Die Formel-2-Europameisterschaft 1984 war die 18. und letzte Saison dieser 1967 etablierten Motorsportserie. Die Meisterschaft umfasste elf Rennen, die in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien abgehalten wurden. Der Meistertitel ging an Mike Thackwell, den Vizemeister des Vorjahres, der 1984 sieben Rennen gewann. Mit zwei Ausnahmen gingen alle Siege an Thackwells Team Ralt, das die Meisterschaft dominierte. Im darauf folgenden Jahr wurde die Serie durch die internationale Formel-3000-Meisterschaft abgelöst.
Überblick Reglement Im Vergleich zum Vorjahr gab es keine Änderungen im Reglement. Seit 1972 waren Saugmotoren mit einem Hubraum von maximal 2,0 Litern zugelassen, die seit 1976 nicht mehr auf Serientriebwerken beruhen mussten. Analog zum Regelwerk der Formel 1, waren Unterböden, die auf die Erzielung eines Ground Effects ausgelegt waren, inzwischen verboten; die Bodenfreiheit musste seit 1983 mindestens 4 cm betragen.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 273.
Teams Im Hinblick auf das absehbare Ende der Rennserie war die Zahl der beteiligten Teams im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen.
Mit AGS, Merzario, Minardi und Ralt traten 1984 noch vier Werksteams an, hinzu kam Onyx, das Werksunterstützung von March erhielt, sowie Oreca als Quasi-Werksteam von Martini. Sie traten jeweils mit selbst konstruierten Autos an. Das Team von Arturo Merzario zog sich nach der ersten Saisonhälfte zurück und wandte sich der Formel 3 zu. Das in den vergangenen Jahren erfolgreiche deutsche Team Maurer Motorsport trat gar nicht mehr an; nachdem der Teamchef Willy Maurer Versuche, sich in der Formel 1 zu etablieren, bereits im Anfangsstadium wieder aufgegeben hatte, war der Rennstall Ende 1983 aufgelöst worden.Maurer kümmerte sich ab 1984 um das Management des deutschen Rennfahrers Stefan Bellof. Zu diesen Werksteams kamen diverse private Teams, die überwiegend ältere Kundenfahrzeuge von March einsetzten und sich mit Ausnahme von BS Automotive und Emco Sports nur zu einzelnen, ausgewählten Rennen meldeten. Von Beginn an hatten nur die Werksteams eine realistische Chance auf den Gewinn der Meisterschaft.
Motoren mini|BMW-M12-Motor für die Formel 2 Ralt setzte exklusiv einen Motor von Honda ein, dessen Entwicklung und Wartung werksunterstützt war. Alle anderen Teams verwendeten BMW-Vierzylindermotoren. Mit Ablauf der Saison 1983 hatte BMW die werksseitige Wartung der Formel-2-Motoren eingestellt; sie wurden auch nicht mehr weiterentwickelt. Die Vorbereitung und Wartung der Motoren oblag daher 1984 freien Tunern, von denen das Schweizer Unternehmen Heini Mader Racing Components den ganz überwiegenden Teil der im Umlauf befindlichen Motoren betreute. Nur einzelne Motoren wurden in Liechtenstein von Max Heidegger betreut. Um die Kosten für die Teams und die Fahrer zu senken, aber auch aus Kapazitätsgründen hatte Mader die Wartungsintervalle für die BMW-Motoren verlängert. Damit verbunden waren u. a. Vorgaben für eine Reduzierung der Motordrehzahl, um die Haltbarkeit zu erhöhen. In der Praxis hielten sich nur wenige Fahrer daran, sodass es im Laufe der Saison zu zahlreichen Motorschäden kam. Allein bei Onyx traten 1984 neun Defekte auf.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S. 193.
Teams und Fahrer Team Chassis Motor Nr. Fahrer Rennen Ralt RH6 Honda 1 1–11 2 1–11 March 842 BMW-Mader 3 1–8, 10–11 9 4 1–11 5 1–11 7 11 AGS JH19C BMW-Mader 6 1–6, 8–11 AGS JH19 21 8 Spirit 201B BMW-Mader 7 1–2 Minardi M283 8 1–2 March 842 6–8, 10–11 Minardi M283 11 1–2 Spirit 201B 4-5 Minardi M283 BMW-Mader 9 1–11 10 1–11 11 3, 8–10 March 832 BMW-Heidegger 15 1–11 Martini 001 BMW-Mader 17 1–11 Martini 002 18 1–5, 8, 10 6 34 7 March 832 BMW-Mader 19 1–2 3–5, 11 20 1–2 Merzario M84 BMW-Mader 21 1–6 22 1–3 6 AGS JH19 BMW-Mader 24 2 Maurer MM83 BMW 30 2 Martini Mk. 43 BMW-Mader 30 6 March 802 BMW 31 7 March 812 32 2, 7 March 842 BMW-Mader 33 1–7 44 1–5, 8–11 6-7 66 1–11 March 842 BMW-Mader 34 7
Rennkalender 1984 fanden elf Formel-2-Rennen statt: je vier in Großbritannien und Italien, zwei in Deutschland und eines in Frankreich. Alle hatten Meisterschaftsstatus. Anders als in früheren Jahren, wurden 1984 keine weiteren Rennen ohne Meisterschaftsstatus ausgetragen.
