mini|Pfarrkirche Faistenau
Die Kirche in der Faistenau ist seit 1873 die römisch-katholische Pfarrkirche der Gemeinde Faistenau im Land Salzburg. Die Kirche gehört zum Dekanat Thalgau. Sie ist dem Apostel Jakobus d. Ä. geweiht, das Patrozinium wird am Jakobitag, dem 25. Juli, gefeiert.Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 277. 2004 lebten in der 1873 errichteten Pfarre von Faistenau, bei 2854 Einwohnern, 2707 Katholiken.Handbuch der Erzdiözese Salzburg 2004/2005. Personalstand und Adressverzeichnis (Schematismus 2004/5), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 2004, S. 205.
Gründung mini|Hochaltar von 1716 mini|Freudenreicher Rosenkranz, 1721
Im 14. Jahrhundert erlaubte der Salzburger Erzbischof den „Edlen von Thurn“, deren Ansitz das Schloss in St. Jakob war, in der Pfarre Thalgau eine Filialkirche zu errichten. Am 1. Mai 1324 bestätigte dazu der Vicedom Heinrich von Lampoding († 1347), dass ihm die Edlen Jakob v. Thurn, sowie Jakob, Hertneid, Hermann und Ulrich, Brüder v.d. Thurn 30 Pfund Salzburger Pfennige (1 Pfund Pfenning = 1 Gulden)1 Pfund waren 240 Stück, 240 Pfenning 1 Gulden so lange überlassen hätten, bis der Thalgauer Pfarrer einen Baugrund freigäbe, den man dann zwischen Philippi (3. Mai) und Jakobi (25. Juli) 1324 kaufen wolle, um darauf den von ihnen bereits gestifteten Bau einer Kirche in der Geswant (= im Rodungsgebiet) auszuführen.Siehe Urkunde, aufgerufen am 24. Jänner 2015.
Erzbischof Friedrich III. unterzeichnete dann am Martinstag 1324 selber eine Urkunde, in der er bestätigt, dass die Edlen von Thurn in seinem Sinne die Kirche und das dazugehörende Grundstück vogteifrei gestiftet hätten, dazu auch noch einen Hof zu Reitershausen. Die Kirche sollte zur Ehre „Unserer Lieben Frau“ und „Sankt Jakob“ geweiht werden. Er verlangte, dass die Leute innerhalb des waldes, welche wegen der weiten Entfernung oft die Kirche [in Thalgau] versäumt oder wegen Schnee und Unwetter nicht besuchen konnten, in der neuen Kirche die hl. Messe besuchen sollten, nämlich die Bewohner von Faistenau (Vaistenow), Tiefbrunnau (Tevffenprunneow) und Kühleiten (Chueleuten). Überdies verpflichtete er den Thalgauer Pfarrer (1324–1395?) OrtweinSiehe: Liste der Pfarrer von Thalgau. In: RES (Regesta Ecclesiastica Salisburgensia), aufgerufen am 26. Jänner 2015. in Faistenau Messen zu lesen, und zwar an jedem Sonntag, dem Ostertag, dem Stephanitag, zu Weihnachten, am Mittwoch der Pfingstwoche, am Frauentag sowie bei der Dult am Kirchweihtag bzw. Jakobitag; außerdem die Neugeborenen zu Taufen, Kranke zu versehen usw. An allen anderen Tagen müssten die Faistenauer weiterhin die Pfarrkirche Thalgau besuchen. Im Weiteren ist in der Urkunde zu lesen: Hält der Pfarrer diese Ordnung nicht ein, hat er jede Versäumnis dem Domdechant mit 60 Pfg. und die dritte mit 1/2 Pfd. zu büßen, wenn der Stifter oder einer ihrer Erben mit zwei Landleuten eidlich die Säumnis bekräftigen. Der Pfarrer gelobt auch in der Pfarrkirche zu T.[halgau] am 8. Tag nach Allerseelen einen Jahrtag für die Stifter zu begehen. Das Domkapitel darf die Stiftungsgüter nicht [zur Pfarrkirche Thalgau] abziehen.Siehe Urkunde, aufgerufen am 25. Jänner 2015.
Als ein Kooperator auf seinem Heimweg von Hintersee mit seinem Pferd in den Schneemassen beim Paulhäusl in Faistenau steckenblieb und elendiglich erfror, erhob das Domkapitel die Filialkirche 1622 zu einem Vikariat. Der erste Faistenauer Vikar (1622–1637), Johann Christ Stängelmayr,Liste der Vikare von Faistenau konnte fortan in einem neu errichteten Vikariatshaus wohnen und musste nicht zurück nach Thalgau reiten. 1873 wurde das Vikariat Faistenau zur Pfarrei erhoben, erster Pfarrer war der aus Salzburg stammende Peter Schwarz (1824–1883).Schwarz, Peter (1824–1883). In: RES (Regesta Ecclesiastica Salisburgensia).
