mini|hochkant|Franziska Giffey (2025) rahmenlos|160px|zentriert|klasse=skin-invert-image|Giffeys Unterschrift Franziska Giffey [] (geb. Süllke; * 3. Mai 1978 in Frankfurt (Oder)) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie war vom 21. Dezember 2021 bis zum 27. April 2023 Regierende Bürgermeisterin und ist seither Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Bürgermeisterin von Berlin im Senat Wegner und übernimmt somit die Stellvertretung des Regierenden Bürgermeisters.

Von April 2015 bis März 2018 war sie Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln und im Anschluss bis Mai 2021 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland. Vom Ministeramt trat sie infolge der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit zurück.

Sie war die Spitzenkandidatin bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 und der Wiederholungswahl im Februar 2023 und von November 2020 bis Mai 2024 gemeinsam mit Raed Saleh Vorsitzende der SPD Berlin. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 verpasste sie den Einzug ins Parlament.

Herkunft, Beruf und Privates Giffey ist Tochter einer Buchhalterin und des Kfz-Meisters Wolfgang Süllke. Zusammen mit ihrem Bruder wuchs sie in Briesen im Kreis Fürstenwalde in der DDR auf. In den Jahren 1988 bis 1990 war sie Schülerin der Polytechnischen Oberschule „Werner Seelenbinder“ und danach bis 1997 des gleichnamigen Gymnasiums in Fürstenwalde/Spree.

Sie begann zum Wintersemester 1997/98 an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Französisch. Wegen einer aufgetretenen Dysphonie (Stimmstörung durch Kehlkopfmuskelschwäche) rieten Ärzte ihr davon ab, Lehrerin zu werden, und sie brach ihr Lehramtsstudium nach dem zweiten Semester 1998 ab.Franziska Giffey in Neukölln: Diese Frau wird Buschkowskys Nachfolgerin. In: Berliner Zeitung, 4. August 2014, abgerufen am 24. Januar 2015. Aufgrund der Stimmprobleme entschied sich Giffey, Verwaltungsrecht an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in Berlin zu studieren. 2001 erwarb sie den akademischen Grad Diplom-Verwaltungswirtin (FH).

Während ihres Studiums war sie im Jahr 2000 drei Monate Praktikantin im Büro von Dave Sullivan (Labour Party), Bezirksbürgermeister von Lewisham, einem Stadtteil von London.Biografische Angaben auf der Internetseite von Franziska Giffey, gesehen am 24. Januar 2015. Vgl. Designierte Familienministerin Giffeys aufgehübschter Lebenslauf: Wie aus der „Praktikantin“ die „Mitarbeiterin“ wurde: Die neue SPD-Hoffnungsträgerin Franziska Giffey war bei ihrer Biografie kreativ, taz, 13. 3. 2018, . Nach dem Studienabschluss arbeitete Giffey zunächst bis 2002 in Berlin im Büro des Bezirksbürgermeisters von Treptow-Köpenick, Klaus Ulbricht (SPD). Neben ihrer anschließenden beruflichen Tätigkeit in der Berliner Kommunalverwaltung absolvierte sie an der FHVR Berlin von 2003 bis 2005 ein Studium der Fachrichtung Europäisches Verwaltungsmanagement. 2005 erwarb sie den akademischen Grad Master of Arts. Sie arbeitete während des Studiums 2003 in der Vertretung des Landes Berlin bei der Europäischen Union in Brüssel und 2005 bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg. Zwischen 2004 und 2009 war sie außerdem als Dozentin an verschiedenen Akademien und Instituten tätig, unter anderem an der Verwaltungsakademie Berlin, der European School of Governance Berlin und der dbb Akademie.

Giffey war in den Jahren 2002 bis 2010 Europabeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. Von 2005 bis 2010 absolvierte sie berufsbegleitend ein Promotionsstudium in Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft.Dissertation von Franziska Giffey, Online-Veröffentlichung, gesehen am 24. Januar 2015. 2010 wurde sie an der FU Berlin zur Dr. rer. pol. promoviert. Der Doktorgrad wurde ihr im Juni 2021 wieder entzogen.

Sie ist seit 2008 mit dem Tierarzt Karsten Giffey verheiratet und hat mit ihm einen 2009 geborenen Sohn.Mächtig stolz auf Schwiegertochter volksstimme.de, 15. März 2018. Der Basketballspieler und Weltmeister Niels Giffey ist ihr angeheirateter Neffe.Sie kommt immer sehr ambitioniert rüber tagesspiegel.de, 9. März 2018.

