mini|Neues Schloss (erbaut 1763–65) mini|Altes Schloss (im 17. Jahrhundert erneuert) Rauschenberg ist ein Gemeindeteil des Marktes Dachsbach im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Rauschenberg hat eine Fläche von 2,269 km². Sie ist in 429 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5288,18 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Ziegelhütte.

Geographische Lage Das Dorf ist der höchstgelegene Ort der Gemeinde und liegt zwischen Neustadt und Höchstadt am südlichen Abstieg des Steigerwaldes zum Aischtal hin. Der Ort ist ein ungeregeltes Straßendorf entlang der Kreisstraße NEA 14. Er befindet sich inmitten eines ausgedehnten Wasser- und Landschaftsschutzgebietes. Die Lage ist sowohl exponiert am Südwesthang, mit weiter Aussicht über das tief aber sanft eingekerbte Tal des Kümmelbaches hinaus, als auch von Norden her in sehr wettergeschützter Lage zwischen ausgedehnten Forsten eingebettet.

Geschichte Rauschenberg wurde um 1426 als „Genshof“ erstmals namentlich erwähnt.Rauschenberg, Ersterwähnung, Namensherkunft Eine frühere Besiedelung der Gegend bereits zu karolingischer Zeit im 8. oder 9. Jahrhundert wird angenommen. Mehr als ein halbes Dutzend Bodendenkmäler, Siedlungsreste und Grabanlagen vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung sind für Rauschenberg ausgewiesen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden sowohl bürgerliche als auch adelige Besitzer genannt. Während der Markgrafenkriege (siehe Erster Markgrafenkrieg (1449–1450) und Zweiter Markgrafenkrieg (1552–1555)) und im Dreißigjährigen Krieg wurden Ansiedlungen zu Wüstungen. Spätestens im 16. Jahrhundert wurden das Schloss Rauschenberg und dessen Besitzer, die Seckendorff, die Hohenlohe und die Wurster von Kreuzberg (auch „Wurster von Creutzberg“) erwähnt.

Erst um 1705 wuchs der Ort wesentlich: Zu dieser Zeit wurden 45 Tropfhäuser für fremde Ansiedler errichtet.H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch. S. 120. Das neue Schloss, das gleich am Ortseingang von Dachsbach her gelegen ist und einen uralten Baumbestand besitzt, wurde von dem fuldaischen Geheimrat Georg Erasmus Wurster von Kreuzberg in den Jahren 1763 bis 1765 erbaut. Das alte Schloss wurde gleichzeitig größtenteils erneuert. Beide sind von einer parkähnlichen Anlage umrahmt und noch in Privatbesitz.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Rauschenberg 55 Anwesen (Schloss, Bauhof, Brauhaus, Kalkofen, Wirtshaus, Bäckerei, Schmiede, 45 Tropfhäuser, 3 Häuser). Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Rittergut Rauschenberg.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 124.

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justizamt Dachsbach und Kammeramt Neustadt. 1810 kam Rauschenberg an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Rauschenberg gebildet, zu dem Bergtheim, Rockenbach und Ziegelhütte gehörten. 1813 entstand die Ruralgemeinde Rauschenberg, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) bildeten Bergtheim und Rockenbach eigene Ruralgemeinden.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 222. Die Ruralgemeinde Rauschenberg war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1919 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt, seit 1972 Finanzamt Uffenheim). Alle Anwesen unterstanden bis 1848 in der freiwilligen Gerichtsbarkeit und der Ortspolizei dem Patrimonialgericht Rauschenberg.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 189. Ab 1862 gehörte Rauschenberg zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1939 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Neustadt an der Aisch (1879 in das Amtsgericht Neustadt an der Aisch umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 2,269 km².

Am 1. Januar 1972 wurde Rauschenberg im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Dachsbach eingemeindet.

Der kleine Friedhof mit Kapelle unterhalb des Ortes ist neuzeitlich geprägt.

Baudenkmäler Hauptstr. 1: Neues Schloss mit Brunnen Hauptstr. 5: Altes Schloss mit Brunnenbau

Einwohnerentwicklung Gemeinde Rauschenberg Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 360 369 407 385 383 361 338 370 426 431 393 364 343 310 319 312 288 262 258 346 346 314 300 313HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 68 60 65 73 70 71 69 67 69 Quelle Dort mit 260 Einwohnern angegeben, was aber aufgrund der Zahl der Feuerstellen unwahrscheinlich ist.

Ort Rauschenberg Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2013 2020Einwohner 360 360 371 334 416 335 278 326 293 307 313 350 371Häuser 68 59 71 40 69 67 61 104 Quelle

Religion Rauschenberg ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Nikolaus und Peter (Oberhöchstädt) gepfarrt.

Heute Die geschützte, sonnenreiche Lage des Ortes am Südhang begünstigt Landwirtschaft, Obstanbau und Obsthandel. Beispielsweise sind große Erdbeerplantagen und Streuobstwiesen anzutreffen. Seit etwa Mitte der 1970er Jahre befindet sich am östlichen Rand des Neubaugebietes eine kleine Langzeit-Rehabilitationsstätte für therapiefähige Suchtkranke. Jahrzehntelang wurde die Einrichtung unter dem Namen Hort der Hoffnung anonym betrieben. Ab 1997 übernahm das Blaue Kreuz die Trägerschaft. Weiterhin gibt es einen Landgasthof und seit Anfang der 2010er Jahre ein Tonstudio. Ein im Ort ehemals vorhandenes Vollsortimenter-Einzelhandelsgeschäft und eine kleine Metzgerei haben in den 1980er Jahren keine Nachfolger gefunden.

Veranstaltungen An Himmelfahrt veranstaltet der Gartenbauverein ein Frühlingsfest, am letzten Wochenende im August wird Kärwa gefeiert. Weiterhin gibt es unregelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen der Feuerwehr Rauschenberg, des Obst- und Gartenbauvereins, der Soldatenkameradschaft Rauschenberg und der Eigentümergemeinschaft der Anlieger der Wochenendsiedlung Am Haller.

Verkehr Die Kreisstraße NEA 14 führt nach Oberhöchstädt (2 km östlich) bzw. nach Bergtheim (1,7 km südwestlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Schornweisach zur Kreisstraße NEA 1 (1,6 km nordwestlich). Ein Anliegerweg führt zur Ziegelhütte (0,6 km nordwestlich).

Rauschenberg hat in der Ortsmitte eine Bedarfshaltestelle, die von zwei Buslinien bedient wird. Davon wird eine privat betrieben (243) und besitzt eher Schulbuscharakter, die andere (127) betreibt der VGN. Er bewirbt sie als Freizeitlinie „Aischgründer Bier-Express“ und gibt eigene Prospekte für Wanderer heraus. Ab Samstagnachmittag besteht keine Anbindung des Ortes an den ÖPNV. Dann ist die nächste Haltestelle im vier Kilometer entfernten Dachsbach.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Geographie (Dachsbach) Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim) Kategorie:Ersterwähnung 1426 Kategorie:Gemeindegründung 1813 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim