Die Terrot Textilmaschinen GmbH ist ein deutscher Textilmaschinenhersteller mit Sitz in Chemnitz. Sie geht auf das 1862 von Charles Terrot und Wilhelm Stücklen als Stücklen und Terrot gegründete Unternehmen zurück.
Geschichte
Stücklen und Terrot Charles Terrot Die Firma trägt den Namen von Charles Terrot (* 12. Oktober 1831 in Kyllburg, Eifel; † 16. JanuarWestdeutsche Wirtschaftschronik. Bd. 1: Stuttgart und sein Wirtschaftsgebiet. Paul Weber, Stuttgart 1952, S. 13. 1903). Bald nach seiner Geburt zogen die Eltern nach Troyes in Frankreich. Dort fand Charles schon früh Arbeit bei der Wirkmaschinenfabrik Mott & Fouquet in Troyes. Schon im Alter von 19 Jahren bekleidete er die Stelle eines Werkmeisters.
Im Jahre 1851 veranlasste die württembergische Regierung den Fabrikanten Honoré Frédéric Fouquet, eine Wirkmaschinenfertigung in Württemberg aufzubauen (siehe auch Industrialisierung in Rottenburg). Fouquet folgt diesem Aufruf und gründete in Stuttgart ein Unternehmen, das mit dem Können der französischen Wirkmaschinenindustrie ausgestattet war und zu dem er seinen jungen Werkmeister Charles Terrot entsendete. Charles Terrot fühlte sich in Stuttgart zunächst nicht zuhause, da er an Sprache und Sitten nicht gewöhnt war. Dies änderte sich jedoch, als er im Jahre 1854 eine Schwäbin heiratet.C. Terrot Soehne: Zur Erinnerung an das 50 jährige Bestehen der Firma, Stuttgart-Cannstatt, 1912, Wirtschaftsarchiv HohenheimTerrot: Intelligence in Knitting since 1862 - 150 Years, 2012, Wirtschaftsarchiv Hohenheim
Firmengründung Im Jahre 1862 verließ Terrot seine Stellung als Werkmeister bei Fouquet und gründete zusammen mit dem Kaufmann Wilhelm Stücklen am 16. April 1862 sein eigenes Unternehmen, die Firma Stücklen & Terrot. Er begann mit nur wenigen Arbeitskräften in einem Schuppen in Stuttgarts Silberburgstraße, Rundwirkmaschinen zu bauen. 1867 erhielt die Firma Stücklen & Terrot auf der Pariser Weltausstellung für eine Rundwirkmaschine französischer Bauart nach Fouquet eine Bronzemedaille. 1871 stellte Stücklen & Terrot die 500. Maschine her und erhielt auf einer Ausstellung in Ulm als Auszeichnung den Silbernen Kranz. Die Maschine war bereits damals mit einem Transmissionsantrieb ausgerüstet.Terrot: Festschrift zum 90-jährigen Jubiläum, 1952, Wirtschaftsarchiv Hohenheim
C. Terrot 1880 schied Wilhelm Stücklen nach 18-jähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aus dem Unternehmen aus. Charles Terrot übernahm das Unternehmen und führte dieses als Alleininhaber unter der Firmenbezeichnung C. Terrot weiter.
Die fortschreitende Technik und die immer größere Nachfrage auf dem Maschinenmarkt machten eine Vergrößerung des Werkes notwendig. Charles Terrot fand im Jahre 1882 einen Bauplatz in Cannstatt, auf dem er ein neues Werk nach modernen Standards bauen ließ. Er schaffte eine Dampfmaschine in Verbindung mit einer Transmission an, mit der er die Produktionsprozesse gegenüber der früher mit Handkurbeln betriebenen Maschinen wesentlich beschleunigte. Im Jahre 1886 feierte Charles Terrot im Rahmen einer Feier die Fertigstellung der 5000. Rundwirkmaschine.
Niederlassung Dijon Ein Jahr später, 1887, errichtete Charles Terrot in Dijon, Frankreich, eine Tochtergesellschaft seines Unternehmens, deren Leitung er seinem Sohn Franz Terrot und Schwiegersohn Wilhelm Duttlinger übertrug. Neben der Herstellung von Rundwirkmaschinen wurde in diesem neuen Betrieb auch die Fabrikation von Fahrrädern und später von Automobilen und Motorrädern begonnen. Dieses Werk wurde später in die Selbständigkeit entlassen und für die Herstellung der Terrot-Motorräder bekannt.
Die ersten Rundstrickmaschinen Als der Bedarf an Strümpfen einen neuen Maschinentyp erforderte, beschloss Charles im Jahre 1891 die Herstellung von Rundstrickmaschinen, mit denen Ärmel- und Hosenränder, sowie grobe Strickkleidung hergestellt werden konnten. Dies war eine bedeutende Neuerung, denn es wurden nun qualitativ bessere Strumpfwaren und Trikotagen hergestellt. Der jetzt einsetzende weltweite Maschinenexport führte zu einer Blüte des Terrot-Werkes. mini|200px|Die 25.000. Rundwirkmaschine (1911) Charles Terrot im Ruhestand 70-jährig zog sich Charles Terrot am 1. Januar 1901 in den Ruhestand zurück. Seine Söhne und Schwiegersöhne Karl Terrot, Ernst Terrot, Franz Terrot, August Freund und sein Schwiegersohn Wilhelm Duttlinger übernahmen die Führung der Firmen in Bad Cannstatt und Dijon.
1911 feierte Terrot die Herstellung seiner 25.000 Rundwirkmaschine und der 2.000 Rundstrickmaschine. Der Anwendungsbereich der Maschinen konnte deutlich erweitert werden. Sie dienten nunmehr auch zur Herstellung von Sport- und Arbeitsjacken, Damenblusen, Kinderbekleidung, Handschuhen und Krawatten, Badehosen und Badeanzügen.
Motorräder und Autos in Dijon Auch der Betrieb in Dijon entwickelte sich sehr gut. Fahrräder wurden immer mehr nachgefragt, 1902 wurde das erste Motorrad in Dijon hergestellt.
Ab 1912 wurden in Dijon auch Automobile hergestellt, ein Modell mit einem Vierzylindermotor mit einem Hubraum von 1.444 cm³ und eines mit einem Hubraum von 1.460 cm³. Als Folge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde das Werk in Dijon enteignet und später verkauft, behielt aber den Namen Terrot bei.
Der Erste Weltkrieg Das Cannstatter Werk kam ungehindert durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation. Neukonstruktionen und Verbesserungen führten zu einer Fülle von neuen Produkten, die vom Markt nachgefragt wurden.
C. Terrot Söhne & Co 1936 wurde das Unternehmen in die Kommanditgesellschaft C. Terrot Söhne & Co umgewandelt. Persönlich haftende Gesellschafter waren Franz Terrot und Ernst Künemund. 39.000 Rundwirkmaschinen und 9.000 Rundstrickmaschinen hatte das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt hergestellt. Im Vordringen sind die Großrundstrickmaschinen, die nunmehr auf dem Gebiet der Ober- und Sportbekleidung eingesetzt wurden.
Der Zweite Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs wurde Terrot auch für die Rüstungsindustrie eingesetzt. In der Nacht zum 20. Oktober 1944 legten Spreng- und Brandbomben das Terrotwerk in Bad Cannstatt in Schutt und Asche. Im Mai 1945 konnte mit 250 Arbeitnehmern ein Neuanfang gestartet werden. Es war die Materialbeschaffung, die Schwierigkeiten bereitet. Erst im Winter 1946/47 konnte deshalb eine Serienproduktion anlaufen und die ersten Maschinen ausgeliefert werden.
Auch die Geschäftsführung wurde neu geregelt, denn im September 1943 starb nach kurzer Krankheit der persönlich haftende Gesellschafter Ernst Künemund und 1947 starb an den Folgen einer Operation der persönlich haftende Franz Terrot. Die Geschäftsleitung übernahm Hans Terrot, der Sohn von Franz Terrot.
Nachkriegszeit Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit war von einem ständig steigenden Bedarf an Rundstrickmaschinen geprägt. Die 1960er Jahre bis in die erste Hälfte der 1970er Jahre verstärkten diesen Trend, getrieben vor allem durch die weltweit herrschende Jersey-Mode. 1962 stellte Terrot den Bau von Rundwirkmaschinen ein. Sie werden wegen des Vordringens der Rundstrickmaschinen nicht mehr ausreichend gefragt.
1952 wurde Hans Terrot mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und das Unternehmen feierte sein 90-jähriges Bestehen mit der Feststellung, die Belegschaft sei größer als je. Es habe seine 50 000. hochleistungsfähige Rundwirk- und Rundstrickmaschine gebaut und den Weltruf, Spitzenerzeugnisse deutscher Qualitätsarbeit herzustellen, bewahrt.
