mini|hochkant=0.8|Harvey Keitel (2015) Harvey Keitel [] (* 13. Mai 1939 in Brooklyn, New York) ist ein US-amerikanischer Schauspieler. Der seit den 1970er Jahren gefragte Charakterdarsteller gilt als Vertreter des Method Acting.

Biografie mini|hochkant|Keitel im Jahr 2009 Harvey Keitel ist ein Sohn jüdischer Emigranten; sein Vater Harry Keitel kam aus Polen und seine Mutter Miriam aus Leordina in Rumänien.„Dieses Jahr in Czernowitz“, Dokumentarfilm 2003/2004, Regie: Volker Koepp Keitel wurde in Brighton Beach, Brooklyn geboren und wuchs gemeinsam mit seiner Schwester Renee und seinem Bruder Jerry in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der High School ging er sofort für ein Jahr zu den Marines, um sich finanziell über Wasser halten zu können. Er wurde kurz vor Beginn des Vietnamkriegs entlassen und wandelte sich danach zum Pazifisten.

1967 nahm Keitel Schauspielunterricht bei Frank Corsaro und Stella Adler und lernte von ihnen die Technik des Method Acting. Als Mitglied des renommierten Actors Studio war er ab Mitte der 1960er Jahre auf vielen New Yorker Bühnen zu sehen. Sein Debüt am Broadway gab er in einem Stück von Arthur Miller. 1968 wirkte Keitel in Wer klopft denn da an meine Tür?, der Abschlussarbeit des damaligen Regie-Studenten Martin Scorsese, mit und freundete sich mit diesem an. Scorsese besetzte ihn später auch für seine Erfolgsfilme Hexenkessel (1973), Alice lebt hier nicht mehr (1974), Taxi Driver (1976) und Die letzte Versuchung Christi (1988). Keitel wurde von Francis Ford Coppola als Hauptdarsteller von Apocalypse Now (1979) verpflichtet, aber nach zwei Wochen entlassen, da Coppola mit seiner Darstellung unzufrieden war (Martin Sheen übernahm die Rolle).

1993 erhielt Keitel einen Independent Spirit Award in der Kategorie Bester Schauspieler für seine Darstellung in Abel Ferraras Low-Budget-Film Bad Lieutenant. Er spielt darin einen abgehalfterten, korrupten Polizisten, der in einer Art Passionsgeschichte seinen Seelenfrieden und Erlösung findet, kurz bevor er in seinem Auto erschossen wird. In diesem Film wie auch in Ridley Scotts Debüt Die Duellisten (1976) zeigte Keitel, dass er zu den führenden amerikanischen Charakterdarstellern zählt. Den endgültigen internationalen Durchbruch schaffte Keitel dann wiederum mit dem Erstlingswerk eines Regisseurs, Reservoir Dogs von Quentin Tarantino. Bereits sein nächster Film Bugsy brachte ihm 1991 eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller ein.

In den folgenden Jahren war er unter anderem in den Kassenschlagern Thelma & Louise, Sister Act, Bad Lieutenant, Jane Campions Das Piano und Die Wiege der Sonne zu sehen. Kultstatus erlangte er durch Pulp Fiction (Quentin Tarantino) und From Dusk Till Dawn (Robert Rodriguez/Quentin Tarantino). mini|Keitel neben Harry Belafonte (2011) Keitel erwarb sich während seiner langen Karriere eine Reputation als herausragender Vertreter des Method Acting, zählte aber nie zu den kassenträchtigen Hollywood-Stars (wie etwa Al Pacino oder Robert De Niro). Allerdings war der Darsteller in zahlreichen Kassenhits in markanten Nebenrollen zu sehen. Profilierte Hauptrollen spielte er in der Regel in künstlerisch ambitionierten Produktionen mit geringem Budget. Der Erfolg einiger Filme mit ihm war allerdings vorher nicht abzusehen. Keitel förderte mit der Übernahme vieler Rollen vielmehr Talente wie Quentin Tarantino oder Kunstfilmer wie Abel Ferrara. Für den Film Smoke erhielt er 1995 auf der Berlinale zusammen mit dem Regisseur Wayne Wang den Spezialpreis der Jury, den Silbernen Bären.

Keitel wurde ab 1993 vor allem von Joachim Kerzel synchronisiert. Christian Brückner lieh ihm in den 1980ern, frühen 1990ern und seither unregelmäßig seine Stimme. Fred Maire sprach ihn ebenfalls einige Male.

Keitel ist seit 2001 mit der Schauspielerin Daphna Kastner verheiratet, mit der er einen Sohn hat. Aus einer früheren Beziehung mit Lorraine Bracco hat er eine Tochter, und aus einer Affäre mit der Künstlerin Lisa Karmazin einen Sohn.

Filmografie (Auswahl) Schauspieler

Produzent 1992: Reservoir Dogs – Wilde Hunde (Reservoir Dogs, nur Koproduzent) 2003: Dreaming of Julia

Auszeichnungen (Auswahl) 1989: Goldene-Himbeere-Nominierung (Schlechtester Nebendarsteller) in Die letzte Versuchung Christi (The Last Temptation of Christ) 1992: Oscar-Nominierung (Bester Nebendarsteller) in Bugsy 1992: NSFC Award (Bester Nebendarsteller) für seine Darstellung in Thelma & Louise 1993: AFI Award (Beste Hauptrolle) für seine Darstellung in Das Piano (The Piano) 1993: Independent Spirit Award (Beste Hauptrolle) für seine Darstellung in Bad Lieutenant 1995: Silberner Bär für seine Darstellung in Smoke 1996: Peter J. Owens Award des San Francisco International Film Festival 2002: Stanislavsky Prize des Moscow International Film Festival 2004: Special Prize for Outstanding Contribution to World Cinema des Karlovy Vary International Film Festival 2005: Lifetime Achievement Award des Istanbul International Film Festival 2016: Lifetime Achievement Award des Internationalen Filmfestivals von Locarno

Literatur

Dokumentation Harvey Keitel – Zwischen Hollywood und Independent-Kino. Regie: Stéphane Benhamou und Erwan Le Gal, ARTE F, Frankreich, 54 Minuten, 2023

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Militärperson (United States Marine Corps) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Person (Brooklyn) Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Mann