Die Scharnhorst-Kaserne war eine Kasernenanlage in Hamburg-Harburg, die von 1936 bis 1993 militärisch genutzt wurde. Benannt wurde sie nach Gerhard von Scharnhorst. Stationiert waren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Pioniereinheiten der Wehrmacht. Nach Besetzung durch die britische Armee und Nutzung durch den Bundesgrenzschutz, zog zunächst ein Pionierbataillon und später ein Sanitätsbataillon der Bundeswehr ein. Die Anlage umfasste eine Fläche von 10,027 ha. Im Rahmen der Konversion entstand das Wohnquartier „Scharnhorst Höhe“.
Bau und Stationierungsgeschichte NS-Staat und Zweiter Weltkrieg Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht benötigte der NS-Staat zusätzliche Truppenunterkünfte. In Hamburg-Heimfeld bestanden seit 1935 bereits die General-Unverzagt-Kaserne, in der das Pionierbataillon 20 lag, und seit 1936 die Dominik-Kaserne am Eißendorfer Pferdeweg, in der das III./Infanterieregiment 69 stationiert war. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Dominik-Kaserne entstand 1935/36 die Scharnhorst-Kaserne.
Das Pionierbataillon 50 (mot.) wurde in der Kaserne am 6. Oktober 1936 aufgestellt. Am 1. April 1942 wurde es der 22. Panzerdivision unterstellt und Ende 1942 bei Stalingrad vernichtet.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Fünfter Band, Die Landstreitkräfte 31–70, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv mit Unterstützung des Arbeitskreises Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 165 Am 26. August 1939 wurde das Pionierersatzbataillon 20 in der Kaserne gebildet. Am 1. Oktober 1942 wurde es geteilt, zum 10. April 1943 jedoch wieder vereinigt zum Pionierersatz- und Ausbildungsbataillon 20. Am 18. September 1944 verlegte es in die Niederlande. Am 26. September 1944 wurde es erneut in der Kaserne aufgestellt und verlegte im März 1945 schließlich an die Weser.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Vierter Band, Die Landstreitkräfte 15–30, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv mit Unterstützung des Arbeitskreises für Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 142
Britische Besatzung Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen britische Truppen die Kaserne. So ordnete Mitte 1945 das 8. Britische Korps an, dass die nunmehr Scharnhorst Barracks bezeichnete Anlage instand zu setzen ist. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in den Gebäuden 3 bis 5 jeweils eine Pionierkompanie (Pioneer Coy) und im Gebäude 1 eine Batterie Royal Artillery. Benötigt wurden die Räume für die 218 Works Section Royal Engineers, Deputy Commander Royal Engineers.Staatsarchiv Hamburg, Akte Verbindungsbüro 131-3,E9: Engineer Local Procurement Order (8th Corps) Mit der Reduzierung der britischen Militärverwaltung und der Truppen ab 1947 wurde die Kaserne frei.
Bundesgrenzschutz und Bundeswehr In der Scharnhorst-Kaserne begann am 15. Januar 1954 die Aufstellung der Grenzschutzabteilung (Bau) Nord des Bundesgrenzschutzes. Noch 1954 musste eine außer- und überplanmäßige Ausgabe für die Instandsetzung der Kaserne bewilligt werden. Die Grenzschutzbauabteilung blieb hier noch bis zum 30. Juni 1956 stationiert und stellte dann den Kader sowie das Material an das neue Pionierbataillon 1 der Bundeswehr.