Partei mini|Franziska Giffey und Raed Saleh beim Wahlabend zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhaus am 26. September 2021.

Giffey trat im Jahr 2007 der SPD bei. Im selben Jahr wurde sie als Kassiererin in den Vorstand der SPD Neukölln gewählt. Am 17. März 2012 wurde sie zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewähltSPD Neukölln wählt neuen Kreisvorstand spd-neukoelln.de, 18. März 2012. und am 9. Mai 2014 übernahm sie von Fritz Felgentreu den Kreisvorsitz.Neuköllner SPD wählt Franziska Giffey zur neuen Vorsitzenden spd-neukoelln.de, 10. Mai 2014. Auf der Kreisdelegiertenversammlung am 14. April 2018 kandidierte sie nicht erneut für den Kreisvorsitz. Zu ihrem Nachfolger wurde Severin Fischer gewählt.SPD Neukölln wählt neuen Vorstand – Severin Fischer folgt Franziska Giffey spd-neukoelln.de, 15. April 2018.

Als Neuköllner Kreisvorsitzende gehörte sie von 2014 bis 2018 dem Vorstand der SPD Berlin an. Auf dem Landesparteitag am 28. November 2020 wurden sie und Raed Saleh zu Berliner Landesvorsitzenden gewählt. Giffey erhielt 89,4 Prozent der Stimmen und Saleh 68,7 Prozent der Stimmen. Der bisherige Amtsinhaber Michael Müller trat nicht mehr an.Die Berliner SPD demonstriert Einigkeit – und setzt alles auf Franziska Giffey tagesspiegel.de, 28. November 2020. Am 3. Januar 2024 kündigte Giffey an, nicht mehr erneut für das Amt des Vorsitzes der Berliner SPD zu kandidieren. Sie und Saleh wurden schließlich am 25. Mai 2024 im Amt der Landesvorsitzenden von Nicola Böcker-Giannini und Martin Hikel abgelöst.

Vom 6. Dezember 2019 bis zum 11. Dezember 2021 war Giffey Mitglied des SPD-Parteivorstands.Regierender Bürgermeister fällt bei SPD-Vorstandswahl durch tagesspiegel.de, 7. Dezember 2019.

Abgeordnete Am 15. September 2020 wurde Giffey als SPD-Kandidatin im Wahlkreis Neukölln 6 für die Abgeordnetenhauswahl 2021 nominiert.Familienministerin Giffey will ins Berliner Abgeordnetenhaus tagesspiegel.de, 16. September 2020. Bei der Wahl gewann sie mit 40,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Bei der Wahlwiederholung eineinhalb Jahre später verlor sie im selben Wahlkreis dieses Mandat an Olaf Schenk (CDU), zog jedoch über die SPD-Landesliste erneut ins Abgeordnetenhaus ein.

Bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 kandidierte Giffey erneut im Wahlkreis Rudow. Dabei unterlag sie erneut gegen Olaf Schenk. Da sie bei der Aufstellung der Bezirksliste ihrer Partei nicht berücksichtigt wurde, scheidet sie mit Ablauf der 19. Wahlperiode aus dem Abgeordnetenhaus aus.

Öffentliche Ämter Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport von Berlin-Neukölln Am 1. September 2010 wurde Giffey Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport des Berliner Bezirks Neukölln und damit Mitglied des Bezirksamtes."Reform vernünftig umsetzen". In: taz, 9. September 2010, abgerufen am 24. Januar 2015. Seitdem war sie als Kommunalbeamtin des Landes Berlin beurlaubt. Ihr Amt als Bezirksstadträtin endete mit der Wahl zur Bezirksbürgermeisterin.

Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln Am 15. April 2015 wählte die Bezirksverordnetenversammlung Giffey zur BezirksbürgermeisterinFranziska Giffey als Bürgermeisterin gewählt. In: Der Tagesspiegel, 15. April 2015, abgerufen am 15. April 2015. des Bezirks Neukölln, nachdem sie bereits längere Zeit als mögliche Nachfolgerin des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky (SPD) gegolten hatte.Keine Lust abzutreten. In: Der Tagesspiegel, 31. Januar 2013, abgerufen am 24. Januar 2015. Sie bezeichnet Buschkowsky als eines ihrer politischen Vorbilder und ihren Mentor.Franziska Giffey: Die Überfliegerin. In: Der Tagesspiegel, 28. Januar 2015, abgerufen am 15. April 2015. Als Bezirksbürgermeisterin war sie zugleich Leiterin der Abteilung Finanzen und Wirtschaft des Bezirksamtes. Bezirksamt Neukölln, abgerufen am 15. April 2015. Sie legte das Amt vor ihrer Ernennung zur Bundesministerin nieder.

