Die Nonnendammallee ist Teil eines der ältesten Straßenzüge im Berliner Stadtgebiet und liegt im Bezirk Spandau auf der historischen Verbindung zwischen Spandau und Berlin durch Moabit. Sie gehört zu den Ortsteilen Haselhorst und Siemensstadt.

Die Nonnendammallee ist eine Hauptstraße mit übergeordneter Bedeutung und führt westlich von der kreuzenden Paulsternstraße in Haselhorst an die Straße Am Juliusturm in Spandau. Der östliche Abschnitt führt weiter in den Siemensdamm mit dessen Anschluss zur A 100.

Namensherkunft Der Name Nonnendamm (vorwiegend für den östlichen Wegeabschnitt) geht auf das nach 1239 gegründete und im 16. Jahrhundert aufgehobene Benediktinerinnen-Kloster St. Marien in Spandau zurück. Zum Eigentum des Klosters gehörten Flächen westlich von Spandau, die noch im Namen der Spandauer Ortslage Klosterfelde fixiert sind. Weitere Besitztümer des Klosters lagen im Osten nach Moabit und Wedding hin.vgl. dazu Spandauer Viertel in J.G.A. Ludwig Helling (Hrsg.): Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von Berlin und seinen naechsten Umgebungen. H.A.W. Logier, Berlin 1830. books.google.de Nach den einstigen Besitzern der Gegend – „jungfräuliche“ Benediktinernonnen – wurden Jungfernheide und Nonnenwiesen benannt.

Der Name Nonnendamm als Wegbezeichnung am Südrand der Nonnenwiesen wurde auf die unwirtliche Gegend im Spandauer Osten erweitert. Das führte mit der Werksansiedlung von Siemens, insbesondere der Ansiedlung von Arbeitern, zur Ortsbezeichnung „Kolonie Nonnendamm b. Berlin“ (ab 1914: Siemensstadt). Mit dem Ausbau der Siemens-Unternehmen ab 1905 wurde im Stadtkreis Spandau in Fortsetzung der Berliner Chaussee nach Osten der (vorher teilweise) unbefestigte Weg Verlag Bibliographisches Institut in Leipzig; abgerufen am 1. Mai 2015, auf alt-berlin.info. als 49 Meter breite „hochwertige“ Straße ausgebaut und nach der Kolonie als Nonnendammallee benannt.

Geschichte Entstehung des Verkehrsweges und seiner Verbindungen Die älteste Straße zwischen Spandau und Berlin, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein unbefestigter Weg, führte vom „Berliner Thor“ südlich der Zitadelle am Nordufer der Spree entlang zur Jungfernheide und um die Nonnenwiesen herum weiter über Moabit zum Spandauer Tor nach Berlin. „Innerhalb dieser [Spandauer] Grenzen lagen jedoch Gebiete, welche anfänglich nicht zum städtischen Weichbild gehörten; es sind dies der Behnitz, die an demselben gelegene markgräfliche Schneidemühle, die Klostermühle, das Marienkloster und seine Besitzungen, die Götelwiesen und das Terrain, welches jetzt der Damm und die Körnersche Schneidemühle einnehmen. […] die Klostermühle, die einstigen Besitzungen des Marienklosters, Klosterhof und Klosterfelde und die Götelwiesen [wurden] mit dem 1. Oktober 1872 [der Stadt einverleibt].“ Als Nonnendamm wird mitunter nur der Bereich des Knüppeldamms, je nach Quelle die Fortführung nach Spandau hin, bezeichnet.Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, Band 51. Landesgeschichtl. Vereinigung, 2001, S. 66: „Da dies veraltete und jetzt unbekannte Namen sind; so bezeichnet man izo der Stadt Gränzen also: Gegen Morgen gränzt sie vor dem Berliner Thor mit dem Königlichen Amte hinter den goldnen Stern bis an den Nonnendamm und geht die Gränze zur Rechten herum durch das vorgenannte Waßer, der Crowel oder Crewel genannt (welches ein Arm ist den die Havel macht) […]“.

