mini|Erinnerung an die belgische Garnison in Lüdenscheid am Eingang der Flakkaserne Buckesfeld

Die Liste der belgischen Militärstandorte in Deutschland listet alle militärischen Einrichtungen belgischer Verbände in Deutschland auf. Sämtliche Standorte sind mittlerweile geschlossen. Um die Originalität zu erhalten, folgen die Ortsnamen – soweit es vertretbar erschien – den bei den belgischen Streitkräften üblichen Bezeichnungen (d. h. spätere Gemeindereformen werden nicht berücksichtigt).

Die Verbände unterstanden dem Oberkommando: FBA/BSD = Forces Belges en Allemagne/Belgische Strijdkrachten in Duitsland (Belgische Streitkräfte in Deutschland),harvey.be Köln-Weiden. Belgische Truppen waren im Verbund mit der britischen Twenty-first Army Group am Einmarsch in Deutschland 1945 beteiligt und besetzten zunächst den Kreis Steinfurt. Ab 1946 unterstützten sie Großbritannien durch die dauerhafte Übernahme des südlichen Streifens der Britischen Zone von Aachen bis zur Weser, jedoch behielt sich das britische Oberkommando die formale Zuständigkeit vor. Das HQ befand sich 1947 zunächst in Lüdenscheid, vom 1. Dezember 1948 bis 1949 in Bonn. Mit dem Beschluss, die provisorische Hauptstadt der zu gründenden Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu errichten, mussten die belgischen Streitkräfte ihr Hauptquartier räumen, insbesondere die Residenz des Oberbefehlshabers, die Villa Hammerschmidt, die als Dienstsitz des Bundespräsidenten vorgesehen war. Von 1949 bis zum 30. September 1996 war Köln-Weiden Standort des Oberkommandos.

1946 wurden die Truppen im I (BE) Corps mit der 1. Infanterie-Division in Bad Godesberg und der 2. Infanterie-Division in Neheim zusammengefasst. 1952 bestand das Korps aus drei Divisionen und neun Brigaden, von denen Teile im Heimatland stationiert waren. Belgien hatte sich in dieser Phase des Kalten Krieges verpflichtet, die unmittelbar an der Demarkationslinie liegende Stadt Kassel zu verteidigen. Die Kräfteordnung 1952: I (BE) Corps, Köln-Weiden 1. Inf Div, Neheim 1. Inf Brig, Gummersbach 4. Inf Brig, Soest 7. Inf Brig, Unna 4. Inf Div, Lüttich (BE) 10. Inf Brig, Siegburg 11. Inf Brig, Tongeren (BE) 12. Inf Brig, Bastogne (BE) 16. Pz Div, Bensberg 16. Pz Brig, Kassel 17. Pz Brig, Düren 18. PzBrig, Euskirchen

Die Aufstellung der Bundeswehr ab 1956 brachte auch für die belgischen Truppen Veränderungen mit sich. Die Garnisonen Unna, Hemer, Bensberg, Gummersbach und Kassel wurden an die Bundeswehr übergeben, die auch im NATO-Dispositiv den Gefechtsstreifen rechts neben den Belgiern übernahm. Die Kräfteordnung des I (BE) Corps bestand in der Folgezeit aus einer Division in Belgien mit je einer Brigade im flämischen Leopoldsburg und im wallonischen Marche-en-Famenne. Die vorgeschobene Division lag in Neheim mit einer flämischen Brigade in Soest und ihrem frankophonen Pendant in Siegen. Die Speerspitze bildete das Panzerregiment des ComRecce (Command Reconnaissance) in Arolsen.

Die Luftstreitkräfte Belgiens übernahmen zwei Abschnitte im Nike-Gürtel (Die zwei Abschnitte im Hawk-Gürtel gehörten – wie auch bei der US Army – zu den Landstreitkräften). Da die Flugabwehrraketen Nike mit nuklearen Gefechtsköpfen ausgerüstet werden konnten, bestanden US Custodial Teams bei den belgischen Verbänden in Deutschland, um das Prinzip der zwei Schlüssel zu gewährleisten. Die Atomwaffen des I (BE) Corps waren ebenfalls in der Bundesrepublik Deutschland stationiert. Das Hauptquartier Force Aérienne/Luchtmacht (Luftstreitkräfte = Nike) befand sich in Düren. Für territoriale Aspekte in Deutschland war FAé/LuM dem Stab FBA/BSD unterstellt.

Von Anfang an waren die Soldaten mit ihren Familien in Deutschland stationiert. In den Garnisonen entstanden in den fünfziger Jahren belgische Wohnsiedlungen und Primärschulen. Ein Problem war das Fehlen weiterführender Schulen, das schließlich mit der Einrichtung von zwei Gymnasien mit Internat gelöst wurde. Das Atheneum für die frankophonen Schüler entstand in Rösrath, dasjenige für die flämischen in Bensberg. Die belgische Militärpräsenz in Deutschland hatte in manchem den Anschein einer „zehnten Provinz“ in Anspielung an die damaligen neun Provinzen des Königreichs mit dem Oberbefehlshaber als Gouverneur. Köln war sein unbestrittenes Zentrum mit allen Einrichtungen des täglichen Bedarfs. Der Oberbefehlshaber residierte in Köln-Marienburg, der Club Astoria in Köln-Müngersdorf, unmittelbar nach 1945 als kanadische Anlage errichtet, war der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Ein Museum der Belgischen Streitkräfte in Deutschland besteht in Soest.

Der Abzug der belgischen Streitkräfte aus Deutschland wurde am 7. Juni 2002 mit einer feierlichen Zeremonie in Spich in Anwesenheit von König Albert II. und Bundespräsident Johannes Rau besiegelt. Am Abend fand ein Großer Zapfenstreich, gegeben von Verteidigungsminister Rudolf Scharping für den belgischen Verteidigungsminister André Flahaut, statt.

Hessen Standort Liegenschaft Vornutzer Truppenteile Jahr der Auflösung Nachnutzung Bemerkungen ArolsenCaserne Sous-Lieutenant Antoinebenannt nach der Caserne Sous-Lieutenant Antoine in Eupen, von 1929 bis 1940 Standort des 2. und des 4. Regiments der Carabinieres Cyclistes und seit 1947 der IRMEP (Institut Royal Militaire d’Education Physique).SS-Kaserne HQ ComRecce (FBA/BSD) 1993 teilweise unter Denkmalschutz, Garten-, Baumarkt, Kaufhaus, Schwimmbad (Arobella-Therme) FlechtdorfFlaRak-StellungC/62e Artillerie (FBA/BSD)1993HawkKassel De Gete Kazerne / Caserne La Gettebenannt nach dem Fluss Gete, der in der Provinz Limburg über die Demer, Dijle und Rupel zur Schelde entwässert. Im Ersten Weltkrieg befand sich an der Gete die linke Flanke der belgischen Armee. Lüttich-Kaserne HQ 16e Brigade 1952–1956 (FBA/BSD) 1956 Lüttich-Kaserne (Bundeswehr) bis 1992, 2005 Konversion zum Technologiepark Marbachshöhe, anschließend Mischnutzung;auch durch Heeresmusikkorps Kassel, Museum für Uniformgeschichte, Gewerbe, zeitweise Erstunterbringungseinrichtung für Asylbewerber Wehrmachtskaserne 1951 von USAREUR übernommen Noordvaart Kazernebenannt nach der Noordvaart, deren Schleusen zur Überflutung des Landes an der Yser im Ersten Weltkrieg geöffnet worden waren. Gendarmerie-Kaserne FBA/BSD 1956 Korbach Claes Kazernebenannt nach Capitaine Paul-Eugène Claes (1892–1917), 2e Régiment d’Artillerie lourde, der am 13. November 1917 bei Adinkerke gefallen war. 62e Artillerie (FBA/BSD) 1993 2017 Zwangsversteigerung an eine Immobilienfirma FlaRak-Stellung Freienhagen D/62e Artillerie (FBA/BSD) 1993 Hawk Rhoden FlaRak-Stellung auf dem Quast A/62e Artillerie (FBA/BSD) 1993 Hawk

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