Nr. Datum Rennen (Strecke) Distanz(km) Sieger Zweiter Dritter Pole-Position SchnellsteRennrunde Gesamtführender Fahrer 1 1. April BRDC International Trophy (Silverstone) 221,746 (Ralt) (Ralt) (Oreca) (Ralt) (Ralt) (Ralt) 2 8. April Deutschland-Trophäe (Jim Clark Gedächtnisrennen) (Hockenheim) 203,7 (Ralt) (Ralt) (Oreca) (Ralt) (Oreca) 3 23. April British Automobile Drivers Club „200“ (Jochen Rindt Memorial Trophy) (Andover) 208,56 (Ralt) (BS Automotive) (AGS) (Ralt) (Ralt) 4 13. Mai Gran Premio di Roma (Vallelunga) 208 (Ralt) (Ralt) (BS Automotive) (Ralt) (Ralt) 5 19. Mai Gran Premio del Mugello (Mugello) 220,290 (Ralt) (Oreca) (BS Automotive) (BS Automotive) (Ralt) 6 11. Juni Grand Prix de Pau (Pau) 220,290 (Ralt) (AGS) (Ralt) (Ralt) (Ralt) 7 24. Juni Rhein-Pokalrennen (Hockenheim) 205,10 (BS Automotive) (Onyx) (Oreca) (Ralt) (Ralt) 8 22. Juli Gran Premio dell’Adriatico (Misano) 205,10 (Ralt) (AGS) (Onyx) (Ralt) (Ralt) 9 29. Juli Gran Premio del Mediterraneo (Enna-Pergusa) 222,750 (Ralt) (Ralt) (Minardi) (Ralt) (Ralt) 10 27. August Donington „50.000“ (Donington) 220,5 (Ralt) (Onyx) (BS Automotive) (Ralt) (Ralt) 11 23. September Daily Mail Trophy (Brands Hatch) 220,5 (AGS) (Oreca) (Ralt) (Ralt) (Ralt)
Rennberichte International Trophy
Platz Fahrer Team Zeit 1 1:01:04,11 2 1:01:38,25 3 + 1 Runde PP 1:14,82 SR 1:16,00
Die 36. Marlboro Daily Express International Trophy war das Auftaktrennen der letzten Formel-2-Saison. Sie fand am 1. April auf dem Silverstone Circuit statt. Das Rennen ging über 47 Runden zu je 4,718 km und hatte eine Gesamtdistanz von 221,46 km. Zum Rennen meldeten sich neun Teams mit 22 Fahrern. Der Argentinier Enrique Mansilla, der als vierter Fahrer des Teams BS Fabrications gemeldet war, erschien zum Rennen nicht, sodass letztlich 21 Fahrer an den Start gingen. Die Poleposition fuhr Roberto Moreno (Ralt-Werksteam) heraus. Das Rennen gewann Mike Thackwell mit einem Vorsprung von 34 Sekunden auf seinen Teamkollegen Moreno, der Rang zwei belegte, und den eine Runde zurückliegenden Michel Ferté, der einen werksunterstützten Martini 001 des französischen Oreca-Teams fuhr.
Deutschland-Trophäe
Platz Fahrer Team Zeit 1 1:01:43,63 2 1:01:44,16 3 1:02:16,49 PP 2:00,19 SR 2:01,21
Die 18. Deutschland-Trophäe, für die auch die Nebenbezeichnung Jim-Clark-Gedächtnisrennen verwendet wurde, fand am 8. April auf dem Hockenheimring statt. Das Rennen ging über 30 Runden zu je 6,790 km und hatte eine Gesamtdistanz von 203,7 km. Neben den Werks- und den etablierten Privatteams meldeten sich Walter Pedrazza und Manfred Anspann zu dem Rennen. Beide setzten ältere Kundenwagen ein und scheiterten an der Qualifikation. Die Poleposition fuhr Michel Ferté (Oreca) heraus. Das Rennen gewann Roberto Moreno (Ralt) vor seinem Teamkollegen Mike Thackwell.
B.A.R.C. „200“
Platz Fahrer Team Zeit 1 1:03:11,78 2 1:03:33,05 3 1:04:22,51 PP 1:05,68 SR 1:07,38
Das XIII. B.A.R.C. „200“ (200-Kilometer-Rennen des British Automobile Racing Club), das auch die Bezeichnung Jochen-Rindt-Gedächtnisrennen trug, fand am 23. April auf dem Thruxton Circuit in Andover statt. Es ging über 55 Runden zu je 3,792 km und hatte eine Gesamtdistanz von 208,56 km. Insgesamt gingen acht Teams mit 17 Fahrern an den Start. Mike Thackwell (Ralt) dominierte das Rennen. Der fuhr die Poleposition heraus, fuhr die schnellste Runde und gewann das Rennen mit einem Vorsprung von 22 Sekunden auf Christian Danner im Kunden-March des BS-Fabrications-Teams. Tackwells Teamkollege Roberto Moreno, der Zweitplatzierte der Fahrerwertung, fiel nach 43 Runden infolge eines Aufhängungsschadens aus.
Gran Premio di Roma Platz Fahrer Team Zeit 1 1:15:59,41 2 1:16:17,87 3 1:16:37,94 PP 1:05,69 SR 1:07,38
Der 36. Gran Premio di Roma fand am 13. Mai auf dem Autodromo Vallelunga statt. Er ging über 65 Runden zu je 3,2 km und hatte eine Gesamtdistanz von 208 km. Zum Rennen traten 10 Teams mit insgesamt 17 Fahrern an. Sieben weitere Fahrer, die anfänglich gemeldet worden waren, erschienen nicht. Wiederum war Mike Thackwell der dominierende Fahrer. Er belegte die Poleposition, fuhr die schnellste Runde und gewann das Rennen. 12 Fahrer kamen ins Ziel, wobei Thackwell am Ende mit Ausnahme des Zweit- und Drittplatzierten jeden anderen Fahrer mindestens einmal überrundet hatte.
Gran Premio del Mugello Platz Fahrer Team Zeit 1 1:13:38,89 2 1:14:58,89 3 1:15:00,93 PP 1:39,45 SR 1:43,92 Der 11. Gran Premio del Mugello fand am 19. Mai auf dem Autodromo Internazionale del Mugello statt. Er ging über 45 Runden zu je 5,245 km und hatte eine Gesamtdistanz von 220,290 km. Das Starterfeld entsprach dem des vorangegangenen Rennens. Wiederum nahmen nur 17 Fahrer an der Veranstaltung teil. Die Poleposition fuhr Christian Danner in dem Kunden-March des BS-Fabrications-Teams heraus. Das Rennen gewann Mike Thackwell (Ralt) vor Michel Ferté im Martini des Oreca-Teams. Thackwells Vorsprung auf Ferté betrug nahezu eineinhalb Minuten. Dritter wurde Danner, der zwei Sekunden hinter Ferté ins Ziel kam.
Grand Prix de Pau Platz Fahrer Team Zeit 1 1:29:39,73 2 1:30:20,59 3 1:30:23,45 PP 1:10,51 SR 1:12,65
Der 44. Grand Prix Automobile de Pau war das einzige Formel-2-Rennen der Saison, das in Frankreich stattfand. Er wurde am 11. Juli auf dem Straßenkurs von Pau ausgetragen. Das Rennen ging über 73 Runden zu je 2,834 km und hatte eine Gesamtdistanz von 206,882 km. Es war das längste Rennen der Saison. Der Sieger kam erst nach eineinhalb Stunden ins Ziel. Gemeldet waren zehn Teams mit 18 Fahrern. Das französische Oreca-Team ersetzte für dieses Rennen seinen belgischen Stammfahrer Didier Theys durch den Franzosen Alain Ferté, der in Pau neben seinem Bruder Michel für Oreca fuhr. Das italienische Team Merzario trat hier zum letzten Mal bei einem Formel-2-Rennen an; in der Woche nach dem Pau-Grand-Prix stellte Merzario den Betrieb zunächst ein. Zusätzlich meldete sich Marcel Tarrès mit einem älteren Martini. Poleposition, schnellste Rennrunde und Sieg gingen an Mike Thackwell (Ralt). Philippe Streiff (AGS) kam vor Thackwells Teamkollegen Roberto Moreno als Zweiter ins Ziel. Mit Alain Ferté (Fünfter) und Pierre Petit (Onyx; Sechster) kamen zwei weitere Franzosen in die Punkteränge.
Rhein-Pokalrennen Platz Fahrer Team Zeit 1 1:02:20,2 2 1:02:27,14 3 1:02:28,63 PP 2:00,33 SR 2:01,73