Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der österreichischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Österreich nahm bisher achtmal mit einer eigenen Mannschaft an Weltmeisterschaften teil sowie 1938 als Teil des Deutschen Reichs. Beste Platzierung war der dritte Platz 1954. In der ewigen Rangliste belegt Österreich Platz 21. Im 21. Jahrhundert konnte sich Österreich 2026 erstmals für eine Endrunde qualifizieren.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: FIFA World Cup™ All-time Ranking Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien Spiel um Platz 3 Deutschland 4. Hugo Meisl (Verbandskapitän) Jimmy Hogan (Trainer) Halbfinalaus gegen den späteren Weltmeister. 1938 Frankreich Achtelfinale Schweiz (10.) Sepp Herberger Teilnahme als Teil der deutschen Mannschaft 1950 Brasilien nicht teilgenommen Nach der Auslosung der Qualifikation verzichtet 1954 Schweiz Spiel um Platz 3 Uruguay 3. Walter Nausch Halbfinalaus gegen den späteren Weltmeister. 1958 Schweden Vorrunde Brasilien, England, UdSSR15. Josef Argauer 1962 Chile zurückgezogen Vor Beginn der Qualifikation zurückgezogen. 1966 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an Ungarn gescheitert. 1970 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Deutschland gescheitert. 1974 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden gescheitert. 1978 Argentinien 2. Finalrunde Niederlande, Italien, Deutschland 7. Helmut Senekowitsch Wunder von Cordoba 1982 Spanien 2. Finalrunde Frankreich, Nordirland 8. Felix Latzke (Trainer)Georg Schmidt (ÖFB-Teamchef) Nichtangriffspakt von Gijón 1986 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Ungarn und den Niederlanden gescheitert, die sich aber auch nicht qualifizieren konnten. 1990 Italien Vorrunde Italien, Tschechoslowakei, USA 18. Josef Hickersberger 1994 USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden und Bulgarien gescheitert. 1998 Frankreich Vorrunde Kamerun, Chile, Italien 23. Herbert Prohaska In allen drei Spielen erzielte Österreich sein einziges Tor in der Nachspielzeit der zweiten Spielhälfte 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert In der Qualifikation in den Playoffspielen der Gruppenzweiten an der Türkei gescheitert. 2006 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an England und Polen gescheitert. 2010 Südafrika nicht qualifiziert In der Qualifikation an Serbien und Frankreich gescheitert. 2014 Brasilien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Deutschland und Schweden gescheitert, das sich aber auch nicht qualifizieren konnte. 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Serbien und Irland gescheitert. 2022Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation im Play-off-Halbfinale an Wales gescheitert. 2026Kanada/Mexiko/USA Sechzehntelfinale 28. Spanien In der Qualifikation gegen Bosnien und Herzegowina, Rumänien, Zypern und San Marino durchgesetzt. Gegner in der Vorrunde sind Titelverteidiger Argentinien, Algerien und WM-Neuling Jordanien.
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der österreichischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht/zurückgezogen: 3× (13 %; 1930, 1950 und 1962) Als Teil einer anderen Mannschaft: 1× (4,3 %; 1938, nach eigener sportlicher Qualifikation) Nicht qualifiziert: 11× (47,8 %; 1966, 1970, 1974, 1986, 1994, 2002, 2006, 2010, 2014, 2018 und 2022) Sportliche Qualifikation: 8× (34,8 % bzw. bei 42,1 % der Versuche) Sechzehntel: 1× (4,3 %; 2026) Vorrunde: 3× (13 %; 1958, 1986 und 1998) 2. Finalrunde mit 12 Mannschaften: 1× (4,3 %; 1982) 2. Finalrunde mit 8 Mannschaften: 1× (4,3 %; 1978) Spiel um Platz 3: 2× (8,7 %; 1934 und 1954) Vierter: 1× (4,3 %; 1934) Dritter: 1× (4,3 %; 1954)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay Die erste Fußball-Weltmeisterschaft fand auf dem südamerikanischen Kontinent in Uruguay statt. Es war die einzige Weltmeisterschaft, für die keine Qualifikationsspiele ausgetragen wurden. Wie einige andere europäische Nationen verzichtete auch der ÖFB auf die Teilnahme.
1934 in Italien mini|Matthias Sindelar, Österreichs erster WM-Torschütze
Für die erste WM in Europa konnte sich Österreich zusammen mit den Ungarn gegen Bulgarien qualifizieren. Nachdem die Ungarn zwei und die Österreicher ein Spiel hoch gegen die Bulgaren gewonnen hatten, wurden die übrigen Spiele nicht mehr ausgetragen.
In Italien trafen die Österreicher in ihrem ersten WM-Spiel im Achtelfinale auf Frankreich und geriet nach 18 Minuten in Rückstand. Matthias Sindelar konnte aber kurz vor der Halbzeitpause ausgleichen. Dabei blieb es auch bis zur 90. Minute, wodurch die erste Verlängerung in einem WM-Spiel notwendig wurde. In dieser konnte Österreich schnell mit 3:1 in Führung gehen, musste zwar in der 113. Minute noch den Anschlusstreffer durch einen verwandelten Handelfmeter in Kauf nehmen, rettete dann aber den Vorsprung und zog ins Viertelfinale ein. Hier war dann Ungarn der Gegner und Österreich konnte mit 2:1 gewinnen.fifa.com: „Österreich – Ungarn 2:1 (1:0)“ Es war bereits das 75. Spiel zwischen beiden Mannschaften. Im Halbfinale trafen die Österreicher dann auf Gastgeber Italien und verloren knapp mit 0:1, nach einer zweifelhaften Schiedsrichterleistung des Schweden Ivan Eklind, der sich damit für das Finale „empfahl“. Im Spiel um Platz 3 trafen die Österreicher auf Deutschland und verloren mit 2:3. Dabei geriet Österreich bereits nach 25 Sekunden durch ein Tor von Ernst Lehner mit 0:1 in Rückstand – das bis 1962 schnellste Tor nach Spielbeginn. In die ewige Rangliste stiegen sie damit auf Platz 8 ein, verabschiedeten sich als Mannschaft aber für 20 Jahre von der WM-Bühne.
1938 in Frankreich
In der Qualifikation für die WM in Frankreich hatte sich Österreich mit 2:1 gegen Lettland durchgesetzt und bekam bei der Achtelfinalauslosung Schweden zugelost. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 hörte aber Österreich auf, als selbständiger Staat zu existieren, und der ÖFB wurde aufgelöst. Sepp Herberger musste auf politischen Druck aus Berlin ein gemeinsames Team aus Spielern beider Nationalmannschaften bilden. Der österreichische Fußball gehörte damals zur Weltspitze, was sich auch nach dem Zusammenschluss in innerdeutschen Wettbewerben zeigte: gleich im „Anschluss“-Jahr 1938 wurde der SK Rapid Wien deutscher Pokalsieger, weitere nationale Titelgewinne Wiener Vereine folgten in den kommenden Jahren.
Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit gelang es Herberger jedoch nicht mehr, aus den beiden Altmannschaften, die jeweils zu den besten der Welt gehörten (WM-Dritter und -Vierter 1934), eine schlagkräftige gemeinsame Mannschaft zu formen. Die aus 13 Spielern aus dem „Altreich“ und neun Österreichern gebildete großdeutsche Mannschaft schied bereits im Achtelfinale aus – gegen den gemeinsamen Nachbarn Schweiz. Dabei ging die deutsche Mannschaft zwar durch Josef Gauchel im ersten Spiel in Führung, musste aber kurz vor der Pause den Ausgleich hinnehmen, bei dem es auch bis zur 120. Minute blieb. Im dadurch bedingten Wiederholungsspiel – Elfmeterschießen waren noch nicht erfunden worden – gelang sogar eine 2:0 in Führung durch ein Tor des Wieners Wilhelm Hahnemann sowie ein Eigentor der Schweizer. Die Schweizer konnten aber noch vor der Pause den Anschlusstreffer erzielen, in der zweiten Halbzeit das Spiel drehen und mit 4:2 gewinnen. Die Kraftanstrengung kostete die Schweizer aber das Vordringen ins Halbfinale, denn nach drei Tagen verloren sie im Viertelfinale gegen den späteren Vizeweltmeister Ungarn, die eine Woche Pause nach einem leichten Sieg gegen Niederländisch-Indien hatten. Österreich fiel durch die verhinderte Teilnahme aus den Top-10 der ewigen Rangliste.