Baugeschichte der Kirche mini|Hl. Jakobus in Pilgertracht mini|Altarblatt Hl. Familie, Auszugstondo hl. Georg, Vorsatzbild Mariahilf. mini|Altarblatt Anna lehrt Maria das Lesen, Auszugstondo hl. Leonhard mini|Ecce homo, Meinrad Guggenbichler mini|Linder-Orgel 2018
Beim Bau der ersten Kirche ab 1324 dürfte die sogenannte 1000-jährige Linde schon gepflanzt gewesen sein, sie bildet heute den Mittelpunkt des Dorfplatzes. Wie diese Kirche aussah, ist nicht überliefert und könnte nur durch eine Grabung eruiert werden. Die westlichen Bereiche des geosteten Baues wurden vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, worauf auch der Dachstuhl hindeutet, denn das Holz desselben wurde um 1484 geschlägert.Ergänzende Anmerkung: Laut freundlicher Mitteilung von Elisabeth Wächter vom Team Dr. Grabner gibt es schon Dendroergebnisse von dem Roofs-Projekt vom Dachstuhl der Pfarrkirche: der Großteil der Proben habe das Jahr 1484 ergeben. In: Wolfgang Strasser: Holzdatierungen Empore (Pfarrkirche zum hl. Apostel Jakobus dem Älteren Faistenau, Land Salzburg), Salzburg 2017, o.p. [S. 2]. Am 25. Juli 1517 weihte der Bischof von Chiemsee, Berthold Pürstinger, den um die Kirche liegenden Friedhof ein, tags darauf konsekrierte er zwei Altäre: den nördlichen, evangelienseitigen zu Ehren der drei hll. Frauen Maria, Maria Magdalena und Anna, und den südlichen, epistelseitigen zu Ehren der drei hll. Männer Georg, Markus und Florian.Faistenau, Land Salzburg, hrsg. von Georg Bernard, redigiert von Adolf Hahnl, Salzburg 1983 (= Christliche Kunststätten Österreichs. Nr. 130; 2. Auflage 1994), S. 4f.Im Jahr 1625 erweiterte man den Kirchenbau nach Süden mit einer Nothelfer-Kapelle, in der auch der hl. Rochus vertreten war, wohl als Bitte um Verschonung vor der Pest, die schon in mehreren umliegenden Gemeinden grassierte. Jedoch breitete sie sich dann im Jahre 1628 auch in Faistenau aus und forderte unzählige Opfer.Vermutlich in Hinblick auf einen größeren und höheren Kirchenneubau, ähnlich wie bei der Pfarrkirche zu Thalgau, erhöhte man 1707 den gotischen Kirchturm. Er erhielt ein achteckiges Glockengeschoß, das nach oben in einen dreifach gegliederten Zwiebelhelm übergeht. Bekrönt wird der Turmhelm mit einem Lothringerkreuz, das auf einer vergoldeten Turmkugel steht. Die Helm-Zwiebeln waren mit rot gestrichenen Holzschindeln gedeckt,ÖKT 10/1. Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg, I. Teil: Die Gerichtsbezirke St. Gilgen, Neumarkt, Thalgau, Wien 1913, S. 206. 1956 erhielt der Turm eine Kupferblecheindeckung, die 1976 komplett erneuert werden musste.Die Blechplatten waren 1956 zu klein zugeschnitten worden, die daher vorhandenen Glossen und Spalten wurden daraufhin mit Wülsten aus Teer und Gummi abgedeckt. Trotzdem drang Wasser ein, das den kunstvoll konstruierten Dachstuhl bedrohte. In der funktionslos gewordenen Glockenstube, mit dreibogigen Schallfenstern und doppelten romanischen Säulen,die Schallfenster wurden Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise zugemauert und weiß gekalkt wurde die von Jeremias Sauter 1688 angefertigte Turmuhr untergebracht.Nach der Erhöhung des Kirchturms wollte man die „Neue Kirche“ realisieren, da auch schon 6000 fl. dafür angespart worden waren. Es kam aber nicht dazu. Stattdessen schlugen der Pfleger und der Pfarrer von ThalgauG. Friedrich Freyherr von Gabelcoven. In: Liste der Pfarrer von Thalgau. In: RES (Regesta Ecclesiastica Salisburgensia). u. a. vor, ein neues (Gewölbe) oben an dem Chore aufzubrechen, möglicherweise der Zeitpunkt, an dem die Kirche nach Osten hin mit einem vergrößerten Chor 1720 verlängert wurde. Im Weiteren wurden die im Scheitelpunkt der Stichkappen liegenden Fenster zugemauert und darunter große Fenster ausgebrochen. Die Kirche war bis dahin fast vollständig mit Fresken versehen, die durch die hoch liegenden Fenster belichtet wurden. Bei der Renovierung der Kirche in den Jahren 1948/49 konnten übermalte Fresken, mit dargestellter Datierung 1517, entdeckt und teilweise freigelegt werden, die 1980 an den Seitenwänden aufgefundenen Fresken in Form von Ornament-Bändern wurden nicht gerettet. Seit 1949 sichtbar sind die Wandmalereien in den Laibungen der nordseitigen Einsatznischen, und zwar in der westlichen die „hll. Rupert und Virgil“, „Mariæ Verkündigung“ durch den Erzengel „Gabriel“, in der östlichen Szenen aus der Passion Christi: „Christus vor Kaiphas“ und „Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld“, dann „Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße“ und die „Gefangennahme Jesu Christi“.Dehio Salzburg, Wien 1986, S. 94.
Ausstattung Hochaltar Der Hochaltar wurde von einem unbekannten Tischler angefertigt und 1716 von dem Maler Josef Andrä Eisl geliefert. Der Aufbau mit je einem seitlichen Säule/Pilaster-Paar erinnert an den Hochaltar der Franziskanerkirche in Salzburg. Das Altarblatt stellt die Rosenkranzspende an die am 7. Oktober 1714 gegründete Rosenkranzbruderschaft dar, die von Vikar (1714–1722) Johann Michael Freundt ins Leben gerufen wurde und der vermutlich im Bild rechts als Geistlicher dargestellt ist. Flankiert wird der Altar von den Statuen der hll. Johann B. und Johann Ev., über dem Gebälk thront der Kirchen-Patron Jakob mit den Attributen Pilgerstab, Pilgerhut, Pilgerschuhen, Pilgerbuch und Pilgermantel mit Jakobsmuscheln als Besatz. 1721 lieferte der Bildhauer Paul Mödlhammer aus Neumarkt noch zwei Dachungsengel für den Altar sowie Laub und Feston-Gehänge, womit 15 Rundbilder, mit Rahmen in Blütenform (=Ringgirlanden) und verbunden mit geschnitzten Schleifen gemeint sein könnten, die jetzt oben im Bogen des Chores angebracht sind und vor 1980 um den Hochaltar angeordnet waren. Dargestellt sind die 15 Geheimnisse der drei Rosenkränze mit ihren jeweils fünf Gesätzen. Eine Sarkophag-Mensa und ein Drehtabernakel vervollständigen den Altar.Faistenau, Land Salzburg, hrsg. von Georg Bernard, redigiert von Adolf Hahnl, Salzburg 1983 (= Christliche Kunststätten Österreichs. Nr. 130; 2. Auflage 1994), S. 11.
Seitenaltäre Die Entwürfe für die beiden Seitenaltäre machte der Maler Mathias Wichlhamber aus Neumarkt 1684 und sind im AES erhalten. Die Altäre sind schwarz gefasst und mit Vergoldungen versehen. Das Gebälk ruht auf jeweils zwei Salomonischen Säulen, auf denen vergoldete Weintrauben-Reliefs, einem Symbol der zwei eucharistischen Gestalten Brot und Wein, angebracht sind. Den linken Seitenaltar fertigte der Thalgauer Tischler Wolf Reitlechner 1687, den rechten der Tischler Wolf Hauser 1689/90. Das Altarblatt auf der Evangelienseite (= Frauenseite) zeigt die Heilige Familie, der Tondo darüber den hl. Georg, beide gemalt von Mathias Wichlhamer. Auf der Epistelseite (= Männerseite) sieht man Maria, der ihre Mutter Anna das Lesen beibringt (gemalt nach einer Komposition von Rubens), darüber ist der hl. Leonhard zu erkennen; beide Gemälde stammen von Christof Scheen.Dehio Salzburg, Wien 1986, S. 95.
Übrige Einrichtung Unweit der Rosenkranzbilder hängt eine Mondsichelmadonna mit Strahlenkranz von der Decke, die von einer Gebetskette gerahmt wird, sie könnte von Simon Fries stammen. Bemerkenswert sind die Statuen der sogenannten Unbefleckten Empfängnis als eine Schlange zertretenden Maria und des Auferstandenen Jesu mit Kelch und Kreuz. Zwei weitere dann Jesus (vor Pilatus) als Ecce homo und Maria (unter dem Kreuz) als Mater Dolorosa, diese wurden 1702 von Meinrad Guggenbichler geschaffen.Faistenau, Land Salzburg, hrsg. von Georg Bernard, redigiert von Adolf Hahnl, Salzburg 1983 (= Christliche Kunststätten Österreichs. Nr. 130; 2. Auflage 1994), S. 11ff. Die Kanzel aus dem Jahre 1768 ist vermutlich eine Neumarkter Werkstattarbeit und kostete 100 Gulden,ÖKT 10/1. Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg, I. Teil: Die Gerichtsbezirke St. Gilgen, Neumarkt, Thalgau, Wien 1913, S. 205. möglicherweise wurde sie von Andreas Altmann, dem Nachfolger Sebastian Eberls, angefertigt.Roland Kerschbaum: Die Kanzellandschaft in den Salzburger Kirchen, Magisterarbeit Universität Salzburg 2003, S. 150 und Anmerkung.
Orgel mini|links|Rekonstruktionsstudie: Karl Mauracher-Orgel 1825 im Chor