Werk Wahlstedt Schon 1959 reichen die Produktionskapazitäten von Terrot in Bad Cannstatt nicht mehr aus. Am 1. März 1959 wird der Textilmaschinenbau Wahlstedt Bierbaum und Co. in Wahlstedt, übernommen, firmiert sofort unter C. Terrot Söhne & Co. und stellt Rundstrickmaschinen her, die speziell für Unterwäsche geeignet sind. In Wahlstedt wurden zu diesem Zeitpunkt speziell für die Produktion feiner Unterwäsche geeignete Rundstrickmaschinen, sogenannte „Transfermaschinen“ gebaut. Später dann auch weitere Maschinen der Terrot-Programmes. Das Werk Wahlstedt wurde 1973/74 ausgebaut.Terrot: 25 Jahre Rundstrickmaschinenbau in Wahlstedt, 1974, Wirtschaftsarchiv Hohenheim
Werk Waiblingen 1972 wurde die Produktion nochmals erweitert. Terrot erstellt ein neues Werk in Waiblingen und beschäftigte nunmehr über 900 Mitarbeiter und nahm eine weltweite Spitzenstellung in Qualität und Leistung neuer Maschinen für die Oberbekleidung ein.
Konkurs Im Jahre 1975 erfolgte ein unerwarteter steiler Absturz der Nachfrage nach Jersey-Stoffen. Viele Stricker mussten ihre Betriebe schließen. Damit stürzte auch die Nachfrage nach Strickmaschinen ab. Terrot zog daraus zunächst die Konsequenz, das Werk in Wahlstedt in Schleswig-Holstein 1976 zu schließen. Aber auch das Stammwerk in Bad Cannstatt war nicht mehr ausgelastet. Im Januar 1977 meldete die C. Terrot Söhne & Co. beim Amtsgericht Stuttgart Bad Cannstatt das Konkursverfahren an. Zum Konkursverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Klaus Albert Maier bestellt. Die Terrot Söhne & Co. war nicht mehr zu retten und wurde im Rahmen des Konkursverfahrens liquidiert.
Klaus Albert Maier schloss das neu erbaute Werk in Waiblingen und übertrug im Rahmen eines Asset Deals die Geschäftsaktivitäten in Bad Cannstatt auf eine neu gegründete Gesellschaft, die Terrot Strickmaschinen GmbH, die sich, befreit von vielen Altlasten, am Stammsitz Stuttgart-Bad Cannstatt erfolgreich weiterentwickelte.Volker Grub: Schlußbericht im Insolvenzverfahren Terrot Strickmaschinen GmbH vom 14. März 2012, Wirtschaftsarchiv Hohenheim Bestand Y 517
Terrot Strickmaschinen GmbH Die Terrot Strickmaschinen GmbH wurde vom französischen Terrot-Vertreter Leon Gelrubin gegründet und finanziert. Der Gesellschaftsvertrag datiert vom 22. Juni 1977. Leon Gelrubin wurde danach Geschäftsführer der Terrot Strickmaschinen GmbH und prägte diese Gesellschaft wesentlich. 1987 bekam Terrot mit der Firma Sulzer Morat, einem Schweizer Textilmaschinenhersteller, einen weiteren Gesellschafter. Sulzer Morat brachte seine eigenen Strickmaschinenaktivitäten bei Terrot ein, wofür sie ein Drittel der Geschäftsanteile bekam. Ein weiterer neuer Gesellschafter war Werner Böhringer, der Leon Gelrubin ablöste und ebenfalls ein Drittel des Stammkapitals von Terrot hielt.
Maschinenbau in Chemnitz Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Terrot in Sachsen und übernimmt im Dezember 1992 die Strickmaschinen GmbH in Chemnitz, die aus dem DDR-Kombinat Strickmaschinenbau ausgegliedert wurde und die ursprünglich drei der ältesten Strickmaschinenhersteller Deutschlands in sich vereinigte:
G. Hilscher in Chemnitz gegründet 1851 Seyfert & Donner in Chemnitz gegründet 1875 und C.A. Roscher in Mittweida gegründet 1885
Terrot baute den Chemnitzer Betrieb zu einer verlängerten Werkbank aus. Der Betrieb war rechtlich selbständig und firmierte unter Chemnitzer Strickmaschinen GmbH.Johannes Barth: 150 Jahre Chemnitzer Strickmaschinen GmbH, Vortrag 2001, CD in Wirtschaltsarchiv Hohenheim Bestand Y 517
Übernahme von Albi Tailfingen Im Jahre 1995 übernahm Terrot die Firma Albi in Tailfingen und damit drei weitere Maschinentypen für Jaquard und Uni-Plüsch.
Der Niedergang Terrot verlor in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts aus unterschiedlichen Gründen an Umsätzen. Nachteilig für Terrot war, dass nunmehr auch China und Japan im Maschinenbau aufholten und in den unteren Preissegmenten zu einer starken Konkurrenz wurden. In den USA ging für Terrot ein wichtiger Markt verloren, denn die Globalisierung führte in den USA dazu, dass die US-amerikanischen Stricker nicht mehr konkurrenzfähig waren und innerhalb von wenigen Jahren aufgaben.