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland

Am 14. März 2018 wurde Giffey zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merkel IV ernannt und vereidigt.SPD-Ministerin Franziska Giffey: Von Berlin-Neukölln nach überall. In: Der Tagesspiegel, 9. März 2018, abgerufen am 14. März 2018. Ihr Nachfolger als Neuköllner Bezirksbürgermeister wurde Martin Hikel.Martin Hikel übernimmt in Neukölln von Franziska Giffey. In: Der Tagesspiegel, 21. März 2018, abgerufen am 21. März 2018.

Im April 2018 kündigte Giffey in einem Medieninterview an, ein „Gute-Kita-Gesetz“ in die Ressortabstimmung zu bringen, das die Länder bei der Verbesserung der Qualität der Kindertagesbetreuung unterstützen sollte. Der Entwurf sah unter anderem Gelder für eine Gebührenbefreiung (die Verwendung dazu ist von den Ländern abhängig) sowie Änderungen beim Betreuungsschlüssel und in der Sprachförderung vor. Auch die Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Bezahlung für Erzieher seien zu verbessern. Der Fachkräftemangel lasse sich nicht einfach mit Zuwanderung lösen.Die Zeit: Franziska Giffey: Bund will Milliarden für bessere Kitas zahlen vom 28. April 2018.

Als Bundesministerin für Senioren hat Giffey die „Konzertierte Aktion Pflege“ mit ins Leben gerufen.Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Pressemitteilung: Auftakt der "Konzertierten Aktion Pflege" vom 3. Juli 2018. Diese umfasst die „Ausbildungsoffensive Pflege“, die dafür sorgen sollte, dass bis 2023 zehn Prozent mehr Ausbildungsplätze für Pflegefachpersonen geschaffen werden.Altenpflege-online, vom 28. Januar 2019. Heftige Kritik erntete Giffey allerdings unter anderen vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) für eine Videoserie, die als Teil der Kampagne „Mach Karriere als Mensch!“ produziert wurde, da diese eine realitätsferne, das Selbstverständnis und Ethos verletzende Darstellung der Pflegeberufe zeige.Thomas Schmoll: Kritik gegen "Ehrenpflegas". Ministerin Giffey will Pfleger feiern und scheitert mit bizarrer Video-Serie grandios. Focus online, 20. Oktober 2020; abgerufen am 3. Dezember 2020.

Am 19. Mai 2021 trat Giffey infolge der Plagiatsaffäre um ihre Dissertation von ihrem Ministeramt zurück. Sie wurde am Folgetag formal vom Bundespräsidenten entlassen. Die damalige Bundesjustizministerin Christine Lambrecht übernahm ihr Ressort zusätzlich.

Regierende Bürgermeisterin von Berlin

mini|Übergabe der Ernennungsurkunde im Berliner Abgeordnetenhaus am 21. Dezember 2021. Auf dem Landesparteitag am 24. April 2021 wurde Giffey mit 85,7 Prozent der Stimmen zur Spitzenkandidatin der SPD Berlin bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 gewählt.Giffey setzt die Mitte durch – Grüne und Linke setzen sich ab tagesspiegel.de, 24. April 2021. Giffey gewann zwar die Wahl knapp mit 21,4 %, fuhr aber das damals historisch schlechteste Wahlergebnis für die Berliner SPD ein. Nachdem die SPD zunächst neben Grünen und Linken auch Sondierungsgespräche mit CDU und FDP führte,Sondierungen für Berliner Regierung gehen weiter – alle Optionen offen tagesspiegel.de, 4. Oktober 2021. einigte sie sich mit Grünen und Linken auf eine Fortsetzung der Koalition.SPD, Grüne und Linke in Berlin auf dem Weg in eine neue Koalition tagesspiegel.de, 14. Oktober 2021. Am 21. Dezember 2021 wurde Giffey mit 84 von 139 Stimmen zur Regierenden Bürgermeisterin gewählt und der Senat Giffey vereidigt.Franziska Giffey ist neue Regierende Bürgermeisterin zeit.de, 21. Dezember 2021. Am 27. April 2023 wurde Kai Wegner zum Regierenden Bürgermeister gewählt; Giffeys Amtszeit endete somit. Giffey war nach Louise Schroeder die zweite Berliner Regierungschefin.

Außerdem war Giffey turnusgemäß bis zum 30. September 2022 stellvertretende Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK).