Karl Matthäus Winter (* 24. Dezember 1932 in Worms; † 19. September 2012 in Limburg an der Lahn) war ein deutscher Künstler und Bildhauer. Er schuf zahlreiche sakrale Kunstwerke sowie unter anderem vier Statuen für den neuen Figurenzyklus am Kölner Ratsturm.

Leben mini|Friedrich II. und Innocenz III. am Kölner Rathausturm mini|Nepomuk auf der Alten Lahnbrücke in Limburg an der Lahn mini|Neuer Marktbrunnen in Kiedrich mini|Westportal der Kölner Kirche St. Andreas Karl Matthäus Winter begann nach dem Schulabschluss im Jahr 1947 seine künstlerische Laufbahn durch eine Lehre bei seinem Vater, dem Bildhauer und Keramiker Adam Winter. Der Lehre schloss sich 1951 ein dreijähriges Studium an der Landeskunstschule Mainz, unter anderem bei Emy Roeder an. Im Jahr 1954 wechselte er an die Düsseldorfer Kunstakademie und wurde bis 1957 Schüler von Ewald Mataré. 1956 schuf er als erstes Werk für eine der romanischen Kirchen in Köln das hölzerne Tor der nordwestlichen Eingangshalle von St. Kunibert.Roswitha Neu-Kock: Moderne Bildwerke in Groß St. Martin: Der Bildhauer Karl Matthäus Winter. In: Colonia Romanica, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen e. V., Heft 1, 1986, ISSN 0930-8555, S. 60–63. Mit dem Mataré-Schüler Elmar Hillebrand war er gut befreundet und bearbeitete verschiedene Aufträge zusammen mit ihm, so auch besonders das Denkmal für die ehemalige Synagoge am Lappenberg in Hildesheim. Seit 1957 lebte und arbeitete er gemeinsam mit seiner Frau in Limburg an der Lahn.Vera Bachmann: Künstlerbiografien. In: Hiltrud Kier, Bernd Ernsting, Ulrich Krings (Hrsg.): Köln: Der Ratsturm. Seine Geschichte und sein Figurenprogramm. J. P. Bachem Verlag, (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 21), Köln 1996, ISBN 3-7616-1156-0, S. 670.

Für St. Kunibert in Köln schuf er 1959 bis 1960 die beiden Chorflankentürme, zudem erarbeitete er Schutzgitter für die Fenster der Schatzkammer für St. Maria in Lyskirchen und Leuchter für den Hochchor und einen Firstkamm für das Chorhaus in St. Ursula. 1962 übernahm er den Auftrag, für St. Andreas das dreiteilige Bronzetor für den westlichen Eingang zu schaffen, wobei er nach eigenen Angaben zum ersten Mal ohne thematische Vorgaben arbeiten durfte.

Bedeutende Werke von Karl Matthäus Winter findet man auch in der Wallfahrtskirche St. Katharina in Buschhoven, wozu er selbst einige Erläuterungen gegeben hat: Die Arbeit für St. Katharina begann im Jahr 1968 mit einer Friedenstaube aus Basaltlava, außen auf dem Grundstein. Im Jahr 1970 schuf Karl Winter den Altar als Block aus Estremos-Marmor mit scheinbar ornamentalen Motiven, denen aufstrebende vegetative Formen in symbolischer Zahlenanordnung zugrunde liegen – drei (Dreifaltigkeit, göttlich), vier (den „ganzen“ Erdkreis betreffend) und sieben (Vollkommenheit, Vollständigkeit). Das „Blattwerk wächst abschließend zur Tischplatte zusammen, um als Opferaltar zu dienen“. Die Sakramentstele von 1970 enthält die gleiche Ornamentik wie der Altar, doch vereinen sich die vegetativen Formen in einer gemeinsamen „Krone“, wobei hier die Zahl Drei eine wichtige Rolle spielt, auf dem sechseckigen Grundriss (2 mal 3) gegründet. „Bei dem Ambo von 1972 sind es viele Blätter, vielleicht weil das Reich Gottes wie ein stattlicher Strauch aus dem kleinen Senfkorn der Verkündigung aufwächst!“ Die schlichte Bronzetür des Tabernakels ist zehn Jahre später auf Wunsch des Pfarrers geändert worden, außerdem sind die eucharistischen Symbole – Kornähren und Weinranken –, in Elfenbein ausgearbeitet, hinzugefügt worden, wenn es auch gegen sein Konzept war. Das „Gehäuse“ für die Marienfigur bzw. die Marienstele aus dem italienischen Stein „Pepperino rosso“ mit eingelegten Blüten aus „Estramos“, im Jahr 1975 entstanden, zeigt die Rosenstockornamentik und nimmt somit das Thema der „Rosa mystica“ auf. 1971 schuf der Bildhauer Winter in Estramos-Marmor den Taufbrunnen, der „die Quelle lebendigen Wassers zum Thema hat und das Überlaufen in Fülle zeigt“.

In den 1980er Jahren führte er für die Kölner Kirche Groß St. Martin mehrere Arbeiten durch und schuf dort den modernen Deckel des Taufbeckens sowie einen neuen Tabernakel in der Nordkonche der Kirche. Zu seinen Hauptarbeiten zählen die vier Figuren für den Ratsturm des Kölner Rathauses. Kurz vor seinem Tod schuf er im Auftrag von Franz-Peter Tebartz van-Elst den Altar, Ambo und Tabernakel für das neue Diözesane Zentrum Sankt Nikolaus in Limburg an der Lahn.

