mini|Schleppjagd in England, 2009
Jagdreiten ist organisiertes Ausreiten ins Gelände. In geführten Gruppen, sogenannten Jagdfeldern, wird eine vorgegebene Geländestrecke mit Hindernissen geritten. Eine Besonderheit besteht darin, im Pulk querfeldein lange Strecken zu galoppieren und dabei zu springen. In Deutschland ist dies sonst kaum möglich, sei es wegen möglicher Flurschäden, asphaltierter Wege oder fehlender Hindernisse. Parforcejagden sind in Deutschland verboten, weshalb sich das Jagdreiten als reiner Pferdesport beziehungsweise Hundesport entwickelt hat. Dabei wird kein Wild gejagt.
Es gibt zwei Formen des Jagdreitens. Bei Fuchsjagden, die ohne Hunde und ohne echten Fuchs stattfinden, gibt es mit dem Fuchsschwanzgreifen ein Wettkampfelement. Schleppjagden hingegen werden mit einer Hundemeute geritten, die eine künstliche Duftspur, die „Schleppe“, verfolgt. Schleppjagden sind ein Sport ohne Wettkampf. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame Ausritt mit anderen Reiterinnen und Reitern und den Hunden.
Da die Jagdsaison kurz ist, gibt es wenige spezialisierte Jagdreiter. Bei den Veranstaltungen kommen Spring-, Dressur- oder Vielseitigkeitsreiter nach der Turniersaison mit Freizeitreitern verschiedener Altersgruppen zum Jagdreiten in der Natur zusammen.
Reitjagden mini|Wasserdurchquerung bei einer Reitjagd
Eine organisierte Reitjagd ist eine Gelegenheit für einen langen, schnellen Ritt durch unbekanntes Gelände. Auf der Jagdeinladung ist angegeben, ob es sich um eine Fuchsjagd ohne Hunde oder eine Schleppjagd mit Hundemeute handelt, ob es einen Fahrdienst für die Zuschauer gibt, oder ob die Zuschauer geführt werden. Die Länge der Jagdstrecke (meist 10–20 km), sowie Anzahl und maximale Höhe der Hindernisse sind angegeben, damit die Reiter und Reiterinnen sich und ihre Pferde entsprechend vorbereiten können.Merkblatt Reitjagden, Reitjagdordnung, Regeln und Empfehlungen zur Vorbereitung und Durchführung von Reitjagden., FN, April 2025 (PDF) Auf der Jagdstrecke befinden sich natürliche und angelegte feste Hindernisse, wie Baumstämme, Hecken, Gräben, Wälle, Zäune oder Wasserdurchquerungen. Zusätzliche Anforderungen sind Bergauf- oder Bergabklettern.
Organisation Die Jagdstrecke wird so gelegt, dass Flurschäden vermieden werden., von www.reit-sport.at Sie wird mit den Landbesitzern abgesprochen, sodass Wiesen vor der Jagd gemäht werden, die Stoppelfelder aber noch nicht gepflügt sind. Aus diesem Grund finden die meisten Jagden im Herbst nach der Ernte statt. Ein Reitverein, der unter dem Jahr die Belange der Landwirtschaft und der Waldwirtschaft beachtet, erhielt vor 1918 eher die Erlaubnis für die Jagdstrecke.Wolfgang Hölzel: Jagdreiten. 1980. Wenn die Stoppelfelder gepflügt sind, wird es schwieriger, eine gute Jagdstrecke zu finden. Die Brut- und Setzzeit beendet die Jagdsaison, da zu dieser Zeit die Tiere nicht gestört werden dürfen. Es wird allgemein schwieriger, Reitjagden zu veranstalten, da die fortschreitende Zersiedelung der Landschaft es erschwert, eine geeignete zusammenhängende Jagdstrecke zu finden. Für Schleppjagden ist es wichtig, dass die Hunde ihre Arbeit ungestört verrichten können. Große Flächen finden sich oftmals noch bei Gütern und Schlössern, die zum Teil von historischen Jagdparks umgeben sind, oder ehemaligen Truppenübungsplätzen. Hier sind besonders lange Galoppstrecken möglich. Der Organisationsaufwand für den veranstaltenden Reitverein ist vergleichbar mit dem Aufwand für ein Turnier.V. Mayer, U.Vogt: Empfehlungen für Veranstalter von Reitjagden, von www.jagdreiter.org Bei großen Jagden ist wie bei einem Turnier ein SanitätsdienstJagdjahr 2019/20 und 2020/21, Carolin Lindner, Thomas Ix, Hamburger Schleppjagd-Verein e. V., Suche auf Notfallhilfe in PDF, von hsjv.com anwesend, und das Publikum wird zu den interessantesten Stellen der Jagdstrecke geführt. Für den Bau der festen Hindernisse, die meist 80 bis 110 cm hoch sind, sowie für die Bewirtung sind oft ehrenamtliche Kräfte im Einsatz.
Die lokale Presse berichtet während der Saison häufig über größere Reitjagden.Sebastian Scholze: (PDF; 533 kB) Bericht über eine Schleppjagd in der Märkischen Allgemeinen, 22. Oktober 2012, Capture von 2017 Auch Pferdezeitschriften berichten im Herbst über Reitjagden und veröffentlichen Jagdtermine.
Ausrüstung Bei Reitjagden wird meistens normale Turnierkleidung getragen: eine dunkle Jacke, Hosen, Stiefel und eine splittersichere Jagdkappe. Rote Röcke und Stulpenstiefel sind ebenfalls gebräuchlich. Die Equipage, welche die Hundemeute bei einer Schleppjagd begleitet, trägt dagegen meist Jagdröcke aus Wolle mit langen Schößen in den Vereinsfarben der Meute sowie ein Plastron aus Wolle.
Im springenden Feld wird ein geeigneter Sattel benötigt, also kein Westernsattel mit Horn. Häufig werden die Pferdebeine mit Gamaschen geschützt. Bei Bedarf dienen Vorderzeug und Schweifriemen dazu, den Sattel beim Springen zu fixieren. Bei weichem Boden können Hufeisen mit Stollen das Ausrutschen verhindern, dazu kann, wenn nötig, ein Stollenschutzgurt den Pferdebauch vor den Stollen schützen.
Vorbereitung Zur Vorbereitung auf eine Jagd gehört ein der Länge und der Schwierigkeit der Jagd entsprechendes Training für Pferd, Reiter und Reiterinnen. Zum Reiten im Pulk gehört der ruhige Galopp nebeneinander (nicht hintereinander), in angemessenem seitlichen Abstand an anderen Pferden vorbei zu galoppieren, andere Pferde passieren zu lassen, ohne dass eines der Pferde dabei schneller wird, und im Pulk enge Wendungen zu reiten, wie beim Abbiegen auf einen Waldweg. Das Konditionstraining wird auf die Streckenlänge abgestimmt, wobei ein feuchter, schwerer Untergrund, beispielsweise ein herbstliches Stoppelfeld, wesentlich mehr Kondition erfordert, als ein trockener, federnder Wiesenweg. Je nach Gelände und Schwierigkeitsgrad der Jagd gehören der Bergauf- und der gesetzte Bergabgalopp zur Vorbereitung. Für das springende Feld erfordert das Springen aus hohem Tempo eine spezielle Vorbereitung. Bei einer Jagd werden die Pferde vor dem Sprung nicht versammelt, sondern springen aus vollem Lauf, damit kein gefährlicher Stau vor den Sprüngen entsteht. Beim Geländetraining werden Hindernisse wie das Durchreiten von Gräben und Wasser, das Überreiten von Wällen, Bergaufsprünge und Tiefsprünge trainiert.Merkblatt “Schleppjagden“, Empfehlungen und Hilfestellung für die Vorbereitung und Teilnahme an Schleppjagden., FN, Juli 2024 (PDF)
mini|Jagdhornbläser beim Stelldichein
Stelldichein Zum Stelldichein wird das Jagdgeld entrichtet, manchmal gibt es ein Jagdbuch, in das man sich eintragen kann, um im nächsten Jahr wieder eine Einladung zu erhalten. Zum Stelldichein trifft sich das Jagdfeld auf einer Wiese oder dem Reitplatz. Der Jagdherr oder die Jagdherrin begrüßt die Reiter, die sich für die Einladung bedanken. Bei einer Vereinsjagd ist der Jagdherr meistens das Mitglied, das die Organisation in die Hand genommen hat. Die Jagdregeln und Besonderheiten der Jagdstrecke werden erklärt sowie Master, Equipage und Piköre vorgestellt. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ordnen sich den verschiedenen Feldern zu.Cornelia Höchstetter: Von Stelldichein bis Halali, Deutsche Reiterliche Vereinigung, September 2020, auf www.pm-forum-digital.de Vor dem Aufbruch zur Jagd ruft der Jagdherr dreimal Horrido und die Jagdreiter und -reiterinnen antworten jeweils mit „Jo-Ho“.
mini|Der Jagdherr erklärt die Jagdregeln beim Stelldichein einer Hubertusjagd, Schloss Auel, 1961
Jagdregeln Beim Jagdreiten müssen verschiedene Regeln eingehalten werden, um Risiken zu vermeiden. Zu den Jagdregeln gehört, dass der Master, der das Feld führt, nicht überholt wird, damit die Hunde nicht gefährdet werden und der Master das Feld lenken kann. Es muss Strich geritten werden, das heißt, das Jagdfeld darf nicht gekreuzt werden. Reiter, die quer zum Feld reiten, gefährden sich und andere. Wenn das Pferd verweigert, muss der Sprung sofort freigegeben werden, also zur Seite geritten werden, damit kein Stau entsteht und die nächsten Pferde springen können. Ein Pferd, das zum Ausschlagen neigt, muss mit einer roten Schleife im Schweif gekennzeichnet werden. Es muss genügend Abstand zum vorausgehenden Pferd eingehalten werden.
Ablauf Jedes Jagdfeld wird von einem eigenen Feldmaster geführt, der nicht überholt werden darf. Ein Feld besteht meist aus 20–25 Reitern und Reiterinnen. Im ersten Feld wird gesprungen, das zweite ist meistens ein Nichtspringer-Feld. Mitunter gibt es Felder mit einer einfacheren Streckenführung, in denen langsamer geritten wird, aus Rücksicht auf Ponys, ältere Pferde oder unerfahrene Reiter und Reiterinnen. Am Ende des letzten Jagdfeldes reitet ein Schlusspikör, der die Aufgabe hat, Zurückbleibenden zu helfen. Nach der Hälfte der Jagdstrecke gibt es eine große Pause.
Reitjagden werden häufig von einer Jagdhornbläsergruppe begleitet.Beschreibung einer Jagdhornbläsergruppe, Reiterverein Bietigheim-Bissingen Die Jagdhornbläser führen unterschiedlich gestimmte Hörner mit und blasen Jagdsignale beim Stelldichein und an gut zugänglichen Stellen der Jagdstrecke, an denen die Hindernisse einsehbar sind und zu denen die Zuschauer geführt werden. Das Publikum wird zu den interessanten Aussichtspunkten meist in geländegängigen Fahrzeugen oder Traktoren mit Kremser-Anhängern gefahren, mitunter gibt es einen Fahrdienst mit Kutschen. Die Bläsergruppe bläst zum AufsitzenHajo Mann: Rehe verwirren die Hundemeute, Mitteldeutsche Zeitung, 13.11.2005 zu Beginn der Jagd und nach der Pause. Zum Abschluss der Jagd bläst sie „Fuchs tot“ und „Halali“. Dann versorgen die Reiter und Reiterinnen ihre Pferde.
Der gesellige Teil, das Schüsseltreiben oder Jagdgericht, direkt im Anschluss an die Jagd, beschließt die Jagd. Beim Jagdgericht büßen die Reiter Verstöße gegen die Jagdregeln (z. B. Weg abgeschnitten), indem sie eine Runde spendieren. Manchmal wird direkt im Anschluss an die Reitjagd ein Jagdball veranstaltet.Erst die Fuchsjagd, dann der Ball, Landkreis Diepholz, 15. November 2010, auf kreiszeitung.de
Besonderheiten der Fuchsjagd ohne Meute Viele Reitvereine, vor allem in ländlichen Regionen Deutschlands, veranstalten im Herbst nach der Turniersaison Fuchsjagden. Diese finden auch in Österreich, der Schweiz, Polen,Video von einer Hubertusjagd in Polen, 2010, 1:53 min, mit Streckenplan und Fuchsschwanzgreifen Schweden und Dänemark statt. In manchen Ländern heißen sie Hubertusjagd.
Bei einer Fuchsjagd reitet der sogenannte Fuchs voraus. Die Rolle des Fuchses übernimmt zum Beispiel der erfolgreiche Jäger des Vorjahres, der Fuchsmajor genannt wird,Voß, Engel und Lechtermann sind Fuchsmajore, Westfälischer Anzeiger, 8. Oktober 2012 oder der einladende Jagdherr. Die Reiter und Reiterinnen folgen dem Master in verschiedenen Feldern und überqueren dabei die Hindernisse. Am Ende der Jagd findet ein Fuchsschwanzgreifen statt. Das Fuchsschwanzgreifen kann auf verschiedene Art und Weise durchgeführt werden.
Fuchsschwanz an der Schulter mini|Fuchsschwanzgreifen in Polen, 2006
Der Fuchsschwanz kann an die Schulter des Fuchs geheftet werden. Nach dem Hornsignal „Jagd frei“ überholen die Reiter und Reiterinnen den Master und versuchen, die Lunte zu greifen. Der Fuchs kann durch Tempowechsel und Wenden ausweichen. Der Jäger oder die Jägerin reißt dem „Fuchs“, von der linken Seite kommend, den Fuchsschwanz mit der rechten Hand von der Schulter ab. Der „Fuchs“ gilt als erlegt und die Jagdreiter und -reiterinnen rufen zweimal „Halali“. Wenn es zu lange dauert, kann der Fuchs den Fuchsschwanz auf den Boden werfen. Wer die Lunte zuerst aufhebt, hat sie gewonnen. Karin Schlarmann: Der heißumkämpfte Schwanz Die Regeln des Fuchsschwanzgreifens, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 30. Oktober 2007
Fuchsschwanz an einem Busch