Daten der Unternehmensgeschichte 1974: Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) und der Fiat-Konzern vereinbaren eine Kooperation im Nutzfahrzeugsektor, die Iveco AG (Industrial Vehicles Corporation) wird zunächst von Fiat allein gegründet 1975: KHD bringt seine Nutzfahrzeugaktivitäten in Form der Magirus-Deutz AG in die Iveco ein und erhält dafür eine Beteiligung in Höhe von 20 % 1976: Gründung des libyschen Joint Ventures Trucks and Bus Company 1980: KHD verkauft seine Iveco-Anteile an Fiat 1981: Heinz W. Hahn wird Executive Vice President von IvecoWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 443. 1982: Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit der Adolph Saurer AG zur Motorenentwicklung 1982: Schließung des Buswerkes von Magirus-Deutz in Mainz und Aufgabe der Busproduktion in Deutschland 1983: Umbenennung der Magirus-Deutz in Iveco Magirus 1985: Joint-Venture mit der Ford UK Truck Division 1986: Vollständige Übernahme von Ford Truck UK 1987: Übernahme von Astra 1990: Übernahme der restlichen Anteile an der gemeinsamen Motorenentwicklung Saurer/Iveco durch Iveco 1990: Eingliederung von Pegaso (und deren Tochterfirma Seddon Atkinson) in die Iveco-Gruppe

1992: Übernahme von International Trucks Australia 1996: Iveco gründet ein Joint-Venture mit NAC (Nanjing Automobile Group) in China unter dem Namen Naveco 1997: Gründung der Iveco Mercosul in Brasilien, die die Lkw-Produktion für Südamerika übernimmt 1997: Schließung des Werkes Langley und damit Aufgabe der Produktion in Großbritannien 1999: Iveco gründet zusammen mit Renault Vehicules Industrielles (RVI) das gemeinsame Tochterunternehmen Irisbus, in dem die Busaktivitäten beider Hersteller zusammengefasst werden 2003: Übernahme der Anteile von Renault an Irisbus, Iveco wird alleiniger Eigentümer 2006: weitere Kooperationsübereinkommen zwischen NAC und Iveco Italy 2007: Kooperation zwischen Iveco und SAIC (Shanghai Automobile Industry Cooperation Group) in China 2007: Iveco plant eine Zusammenarbeit mit dem größten indischen Nutzfahrzeughersteller Tata Motors 2011: Fiat gliedert die komplette Spezialfahrzeugsparte (inkl. Bau- und Landmaschinen) aus. Zusammen mit CNH (Case/New-Holland) geht Iveco als Fiat Industrial an die Mailänder Börse; die Agnelli-Familie bleibt via Exor jeweils grösster Einzelaktionär 2012: Die Lastwagenproduktion in Ulm endetIveco Ulm: Eine Ära geht zu Ende, auf www.verkehrsrundschau.de, abgerufen am 19. Januar 2025 2013: Fusion von Fiat Industrial mit CNH Global zu CNH Industrial; 2019: Verkündung Kooperation mit Nikola Motor Company 2020: Entscheidung zur Produktion des Nikola Tre in Ulm 2021: Eröffnung des gemeinsamen Werks in Ulm 2022: Abspaltung von CNH Industrial und Börsengang der Iveco Group; die Agnelli-Familie bleibt via Exor grösster Einzelaktionär 2025: Verkauf von Magirus und des Militärbereichs IVG; Ankündigung eines Übernahmeangebots für die Iveco Group durch den indischen Tata-Konzern mit Verkauf des verbleibenden Aktienpakets von Exor

Struktur des Unternehmens bei der Gründung Zu Iveco haben sich 1975 folgende Nutzfahrzeughersteller zusammengeschlossen: Fiat Veicoli Industriali (Turin/Italien) Lancia Veicoli Speciali (Bozen/Italien) OM (Officine Meccaniche) (Brescia/Italien) UNIC (Puteaux/Frankreich) Magirus Deutz (Ulm/Deutschland)

Spätere Übernahmen, Restrukturierungen und Verkäufe Später wurden von Iveco folgende Hersteller übernommen:

Übernahme unter späterer Aufgabe des Namens: Ford Europa (GB) (Markenname in Europa als Lkw-Hersteller aufgegeben) Motorenentwicklung der Adolph Saurer AG (Schweiz) (Markenname für Lkw aufgegeben, dieser ging jedoch nicht an Iveco) ENASA/Pegaso (Spanien) (Markenname als Lkw-Hersteller aufgegeben) Seddon Atkinson (GB) (Markenname als Lkw-Hersteller aufgegeben)

Übernahme unter Fortführung des Namens: Astra (Piacenza/Italien)

Ausgründung unter neuem Namen und spätere Wieder-Übernahme: Irisbus (Saint-Priest/Frankreich) (1999 als Zusammenschluss der Bussparten von Iveco und Renault Vehicules Industrielles (RVI) sowie angeschlossener weiterer Hersteller entstanden, 2003 vollständig von Iveco übernommen; seit 2013 als Iveco Bus)

International Trucks Australia (lokale Ausprägung von US-Firma International Harvester / Navistar)

Außerdem war Iveco Initiator der Eurofire-Firmengruppe, die aus den Firmen Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH mit Werken in Ulm, Weisweil und Görlitz (Deutschland), Lohr-Magirus Feuerwehrtechnik in Kainbach (Österreich), Iveco Mezzi Speciali in Brescia (Italien) und Eurofire-Camiva in Chambéry (Frankreich) bestand. Seit 2005 sind die Aktivitäten von Iveco im Brandschutzbereich unter der Dachmarke Iveco Magirus zusammengefasst, die aus den Einzelmarken Magirus, Lohr-Magirus und Camiva besteht. Die Namen Eurofire und Iveco Mezzi Speciali wurden aufgegeben. Im Januar 2025 übernahm der deutsche Finanzinvestor Mutares den Feuerwehrfahrzeughersteller Magirus von der Iveco Group.

Im Juli 2025 wurde der Verkauf der verbleibenden Exor-Beteiligung von 27 % an der Iveco Group an den indischen Tata-Konzern bekanntgegeben; am gleichen Tag wurde in einer separaten Transaktion der Militärbereich, Iveco Defence Vehicles (IDV), an den italienischen Rüstungskonzern Leonardo verkauft.

Produktionsstandorte Bozen: LMV, LMV 2 Brescia: Eurocargo Madrid: S-Way Suzzara: Daily

Nutzfahrzeuge von Iveco Entwicklung von 1975 bis 1992: das Zusammenwachsen der alten Marken Da in den Sortimenten der Vorgängerunternehmen bei der Entstehung von Iveco insgesamt recht moderne Lastwagenmodelle zur Verfügung standen, bestand das Modellprogramm der Marke Iveco nach der Gründung zunächst aus einer Auswahl derjenigen Fahrzeugtypen, die von diesen in der Iveco aufgegangenen Einzelunternehmen stammten. Diese Modelle wurden von nun an konzernweit angeboten, und zwar in den jeweiligen Heimatländern der verschiedenen Ursprungsmarken zunächst jeweils unter Beibehaltung des bisherigen Namens (in Frankreich zum Beispiel als UNIC und in Deutschland als Magirus-Deutz) mit einem zunächst noch recht unauffälligen und kleinen Zusatz „Iveco“. Die Fahrzeuge von Iveco trugen in den Anfangsjahren die alten Markennamen noch deutlich am Kühler, als Zeichen der Zugehörigkeit zum neuen Unternehmen kam jedoch (allerdings recht klein) das seinerzeitige Iveco-Logo (ein stilisierter Kleinbuchstabe „i“, darin eingebettet der Name „Iveco“) hinzu. Allerdings fand gegenüber den zuvor angebotenen Modellen der Vorgänger eine teilweise Typenbereinigung statt, beispielsweise ersetzte die von OM stammende X-Reihe in Deutschland die leichten Eicher-Typen von Magirus-Deutz.

Bei den übernommenen Baumustern handelt es sich im Einzelnen um: leichte Lkw der Anfang der 1970er-Jahre von OM auf Basis älterer Vorgängertypen weiterentwickelten X-Reihe. Diese wurden später als Iveco (Turbo-)Zeta in der Gewichtsklasse von 5 bis 8 Tonnen Gesamtgewicht verkauft und deckten somit den Markt vom Großtransporter bis zum leichten Verteiler-Lkw ab. Diese Baureihe blieb bis zur Einführung des ersten Iveco EuroCargo 1992 im Programm. die leichte bis mittelschwere MK-Baureihe, bei der es sich um die Magirus-Deutz-Version des sog. Vierer-Club-Fahrzeugs handelte. Dieses Modell war bei Magirus-Deutz erst 1975 erschienen und wurde ebenfalls ins Iveco-Angebot übernommen. Es wurde ebenfalls bis zur Einführung des Iveco EuroCargo 1992 gebaut. Die MK-Baureihe reichte zunächst von 6,6 bis 13 Tonnen Gesamtgewicht, die leichteren Modelle fielen aber wenig später wegen der Überschneidung mit der X-Reihe weg. die 1971 auf den Markt gebrachten mittelschweren bis schweren Eckhauber von Magirus-Deutz (die „Baubullen“). Diese wurden überwiegend als Baufahrzeuge verwendet und bedienten die Nachfrage nach Gesamtgewichten zwischen 13 und (zuletzt) 33 Tonnen. Diese Modellreihe lief zum Schluss als Iveco PA-Reihe für den deutschen Markt erst 1993 aus, für ausländische Märkte wurden die schweren Hauber noch bis 2003 angeboten.

UNIC produzierte bis 1975 eine komplett in Frankreich entwickelte leichte, mittelschwere und schwere LKW-Baureihe mit eigenen Motoren. Ab 1970 wurden die Frontlenker-Kippkabinen von Genève durch die FIAT-Kippkabinen ersetzt. In Italien wurde der UNIC 340 ab 1971 als OM 190 (4x2) und 260 (6x4) verkauft. Von UNIC wurde nur ein am Ende noch entwickelter 6-Zylinder-Motor mit 200 PS in die Iveco eingebracht. Ansonsten wurde die ganze UNIC-Produktion Ende 1975 ersatzlos eingestellt.UNIC-Geschichte

Abweichend war der Sachverhalt in den Anfangsjahren der Iveco bei den mittleren und schweren Frontlenker-Modellen ab 14 Tonnen Gesamtgewicht. Zunächst unter dem neuen Namen weitergebaut wurden die schweren Fernverkehrslastwagen aus dem ehemaligen Fiat-Programm, z. B. der Typ 160 NC, die es identisch auch bisher schon unter den Namen OM und UNIC gegeben hatte. Diese wurden beispielsweise auch in Deutschland noch bis 1977 über ein eigenes Händlernetz unter dem Namen Fiat verkauft. Bis zu diesem Zeitpunkt blieben als alleinige schwere Frontlenker in Deutschland noch die von Magirus-Deutz stammenden alten Fernverkehrsmodelle der D-Reihe im Angebot, die noch über das auf das Jahr 1963 zurückgehende kubische TE-Fahrerhaus (TransEuropa) mit der markanten Stufe im Dach verfügten.