Karl Matthäus Winter war seit dem Jahr 1957 mit der Gold- und Silberschmiedin Marie Louise Perabo verheiratet.

Werke (Auswahl) 1955: St. Johannes der Täufer, Alt-Erkrath, Kerzenleuchter 1960: St. Johann Baptist, Köln-Roggendorf, Tabernakel 1961: St. Maternus, Köln-Rodenkirchen, Tabernakel 1962: St. Andreas, Bronzeportal, Köln 1964: St. Ursula, Arbeiten am Chor, Köln 1965–1978: St. Lambertus, Düsseldorf, Kreuzweg und Taufbeckendeckel 1967: Limburger Dom, Deckel vom Taufbecken, Bronze 1970: St. Katharina, Buschhoven, Altar 1970–1980: St. Katharina, Buschhoven, Sakramentsstele 1971–1972: St. Katharina, Buschhoven, Taufbecken, Ambo 1972: Gnadenkapelle Niederdonk, Tabernakel 1975: St. Katharina, Buschhoven, Marienstele 1976: Brunnen Adolfsallee, Wiesbaden, Bronze mit Granit 1979: vier Heiligenfiguren, Sankt Raphael, Wuppertal 1983: Katholische Kirche Christi Auferstehung, Bonn-Röttgen, Bronzekrone über dem Altar und Kreuzweg mit Elmar Hillebrand 1984–1989: Groß St. Martin, Köln – Bronzedeckel vom Taufbecken, Tabernakel 1985: Werner-Senger-Brunnen, Limburg an der Lahn 1887: St. Peter und Paul, Ratingen, Taufsteindeckel 1988: Beteiligung am Synagogendenkmal, Hildesheim 1989–1990: Ratsturm am Kölner Rathaus – Figur Hermann Josef Stübben 1991–1992: Ratsturm am Kölner Rathaus – Figur Gottfried Hagen 1992: Zelebrationsaltar und Ambo in der Vierung der Herz-Jesu-Kirche (Ettlingen). 1994: Ratsturm am Kölner Rathaus – Figur Innocenz III. 1994: Ratsturm am Kölner Rathaus – Figur Friedrich II. 1995: St. Jakobus, Frankfurt-Harheim, Altar 1998: St. Quintin, Mainz, Altar, Ambo, Sedilien 2000: St. Maria und Clemens, Schwarzrheindorf, Pietà 2003: Kindergrabmal, Hauptfriedhof, Limburg an der Lahn 2011: Diözesane Zentrum St. Nikolaus, Limburg an der Lahn, Altar, Ambo und Tabernakel St. Anna, Limburg an der Lahn – Altar, Ambo, Leuchter und Stehkreuz Ritter Hattstein-Brunnen, Limburg an der Lahn Alte Lahnbrücke, Limburg an der Lahn, Brückenfigur Nepomuk Marmorbrücke, Villmar, Brückenfigur Nepomuk St. Maria und Clemens Schwarzrheindorf, Altar St. Mauritius, Büderich – Josefskulptur St. Georg, Mainz-Kastel, Kreuz und Zelebrationsaltar St. Ludgerus, Heiligenhaus, Altarraum und Kreuzstele Abteikirche Siegburg, Figur St. Benedikt St. Sebastian, Bornheim-Roisdorf, Taufbeckendeckel

Ausstellungen 2013: Kunstraum 27, Köln, mit Katalog 2006: Vom Sockel geholt – Kölnisches Stadtmuseum stellt Ratsturmfiguren aus (Beteiligung) 2018: Von Kunst ist nicht die Rede, das Künstlerehepaar Marie Louise Winter und Karl Matthäus Winter – Diözesanmuseum Limburg, 2018.

Literatur Vera Bachmann: Künstlerbiografien. In: Hiltrud Kier, Bernd Ernsting, Ulrich Krings (Hrsg.): Köln: Der Ratsturm. Seine Geschichte und sein Figurenprogramm. J. P. Bachem Verlag, (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 21), Köln 1996, ISBN 3-7616-1156-0, S. 670. Alte und neue Kunst im Erzbistum Paderborn, Band 39, 1999, ISBN 3-00-005204-6, S. ? Peter Claus: Bildhauer und ihre Arbeiten im Rheingau – Folge 4 – Karl Matthäus Winter, Limburg, geb. 1932. In: Rheingau Forum Heft 1, 2007, S. 23–26. Clemens Hillebrand: Karl Matthäus Winter, Plastiken und Reliefs – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Kunsttraum 27, Köln, 2013.

Theodor Kloft, Dominik Müller, Melanie Scheidler: Von Kunst ist nicht die Rede- das Künstlerehepaar Marie Louise Winter und Karl Matthäus Winter, Katalog zur Ausstellung des Diözesanmuseums Limburg, Bistum Limburg, 2018.

Weblinks

Trauer um Karl Winter. Bildhauer schuf Werke für Kirchen der Region, Bonner General-Anzeiger, 24. November 2012

Einzelnachweise

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