Vaalharts Water ist die Bezeichnung eines öffentlich kontrollierten Bewässerungssystems (englisch: Vaalharts Water Supply Scheme) in Südafrika und das größte seiner Art im Land. (englisch). Es besteht aus Stauseen, Be- und Entwässerungskanälen sowie Heberanlagen und erstreckt sich mit seinen Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen der Provinzen Northern Cape und North West. An den Punkten seiner weitesten Ausdehnung be- und entwässert Vaalharts Water Agrargebiete im Umfeld der Städte Taung, Delportshoop und Barkly West.
Management Die Vaalharts Water User Association (VHWUA) ist seit 2002 für den Betrieb, die Verwaltung und Wartung der wasserwirtschaftlichen Anlagen verantwortlich, die ihr von dem früheren Betreiber, der südafrikanischen Regierung, übertragen wurden. Hinzu kamen die Anlagen von Vryburg Water Works. Ausgenommen davon sind jedoch private, kleinere Stauanlagen auf Farmgrundstücken, die in der Regie des jeweiligen Farmbetreibers liegen. In der Region von Taung ist die Landwirtschaftsbehörde (Department of Agriculture) der Provinz North West für die Bewässerung des hiervon betroffenen Farmlands zuständig. Von den angeschlossenen Farmbetrieben wird das Wasser überwiegend zur Beregnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen eingesetzt. (englisch).Lani van Vuuren: Water savings: Persistence pays off at Vaalharts. In: The Water Wheel, November/Dezember 2009, online auf www.vaalhartswater.co.za (englisch).
Durch das Department of Water Affairs and Forestry (Ministerium für Wasser und Forsten) wurde am 18. Mai 2001 mit der Proclamation 421 in der Government Gazette Nr. 22281 die Einrichtung des Versorgungsgebietes und der Name der Vaalharts Water User Association (deutsch etwa: Vaalharts-Wassernutzergemeinschaft) sowie deren Zuständigkeit auf der Basis des National Water Act (Act No. 36 / 1998) definiert. Vaalharts Water wurde zugleich dem nationalen Water Management Area Nr. 10 zugeordnet. Am 1. April 2002 nahm die Vaalharts Water User Association ihre Tätigkeit auf. (englisch).Department of Water Affairs and Forestry: Government Notice 421. In: Government Gazette No. 22281 vom 18. Mai 2001. online auf www.enviroleg.co.za (englisch).
Die staatliche Aufsicht ist im nationalen Department of Water Affairs (deutsch etwa: Ministerium für Wasser) verankert. (englisch) Der Verwaltungssitz des Betreibers befindet sich in der Stadt Jan Kempdorp.
Klima der Region Das Klima der Region ist semiarid. Die Sommer sind sehr warm und die Winter kalt. Starke Fröste setzen Mitte Mai ein und treten bis Ende Juli auf. Jährlich kann es starken Frost an 23 bis 32 Tagen geben. Regenfälle ereignen sich überwiegend im Sommer und erbringen eine durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge von 477 mm (Messstation Jan Kempdorp) oder 450 mm (Messstation Taung). Die Hauptwindrichtung ist Nordnordwest mit einer häufigen Geschwindigkeit zwischen 3,5 und 5,6 m/s. (englisch).
Überblick Insgesamt besteht das Kanalsystem aus 1.176 Kilometern mit durch Betonplatten verkleideten Kanalverläufen, wodurch etwa 1.250 Farmeinheiten in einer Größe zwischen 25 und 75 Hektar ihre Wasserversorgung erhalten. (englisch). Die großen natürlichen Wasserläufe, mit denen das Bewässerungssystem in Verbindung steht, sind die Flüsse Vaal, Harts River und Dry Harts. (englisch).
Die auf diese Weise mit einer Wasserzuführung zugängliche Gesamtfläche umfasst insgesamt 35.302 ha, davon 31.732 ha in der Provinz Northern Cape und 3.570 ha in der North West-Provinz. Eine zusätzliche Fläche von 2.854 ha wird zur Verfügung stehen, wenn der Nordkanal vollständig saniert sein wird. (englisch).
Das Bewässerungssystem wird (Stand 2009) in vier Abschnitten betrieben. Das sind: Vaalharts Versorgungspotenzial 29.181 ha, 100 km Hauptkanal, 180 km Zubringerkanäle, 540 km Regionalkanäle (Community canals), 300 km Entwässerungskanäle Klipdam / Barkley West Canals Versorgungspotenzial 2.396,7 ha, 320 km Kanäle Hartsrivier / Spitskop Dam Versorgungspotenzial 1.663 ha, 55 km Flusslauf unterhalb des Dams Taung scheme / Taung Dam Versorgungspotenzial 6.424 ha, gegenwärtig nur 3.759 ha bewässert
Das vom Vaalharts-Bewässerungssystem begünstigte geographische Gebiet liegt in den Lokalgemeinden Dikgatlong, Magareng und Phokwane des Distrikts Frances Baard, im ehemaligen Frances Baard District Municipal Area (DMA) in der Provinz Northern Cape sowie in der Lokalgemeinde Greater Taung des Distrikts Dr Ruth Segomotsi Mompati in der Provinz North West. (englisch).
Wasserstauanlagen im Vaalharts-System Vaalharts Weir Das Kernstück der ausgedehnten Anlagen bildet das Vaalharts-Wehr (früher Knoppiesfontein Dam), ein Ableitungswehr am Unterlauf des Vaal unweit der Kleinstadt Warrenton. Der Wasserzulauf des hier aufgestauten Vaal-Wasserspiegels wird über die Abflussmenge des Bloemhof-Stausees beeinflusst. Vom Vaalharts-Wehr zweigt seitlich und am nördlichen Ufer des Vaals der Hauptkanal (Main Canal) ab, der sich wenige Kilometer danach in den Klipdam-Barkly-Kanal (Klipdam Barkly Canal) und Nordkanal (North Canal) verzweigt. Letzterer gibt Wasser in den von ihm abzweigenden Westkanal (West Canal) ab.
Das Vaalharts-Wehr befindet sich etwa 13 Kilometer stromabwärts von Christiana. Der Hauptzweck der Wehranlage besteht in der Ableitung von Wasser für landwirtschaftliche Bewässerungsflächen. Zusätzlich, aber in geringerem Maße, wird hierbei Wasser für häusliche und industrielle Abnehmer in den Städten Vryburg, Hartswater, Jan Kempdorp, Warrenton, Windsorton, Klipdam, Barkly West und Delportshoop zur Verfügung gestellt. Die genannten Ortschaften liegen im Einzugsbereich des Bewässerungssystems, nur Vryburg befindet sich 52 Kilometer nördlich davon.DWA: Vaalharts Weir Drainage Region 300. Informationsmaterial, online auf www.wis.orasecom.org (englisch, PDF).
Das Wehr wurde 1938 erbaut und staute damals das Wasser auf eine Höhe von 4 Metern an. Es besitzt drei Steinschütze (Stoney sluices), die vor späteren baulichen Erweiterungen eine Dimension von 8 × 6 m hatten und die elektrisch oder manuell bedient wurden, sowie drei 3 × 2,7 m handbetriebene Segmentwehre (radial gates). Mit den Umbauten der Wehranlage im Jahre 1967 und der damit verbundenen Erweiterung der Stauhöhe von 1,27 Meter sowie dem Einbau von Fischbauchklappen am Hochwasserüberlauf vergrößerte sich das Stauvolumen. Dadurch stehen maximal 48,7 Millionen Kubikmeter Wasser des Vaals zur Verfügung.Anonymus: Vaalharts – A Garden in the Desert. In: The Water Wheel, Vol. 9 (2010), Heft 1 (Januar/Februar), S. 20–24, online auf www.journals.co.za (englisch).
Taung Dam Der Taung-Stausee () erhält sein Wasser durch den Harts River und kann 56 Millionen Kubikmeter Wasser aufstauen. Das Bauwerk wurde zwischen 1982 und 1984 errichtet, jedoch erst 1994 endgültig fertiggestellt. Es dient der Bewässerung in der Landwirtschaft und der kommunalen Wasserversorgung. (englisch). (englisch).
Spitskop Dam Der Spitskop-Stausee () befindet sich im Harts River und verfügt über eine maximale Staukapazität von 58 Millionen Kubikmeter Wasser. (englisch). Das Bauwerk wurde zwischen 1967 und 1968 errichtet und gab den Anlass zur Gründung des Spitskop Government Water Scheme.Jetrick Seshoka; Willem De Lange; Nicolas Faysse: The transformation of irrigation boards into water user associations in South Africa: Case studies of the Lower Olifants, Great Letaba and Vaalharts water user associations. Volume 1. Colombo 2004, Arbeitspapier des International Water Management Institute, S. 50. (englisch).
Geschichte des Bewässerungssystems Vorgeschichte mini|Karte der weiteren Region um 1871 Die Landschaften im Gebiet des heutigen Vaalharts-Bewässerungssystems wurden erstmals durch den Hauptvermessungsingenieur Francis Henry Samuel Orpen nach der 1871 erfolgten Annexion des zu Griqualand West zugeschlagenen Areals als Besiedlungsgebiet vorgeschlagen. Er fand heraus, dass das Flussbett des Harts River tiefer gelegen sei, als das des Vaals. In der natürlichen Geländesituation sah er eine ideale Voraussetzung dafür, ein Bewässerungssystem im Gebiet zwischen beiden Flüssen durch Kanäle zu schaffen. Er notierte am 22. Dezember 1875 folgenden Vorschlag:
Der Politiker John X. Merriman schlug 1882 im Parlament der Kapkolonie vor, eine Kommission zur Planung von Bewässerungssystemen, auch im Landstrich zwischen Vaal und Harts River, einzusetzen. Das würde seiner Meinung nach hier die „Wüste in einen Garten verwandeln“. Sein Vorstoß beruhte auf den Arbeiten des Wasserbauingenieurs John Gamble. Geldmangel verhinderte jedoch weitere Aktivitäten. Auch Cecil John Rhodes setzte sich nachdrücklich für die vorgeschlagenen Bewässerungsanlagen ein (damals Harts River Valley Irrigation Scheme genannt).
Das Vaalharts-Bewässerungsprojekt gewann nach dem Ersten Weltkrieg erneut an Interesse, als die damalige südafrikanische Regierung an rückgekehrte Soldaten nutzbares Land vergeben wollte. In diesem Zusammenhang wurde 1925 durch die Bewässerungsbehörde erstmals eine großflächige Untersuchung des Gebietes in die Wege geleitet. Dazu erfolgten Erkundungsbohrungen, um detaillierte Kenntnisse über das Bodenprofil zu erhalten. In den Jahren 1926 und 1927 unternahm die Behörde weitere Untersuchungen und Planungen, die sich bis in die Nähe von Taung erstreckten. Die South African Air Force betrieb mit Flugzeugen Geländeerkundungen aus der Luft.
Bauverlauf Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise hatten die Regierung der Südafrikanischen Union veranlasst, größere Infrastrukturprojekte zur Arbeitsbeschaffung für die „weiße“ Bevölkerung zu beginnen. Dazu zählte auch das konkurrierende Projekt des Vaal-Staudamms bei Vereeniging, das von der damaligen Behörde Rand Water Board für die Wasserversorgung des expandierenden Ballungsraumes Johannesburg vorgesehen war. Aus Verhandlungen mit Rand Water ging die Festlegung hervor, dass innerhalb des Wassermanagements am Vaal-Staudamm auch Kapazitäten für ein 57 Kilometer stromabwärts liegendes Ableitungswehr am Unterlauf des Vaals verbleiben sollen.
Ursprünglich erfolgten Planungen für einen Staudamm am Vaal nahe der Stadt Christiana, um von dort aus die Bewässerung in Gang zu setzen. Der konkrete Beginn des umfangreichen Vaalharts-Systems erfolgte dann 1933, als eine Planungsgruppe Sondierungsarbeiten im Bereich der Farm Andalusia unternahm. Es wurde dabei nach geeigneten Standorten für Arbeiterunterkünfte, Büros und Lagerflächen gesucht. Mangelnde Regenfälle und die nachfolgend einsetzende Dürre verstärkten den politischen Willen zur Inangriffnahme dieses Großprojekts.
Im Jahr 1934 begannen die Geländearbeiten am künftigen Vaalharts-Wehr und seinem Hauptkanal, aber auch am konkurrierenden Vaal-Staudamm. Die politischen Prämissen der Regierung sahen zu Beginn des Projekts vor, dass dabei nur „weiße“ Arbeiter, unverheiratet und im Alter zwischen 18 und 45 Jahren in guter gesundheitlicher Verfassung, beschäftigt werden sollten. Später lockerten sich die strengen Regelungen zugunsten verheirateter Männer und sogar für „schwarze“ und „farbige“ Arbeitssuchende. Der Arbeitslohn für „weiße“ Arbeiter betrug 2 Schillinge pro Tag. Zur Erholung der Arbeiter gab es verschiedene Freizeitanlagen. Dazu zählten u. a. ein Schwimmbecken, ein Rugby- und Tennisfeld sowie eine Kinoanlage. Für die Gesundheitsversorgung existierten medizinische Feldstationen eingerichtet. Hier nicht behandelbare Fälle wurden in das Krankenhaus von Kimberley gebracht. Gegen den Ausbruch von Diphtherie- und Typhuserkrankungen kamen Massenimpfungen zum Einsatz.