Von Spandau führte die Berliner Chaussee vom „Berliner Thor“ befestigt zwischen Rohrbruch und Zitadelle hindurch einerseits durch Sternfeld und nach Norden durch Haselhorst nach Tegel. Der von Paulstern nach Osten verlaufende Weg wurde als Weg von/nach Spandau oder Weg von/nach Charlottenburg und mitunter als Nonnendamm bezeichnet. Er verlief über das erhöhte Gelände am Sternberg (42 m) und der Weißen Sandberge am Südrand der Jungfernheide vorbei. Es folgte der Nonnendamm durch das Feuchtgebiet, im Norden die Nonnenwiesen und im Süden die unregulierte Spree. Das Spreeufer wurde an der Stelle der alten Schleuse Charlottenburg (damals: Schleuse Nonnendamm) erreicht. Nach Osten verlief der Nonnendamm weiter nach Moabit, Wedding und Berlin, andererseits auf der Chaussee Tegel–Charlottenburg.Philipp Frank: Theodor Fontane und die Technik. S. 158. „Ende der 1890er Jahre siedelte das Unternehmen auf ein an der Unterspree gelegenes Wiesenland, den Nonnendamm, wo in den Folgejahren Siemensstadt entstand.“ Abgerufen am 1. Mai 2015. „Die im Osten des Gutsbezirks gelegenen Spreewiesen am Nonnendamm werden thatsächlich als zum Kommunalbezirk gehörig betrachtet, die offizielle Einverleibung ist aber bisher nicht erfolgt.“Otto Kuntzemüller: Urkundliche Geschichte der Stadt und Festung Spandau. Magistrat der Stadt Spandau, 1881, S. 30; zlb.de Auf dem Urmesstischblatt 3445 (Spandau) aus dem Jahr 1835 trägt der zu beiden Seiten baumbestandene Weg am Rande der Nonnenwiesen zwischen Faulbaumbusch und dem Wegekreuz am dem Schloss gegenüberliegenden Spreebogen die Bezeichnung „Nonnendamm“. Der westliche Anschluss ist dabei die Alte Straße von Charlottenburg, der östliche Anschluss zum Eisenham̄er Martinicke am Spreenordbogen vor der Judenwiese ist unbenannt.

Die Grenze der zur Stadt Charlottenburg und zum Stadtkreis Spandau gehörenden Gebiete verlief am Nonnendamm. Das Charlottenburger Terrain im Osten diente als Wiesen, Forst und Ackergelände. Das jenseits der Havel liegende Spandauer Gelände war weitestgehend ungenutztes Brachland, zunehmend zur Erweiterung der Spandauer Rüstungsindustrie nach Haselhorst hin genutzt und das Areal für die Erweiterung der Werksanlagen von Siemens.

Kolonie Nonnendamm mini|Karte von 1911: Nonnendamm als Straßenzug (G7–9)

Die Produktionsstätten von Siemens waren Ende des 19. Jahrhunderts im Berliner Raum verstreut. Für einen neuen Standort wurde das zur Stadt Spandau gehörende brachliegende Gebiet nördlich der Spree um den Nonnendamm ausgewählt. Es lag zwischen Nonnenwiesen, Hühner-Werder (seit der Spreeregulierung an deren Nordufer), Rohrbruch und der Jungfernheide und schloss sich an die Spandauer Industriegebiete auf dem Terrain des Gutsbezirks Haselhorst an. Im Jahr 1897 erwarb die Siemens & Halske AG ein 209.560 m² großes Areal auf dem Hühner-Werder,Alfred Mende (Geograph.-Lithograph. Institut): Großer Verkehrsplan Berlin und seine Vororte (Stadtplan 1907), abgerufen am 1. Mai 2015. eine „fast unbewohnte und verkehrstechnisch kaum erschlossene Naturlandschaft aus Wald, Wiesen, Heideland und Feuchtgebieten“. Die einzigen Verkehrsanbindungen nach Spandau und dem benachbarten Charlottenburg und Berlin waren der Wasserweg auf der Spree und die Landverbindung über den (seinerzeit) unbefestigten Nonnendamm.Siemensstadt. Geschichte Berlins; abgerufen am 1. Mai 2015.Für die Ansiedlung der Arbeiter von Siemens entstand westlich des Stadtkreises Spandau ein Stadtbezirk Nonnendamm der Stadt Charlottenburg. „Bereits im Jahre 1899 hatte Siemens am neuen Standort eine ‚Wohnkolonie‘ für ihre Beschäftigten in Erwägung gezogen, war jedoch an den Widerständen Charlottenburgs und Spandaus gescheitert (Charlottenburg befürchtete die ‚Zersiedlung‘ ihres noblen Villenortes Westend und Spandau Folgekosten); Mitte 1904 erteilte Spandau dann die Ansiedlungsgenehmigung. Die im Auftrage von Siemens tätige Märkische Bodengesellschaft erschloss das von der Firma zur Verfügung gestellte Areal und begann mit freien Architekten und Baumeistern im Herbst 1904 mit dem Bau erster Wohnblöcke zwischen Ohmstraße, Hefnersteig und Reisstraße.“ Karl-H. Bienek: Die Siemensstadt. diegeschichteberlins.de; abgerufen am 1. Mai 2015. Die ersten Wohnbauten im Osten der Straße und den (vorrangig nach Süden liegenden) Querstraßen tragen in ihrer Originalbebauung die Bezeichnung „Siedlung Nonnendamm“.

Auf der Großen Special-Karte der Umgegend von BerlinDigitalisat der ZLB: eld_zlb-bsk-12243884DS1.pdf, abgerufen am 1. Mai 2015. von 1905Die Karte enthält keine Jahreszahl. Die Spree ist begradigt, das Kabelwerk ist vermerkt. ist der Nonnendamm als gebesserter Weg am Südrand der Nonnenwiesen (trockene Wiese) eingetragen. Nach Norden entlang der Stadt- und Kreisgrenze (Spandau zu Charlottenburg) führt der Nonnendamm noch 500 Meter weiter zum Königsdamm, der hier ein „einfacher“ Weg ist. Ein Straßenzug verläuft von der aus Spandau kommenden Chaussee, die nach Norden auf der Trasse der Gartenfelder Straße als Straße nach Tegel abbiegt. Diese „markierte Straße“ führt um das Wasserwerk herum in den Lauf des heutigen Rohrdamms nach Süden, gegenüber vom Haltepunkt (H.P.) Fürstenbrunn jenseits der Spree.

Zunächst war der Nonnendamm von Charlottenburg her für die Standorte von Siemens die einzige „überregionale“ Straßenverbindung mit den Nachbarorten.Geschichte Berlins: Siemensstadt, abgerufen am 1. Mai 2015, auf diegeschichteberlins.de Ab 1905 ließ Siemens auf Spandauer Gebiet den Nonnendamm befestigen. Mit dem Bau der großen Werksanlagen in Siemensstadt ab 1906 wurde der „Straßenzug Nonnendamm“Die Wegebezeichnung Nonnendamm für den Spandauer Abschnitt ist in den Quellen nicht einheitlich genutzt, aber wird letztlich als Nonnendamm„allee“ fixiert. unter Kostenbeteiligung des Unternehmens auf eine Breite von 49 Metern ausgebaut. Im Jahr 1913 folgte als Ergänzung nach Osten in Richtung Moabit der Weiterbau als Siemensdamm durch Charlottenburger Terrain.

Der neue Verlauf auf der historischen Trasse zum Nonnendamm erhielt laut Schreiben der Polizeiverwaltung Spandau an den Magistrat vom 2. April 1914 durch Umbenennung den Namen „Nonnendammallee“. Dabei wurde 1914 zudem ein Abschnitt des Nonnendamms in den Siemensdamm einbezogen. Die Nonnendammallee ist im Adressbuch 1915 bereits aufgenommen. Ehe sich der Name nach dem Hauptakteur als Siemensstadt herausbildete, wurde die Gegend von Haselhorst bis zur Charlottenburger Grenze als „Kolonie Nonnendamm“ bezeichnet; dieser Vorort wird im Adressbuch erstmals 1910 genannt. Der Nonnendamm ist zwischen Rohrdamm und Gemarkung Charlottenburg mit Baustellen verzeichnet., abgerufen am 1. Mai 2015. Auf Charlottenburger Gebiet im „Stadtbezirk Nonnendamm“ ist der Nonnendamm im Adressbuch 1910 vom Tegeler Weg zur Kolonie Nonnendamm eingetragen, hier stehen Wohnhäuser und Fabrikgrundstücke sowie das Beamtenhaus der Schleusenverwaltung. Dazu gibt es als postalische Adresse „Nonnenwiese“, die vom Nonnendamm abgeht. Für die Stadt Charlottenburg ist im Adressbuch 1910 auch die organisatorische Zuordnung als Stadtbezirk aufgenommen. Die Karte im Adressbuch 1910 zeigt zudem auf Spandauer Gebiet zwischen Sternfeld und „Siemens & Halske Kabelwerk“, das im Bogen des Hühnerwerders südlich der Alten Spree liegt, keine Parzellierung am und um den Nonnendamm. Östlich auf Charlottenburger Terrain ist das Gelände (die Nonnenwiesen) zwischen Nonnendamm und Königsdamm (der die nördliche Stadtgrenze entlang der Jungfernheide bildet) bis an den Tegeler Weg parzelliert und von projektierten Straßen durchzogen. Schon auf Karten von 1906 alt-berlin.info; abgerufen am 1. Mai 2015. und 1907Großer Verkehrsplan Berlin und seine Vororte. Entworfen und gezeichnet von Alfred Mende in Berlin, Geogr.-Lithogr. Institut sind 3000 Hektar im Norden Charlottenburgs trassiert und parzelliert eingetragen. Zwischen Spandau, Königsdamm und Tegeler Weg sind die „Nonnenwiesen“ von projektierten Straßen und östlich vom Tegeler Weg zur Ortslage Plötzensee der Bereich zwischen Hamburger Bahn und Hohenzollernkanal betroffen.