Am 1. Juli 1956 übernahm die Bundeswehr die Kaserne. Hierfür waren ab 1956 weitere Baumaßnahmen notwendig, etwa der Aufbau eines Stabsgebäudes und eines Mannschaftsblocks. Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren in der Scharnhorst-Kaserne stationiert:
Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis VerbleibPionierbataillon 11. Juli 1956neu aufgestellt aus Grenzschutzabteilung (Bau) Nord des Bundesgrenzschutzes1. Februar 1958umbenannt in Panzerpionierbataillon 3 durch Unterstellungswechsel von der 1. Panzergrenadierdivision zur 3. Panzerdivisionschwere Schwimmbrückenkompanie 7311. Juli 1956neu aufgestellt1. März 1959als 4. (Amphibische) Kompanie in Pionierbataillon 3 eingegliedertPanzerpionierbataillon 31. Februar 1958aus Pionierbataillon 11. März 1959umbenannt in Pionierbataillon 3 im Rahmen der Einnahme der Heeresstruktur 2Pionierbataillon 31. März 1959aus Panzerpionierbataillon 3Februar 1968verlegt in die Von-Goeben-Kaserne nach Stade, dort aufgelöst zum 30. September 1993Panzerpionierkompanie 701. März 1959aus der am 1. Juli 1956 gebildeten 3./Pionierbataillon 1, späteren 3./Panzerpionierbataillon 3 aufgestellt 4. Januar 1962verlegt nach Stade, Von-Goeben-Kaserne, dort aufgelöst zum 30. September 1993ABC-Abwehrkompanie 316. Juli 1959neu aufgestellt1. Januar 1960verlegt in die Von-Goeben-Kaserne nach StadeSanitätsbataillon 3 (teilaktiv)1. August 1959aus Panzerpionierbataillon 31. April 1993in Sanitätsbataillon 806 umbenannt und dem Wehrbereichskommando VIII (Neubrandenburg) unterstelltUwe Walter: Die Strukturen und Verbände des deutschen Heeres, Teil 1, I. Korps (1956–1995). Edition Avra, 1. Auflage, Berlin 2017, S. 101Materialausstattung Sanitätsbereich 10/5neu aufgestelltaufgelöstSanitätskompanie 701. Oktober 1972aus 2./Versorgungsbataillon 76, zuvor: Von-Goeben-Kaserne in Stadeaufgelöst.Sanitätskompanie 80neu aufgestelltaufgelöstFahrschulgruppe Hamburg 11. Januar 1986neu aufgestellt31. März 1994aufgelöst und herangezogen zur Bildung der Kraftfahrausbildungszentren Hamburg 1 und 2Sanitätsbataillon 8061. April 1993aus Sanitätsbataillon 331. Juli 1993in Sanitätsbataillon 141 umbenannt und der 14. Panzergrenadierdivision unterstelltUdo Brandes/Michael Neumann: „Die Dritte“ 1956–1994, Bremen o. J. (1994), S. 53Sanitätsbataillon 1411. August 1993aus Sanitätsbataillon 806Anfang 1994verlegt in die Röttiger-Kaserne in Hamburg-Neugraben-Fischbek, dort 1997 aufgelöst
Die Kasernenanlage wurde im Zuge der Auflösung der 3. Panzerdivision Anfang 1994 von der Bundeswehr aufgegeben.
Konversion mini|Im Rahmen der Konversion geschaffene Neubauten am Hans-Dewitz-Ring in Hamburg-Heimfeld Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Heimfeld 43 wurde am 10. Oktober 1995 gefasst. 1996 fanden die Bürgerbeteiligungen statt. Am 12. Januar 1999 erließ der Hamburger Senat die Verordnung über den Bebauungsplan. Vorgesehen war demnach die Errichtung von bis zu 650 Wohneinheiten. Acht Bauflächen wurden als Reine Wohngebiete ausgewiesen, die mit viergeschossigen Bauten versehen werden sollten. Ein Teilbereich wurde als allgemeines Wohngebiet sowie für die Unterbringung einer Kindertagesstätte mit etwa 40 Plätzen, eines Gemeinschaftshauses sowie von Läden zur Versorgung vorgesehen. Eine weitere Fläche war zur Bebauung mit zweigeschossigen Reihenhäusern ebenfalls als Allgemeines Wohngebiet geplant. Ein Kinderspielplatz mit 3000 Quadratmetern, neue Parkanlagen mit 12.800 Quadratmetern und eine Sporthalle auf einer Fläche für den Gemeinbedarf von etwa 4000 Quadratmetern rundeten das Baugebiet ab. Für die Erschließung waren 11.400 Quadratmeter Straßenverkehrsflächen notwendig. Eine Freitreppenanlage nahe dem ehemaligen Haupteingang des Kasernengeländes wurde in die Denkmalliste am 3. Dezember 1997 eingetragen. Mit einem Investor wurde ein städtebaulicher Vertrag geschlossen. Die Umsetzung erfolgte im Wesentlichen zwischen 1998 und 2001.
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemalige Kaserne in Hamburg Kategorie:Hamburg-Harburg Kategorie:Gerhard von Scharnhorst als Namensgeber