1950 in Brasilien Österreich begann bereits im August 1945 wieder mit dem Länderspielbetrieb, wobei auch gegen Frankreich gespielt wurde, das erst 1952 wieder gegen Deutschland spielte, und hatte auch zur ersten WM nach dem Zweiten Weltkrieg gemeldet. Die Mannschaft sollte sich gegen die Türkei qualifizieren, verzichtete dann aber. Auch die Türkei und weitere qualifizierte Mannschaften verzichteten letztendlich.
1954 in der Schweiz
Für die WM im Nachbarland musste sich Österreich durch zwei Spiele gegen Portugal qualifizieren. Nach einem 9:1 in Wien reichte ein 0:0 in Lissabon. Anders als bei den folgenden Weltmeisterschaften wurden je Gruppe zwei Mannschaften gesetzt, die nicht gegeneinander spielen mussten, sondern nur gegen die beiden ungesetzten Mannschaften, die ihrerseits nicht gegeneinander spielen mussten. Den Österreichern wurde als gesetzte Mannschaft Titelverteidiger Uruguay zugelost sowie als ungesetzte Mannschaften WM-Neuling Schottland und die Tschechoslowakei, gegen die Österreich und Uruguay somit spielen mussten. Im ersten Spiel gegen Schottland gewann Österreich mit 1:0 gegen die Tschechoslowakei dann mit 5:0. Da auch Uruguay gegen beide gewann, womit dies die einzige Gruppe war, in der sich beide gesetzten Mannschaften durchsetzten, musste das Los entscheiden, wer Gruppensieger und -zweiter wurde, da die mehr erzielten Tore des Weltmeisters nicht zählten. Österreich wurde durch das Los Gruppensieger und traf im Viertelfinale auf den Gastgeber Schweiz. Das als Hitzeschlacht von Lausanne in die Geschichte eingegangene Spiel (es fand bei 40° im Schatten statt) wurde mit 7:5 gewonnen.fifa.com: Die "Hitzeschlacht von Lausanne" - das torreichste Spiel der WM-Geschichte Dabei führten die Schweizer bereits nach 19 Minuten mit 3:0, mussten dann aber fünf Gegentore hinnehmen, ehe ihnen der 4:5-Anschlusstreffer gelang. Die weiteren Tore fielen dann abwechselnd. Es ist bis heute das WM-Spiel mit den meisten Toren. Einige Spieler, so der österreichische Tormann Kurt Schmied und der Schweizer Roger Bocquet überstanden das Spiel nicht unbeschadet. Schmied erlitt bereits in der ersten Halbzeit einen Sonnenstich und wurde vom Masseur seiner Mannschaft dirigiert, der hinter dem Tor stand, und Bocquet brach in der Schlussphase aufgrund eines Hirntumors zusammen. Die entkräftete österreichische Mannschaft ging dann im Halbfinale mit 1:6 gegen den späteren Weltmeister Deutschland unter. Im Spiel um Platz 3 kam es dann doch zum Spiel gegen den bereits entthronten Titelverteidiger, der im Halbfinale gegen WM-Favorit Ungarn mit 2:4 verloren hatten. Mit 3:1 gewann Österreich das kleine Finale und hat damit die bis heute beste Platzierung bei einer WM erreicht. Zudem sprangen die Österreicher in der ewigen Rangliste auf Platz 6, ihre bis dato beste Platzierung. Teamchef Walter Nausch blieb noch für zwei Spiele im Amt, die aber beide verloren wurden, und wechselte dann zu FK Austria Wien, verstarb aber bereits drei Jahre später.
1958 in Schweden
Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 konnte sich Österreich wieder qualifizieren. Gegner waren die Niederlande und Luxemburg. Nach dem Rücktritt von Walter Nausch hatten sich zunächst mehrere Trainer als Teamchefs abgelöst, in die Qualifikation ging Österreich dann mit dem Betreuerduo Josef Argauer und Josef Molzer. Mit drei Siegen und einem Remis gelang ihnen die Qualifikation souverän.