Nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 wurden verschiedene Widerstandsgruppen gegründet, die gegen die Besatzung vorgingen und sich zu diesem Zweck planmäßig organisierten. Frauen spielten innerhalb der französischen Résistance in vielen Gruppierungen eine besondere Rolle. Eine der ersten Gruppen war eine Widerstandszelle, die sich nach dem Einmarsch deutscher Besatzungstruppen in Paris spontan aus Mitarbeiter(inne)n des Musée National des Arts et Traditions Populaires (Museum für Kunstgewerbe) im Pariser Palais de Chaillot bildete. Eines der frühen Zeugnisse dieser Widerstandsaktivitäten mit Porträts der Gruppenmitglieder sowie deren Lebenswegen findet sich im Tagebuch von Agnès Humbert, das 1946 in Paris unter dem Titel „Notre Guerre“ erschien.Franz. Neuauflage 2004, Thallandier Editions, Paris; Engl. Übersetzung 2008: Bloomsbury Publ., London, New York. Als Paperback 2009.
Rollen und Aufgaben Frauen in der Résistance gegen die deutsche Besetzung gaben unter anderem Informationen über die Ausrüstung der deutschen Wehrmacht und Truppenbewegungen an die Alliierten weiter und waren als Verbindungsfrauen bei der Beschaffung und Übermittlung von Nachrichten beteiligt. Dazu gehörten die Verteilung von illegalen Flugblättern, gefälschten Papieren und die Fluchthilfe. Sie kümmerten sich in ihren teils erlernten Berufen als Krankenschwestern oder Ärztinnen um Verwundete. Sie arbeiteten im Hintergrund bei der Verpflegung der Aktivisten mit, die oft auch ein sicheres Versteck benötigten. Frauen kämpften in den Mouvements, in den Réseaux, im Maquis und in der Armee. Im Verlauf ihrer Widerstandszeit konnten die Kombattantinnen mehreren Gruppen gleichzeitig oder nacheinander angehören, was nicht den Regeln der Konspiration entsprach. Einige Widerstandskämpferinnen wiesen eine große Mobilität und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Aufgaben auf und legten in ihrer Widerstandszeit lange Strecken zurück.
Im aktiven Widerstand ging die Résistance dazu über, mit Sabotageakten die Infrastruktur der Deutschen zu stören und Versorgungslinien zu unterbrechen. Anschlagsziele waren daher unter anderem Straßen- und Schienennetze einschließlich der Transporte von Waffen und weiteren Versorgungsgütern. Bei den Sabotageakten waren auch häufig Frauen im Einsatz, um Waffen und Munition zu transportieren, Nachrichten an Aktivisten zu überbringen oder bei Anschlägen Spuren zu beseitigen. Sie waren dabei einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt als jene, die die Anschläge ausübten.
Die Historikerin Christine Levisse-Touzé schreibt über die verschiedenen Aktivitäten von Frauen in der französischen Résistance:
Die Frauen „schlossen sich der Widerstandsbewegung France Libre (Freies Frankreich) an, die General de Gaulle im Londoner Exil gegründet hatte. Einige leiteten Widerstandsgruppen, Marie-Madeleine Fourcade z. B. die Gruppe Alliance, doch das war eher die Ausnahme. 53 Frauen, darunter fünf aus der gaullistischen Widerstandsbewegung, wurden von der Sonderabteilung Special operations executive (im Juli 1940 von Churchill eingerichtet) im Fallschirm auf französischem Boden abgesetzt, um Informationen über die Besatzer zu sammeln. Frauen aus Nordafrika wiederum agierten im Nachrichtenapparat. Sie wurden festgenommen und nach Ravensbrück deportiert.“
Forschungslage Erst seit den 1970er Jahren – vor dem Hintergrund von Zeugenaussagen in Prozessen, wie im Prozess gegen Klaus Barbie – wurde die Rolle von Frauen in der Résistance in der französischen Öffentlichkeit erneut thematisiert. Die frühen Zeugnisse aus der Zeit nach der Befreiung und nach dem Ende des Krieges wie z. B. das Tagebuch der Agnès Humbert aus dem Jahr 1946 blieben sehr schnell unbeachtet. Die Geschichte der Résistance und die Rolle der Frauen ist gegenwärtig häufig Teil der Genderforschung.
Gelegentlich wird darauf verwiesen, dass es mehr englischsprachige Literatur zum Thema als französischsprachige gebe. Margaret Collins Weitz von der , Boston, USA, intensivierte 1995 die Debatte mit ihrem Buch . Allerdings existiert ein beträchtlicher Bestand an Zeugnis- und Forschungsliteratur in Frankreich bereits seit dem Ende des deutschen Besatzungsregimes; darin wurde jedoch kultur- und epochenbezogen keine explizite Rollenanalyse der Frauen in der Résistance unternommen. In der Arbeit von M. Collins Weitz berichtet eine Vielzahl von Zeitzeuginnen über ihre Erfahrungen. In den Actes du Colloques de Berlin (2003) weisen die Historiker(-innen) darauf hin, dass die Forschungslage über die Résistance intérieure sehr dürftig sei. Viele Frauen nahmen trotz ihrer politisch-rechtlichen Ungleichheit ihre staatsbürgerlichen Rechte wahr und leisteten Widerstand gegen die Besatzungsmacht. Zudem gab es viele Demonstrationen von Frauen gegen die schlechte Versorgungslage oder Solidaritätsbekundungen gegenüber Juden oder Jüdinnen nach der Verordnung über das Tragen des Judensterns. Die MOI-FTP (Francs-tireurs et partisans- main d'oeuvre immigrée), bewaffnete Einheiten der PCF, wurden häufig von Menschen jüdischer Herkunft gebildet, die sich aus Polen, Ungarn, Italien und Rumänien nach Frankreich gerettet hatten. Sabine Zeitoun weist auf die bedeutenden Aktivitäten des jüdischen Hilfswerks (O.S.E.) und dessen Leiterin Madeleine Dreyfus hin, die mit einer beispiellosen Unterstützung der Dorfgemeinden vom Plateau vivarais das Leben von zahlreichen jüdischen Kindern retten konnte.
Liste von Frauen in der Résistance Name Daten Anmerkungen Bild Berty Albrecht1893–1943Mitgründerin einer Widerstandsgruppe in Frankreich zentriert|80px Agniel, Michèle 1926–Réseau d’évasion Bourgogne Lucie Aubrac 1912–2007Französische Geschichtslehrerin zentriert|80px Josephine Baker 1906–1975US-amerikanische Tänzerin und Schauspielerin zentriert|80px Olga Bancicauch: Golda, auch: Bancik 1912–1944Rumänische Kämpferin der Résistance"Diese Fremden …und doch unsere Brüder" – Jean Morawski, von 30. April 2005, abgerufen am 15. Juli 2018.Beaumanoir, Anne (Annette) 1923–2022 Parti communiste français Mélanie Berger-Volle 1921Österreichisch-französische Schneiderin und trotzkistische Widerstandskämpferin zentriert|80px France Bloch-Sérazin 1913–1943Französische Kämpferin der RésistanceMarguérite Bouillon-Housiau1926–2020SRA, presse clandestine, service de renseignements, BelgiqueFranceline Bloch1919EIF, Armée juiveFernande Brouwez1926–2021Milices patriotiques du F.I. (Belgien)Fernande Carlier1923Partisans armés (F.I.), Belgien Danielle Casanova 1909–1943 Kommunistin, starb in Auschwitz Hélène Cazès-Benatar1998–1979marokkanische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin, Mengin-Gruppe Régine Chatelain 1923Groupe Jacques Messner; S.R. Kléber, Réseau Marco Chatenay-Crémer, Anne Marie 1928–2014 Maquis du Berry Rachel Cheigam 1917–2018 Réseau Anti-Axe, Armée Juive Claudine Chomat 1915–1995 Kommunistin, Comités féminins de résistance Marie-Josè Chombart de Lauwe 1923– Renseignement: Evasion Georges, France 31 Suzanne Citron 1922–2018 Réseau Périclès - Témoignage chrétien, Mouvement unis de Résistance Marianne Cohn 1922–1944Fürsorgerin, war eine Organisatorin der Zionistischen Jugend in der Südzone des besetzten Frankreichs. Yvonne Cormeau 1909–1997Sie landete am 23. August 1943 mit ihrem Fallschirm im von den Deutschen besetzten Frankreich, um dort als Funkerin die Résistance zu unterstützen. zentriert|80px Marie Dorothée de Croy 1924–2005 Unterstützung des Maquis „Morvan“ Charlotte Delbo 1913–1985 Künstlerin und Schriftstellerin, schloss sich der Widerstandsgruppe um den marxistischen Philosophen Georges Politzer an. Marie Déletraz 1891–?MaquisDeroubaix, Rose1924belgische Widerstandskämpferin; F.I. (1941), Groupe G (1943) Marie Louise Dissard1880–1957Fluchthelferin alliierter Soldaten. Emmy Dörfel 1908–2002 Krankenschwester, Mitglied der KPD; schloss sich 1937 den Internationalen Brigaden in Spanien an. Danach kämpfte sie in der französischen Résistance.Dreyfus, Madeleine1909-1987Oeuvres de secours aux enfants (OSE) in Chambon-sur-Lignon: Unterbringung von jüdischen Kindern und Jugendlichen in Familien; Kurierin, Réseau Garel; Festnahme 1943: Deportation vom Sammellager Drancy nach Bergen-Belsen, Befreiung: 1945. Marguerite Duras 1914–1996Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Filmregisseurin, schloss sich 1940 aber einer Résistance-Gruppe an. zentriert|80px Gabrielle Ferrières 1901–2001 Mouvement Libération Nord; Réseau CohorsFillet, Marie (Médard)1921-2013Réseau Jonque Marie-Madeleine Fourcade 1909–1989leitete die Widerstands- bzw. Spionagegruppe „Alliance“.zentriert|80px Jacqueline Fleury 1925– Défense de la France, Mithridate (réseau) Liliane, Frisch 1924–? de Gaulle-Anthonioz, Geneviève 1920–2002war bei der Organisation des Nachrichtendienstes aktiv. 1987 trat sie als Zeugin im Prozess gegen Klaus Barbie auf. zentriert|80px Goldberg, Sarah 1921–2003 Mitglied der Roten Kapelle zentriert|80px Paulette Gutwirth (Dreyfus) 1922–? EIF, sixième Marie Hackin 1905–1941Orientarchäologin und Mitglied der Freien Französischen Streitkräfte (FFL), Ehefrau von Joseph Hackin, posthum ausgezeichnet als Compagnon de la Libération mit dem Ordre de la Libération sowie mit dem Croix de Guerre mit Palmenzweig zentriert|80px Hautval, Adelaide1906-1988Psychiaterin, Ärztin, Widerstandskämpferin Agnès Humbert1894–1963Mitarbeiterin im „Musée Nationale des Arts et Traditions Populaires“, Palais de Chaillot, Flugblattaktionen, Nachrichtenübermittlung ab September 1940; Mitglied der Widerstandsgruppe Musée de l’Homme Emma Ickowicz 1911–? Hélène Igla 1913–1943 Mitglied der FTP-MOI Andrée de Jongh 1916–2007Belgierin; Krankenschwester; organisierte das Fluchtnetzwerk 'Réseau Comète' (dt.: Kometenlinie); zentriert|80px Doris Kahane 1920–1976Deutsche; CALPO, Propaganda gegen die NS-Besatzungsarmee. Hanna Kamieniecki 1924–2020 Parti communiste Marie Médard (Fillet) 1921–2013 Réseau Jonque Noor Inayat Khan 1914–1944auch „Nora Baker“ und „Madeleine“, Tochter von Hazrat Inayat Khan, Schriftstellerin, Musikerin, Sufimeisterin und britische Agentin. Sie landete mit ihrem Fallschirm im von den Deutschen besetzten Frankreich, um dort als Funkerin die Résistance zu unterstützen. Ermordet 1944 im KZ Dachau. zentriert|80px Hélène Kro 1913–1942Richtiger Name: Hania Mansfeld. Polnische Kommunistin, Jüdin, Mitglied der FTP-MOI Rega Levine Mitglied der FTP-MOI Renée Lévy 1906–1943 Mitglied der Widerstandsgruppe Musée de l'Homme Lise London 1916–2012 Kommunistin zentriert|80px Suzanne Masson 1901–1943Französische Industriezeichnerin, Gewerkschafterin und Kommunistin sowie Widerstandskämpferin in der Résistance. Im Juni 1940 verteilte sie im von der deutschen Wehrmacht besetzten Paris Flugblätter und organisierte Volksausschüsse (comités populaires). In La Courneuve war sie maßgeblich am Aufbau der dortigen Résistance-Gruppe beteiligt. zentriert|80px Andrée Monier-Blachère 1922– Parti communiste; Forces unies de la jeunesse patriotique Paulette Neu (Benroubi-Khantine) ? Réseau Sixième-EIF